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Die letzte gute EM

Mämä Sykora am Samstag den 16. Juni 2012


Am Donnerstag spielte Spanien gegen Irland. Die Partie war zu keinem Zeitpunkt auch nur annährend ein Duell auf Augenhöhe. Mehrheitlich erinnerte es vom Qualitätsunterschied an die Grümpelturnier-Partien zwischen Sechst- und Erstklässlern. Spaniens Ziel war, mit drei Toren Differenz selbst bei einem Remis gegen die Kroaten vor diesen zu stehen. Hätten sie 6 Tore schiessen müssen, sie hätten es zweifellos hingekriegt. Nun, gegen den Welt- und Europameister kommen freilich viele Mannschaften in Nöte, allerdings blieb Irland bereits gegen Kroatien den Beweis schuldig, an einer EM mithalten zu können.

Ein Aussenseiter tut jedem Turnier gut. Deren Anhänger freuen sich überschwänglich, überhaupt dabei zu sein, singen selbst bei hoffnungslosem Spielstand durch und für deren Spieler ist es ein einmaliges Erlebnis. Und manchmal schafft ja doch ein Kleiner eine Überraschung. Doch in den meisten Fällen verlaufen Partien mit Beteiligung eines «Fussballzwergs» so wie jene am Donnerstag: erschreckend einseitig, ohne Spannung, langweilig.

Irland ist dieses Jahr das einzige Team, das auf der Bühne der Besten Europas massiv abfällt. Leider zum letzten Mal. Denn seit vier Jahren weiss man, dass die EM 2016 in Frankreich mit 24 Mannschaften ausgetragen werden wird. Eine – mit Verlaub – hirnrissige Idee. Michel Platini ist der Hauptverantwortliche für diese unsinnige Änderung, hatte er doch vor der Kampfwahl um die Uefa-Präsidentschaft den kleinen Mitgliederverbänden mehr Einfluss und EM-Plätze versprochen. Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt hatte er dieses Versprechen bereits eingelöst. Für die sportliche Qualität der nächsten EM ist dies eine Katastrophe.

Wäre die Aufstockung bereits auf dieses Turnier vollzogen worden, wären auch die Play-off-Verlierer Estland, Montenegro, Slowenien und die Türkei angereist, dazu auch noch einige der Gruppendritten der Qualifikation, also etwa Armenien, Schottland, Ungarn und – immerhin – die Schweiz. Man kann es sich denken, wie Partien mit diesen Teams gegen die Topnationen verlaufen wären. Irland hat es vorgemacht.

Die Konsequenzen sind aber noch weiter reichend. Wenn für 52 Uefa-Mitglieder 23 Plätze bereit stehen, verkommt auch die Qualifikation zum Kindergeburtstag. Die Grossen werden zur Halbzeit bereits als Teilnehmer feststehen und können schon mit Experimenten beginnen, was den Wettbewerb verzerrt. Gleiches dort in der Vorrunde des Turniers: Dort wird der gleiche Modus angewendet, den wir glücklicherweise seit der WM 1994 nicht mehr erleben mussten: Neben den zwei Gruppenersten erreichen auch die vier besten Gruppendritten die Achtelfinals. Da reichten bereits vier Punkte zum Weiterkommen, es entschied dabei nicht selten die Tordifferenz im Vergleich mit Teams aus anderen Gruppen. Ein Witz, wenn eine Mannschaft das Glück hat, sich etwa gegen Estland in die nächste Runde ballern zu können.

Anders als bei einer WM wird man bei der EM nicht einmal «neue» Mannschaften kennenlernen können. Konnten Trinidad/Tobago, Nordkorea, Jamaika oder Senegal noch die Neugier wecken und gab es interessante Spieler zu entdecken, kennt man die Europäer zur Genüge. 52 Mannschaften spielen eine Quali, die Hälfte davon kurz darauf noch ein Turnier. Mehr und mehr und mehr und mehr. Die Grenze ist erst erreicht, wenn das Interesse von Zuschauern und Sponsoren angesichts des Überflusses schwindet. Das gilt für sämtliche Wettbewerbe der Uefa.

51 statt 31 Spiele, vier statt drei Wochen – deutlich mehr Spiele, deutlich weniger Qualität und Spannung. Ob dies für die kleinen Länder wirklich «Hoffnung auf einen grossen Fortschritt» bietet, wie Platini kürzlich sagte, darf bezweifelt werden. Chancenlos an einer EM-Endrunde zu sein und vor halbleeren Rängen gegen mässig motivierte Stars anzutreten, ist noch lange kein Garant für Aufschwung. Sicher ist hingegen, dass für viele Leute in vier Jahren die EM erst mit der K.-o.-Runde beginnt.

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