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Trikotwerbung: Ein Freudenhaus für die Frommen

Steilpass-Redaktion am Samstag den 29. September 2012

Ein Gastblog von Florian Lehmann.

Wer kein Geld hat, wird kreativ: Werbung für das lokale Bordell auf den Trikots.

Wer kein Geld hat, wird kreativ: Werbung für das lokale Bordell auf den Trikots des griechischen Vereins Voukefalas. (Foto: PD)

In der Not isst der Teufel fliegen, sagt der Volksmund. Angesichts der Wirtschaftskrise in Griechenland ist dieser Satz mehr als nur ein Sprichwort. Weil Sponsoren ausbleiben, greifen griechische Clubs zu ungewöhnlichen Massnahmen. So tragen die Fussballer des Regionalvereins Paliopyrgos auf ihrem Trikot die Aufschrift «Bestattungsunternehmen Karaiskaki 53» mit einem hellblauen Kreuz auf schwarzem Dress. Das mag makaber klingen, spült aber doch etwas Bares in die klamme Clubkasse.

Trikotwerbung für ein Bestattungsunternehmen.

Auch der griechische Regionalverein Paliopyrgos hat einen Trikotsponsor: Ein Bestattungsunternehmen unterstützt Fussball. (Foto: PD)

Einen Sponsor mit freudigerem Lebensinhalt hat der Verein Voukefalas, der in der Lokalliga der Stadt Larissa auf Punktejagd geht, gefunden. Die wackeren Fussballer tragen während ihres Kampfes auf dem Sportplatz auf ihren Shirts die Aufschrift «Freudenhaus Soula». Kein Wunder, verlor bei einem Freundschaftsspiel die gegnerische Mannschaften gelegentlich die Konzentration. Der Präsident von Voukefalas verteidigt seine ungewöhnliche Trikotwerbung: «Wir sind gezwungen, mit diesem Sponsor anzutreten. Der griechische Fussball-Verband unterstützt uns nicht mehr.» Wo Herr Präsident recht hat, hat er recht. Die Zusage der Verbandsfunktionäre, wonach der «Puff»-Verein in diesen Leibchen auch die Meisterschaft bestreiten darf, steht noch aus.

Wer jetzt wieder einmal hämisch in Richtung Hellas grinst, vergisst eines: Diskussionen über Werbesponsoren, die sich im Fussball engagieren möchten und bei denen das Thema Sex die Hauptrolle spielt, gab es auch in anderen Ländern. So wollte beispielsweise der Deutsche Fussballbund dem FC Bad Homburg  verbieten, Werbung für einen Kondomhersteller zu machen.

Der Zuercher Skelzen Gashi, links, gegen den Genfer Geneseric Kusunga, rechts, beim Fussballspiel der Super League Grasshoppers Club Zuerich gegen Servette FC in Zuerich am Sonntag, 12. August 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ein Trikot für Zürich: GC-Spieler Gashi (l.) im Zweikampf mit dem Genfer Kusunga, 12. August 2012. (Foto: Keystone)

Hierzulande wäre das vermutlich nicht anders: Man stelle sich vor, einer der beiden Zürcher Super-League-Clubs FCZ oder GC käme in der verzweifelten Suche nach einem Trikotsponsor auf die Idee, für Kondome oder ein Freudenhaus zu werben. In einer Stadt, in der zurzeit ernsthaft diskutiert wird, ob das älteste Metier der Welt verboten werden sollte, wäre das kaum vorstellbar. Die Zürcher Moralapostel in der Politik, in den Redaktionsstuben und auf der Strasse würden vermutlich Sturm laufen. Da scheint der Leibchensponsor von GC wohl eher ins Konzept zu passen. Eine Halbzeit lang werben die Spieler heuer brav für: Fromm.

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13 Kommentare zu “Trikotwerbung: Ein Freudenhaus für die Frommen”

  1. Franz sagt:

    Da fehlt mir die Konsequenz: Sterben ist krisenresistent, deshalb macht die Werbung Sinn. Wenn im Krisenland Hellas jedoch Geld für den Puffbesuch vorhanden ist, wirft das Fragen auf.

  2. Theo Sprecher sagt:

    Wir Schweizer sind nicht besser als die Griechen, will sagen, dass auch in der Schweiz ist so etwas sehr wohl möglich ist. So hat der Fussballklub der Stadtpolizei Winterthur ein Zeit lang mit T-Shirts des ortsansässigen Nachtklubs “Baccara” gespielt.

  3. Gion sagt:

    Der letzte Absatz ist Makulatur: Vor zehn Tagen hat der HC Thurgau auf einen Sponsor aus dem Rotlichtmilieu verzichten müssen, weil das gegen das Reglement der Schweizer Eishockeyliga verstösst. Es gibt wohl etwas Ähnliches auch im Fussball.

  4. Steiner78 sagt:

    Herr Lehmann, laut ihrer Kurzbio haben sie “lange in England gelebt”. Kann es sein, dass sie sehr, sehr, sehr lange in England gelebt haben? Das ist nun schon ihr zweiter Steilpass-Beitrag, bei dem ich mich frage, ob sie sich ihrem Geburtsland nicht ein wenig entfremdet haben. Zuerst finden sie, der Schweizer Politik täte es gut, gäbe es dort auch solche Klartext-Polteris wie Hoeness – währenddessen die schweizerische Politik schon seit mehr als fünfzehn Jahren teilweise von ebensolchen beherrscht wird. Nun wähnen sie einen Sturmlauf von Zürcher Moralaposteln, würde ein Zürcher Fussballklub einen Kondomhersteller als Leibchensponsor wählen – tschuldigung, gibt es irgendwo in der Schweiz noch ein zweites Zürich, von dem ich nichts weiss? Ziemlich an der Realität vorbei. Ich habe auch noch nicht bemerkt, dass in Zürich ernsthaft über ein Prostitutionsverbot debattiert wird – ein (unterirdisch schlechter) Mamablog-Beitrag macht noch keinen Sommer. Wenn schon würde man sich wegen der Ausbeutung der Frauen und Ausnutzens ihrer Notlage über Bordellwerbung auf Fussballerleibchen empören, aber da fände ich den Begriff “Moralapostel” nicht angebracht.

    • Nicolas sagt:

      Herr Steiner,
      zum ersten: es gibt 2 (ZWEI) Stadtclubs in Zürich. Das einzige wahre Zürich kennen Sie hoffentlich auch nicht nur vom hören sagen? Den das ist Stadtwissen.

      zum zweiten: Hätten Sie die Zeitiung gelesen, namentlich die Tagi, dann hätten Sie bemerkt, dass es nicht ein Blog war, der über Prostitutionsverbot sprach, sondern eine feministische, linke Politikerin. Sie zog als Beispiel Schweden heran. Das nicht debattiert wird, liegt wohl eher am gesunden Menschenverstand des Zürcher Stimmvolks, als an der Absurdität dieser Idee.

      zum Abschluss: Seine Blogs sind wenigstens erfrischend, nicht so fade wie die eines gewissen jemand. Einig mit Ihnen Herr Steiner bin ich aber, dass in einem Fussballblog ein latenter Kommentar in die Politik absolut fehl am Platz ist.

      • Steiner78 sagt:

        Jetzt war ich wirklich eine Weile ratlos, warum sie mich belehren, dass es in Zürich zwei Stadtclubs gibt. Mittlerweile nehme ich an, es war wegen meiner Bemerkung, ob es irgendwo in der Schweiz ein zweites Zürich gäbe, von dem ich nichts wisse, richtig? Damit wollte ich ausdrücken, dass ich die Vorstellung absurd finde, dass in Zürich ein Kondomhersteller als Leibchensponsor von der öffentlichen Meinung verunmöglicht würde. Wenn sie das wirklich derart missverstanden haben, dann nehmen sie wahrscheinlich ein wenig zu oft an Diskussionen teil, in denen der Begriff “FC Niederhasli” fällt. 😉

        Zum zweiten: Jaja, das kann schon sein, aber wir sind uns ja beide einig, dass die Wahrnehmung des Autors, in Zürich werde “zurzeit ernsthaft diskutiert, ob das älteste Metier der Welt verboten werden sollte”, nicht mit der unsrigen übereinstimmt. Und darauf wollte ich hinaus. Wie auch bzgl. des Hoeness-Blogs.

  5. André Furrer sagt:

    GC zusammen mit dem Sponsor Fromm sollten darauf achten, dass die Spieler und das Publikum nicht noch päpstlicher als der Papst werden. Halleluia.

  6. Auguste sagt:

    hmm…, hund und herrchen, werbeaufschrift und fussballclub – verblüffend wie gut das manchmal passt. bei dem “puff”, das in griechenland überall und im fussball im besonderen herrscht,müssten eigentlich noch viel mehr vereine für bordelle werben.

    aber die super league vereine müssen sich auch nicht verstecken: will uns raiffeisen mit ihrem super league werbe-engagement sagen: “wir können pleiten verkraften!”? leistet gc mit “fromm” vorne drauf eine art absolution für die “vontobel-jahre” während der finanzkrise? sagt das rote kreuz auf dem fcz trikot nicht mehr über den zustand der mannschaft aus als alles andere? war das tschetschenisierte xamax-vereinswappen nicht schon frühzeitig ein deutliches zeichen, dass man in dubioseste hände geraten war? wäre st. gallen heute mit einer kleinkredit-bank, wie rohner damals, nach dem millionendebakel nicht der running-gag schlechthin?deutet novartis auf der basler brust vielleicht an, dass man zur not auch etwas einwerfen könnte, wenn sich der rückstand auf die tabellenspitze noch vergrössern sollte. und yb’s bauhaus könnte treffender nicht sein nach der abbruchübung mit gross.

    auch wenn man ja den eindruck haben könnte, dass unsere super league vereine von ziemlich humorlosen zeitgenossen – witzfiguren zählen nicht als humoristen – geführt werden, können sie sich dem unfreiwilligen humor halt oftmals trotzdem nicht entziehen. siehe den fc luzern, der gleich alle register zieht und bei seinen spielen, die im moment nicht einmal mehr als schlechter witz durchgehen, mit dem finger auf otto zeigt. das hat herr walkes nicht verdient.

    • Hans-Ueli Jucker sagt:

      sehr schön auguste, dem wäre eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass beim fcz mit talk easy der hauptsponsor dem raschen und unbedarften mundwerk des präsidenten entspricht und bei sitten der exsponsor tamoil irgendwo in der wüste lybiens hopps gegangen ist.

  7. Hans Sägesser sagt:

    Ersten ist dieser griechische Verein ein absoluter Nobody, zweitens sind die Griechen als Nation total verschuldet, da hilft auch keine Kreativität mehr, da hilft nur noch eines, mal so zur Sache ( malochen ) gehen wie in der ach so biederen Schweiz! Von nichts kommt einfach nichts, da ist mir eine gewisse bodenständigkeit allemal lieber. Und, das so viel gelobte lockere Leben im Süden, wo findet es tatsächlich noch statt? In den Köpfen und in der Werbung! Die normale Bevölkerung in GR und I und E und P haben nämlich ganz andere Sorgen als sich dem lockeren Müssiggang hinzugeben. Fragen sie mal die Jugendlichen dort wie locker die drauf sind ohne jegliche Zukunftsperspektive! Dann doch lieber die bieder Schweiz, aber es war halt wieder einmal eine schöne Gelegenheit auf dem unseren Land herum zu gackern! Wenn Puff Werbung als Gradmesser für eine offene Gesellschaft sein soll, na dann gute Nacht Südliches Europa.

  8. Daniel Altenburger sagt:

    Und wo genau ist das Problem? Lieber Werbung für ein (legales) Bordell als Konkurs gehen. Nur weil das Bordell als Sponsor auftritt, muss doch niemand dahin gehen, der es nicht in Ordnung findet.

  9. alfredo borlotti sagt:

    “In der Not isst der Teufel fliegen, sagt der Volksmund.” Aber, aber, nicht aufgepasst in der Schule. Das heisst richtig: In der Not isst der Teufel fliegend.

  10. Hellish sagt:

    Ich finde bordelle nicht weniger moralisch als z.B. Grossbanken oder Pharmakonzerne.