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Ein Grosser verlässt still die Bühne

Annette Fetscherin am Donnerstag den 30. Mai 2013

Wird wohl am Sonntag die Bühne des Schweizer Fussballs verlassen: Hakan Yakin beim Spiel Bellinzona gegen Wil am 22. April 2013. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Die Saison neigt sich dem Ende zu und das Wochenende wird die letzten Zweifel um Sieger und Verlierer der Spielzeit beseitigen. Alles was bleibt, ist die Vorfreude auf den Juli. Und etwas, oder vielmehr jemand, droht dabei in Vergessenheit zu geraten.

Nach Schlusspfiff des Derbys zwischen Lugano und der angezählten AC Bellinzona wird am Sonntag ein grosser des Schweizer Fussballs wohl für immer die Bühne verlassen. Kaum jemand rechnet noch damit, dass die AC Bellinzona diesen tristen Sommer überlebt, der bisher noch nicht einmal des Namens Frühling würdig ist. Und Hakan Yakin dürfte wohl in diesen Tagen seine Fussballschuhe still und leise an den Nagel hängen.

Ein begnadeter Spielmacher zwischen Genie und Wahnsinn, oft missverstanden und auch gerne mal belächelt. Sein Talent stets unbestritten, meinte es besonders das Ausland ganz und gar nicht gut mit Hakan Yakin. In Stuttgart wurde er aus dem Trainingsbetrieb verbannt, in Paris sein Transfer annulliert. Den Abstecher nach Katar liess er sich vergolden, doch hätte er es als einer der wenigen Schweizer, denen der Glamourfaktor durch die Venen fliesst, kaum nötig gehabt.

War auch stets ein Schlüsselspieler der Schweizer Nati: Yakin bei einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfo)

War auch stets ein Schlüsselspieler der Schweizer Nati: Yakin bei einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine. (Bild: Keystone)

Ich persönlich habe ihm immer gerne zugeschaut. Habe bei Länderspielen nur darauf gewartet, dass er etwas Geniales anstellt. Weil er immer Gefahr und Unberechenbarkeit ins Spiel gebracht hat. Weil niemand, nur er selbst, sich stoppen konnte. Auch wenn zeitweise sein Gewicht, sein Fitnesszustand und seine Vaterschaftsverhältnisse wichtiger zu sein schienen, als sein fussballerisches Potential. Als Journalistin erlebe ich ihn stets ausserordentlich freundlich. Immer schüttelt er einem die Hand, ist höflich und stellt sich den Fragen, egal was gerade wieder in der Zeitung gestanden hat. Er hat Witz und scheut sich nicht vor Selbstironie. Auch wenn die Antworten zuweilen einsilbig ausfallen, sie sind stets ehrlich. Hakan Yakin ist keiner, der sich verstellt. Und dafür wurde er in seiner Karriere oft genug bestraft.

In der Schweiz versuchte er sich bei Basel, GC, St. Gallen, YB, Luzern, Bellinzona – beinahe ist die Liste, wo er nicht war, kürzer. Hakan Yakin war als Fussballer ein Suchender. Hat in der Hoffnung, sein Glück und seine Bestform zu finden, die ganze Schweiz bereist. Gefunden hat er es auch in Bellinzona nicht. Der 6-Jahresvertrag mit Perspektive für die Zukunft klang zwar verlockend, entpuppte sich aber, wie so vieles bei der ACB als trügerischer Schein. Noch ist nicht klar, ob sich der Mittelfeldspieler nach einem Aus in Bellinzona auf die Suche nach einem anderen Verein machen würde. Doch fest steht, dass Hakan anderes verdient hätte, als seine letzten Tage als Aktiver mit gekappter Internetleitung in einer Wohnung zu verbringen, dessen Miete der Verein nicht bezahlt.

Alex Frei hatte einen Abschied, wie er einem grossen Fussballer gebührt. Mit Tränen, Scheinwerferlicht und einem Traumtor als Zugabe. Ein solcher würde auch Hakan Yakin zustehen. Sein Genie und sein linker Fuss werden der Fussballschweiz fehlen.

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