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Wie Fairplay aussieht – und wie nicht

Mämä Sykora am Donnerstag den 22. November 2012

Schachtar Donezks Brasilianer Luiz Adriano verstiess vorgestern im Champions-League-Spiel gegen FC Nordsjælland gegen jegliche Regeln des Fairplays (siehe Video oben). Nach einem Schiedsrichterball wollte Willian den Dänen den Ball zurückspielen, Luiz Adriano hatte jedoch anderes im Sinn: Er ersprintete den Ball, umkurvte den fassunglosen Keeper und schob zum 1:1-Ausgleich ein. Für den übermotivierten Stürmer hier einige Anschauungsbeispiele, wie Fairplay wirklich aussieht.

Arsène Wenger (Arsenal), 1999:
In der 5. Runde des FA-Cups 1998/99 zwischen Arsenal und Sheffield United wollte Ray Parlour den zuvor vom Sheffield-Keeper einer Verletzung wegen ins Aus spedierten Ball zurückgeben. Davon wusste aber Debütant Nwankwo Kanu nichts. Er holte sich den Ball und legte ihn Marc Overmars auf, der den Siegtreffer erzielte. So einen Sieg wollte Arsène Wenger nicht haben und offerierte ein Wiederholungsspiel, das sein Team wiederum mit 2:1 gewann.

Ajax Amsterdam, 2005:
Auch ein als faire Rückgabe gedachter Ball kann zum Problem werden: Im holländischen Pokal wurde ein solcher von Jan Vertonghen immer länger und schlug hinter dem machtlosen Keeper von Cambuur ein. Die ratlosen Ajax-Spieler fanden aber einen Weg zur Wiedergutmachung und liessen die Gäste ohne Gegenwehr einen Treffer erzielen.

Valter Birsa (AJ Auxerre), 2009:
Schiedsrichter sind nun mal nicht unfehlbar. Nach einem Zusammenstoss zwischen Birsa und OM-Akteur Bakari Koné blieb der Slowene am Boden liegen und der Referee zeigte dem erstaunten Koné rot. Kaum stand der Auxerre-Stürmer wieder, verlangte er vom Unparteiischen, diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen. «Koné hat nichts Verbotenes getan, sondern nur seine Hand auf meinen Rücken gelegt. Wir kämpften um den Ball und er fiel auf mich», klärte er später auf.

Costin Lazar (Rapid Bukarest), 2009:
Auch Rapid-Stürmer Lazar hatte schon den Mut, den Schiri umzustimmen. Nachdem er im Strafraum korrekt von einem Otelul-Verteidiger vom Ball getrennt worden war, bekam er einen Strafstoss zugesprochen, den er aber partout nicht annehmen wollte.

Marius Ebbers (FC St. Pauli), 2012:
Solche Fairplay-Aktionen fallen einem leicht, wenn man schon komfortabel in Führung liegt oder es um nichts mehr geht. Im Spiel St. Pauli gegen Union Berlin im April dieses Jahres stand es allerdings 1:1 und für Pauli ging es um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Da erzielte Stürmer Marius Ebbers 10 Minuten vor dem Ende einen Treffer mit einer Kombination aus Kopf und Oberarm. Der Schiedsrichter wollte den Treffer anerkennen, doch Ebbers gab das Handspiel zu. Dafür gab’s von Mitspieler Fin Bartels das erlösende Tor in der Nachspielzeit und vom DFB die «Fair ist mehr»-Medaille.

Vittorio Esposito (US Termoli), 2012:
Und es geht noch dramatischer: Im Viertelfinal-Rückspiel des italienischen Amateurpokals steht es nach dem Remis im Hinspiel 1:0 für Sassari Torres, als Termoli-Stürmer Vittorio Esposito in der Nachspielzeit ohne Kontakt eines Verteidigers im Strafraum zu Boden geht und dafür mit einem Elfmeter belohnt wird. Die Last des Betrugs wog aber doch zu schwer auf den Schultern von Esposito, der gleich selber zum Elfer antrat und ihn absichtlich verschoss. Somit war sein Team ausgeschieden, er hingegen zu einem Held des Fairplays geworden.



Was halten Sie von Luiz Adrianos Tor? Welche Beispiele von unfairen oder besonders fairen Spielsituationen fallen Ihnen ein?

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