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Die Abseitsregel gehört abgesetzt!

Steilpass-Redaktion am Mittwoch den 10. April 2013

Dortmund schafft dank einem Offsidetreffer zum 3:2 den Einzug in die Halbfinals der Champions League. Das ist falsch, aber trotzdem fair. Denn auch das 2:1 von Malaga war ein Tor im Abseits. Die Regel hat ausgedient, findet Newsnet-Sportredaktor Sebastian Rieder.

Wut? Verzweiflung? Oder einfach nur Ohnmacht? Die Gefühle der Malaguenõs nach dem Aus gegen den BVB im Viertelfinalrückspiel sind nur schwer in Worte zu fassen. Einfach zu beschreiben, sind die wohl verrücktesten 69 Sekunden der Fussballgeschichte. Wie Manchester United beim 2:1-Sieg von 1999 im Champions-League-Final gegen Bayern München gelingt Dortmund in der Nachspielzeit gegen Malaga die Sensation: Marco Reus besorgte den Ausgleich, ehe Santana im Offside die Spanier ins Elend stürzte. Malaga-Scheich Nasser al-Thani wittert eine Verschwörung: «Ich hoffe, es kommt zu Untersuchungen durch die Uefa, nachdem der spanische Club auf diese Art und Weise ausgeschieden ist. Das schadet dem Geist des Sports. Das hat mit Fussball nichts zu tun, das ist Rassismus – eindeutig.»


Das Wort Rassismus ist eine verbale Eruption der Emotionen, völlig deplatziert. Die Kritik ist aber angebracht, auch wenn sich der Clubbesitzer nicht beschweren darf. Denn Eliseu stand beim 2:1 von Malaga genau so klar im Abseits wie Santana beim Siegestreffer. Dass der Schiedsrichter und seine Assistenten gleich zweimal eine Offsideposition übersehen, ist eine Schande für den Fussball. Immer wieder proklamiert die Uefa und die Fifa das Fairplay, bei der Umsetzung des Reglements scheitern die Schiedsrichter aber jede Woche – in allen Ligen – von der Königsklasse bis zur Alternativliga.

Offensichtlich ist das menschliche Auge damit überfordert, Passabgabe und Position der Spieler auf Höhe des Abwehrriegels gleichzeitig zu erfassen. Entsprechend verärgert äusserte sich Malaga-Verteidiger Martin Demichelis: «Es ist unglaublich, dass fünf Schiedsrichter das nicht sehen. Was für ein Diebstahl!» Auch wenn er den illegalen Führungstreffer zum 2:1 verschweigt, hat er recht. Die Fehlentscheide wie beim BVB-Sieg verfälschten das Spiel massiv. Die englische Fussball-Legende Gary Lineker hat das Skandalspiel auch gesehen, und kann sich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen. «In Dortmund haben sie mit der Keine-Abseitsregel experimentiert.»

Die zynische Analyse müsste die Fifa zum Umdenken bewegen: Die Abseitsregel gehört abgesetzt! Verfechter der Regel argumentieren damit, dass weniger spielstarke Teams nach der Aufhebung dann nur noch mit hohe Bällen operieren. Gut möglich, aber wird das Spiel dadurch unattraktiv? Wohl kaum. Für die sturen Offsidebefürworter dürfte vielleicht dieser Vorschlag deutlich mehr Anklang finden: Die Absetzung der Abseitsregel innerhalb des Strafraums. Wer den entscheidenden Pass innerhalb der Strafraumgrenze schlägt, ist von der Abseitsregel befreit. Wäre diese Idee bereits im Reglement verankert, hätte zumindest das erste Offsidetor in Dortmund gezählt.

Sebastian Rieder ist Sportredaktor und Videojournalist bei Newsnet.

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