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Demokratie durch Fussball? Hoffentlich!

Claudia Lässer am Donnerstag den 7. Juni 2012
Sitzt im Gefängnis und ist doch überall: Julija Timoschenko wacht als Ikone über die Euro 2012. (Bild: Keystone)

Sitzt im Gefängnis und ist doch überall: Julija Timoschenko wacht als Ikone über die Euro 2012. (Bild: Keystone)

Gemeinsam Geschichte schreiben. Gemäss dem Euro-Slogan sind Polen und die Ukraine bereit, die Welt zu überraschen. Grzegorz Lato, der Präsident des polnischen Fussballverbandes, verspricht: «Wir liefern unseren Gästen eine einzigartige Erfahrung.» Was für ein Versprechen. Superlative jagt Superlative – wie immer vor einem grossen Turnier.

Vor drei Jahren drohte Uefa-Präsident Michel Platini der Ukraine, wegen Bauverzögerungen die Spielorte in den Westen zu verschieben. Diesen Frühling war er jedoch bereits wieder voll des Lobes: «Was das Land geschafft hat, ist fantastisch!» Zuckerbrot und Peitsche – wie meist bei einem grossen Turnier.

5:3. Die kleine Schweiz tritt dem grossen Deutschland vors Schienbein. Jogi Löws Truppe tut diese Klatsche gut, denn die Boulvardpresse und die DFB-Elf brauchen im Vorfeld ein bisschen Drama, um dann wieder gross aufzutrumpfen. Als Turniermannschaft werden sich die Deutschen von Spiel zu Spiel steigern. Wie sagte Gary Lineker einst so schön? 22 Männer rennen 90 Minuten einem Ball nach und am Ende gewinnen die Deutschen – wie so oft bei einem grossen Turnier.

Schon wieder versinkt Italien im Wettsumpf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Spieler, Trainer, Funktionäre. Im Vorbereitungscamp untersuchen Fahnder das Zimmer von Domenico Criscito. Trainer Cesare Prandelli wirft den Verteidiger aus der Nationalmannschaft. Die Tifosi sind geschockt, die Squadra Azzurra gelähmt: 0:3-Pleite gegen Russland im Letzigrund. Was zeigt die Vergangenheit? Kriselt es in der Heimat, spielen die Italiener trotzig und erfolgreich – wie auch schon bei einem grossen Turnier. 2006 wurde Italien Weltmeister, 1982 ebenso.

Wegen der Menschenrechtsfrage in der Ukraine fordern europäische Politiker einen Boykott der Euro 2012. In der Diskussion überhören sie leider fast, was die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko durch ihre Tochter ausrichten lässt: Die Europameisterschaft sei ein Symbol für die europäische Integration der Ukraine und biete eine Bühne für den Protest. Demokratie durch Fussball – es wäre das erste Mal dank eines grossen Turniers und beinahe eine romantische Vorstellung.

Gemeinsam Geschichte schreiben. Noch nie war ein Euro-Slogan treffender. Lassen wir uns überraschen. Ich freue mich drauf.

Claudia Lässer, 35, ist Model, Radio- und TV-Moderatorin. Die Geschäftsführerin des Schweizer Sportfernsehens moderiert den Fussballtalk «Kick it» sowie ihr persönliches Magazin «Close Up».

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11 Kommentare zu “Demokratie durch Fussball? Hoffentlich!”

  1. AlexS sagt:

    Irgendwie kann ich dem Text nicht ganz folgen, um was gings jetzt grad? Demokratie durch Fussball, Deutschlands Nervosität, Italiens Wettskandal und verspätete Baustelle in der Ukraine – hä?

  2. Gerhard Tubandt sagt:

    Sport hat die Welt nie verändert. Das ist bloss ein Märchen, das Leute wie Sepp Blatter fleissig rumerzählen. Es gab Sportler, die politisch Stellung bezogen haben, aber das ist erstens äusserst selten weil die allermeisten Sportler völlig apolitisch sind und zweitens eine ganz andere Geschichte.

  3. Peter Meier sagt:

    Und worüber sollen wir nun diskutieren?

    • Wir, in diesem Fall Sie, Herr Meier und (als Antwortgeber) ich, über nichts und überhaupt nicht.
      Begründung:
      “Claudia Lässer-Die EM für die Frau”
      Und so warte ich geduldig auf die Ansichten unserer hehren Frauenwelt. Kommt schon, Mädels, ihr werdet doch sicher auch eine Meinung zum Thema “Demokratie durch Fussball” haben.

  4. Hans vom Hübel sagt:

    Ich finde, die Timoschenko sieht aus wie so eine Wallfahrts-Ikone der Heiligen Mutter Gottes.
    Bezüglich Ihres Wunschszenarios, Frau Lässer, da ist Ihnen wohl wirklich Ihre romantische Ader durchgegangen. Wenn die UEFA es mit politischen Statements nur halb so streng handhabt, wie die FIFA mit sponsorenfeindlicher Bierwerbung, so werden Sie an dieser EM keine einzige Protestmarke zu Gesicht bekommen.

  5. Auguste sagt:

    hmm…, vielleicht markiert europas kalte schulter gegenüber der janukowitsch-regierung einen weiteren politischen wendepunkt in der noch jungen geschichte der ukraine. aber wetten würde ich darauf nicht. sobald die scheinwerfer nach dem final in kiew erloschen sein werden, wendet sich das interesse wieder dem andern weltgeschehen zu. die halbwertszeit von fussball-ereignissen geht über die sportseiten des nächsten tages nur ganz selten hinaus.

    dennoch kann man sagen, das die em dazu geführt hat, dass einem die schönheit von polens austragungsorten und landschaften nähergebracht werden und dass in der ukraine bis zuoberst keinerlei zweifel mehr herrschen kann, dass die verhältnisse im land selbst moderaten europäischen ansprüchen noch weit hinterher hinken.

    gespannt darf man darauf sein, wie die bevölkerung in den gastgeberländern sich präsentieren wird – eigentlich sind beide bekannt dafür, dass sie feste und siege ihrer mannschaften ganz zünftig feiern können. also, eigentlich fast alles wie immer bei einem grossen turnier.

  6. René Baron sagt:

    Es wäre wohl naiv zu glauben, dass Fussball und Politik nichts miteinander hätten.
    Dennoch wäre es mir persönlich lieb, wenn wir Politik und Fussball weiterhin auf zwei getrennten Kanälen serviert bekämen: Einerseits Fussball mit Fussballexperten als Unterhaltung und andererseits – aus Interesse und Verantwortung – Politik mit Leuten davon echt etwas verstehen, und zwar soweit, dass sie auch konkret etwas bewegen könn(t)en.
    Die Verquickung von Fussball und Politik nivelliert meistens nur auf ein medientaugliches Mittelmaß, welches bestenfalls bestehende Vorurteile zementieren, aber wohl kaum zur tatsächlichen Problemlösung beitragen dürfte.
    Vor allem unseren Kindern möchte ich die EM weiterhin als Stückchen heile Welt servieren, ohne mich gleich in geopolitischen Gesamtzusammenhängen erklären zu müssen. Da wäre ich persönlich denn schon noch schampar froh!

  7. Dave sagt:

    Was auch immer, Politik hat im Sport nichts zu suchen – hoffentlich!

  8. Hans Klemm sagt:

    Liebe Frau Lässer,

    bei diesem Thema haben sich schon andere politische Experten einen großen Kopf gemacht und heftig gestritten. Natürlich ist es nicht besonders schön, wenn man nach drei Jahren als Ministerin gleichzeitig die mächtigste Frau eines Landes ist und nach einer verlorenen Wahl plötzlich 2011 in das Gefängnis musste, dort auch noch krank wurde. Sieben Jahre Haft lautete bekanntlich die offizielle Strafe nach schweren Verfehlungen, u.a. wegen Amtsmissbrauch,zum Nachteil der Ukraine, wie es heißt.

    Die frühere millionenreiche „Gasprinzessin“, die auch noch fast 140 Millionen Schadenersatz leisten muss, will vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, um evtl. diesen Prozess nochmals aufrollen zu lassen.

    Es ist eine richtig komplizierte Geschichte, die eigentlich nur im eigenen Land geklärt werden sollte. Auch wenn gerade dort der Fußball um die europäische Krone rollt, sollten wir alle diese Angelegenheit aus vorgenannten Gründen lieber nicht versuchen, zu bewerten.

    Aus welchem Fundus haben Sie eigentlich das Bild ausgegraben?
    Wenn der bekannte Zopf nicht gleich zu sehen gewesen wäre, den sie früher nicht hatte, hätte ich gedacht, dass dieses junge Mädchen noch zum letzten Steilpass und damit auch noch zum „Beuteschema“ von L. Matthäus zählte.
    Dann sieht es so aus, als würde sich die junge Julija gerade auf die Konfirmationsfeier vorbereiten, obwohl sie doch in Wirklichkeit schon 51 Jahre alt ist!

    Ein wenig mehr Aktualität wäre angebracht, Frau Moderatorin……..

  9. Christoph sagt:

    Ziemlich dünnes Textli und mit höchstens minimalem Bezug zum Titel.
    Vielleicht gibt es noch eine Steigerung im Verlauf des Turniers.
    Bin gespannt auf Frau Lässers Taktik: Fussball aus der Sicht der Frau im Sinne eines Klischees, oder geschlechtsunabhängiges, sportliches Fachsimpeln, wie sie das im Schweizer Sportfernsehen versucht hat.

  10. Alex Steiner sagt:

    Oi!