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So ein GC braucht die Liga!

Mämä Sykora am Montag den 3. Dezember 2012
(Keystone)

Spielt ein Club wie GC gut, profitieren alle: GC-Fankurve, 2. Dezember 2012. (Keystone)

18’400 Zuschauer waren gestern Nachmittag im Letzigrund, obwohl die Temperaturen um den Gefrierpunkt lagen und der eine am Spiel beteiligte Verein in einer tiefen Krise und bedrohlich nahe am Strich feststeckt. Über einen solchen Aufmarsch kann man in Basel und Bern nur lächeln und auch in St. Gallen oder Luzern kann das niemand erstaunlich finden, in Zürich aber gibt es in einem solchen Fall Applaus von den Rängen, wenn der Stadionspeaker die Zuschauerzahl bekannt gibt.

Dass Zürich keine Sport- und schon gar keine Fussballstadt ist, ist hinlänglich bekannt. Der Stellenwert unseres Lieblingssports ist verniedlichend gesagt bescheiden in der grössten Schweizer Stadt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Ein Drittel der 390’000 Einwohner sind Ausländer, vom Rest ist über die Hälfte aus einem anderen Kanton zugewandert und hat eher dort den Herzensverein. Damit verbleiben gerade mal 130’000 Personen, von denen sich die Sportinteressierten nicht nur auf zwei Fussballvereine aufteilen, sondern die auch noch vom ZSC und den EHC Kloten umworben sind. Dies ist zumindest eine Erklärung für das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahlen und Stadiongängern in Zürich.

Hinzu kommt, dass es längst nicht nur ein Segen ist, dass die Stadt gleich zwei Vereine in der Super League stellt. Während Stadtpräsidenten, Theaterhausdirektoren, Stadtoriginale, Wirtschaftsvertreter und andere Aushängeschilder der Stadt sich anderswo bedenkenlos als Fans ihres Vereins outen können, weil die ganze Stadt hinter dem gleichen Klub steht, ist die Hemmschwelle bei Zürchern gross, weil man damit Anhänger des Rivalen brüskieren würde. Und gerade solche Aushängeschilder tragen ihren Teil dazu bei, dass der Fussball zum Thema wird, sei es in Alltagsgesprächen oder in den Medien.

FCZ-Spieler Raphael Koch wird von GC-Spieler Amir Abrashi gestoppt. (Keystone)

FCZ-Spieler Raphael Koch wird von GC-Spieler Amir Abrashi (l.) gestoppt. (Keystone)

In Zürich braucht es etwas Anderes, damit der Fussball zumindest einigermassen wahrgenommen wird in der Stadt. Nämlich ein erfolgreiches GC. Trotz der dürren letzten Jahre ist der Mythos nicht verblasst. GC-Fans (oder zumindest Sympathisanten) gibt es noch immer viele, nur waren sie lange Zeit zu erfolgsverwöhnt, wie die spärlich besuchten Meisterfeiern etwa in den Neunzigern bewiesen. Nach der Ablösung als Branchenprimus durch den FCB und vor allem der sportlichen Talfahrt namentlich in der letzten Saison, dürstet man in diesem Lager nach Erfolgen. Und plötzlich können sich einige doch wieder zu einem Stadionbesuch aufraffen.

Der FCZ hingegen wurde in den letzten Jahren zum «Selbstläufer». Selbst im Tabellenkeller und bei wenig glamourösen Affichen ist zumindest die Südkurve gut gefüllt. Das Sportliche hat hier nur bedingt einen Einfluss auf die Besucherzahlen, noch immer steht der FCZ deutlich besser da als der Stadtrivale. Die leidgeprüften Fans werden auch weiterhin in den Letzi pilgern und darauf hoffen, dass diese kurze Phase, in der man die Nummer Eins in der Stadt war, bald eine Fortsetzung findet.

Das wieder erstarkte GC sorgt derzeit dafür, dass Fussball endlich wieder einmal ein Thema ist in der Stadt. Das hilft nicht nur in Sachen Zuschauerzahlen, sondern kann auch anderweitig den Vereinen zugute kommen. Ist Fussball ein Thema, interessiert das auch Sponsoren und Geldgeber, die einen der beiden Stadtvereine unterstützen wollen. Und dies nicht nur in Zürich: Wenn sich das renommierte GC wieder zum ernsthaften Titelkandidaten entwickeln sollte, hat das auch auf den FCB, YB, Luzern & Co. einigen Einfluss. Niemand hat die Zeit vergessen, in der GC die Liga beinahe nach Belieben dominierte und damit für alle Vereine zum Erzrivalen wurde. Und Rivalität belebt das Geschäft enorm.

Je mehr Gegner mit einem solchen Renommee wie GC in der Liga spielen, desto attraktiver ist die Liga. Natürlich nur, wenn die aktuellen sportlichen Leistungen einigermassen mit dem Renommee mithalten können. Bei GC ist dies nun endlich wieder der Fall. Für die Super League ist dies ein Segen.

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