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Basel ist reif für einen internationalen Titel

Alexander Kühn am Freitag den 5. April 2013
Fabian Frei und Gareth Bale kämpfen um den Ball, 4. April 2013. (Keystone/Jean-christoph Bott)

Basel kann die Europa League gewinnen: Fabian Frei (l.) und Gareth Bale kämpfen um den Ball, 4. April 2013. (Keystone/Jean-Christoph Bott)

In diesen Tagen vom «kleinen FC Basel» zu sprechen, ist etwa so angebracht, wie den Frühling 2013 als wonnige Sonnenzeit zu bezeichnen. SRF-Moderator Päddy Kälin tat es gestern in der Halbzeitpause der Europa-League-Partie bei Tottenham trotzdem und erntete vom gewöhnlich recht devoten Experten Andy Egli entschiedenen Widerspruch, was sein Dauergrinsen für einen kurzen Moment erstarren liess. Tatsächlich traten die Basler an der White Hart Lane, wo Inter Mailand in den Achtelfinals mit 0:3 unter die Räder geraten war, derart beeindruckend auf, dass man sich die Frage stellen muss, ob sie gar als erste Schweizer Mannschaft einen europäischen Clubwettbewerb gewinnen können.

Gewiss, der Weg – es wären mit dem Final am 15. Mai in Amsterdam noch vier Partien – ist weit, der FCB verfügt aber über alle Qualitäten, um den grossen Coup zu landen. In der Person von Murat Yakin ist ein hervorragender Trainer ebenso da wie die von Stürmer Marco Streller verkörperte Erfahrung und aussergewöhnlich viel Talent – vor allem auf den Flügeln, wo Mohamed Salah und Valentin Stocker mit Tempo und Ideen brillierten. Die «Sun», Grossbritanniens grösste Boulevardzeitung, befand, Stocker sei für die Spurs-Defensive zu heiss gewesen und Salah habe die Balance einer Ballerina an den Tag gelegt. Der Ägypter war für die «Sun» gar der «Man of the Match», eine Auszeichnung, auf die er sich durchaus etwas einbilden kann. Schlechte Chancenauswertung hin oder her.

Spätestens seit sie in der Gruppenphase der vergangenen Champions-League-Saison das grosse Manchester United aus dem Rennen geworfen haben, glauben die Basler auch fest daran, Taten realisieren zu können, die man anderswo in der Schweizer Fussball-Landschaft gar nicht erst ernsthaft in Angriff nehmen würde. So reagierten sie nach dem 2:2 nicht etwa mit Resignation, sondern starteten neuerliche Angriffe, um den dritten Treffer zu realisieren. Droit au but – geradewegs aufs Tor zu – ist zwar der Wahlspruch von Olympique Marseille, er passt jedoch auch bestens zu diesem erfrischend mutigen FCB des Jahres 2013.

Vor allem aber legen die Spieler von Murat Yakin für den vermeintlichen Verliererwettbewerb Europa League eine Begeisterung an den Tag, die weit über das Commitment der übrigen sieben Viertelfinalisten hinausgeht. Robert Hodges vom britischen TV-Sender Sky Sports brachte es auf den Punkt, als er schrieb, der FCB spiele einen Fussball, der einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubere.

Und noch ein Detail lässt die Fussball-Schweiz davon träumen, dass die im Juniorenbereich schon erlebten Titelfreuden auch bei den Grossen für eine helvetische Equipe möglich sind: Der FC Basel kann es sich erlauben, den Grossteil seiner Kräfte für die Europa League zu bündeln. Anders als Tottenham, das vor allem Rang 3 in der Premier League und den damit verbundenen fixen Champions-League-Startplatz erreichen will, oder Chelsea das derzeit auf Rang 4 liegt, dürften die Basler ihr Ziel in der heimischen Meisterschaft ohnehin erreichen.

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