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Von Mannsbildern und Bildern auf Männern

Claudia Lässer am Dienstag den 12. Juni 2012


David Beckham hat «Elle» entjungfert. Als erster Mann zierte er das Cover der britischen Ausgabe des Frauenmagazins. Obwohl der Engländer längst kein ernst zu nehmender Sportler mehr ist, sondern die Paris Hilton des Fussballs: Hot, wie er in der Fotostrecke oben ohne aus dem Wasser steigt!

Der Adonis hat nur zwei Schönheitsfehler, dafür grosse: die tapezierten Arme. Als hätte er sie in ein Tintenfass gesteckt. Tattoos sind ein Mödeli, das in der Fussballwelt besonders stark grassiert und wir aktuell auch wieder an der EM jeden Abend präsentiert kriegen. Die Namen der Kinder. Ein tibetanisches Gebet. Die Autonummer des ersten Supersportwagens. Ort und Datum des 100. Tores. Das Wappen des Lieblingsvereins. Das Porträt der Jungfrau Maria. Jesses Gott, was die Kicker alles unter die Haut spritzen …

So haben sich unsere Eltern im besten Fall Seefahrer, im schlimmsten Fall Schwerverbrecher vorgestellt. Heute gelten Becks, Ramos und Co. als Sexsymbole. Oder sie meinen zumindest, solche zu sein. Zum Körperschmuck hinzu kommen kämpferische Frisuren, stachlige Bärte, protzige Muskeln.

Die Inszenierung der Männlichkeit nimmt zuweilen extreme Formen an – und kippt während der 90 Minuten immer wieder ins Unglaubwürdige. Zum Beispiel dann, wenn die Mannsbilder nicht mehr gestanden sind, sondern fallen wie abgeschossene Schwalben. Wenn sie sich auf dem Rasen winden wie sterbende Schwäne. Oder wenn sie um die TV-Kameras scharwenzeln wie liebestolle Paradiesvögel.

Wollen die EM-Spieler ihren Mann wirklich stehen, gibt es nur einen Ort auf dem Feld: die Mauer*. Hier zeigt sich, ob die harten Kerle haben, was Titan Kahn einst forderte: «Eier, wir brauchen Eier!» Oder ob stattdessen Herz und Mut in die Hosen rutschen.

Geben Sie mal «Fussball Freistoss Mauer» in die Google-Bildersuche ein… Gute Unterhaltung!

Claudia Lässer, 35, ist Model, Radio- und TV-Moderatorin. Die Geschäftsführerin des Schweizer Sportfernsehens moderiert den Fussballtalk «Kick it» sowie ihr persönliches Magazin «Close Up».

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34 Kommentare zu “Von Mannsbildern und Bildern auf Männern”

  1. Mäse sagt:

    Komm jetzt Claudia, Ihr Frauen habt diese Männer zu Sexsymbolen gemacht. Wir Männer wollten einfach nur Fussball schauen. **Ironie an** Früher konnten wir Männer ganz unter uns rülpsend und biertrinkend Fussball schauen. Heute müssen wir uns von Euch Frauen Sachen anhören wie: Huch, sie mal, der Torres, so ein Engelchen, uiiii, der Ronaldo, sieh mal das Sixpack, und Geld hat er auch noch, huihuihui, der Poldi ist doch auch ein Süsser! Seit auch noch absolute Mannsmissgeburten wie Ronaldinho und Crouch mit den schönsten Frauen ‘sexy geredet’ werden, ist mein Bild von männlichen Schönheitsidealen ganz zusammengebrochen. Von meinem Verständnis der Frauen was denn jetzt schön und sexy sein soll, gar nicht mehr zu reden. **Ironie aus** – ist doch so 🙂
    Die ganze Sache ist ein Produkt der Medien im vollen Wissen, dass die Kohle im Fussball über klurz oder lang auf anderem Wege generiert werden musste. Beckham kam da gerade recht. Der war für di Frauen sexy, für uns Männer sympatisch, nachvollziebar und trotz seiner modischen Eskapaden echt, ein Mann. Das pure Gegenteil des sich mit Hasenzähnen und Diamäntli im Ohr präsentierenen Ronaldo der vielleicht nicht die intelligenteren Interviews als Beckham gibt, sich aber die grösste Mühe gibt wie ein arroganter Idiot rüberzukommen. Ob er das ist, mag ich nicht zu beurteilen. Interessant ist auch die Spanne der Beleibheit die diese 2 Typen abdecken. Zumindest so wie ich dies wahrnehem. Bewegt sich die Kreisch- und Beliebtheitsskatle bei Beckham von 12-60 jährigen, bleibt sie bei Ronaldo so irgendwo um die 25 hängen. Aus das sagt einiges aus.
    Bezüglich der Tatoos, nun, es ist immer so, was Fashion ist oder Fashion geredet wird, findet seine Nachahmer zu tausenden weil die Spezies Mensch halt einfach ein Rudeltier ist. Da macht es keinen Unterschied bei Männlein und Weiblein. Arschgeweih dort, Tribal hier. Über’s ganze recht *gähn* mit einem Schuss selbstverordneter Individualität ohne zu merken, dass man sich mitten unter seinesgleichen befindet. Alles halb so wild. 🙂 GEht jetzt einen Kaffee holen – schöns Tägli

    • Irene sagt:

      Super Antwort Mäse; danke für die Lacher, haben bei dem Wetter gut getan :-)!!

      Ich persönlich nehme die Tattoos an den Fussballkörpern gleichermassen schulterzuckend hin wie die Bärte und Zahnlücken der Eishockeyspieler, die krummen Nasen der Boxer, die strammen Schenkel der Skifahrer … muss wohl einfach so sein. Mir müssen sie ja nicht gefallen – solange mein Mann nicht plötzlich als wandelndes Gemälde nach Hause kommt, geht’s ja noch 🙂

      • Mäse sagt:

        DAnke für die Blumen, musste einfach sein 🙂 Bezüglich Deines Mannes, sei vorsichtig wen du zu viel lobst, er könnte noch auf Ideen kommen und sich künstlerisch veredeln lassen 🙂

  2. Daniel Küttel sagt:

    Warum müssen sich die Frauen nen Arschgeweih tätowieren lassen? Warum wollen so viele Frauen sich nur den Rücken tätowieren? Antwort? Ästhetik. Dabei ist es wichtig, dass hier nicht IHRE oder MEINE gefragt ist, sondern die des Individuums. Die Fussballer finden das eben toll, sie nicht. Ich find auch nicht jede Frauenmode etc toll, aber Hauptsache die Frau kommt sich in dem Vorhang, Tischtuch oder Kartoffelsack toll vor – auch wenn ich nur Augenrollend zusehen kann. Dabei geht es hier nicht um Sie oder mich, oder um andere Leute wo das nicht gefällt. Seien wir etwas offener und lassen den Menschen ihre eigene Ästhetik.

    Aber in Einem gebe ich Ihnen Recht: Es wirkt oft lächerlich, wenn die harten Kerle schmerzverzerrt auf dem Rasen rollen, als wären sie gerade von einem Heckenschützen niedergestreckt worden.

    Aber das ist Fussball. Wenn man sich damit einen Vorteil verschaffen kann, ist ja selbst Bestechung legitim.

  3. adrian sagt:

    Stimmt. Beckham sieht mit seinen Tatoos aus wie ein Mara Salvatrucha der nach gelungener Flucht aus dem Rio Grande steigt.

  4. Pippi Langstrumpf sagt:

    Der Typ sieht einfach Scheisse aus! Blasse Hühnerbrust, verunstaltete Haut an den Armen und im Gesicht ein dümmliches Ungefähr-Grinsen. Es gibt Millionen schönere Männer. Nur weil er Fussball spielen kann, ist er noch lange kein Adonis.

  5. Mani Jaeggi sagt:

    “Zum Körperschmuck hinzu kommen kämpferische Frisuren, stachlige Bärte, protzige Muskeln” … oder, wer noch nicht so sehr damit ausgestattet ist, weil noch halb in der Pubertät steckend , – tussihaft gezupfte Augenbrauen. An Geld, in den Beauty-Salon oder ins Tattoo-Studio zu gehen, mangelts nicht, manchen scheint es hingegen an Manieren und der Fähigkeit, kritisch zu reflektireren zu fehlen.

  6. Andi Meier sagt:

    Amüsant finde ich vor allem jene, welche sich Tattoos mit christlichem Hintergrund stechen lassen.

    Leviticus 19:28 : “Do not cut your bodies for the dead or put tattoo marks on yourselves. I am the Lord.”

    • Basil Haag sagt:

      Das heisst in der deutschen Übersetzung aber ganz anders: “Wenn ihr einen Toten beweint, sollt ihr nicht das Haar abschneiden, den Bart stutzen oder euch Einschnitte am Körper oder Tätowierungen machen. Ich bin der HERR!” Die Anweisungen mit den Tätowierungen ist also aus dem Zusammenhang gerissen.
      Ich finde diesen Artikel eigentlich ziemlich unnötig, da er eigentlich nur eine Meinung einer Einzelperson ausdrückt. Er zeugt vor allem vom fehlenden Wissen der Autorin über Tattoos und die Motivation dahinter. Es gibt sehr viele Leute, denen Tattoos etwas wichtiges bedeuten und für die das Ganze nicht einfach nur ein Bildchen unter der Haut ist. Natürlich sind Tattoos heutzutage Mainstream geworden und praktisch jeder hat eins, das bedeutet aber noch lange nicht, dass das für alle nur ein Trend sein muss. Auch hat das meiner Meinung nach nichts mit einem martialischen Männerbild zu tun, schliesslich haben auch sehr viele Frauen Tattoos. Und letztendlich ist es Geschmackssache, ob einem so etwas gefällt oder nicht.

      • Andi Meier sagt:

        Mein Kommentar war auch nicht all zu ernst gemeint. Wie gesagt, es amüsiert mich nur jedes Mal ein wenig.

  7. Stefan Seibold sagt:

    Ja, ist wirklich nur schwer zu ertragen! Wenn ich so beneidenswert schöne Muskeln hätte, würde ich sie mir sicher nicht durch “Kriegsbemalung” verschandeln. Diese geistig armen Jungs haben offensichtlich eine narzisstische Störung und ein martialisches Männerbild, was natürlich gut zum Beruf passt. Der Körper ist ihre verzierte Rüstung.
    Dass sie es im Fussball ganz nach oben geschafft haben, was an sich ja schon etwas Herausragendes ist, reicht ihnen nicht. Sie meinen, sie müssen ihre Individualität noch mehr betonen und zum Spitzensportler auch noch Modeikonen werden. Ironischerweise tun sie das mit diesen stereotypischen Tattoos alle auf die gleiche Art, bleiben also “Massenware”, und verraten damit nur, welche geschmacklichen und bildungsmässigen Defizite sie haben. Aber das macht ja nix. Die Welt ist voll von Dumpfbacken, die so etwas bewundern. Kleine Jungs und unbedarfte Tussies finden solche “wilden Kerle” doch so cool und romantisch. Seufz…

  8. de Philippe sagt:

    Voll einverstanden. Haben gerade gestern diskutiert, dass beides nervt und beides in dem Ausmass vor allem dämlich ist. Nur eines: David Beckham wird trotz vielen dämlichen Tattoos nie ein nicht ernt zu nehmender Sportler sein. Er hat/hatte einen begnadeten rechten Fuss, sonst aber nicht viel und war trotzdem immer ein Vorbild auf und nebem dem Platz. Trotz allem Mode-Fuzzi-Zeug, er ist eine Legende.

    • Auguste sagt:

      hmm…, gut haben sie es gesagt, philippe. die meinung über den fussballer, david beckham, ist und bleibt ein guter gradmesser, wenn man herausfinden will, wie es um den sachverstand von mehr oder weniger prominenten fussball-fachleuten steht. ein bisschen enttäuscht bin ich jetzt schon von frau lässer, zumal ihre show ja “kick it” heisst und damit einem der tatsächlich begnadedsten rechtsfüsser titelmässig doch recht nahe kommt.

  9. Hans vom Hübel sagt:

    Diese behinderten Unterarmtatoos (und auch alle anderen) gehen sowas von auf den Sack. Aber sowas von!

    Fussballer sind heute leider allzu oft nur noch kleine Buben, die einen auf Dicke Hose machen. Richtige Kerle, ehrliche Typen muss man suchen. Man sieht’s auch an den divenhaften, egomanischen Torjubeln. Statt mit der Mannschaft den Torerfolg zu feiern und ihr zu danken, reisst sich der Stürmer krampfhaft von seinen Mitspielern los, um seine einstudierte kleine Schauspieleinlage zum Besten zu geben. Es ist dies wohl eines der abscheulichsten Phänomene des modernen Fussballs!

  10. linus stamm sagt:

    Profifussballer halt ! Wurden um ihre Jugend gebracht. Jahrelange, harte Trainingsdisziplin, Fussballinternate, Gamekonsole, und immer Fussball gucken, während normale Gleichaltrige eine schöne Zeit haben . Sowas führt nun mal zu Defiziten, die dann mit Hilfe von Sportwagen, Handtäschchen, Tattoos und schönen Frauen kompensiert werden.

  11. beat buerki sagt:

    sorry claudia lässer, tattoos sind offensichtlich nicht ihr ding, aber den jungen gefällts. und wie bei jeder kleidung, jedem schuckstück und jeder frisur gefällt einem das eine oder das andere besser. deshalb gibt es auch beim tattoo verschiedene stilrichtungen. und manche mögen die haut auch jungfräulich. generell ist es aber halt ein generationending. jemand der immer noch das gefühl hat, tattoos sei etwas für matrosen und gangster beweist eigentlich nur eins; er ist eine andere generation, zu alt. sorry….

  12. Natty Kirch sagt:

    Hat Brasilianer Naldo’s Jesus (Bild 14) Brüste? Oder sehe ich das falsch?

  13. Pascal wirtz sagt:

    Habs mir auch gedacht…

  14. Franz sagt:

    Lobend zu erwähnen sind die Barça- und die meisten Spieler der Selección. Ein Iniesta oder Xavi hat solchen Schwachsinn nicht nötig.

  15. Sgt Klinger sagt:

    Tja, ist alles Geschmacksache, meiner nicht. Tapeziert finde ich ein super Ausdruck für dies. @Natty zu Bild 14… uuuiii ja auf diesem Foto auf alle Fälle. Aber vielleich geht dies in das Thema “wie sieht mein Tattoo aus wenn die Körperteile mal nicht mehr so portioniert sind” oder bei Naldo tricks uns ungewollt sein Muskelspiel. Man sollte es ihm sagen, er sieht es ja fast nie selber.

  16. Heulsuse sagt:

    Tattoos als “dämlich” zu bezeichnen, ist dämlich. Und sich daran zu nerven, ist doch total (sorry!) beknackt.
    Ich arbeite seit vielen Jahren als Arzt und habe mehrere grosse Tattoos, die deutlich mehr Körperoberfläche bedecken als bei Beckham. Ich find’s toll und nur das zählt. Und es werden noch mehr werden. Im Job hat das noch nie gestört, obwohl sie nicht immer vollständig bedeckt werden können. Zudem: Frauen stehen drauf. Egal, was geschrieben wird. Und ein weiterer Nebeneffekt (der aber nicht direkt beabsichtigt ist) ist der, dass bei verschiedenen Gelegenheiten immer ein Platz frei ist und ich nicht von jedem blöd angeranzt werde. Offenbar hat man mit grossen Tattoos automatisch ein Bad-Boy-Image; ob man will oder nicht. Das kann auch Vorteile haben.

  17. Jan sagt:

    Finde nicht das man die Spieler eifach nach Tattoos beurteilen sollten. Wie bei Sergio Ramos erwähnt, haben die meisten Tattoos einen persönlichen Hintergrund und sind deshalb eng mit dem Leben verbunden. Das Ziel ist es nicht ein grosser Modefuzzi zu werden.

  18. Michel Zenger sagt:

    Danke Claudia, damit bringst du es genau auf den Punkt:

    “…wenn die Mannsbilder nicht mehr gestanden sind, sondern fallen wie abgeschossene Schwalben. Wenn sie sich auf dem Rasen winden wie sterbende Schwäne.”

    Ewig unvergessen bleibt das schreiende Zusammenbrechen dieses volltätowierten Italieners der doch immer einen auf harter Gossenrocker machte, als er nach Zisus harmlosen Kopfstoss gegen seine Brust, sich heulend auf dem Boden rumwälzte!

  19. Marcel sagt:

    Na, Beckhams Body ist etwas gar schmächtig. Da fehlt es meiner Meinung nach an Muskelmasse. Am schlimmsten ist er, wenn er den Mund aufmacht. Da zerfällt der bleibende Rest.

  20. schumacher sagt:

    Ich dachte, hier geht es um Fussball?
    Bitte überlasst doch das Schreiben Herrn Sykora.

  21. John Ross sagt:

    Es sind ja nicht nur die Fussballer. Wenn man sich die Seite-1 Mädels im Blick anschaut, findet man auch kaum mehr eine untätowierte Dame. Ich finde das scheusslich, bei Männern und Frauen; eine immer öfter nachgeäffte Mode.

  22. Maja sagt:

    Der Gomez der braucht so ne Bühne garnicht, der stolziert einfach oben ohne über den Platz und alle Frauen freuen sich über die Erfindung Trikottausch 🙂 Hab drüber gebloggt, hier schön anzusehen: http://www.celeb-watch.net/mario-gomez-oben-ohne/4021/

  23. urs inked sagt:

    beckham – weiter so. sieht klasse aus. great work!

  24. Christian Duerig sagt:

    Es gibt nur ein Tattoo, das ich bemerkenswert finde. Es ist das Tattoo “Cos I’m free” von Cathy Freeman auf ihrem rechten Oberarm. Wer Cathy kennt (australische Leichtathletin), hat beim Lesen dieses Tattoos Tränen in den Augen.

  25. Martin M. sagt:

    Frauenkrankheit Nr. 1: Herummäkeln. Frauenkrankheit Nr. 2: Nur an dem Herummäkeln, was gerade als herummäkelnswürdig angesehen wird. Niemals eine eigene Mäkelmeinung haben, immer 100%ig mit der Mehrheitsmäklerinnenmeinung. Was somit die Mäkelei als hilfloses (Nach-) Gemäcker entlarvt. Tja, sorry Mädels, vielleicht müsst ihr euch mal etwas Anderes einfallen lassen, wenn das möglich ist ;-).