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Shaqiri muss Bayern verlassen!

Fabian Ruch am Mittwoch den 17. Juli 2013
xxx during the last training session prior the Champions League, round of 16, second leg soccer match between FC Bayern Munich and Arsenal London, in Munich, Germany, Tuesday, March 12, 2013. (AP Photo/Matthias Schrader)

Wird Shaqiri bei den Bayern genug gefordert? Im Bild: Xherdan Shaqiri während des Trainings, 12 März 2013. (AP Photo/Matthias Schrader)

Xherdan Shaqiri besitzt aussergewöhnliche Fähigkeiten, er kann einmal ein Weltklassespieler sein. Vorerst soll er nächste Saison die Schweiz an die WM führen, am besten als Spielmacher im Zentrum und nicht als Flügelspieler, wo er mit seiner Sonderbegabung im Nationalteam total verschenkt ist.

Aber ein anderes Thema ist im Moment wichtiger: Xherdan Shaqiri muss Bayern München in diesem Sommer verlassen, wenn er den nächsten Schritt in seiner Karriere realisieren will. Er ist immer noch erst 21 Jahre alt, er benötigt in der nächsten Saison vor allem eines: Spielpraxis!

Bei Bayern München aber, im 4-1-4-1-System des neuen spanischen Trainers Pep Guardiola, kämpft Shaqiri gegen gestandene Weltklassespieler. Franck Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller, Toni Kroos, Mario Götze, Thiago Alcantara sowie die defensiven Aufbauer Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Luiz Gustavo sind die neun Konkurrenten um die Besetzung der fünf Mittelfeldpositionen. Selbst wenn Götze als «falscher Neuner» im Sturm aufgestellt wird und Martinez in die Innenverteidigung rückt, wie Beobachter vermuten, wird Shaqiri kaum sofort zur Stammkraft aufsteigen.

Wird Shaqiri seinen Platz in einer Guardiola-Mannschaft finden? Im Bild: Traing der Bayern mit Pep Guardiola,

Wird Shaqiri seinen Platz in einer Guardiola-Mannschaft finden? Im Bild: Training der Bayern mit Pep Guardiola, 26. Juni 2013. (Keystone/ Peter Kniffel)

Shaqiri gilt zwar als perfekter Guardiola-Spieler, weil er klein, schnell, wendig, spielintelligent ist. Doch realistisch gesehen stehen Ribéry, Götze, Kroos, Müller und Guardiola-Liebling Thiago in der Hierarchie im offensiven Bayern-Mittelfeld noch vor ihm. Der manchmal egoistische Robben könnte bei Guardiola dagegen einen schwierigen Stand haben. Aber selbst der Holländer besitzt als Siegschütze im Champions-League-Final gegen Dortmund und wegen seiner absoluten Sonderklasse natürlich noch einen höheren Status als Shaqiri. Und: Möglicherweise ist Schweinsteiger bei Guardiola ebenfalls fürs offensive Mittelfeld vorgesehen – dann wird es noch enger für Shaqiri.

Xherdan Shaqiri blickt ja auf ein ordentliches erstes Jahr beim Triple-Gewinner Bayern zurück. Er hat in Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal triumphiert und wurde regelmässig eingesetzt oder zumindest eingewechselt. Aber irgendwie war er trotz guter Leistungen und einiger Tore und Assists bloss ein Mitläufer. Wenn es wirklich ernst wurde, musste der Schweizer in den grossen Partien immer auf die Bank – obwohl Kroos am Ende monatelang verletzt ausfiel. Jetzt sind mit Götze und Thiago die zwei Wunschspieler von Guardiola dazugekommen. Sie werden bestimmt Fixkräfte sein.

Selbstverständlich ist es Shaqiri zuzutrauen, sich mit seinen Qualitäten bereits in der nächsten Saison bei Bayern durchzusetzen – zumal es jederzeit Verletzungen anderer Akteure geben kann. Aber die Gefahr ist für den besten Schweizer Fussballer gross, bestenfalls erneut ein wertvoller Ergänzungsspieler zu sein. Schlauer wäre es deshalb, wenn sich der 21-Jährige für ein Jahr ausleihen liesse. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob sein Arbeitgeber im nächsten Jahr Liverpool, Leverkusen oder Napoli heisst. Es ist auch nicht von zentraler Bedeutung, ob er Champions League spielen kann. Entscheidend ist, dass Shaqiri als Leistungsträger firmiert und Spiel für Spiel in einer grossen Liga gefordert wird.

Dann profitieren alle Parteien davon. Der neue Verein erhält ein motiviertes, begabtes, spielfreudiges Fussballjuwel mit beträchtlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bayern werden im nächsten Sommer einen selbstbewussten, besseren Spieler wieder im Team begrüssen können. Shaqiri wiederum kann bei einem internationalen Spitzenklub weiter reifen und dabei erheblich mehr Verantwortung übernehmen als in München. Und das Schweizer Nationalteam schliesslich darf in den entscheidenden WM-Qualifikationspartien im Herbst auf einen fitten Shaqiri, der über reichlich Spielpraxis verfügt, setzen. Und an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sowieso.

Was denken Sie? Soll Shaqiri Bayern verlassen? Und wohin? Oder setzt er sich bereits nächste Saison in München unter Trainer Pep Guardiola durch?

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