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Die Weichen auf Meisterschaft gestellt

Mämä Sykora am Montag den 19. November 2012
Der FC Basel kann noch vor der Winterpause an die Tabellenspitze vorstossen: Valentin Stocker, Alex Frei und Marco Streller feiern einen Treffer, 18. November 2012. (Keystone)

Der FC Basel kann noch vor der Winterpause an die Tabellenspitze vorstossen: Streller, Stocker und Degen feiern einen Treffer, 18. November 2012. (Keystone)

Natürlich wurde im Anschluss in erster Linie über die Fehlentscheide des abtretenden Schiedsrichter Daniel Wermelinger diskutiert. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass sowohl Basels drittes wie auch das vierte Tor Offsidetreffer waren. Das ist ärgerlich, sowohl für die GC-Fans wie auch für Wermelinger selber, war es doch seine Abschiedsvorstellung. Jedoch sind es nicht diese Fehler des Unparteiischen, die nach dem gestrigen Spitzenspiel für Gesprächsstoff sorgen sollten, und schon gar nicht sollten wieder diese ermüdenden Verschwörungstheorien aufkommen, nach denen die Swiss Football League ihre Referees zu baselfreundlichen Entscheiden anhalten soll, die Quintessenz des gestrigen Spieltags war nämlich vor allem jene, dass die überraschend begonnene Meisterschaft nun endgültig in die erwarteten Bahnen gelenkt worden ist.

Selbst wenn die beiden Tore von Alex Frei gestern zu Recht annulliert worden wären, hätte der Gast aus Zürich noch immer zwei Tore erzielen müssen, um auch nur einen Punkt zu entführen. Und das auswärts bei einem ziemlich souveränen und nur noch einer Viertelstunde verbleibender Spielzeit. Das ist zwar nicht unmöglich, aber doch zumindest eher unwahrscheinlich. Mit dem Sieg über den Leader kann der FC Basel die nach den vielen Abgängen vermutete schwierige Startphase als überstanden ansehen und muss nun wieder als Titelkandidat Nummer Eins gelten. Die Konkurrenz hat es wie schon im letzten Jahr nicht geschafft, die Basler Anlaufschwierigkeiten auszunutzen und einen ansprechenden Punktevorsprung herauszuspielen, nun fehlen dem Meister noch gerade mal drei Punkte, um sich wieder an die Spitze zu setzen, was sogar noch vor der Winterpause geschehen könnte. Mit dem wiedergewonnenen Selbstvertrauen der Rot-Blauen ist der Verlauf der Rückrunde vorprogrammiert.

David Degen jubelt über seinen Treffer. (Keystone)

David Degen jubelt über seinen Treffer. (Keystone)

Schade natürlich um die Spannung, aber im Grunde musste dieser Zusammenschluss erwartet werden. Ob weiter mit Heiko Vogel oder neu mit Murat Yakin: Am FCB kommt in der Schweiz nur vorbei, wer während einer Schwächeperiode des Ligakrösus konstant und ohne Ausrutscher bleibt. Denn im direkten Vergleich gibt es gegen Basel kaum was zu holen, wenn dessen Spieler wissen, was auf dem Spiel steht. Der FCB ist sich solche grossen Spiele aus der Champions League gewohnt, kann in solchen Momenten meistens eine sehr gute Leistung abliefern, und vor allem wird dann die Wichtigkeit eines breiten Kaders offensichtlich. Gegen GC wechselte Yakin Díaz, Salah und Frei ein, Uli Forte musste auf Feltscher, Paiva und Adili zurückgreifen. Nichts gegen die Letztgenannten, aber das ist nun mal ein ziemlicher Qualitätsunterschied.

Dass GC mit einem derart schmalen Kader noch immer an der Spitze steht, ist erstaunlich, ein ernsthafter Titelkandidat wird man so indes nicht. Üblicherweise sind bei GC mit Feltscher, Paiva, Mustafi und Gashi vier der sechs Auswechselfeldspieler Offensivleute, im Mittelfeld und in der Abwehr bleiben Forte kaum Optionen, weder bei Formschwäche noch bei Verletzungen. Gegen Basel war Salatic, einer der wichtigsten GC-Akteure, gesperrt – eine zu schwere Bürde für die Hoppers. Im Gegensatz dazu kann es sich Basel leisten, Goalgetter Frei über eine Stunde auf der Bank zu lassen – neben ihm und den anderen Eingewechselten nehmen zudem noch Park und Zoua Platz. Das ist genau jener Unterschied, der die Meisterschaft wieder zugunsten der Basler entscheiden wird.

Stolpern kann der FCB nur über sich selber. Nämlich dann, wenn Unruhe aufkommt, frischfröhlich gefeuert und gewechselt wird wie etwa in Sion. Doch dafür ist der FCB zu solide, zu überlegt und zu clever. In Panik geraten könnte man nur, wenn der Punkterückstand bereits bedrohliche Ausmasse annehmen würde. Diese Gefahr ist seit gestern gebannt. Und deshalb wird der Schweizer Meister 2013 einmal mehr FC Basel heissen.

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