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Fussballer bashen statt Phrasen dreschen

Stefan Büsser am Mittwoch den 6. Juni 2012
König der Phrasendrescher: Lothar Matthäus, hier mit seiner ukrainischen Ex Liliana.

König der Phrasendrescher: Lothar Matthäus, hier mit seiner ukrainischen Ex Liliana.

Endlich! König Fussball regiert wieder. Das Runde muss wieder ins Eckige. Ein Spiel dauert 90 Minuten, und Abseits ist, wenn der Schiri pfeift. Wo Experten Kolumnen schreiben, da sind die abgedroschenen Phrasen nicht weit. Nicht so hier! Denn wer mich als Experten sieht, der glaubt auch, dass Wayne Rooney ein genialer Dichter sei. Wenn es um Fussball geht, siegt bei mir das Herz über den Verstand. Und mein Herz schlägt – wie immer wenn die Schweiz nicht dabei ist – auch an dieser EM für Deutschland.

Der Verstand würde ja sagen: Wo so viele Bayern-Spieler mitkicken, liegt maximal der Vize-Titel drin. Das wollte ich auch mit meiner Schwiegermutter in spe – einer gebürtigen Deutschen – diskutieren. Leider hält sie alle Fussballer für Buben, deren Coming-out noch bevorsteht. «So wie die sich an den Shirts reissen und ihre Frisur ihnen wichtiger als jeder Kopfball ist», versuchte sie mir diese Theorie zu erklären. Und genau so will ich Ihnen diese EM von einer anderen Seite näherbringen.

Statt Phrasen dreschen lieber Fussballer bashen. Oder anders gesagt: Während drei Wochen schreibe ich für Sie so, dass es auch die Zuschauer von Heidi Klums Topmodel-Show oder vom Bachelor begeistern wird. Der Bachelor hat übrigens auch eine EM-Kolumne – bei RTL natürlich! Laut RTL soll es in «Pauls Fussball-Flirt» um Themen rund um das Fussball-Fest gehen, «die Frauen besonders interessieren». Besonders an Frauen interessiert ist übrigens mein Lieblings-Fussball-Experte: Lothar Matthäus. Der ehemalige deutsche Nationalspieler, der alle Frauen abkriegt, die für Carl Hirschmann zu alt geworden sind, sieht seine Heimat übrigens nicht als EM-Favorit. Aber wie floskelte er schon Anfang 2000 in schönstem Englisch: «I hope we have a little bit lucky.»

Stefan Büsser, 27, ist Comedian und Moderator beim Radiosender Energy Zürich.

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12 Kommentare zu “Fussballer bashen statt Phrasen dreschen”

  1. Auguste sagt:

    hmm…, schrille frisuren, nackte haut, viele bunte schuhe, gestellte fotos, masslose, tränenriche enttäuschungen, divenhaftes auftreten und viele seichte o-töne – heidi’s publikum wird die fussball-em lieben, keine frage.

  2. kurt abächerli sagt:

    wieso sind komödianten nicht mehr lustig, können journalisten nicht mehr schreiben und haben sportreporter weder eine ahnung von reportagen noch von sport…
    willkommen in der welt der permanenten selbstüberschätzung.

    • Auguste sagt:

      hmm…, als kleines trösterchen ein quizzli für sie, kurt abächerli: dose, vogel, forte, bauruine – wie macht man daraus wieder einen fussball-club?

      • DAM sagt:

        In dem man bereits heute mit dem Training beginnt?
        Das läuft dann wohl unter dem Motto: “Früh übt sich was (wieder) Meister werden will” oder “Der frühe Vogel fängt den Wurm”

      • Urs sagt:

        Die sind doch auf gutem Weg. Immerhin haben sie auch auf dem Hardturm eingesehen, dass Sforza und Vogel (Johann) eher einem Racemat als einer Symbiose gleichen… Und Susie Sutter ist auch wieder weg => das kann nur besser werden.

      • Ruedi von Steiger sagt:

        Anschlussfrage: War bzw. ist Xeno Müller Mitglied eines Fussballclubs?

        • kurt abächerli sagt:

          Anschlussfrage: Wieso wissen adlige nicht, was polysportiv heisst. Immerhin: die französische Revolution hat gewirkt und die einstige Elite ist dumm wie RTLII. Und soll’ keiner sagen, ich hätte diese diskussion auf den rekordmeister gelenkt. Das wäre der hmm.. gewesen (ehem. sänger der crash-test-dummies. begreift eh keiner sorry).

  3. Hans Klemm sagt:

    “Die Mission Europameisterschaft beginnt” , groß auf dem Mannschaftsbus der Deutschen sichtbar, ist bereits eine große Phrase, die schnell bestraft werden kann.

    Bereits zur Frauen-WM im eigenen Land 2011 hatten die Damen mit dem Spruch :”Nie wieder Dritter” kein Glück. Statt dem erhofften Titelgewinn kam das Ausscheiden und dazu auch noch die Nichtqualifikation zur den diesjährigen Olympischen Spielen in London. Ein herber Schlag, besonders für die Aktiven!

    Bereits am 02.03.2012 gab es in der “Leipziger Volkszeitung” eine Umfrage zum erwarteten Abschneiden der Deutschen bei dieser Europameisterschaft. Bereits da hatte ich eine folgende feststehende Meinung:

    Natürlich könnten wir Deutschen diesmal eine lange Nase machen! Warum?

    – Löw ist sicherlich noch kein Meister-
    trainer gewesen, doch im Sog des späteren
    (nach der Bayernverpflichtung) Kliensmann
    kann er schon ein paar beachtliche Ergebnisse
    nachweisen.

    – Der heutige Präsidentenwechsel beim DFB wird
    auch Ansporn geben, doch eine Garantie allein
    für den Titel ist dieser nicht.
    Wie es gerade im Freundschaftsspiel zu sehen
    war, sind die erst wieder im Aufbau befind-
    lichen Franzosen scheinbar wesentlich weiter
    als wir.

    – Mit Spanien sollte dieses Mal nicht gerechnet
    werden.

    – Am neuen (Bremer) grünen Trikot dürfte es auch
    nicht gelegen haben, wenn sich Deutschland
    nach der Vorrunde evtl. schon verabschiedet hat.

    – Eine Statistik spielt bei solch einem Turnier
    bestimmt nur eine unwichtige Rolle, weil jetzt ganz andere Akteure auf dem Platz sind.

    – Mancher , wie ich, etwas pessimistische Chronist,
    hat schon erkannt, dass eine Blockbildung allein kein Allheilmittel für
    einen Sieg sein kann. Das kürzliche Beispiel RB Leipzig zeigte doch, wie man als schier
    unbezwingbarer und selbsternannter Favorit für
    den Aufstieg in die 3. Bundesliga mit einer
    Blockbildung von zusammengewürfelten Spielern
    mit Vergangenheitserfahrung aus allen Ligen von
    Nah und mehr Fern, ausgestattet mit einem
    heimischen supermodernen Stadion und Trainings-
    gelände, das auch der FC Bayern München gern
    hätte, scheitern kann. Sein unterklassiger
    Zwickauer Gegner(5.Liga), der für längere Zeit kein
    eigenes Stadion mehr hat und oftmals in einer
    finsteren Halle auf Sandboden trainieren muss,
    zerriss sich mit letzten Kräften auf dem
    Ausweichplatz in einem Wohngebiet förmlich, um,
    natürlich zum Schluss etwas glücklich, auf den
    sehr interessanten nächsten Pokalgegner,
    Zweitligisten FC Chemnitz, stoßen zu dürfen.

    – Der letzte Punkt, Mitwirken von Aktiven, die in anderen Ländern ihr Geld verdienen, ist unbedeutend, da in allen
    Mannschaften genügend Spieler dieser Art auflaufen werden.

    – Europameister wird 2012 ein Außenseiter,
    deshalb nicht Deutschland!

  4. Hans sagt:

    ich finde kurt hat in vielen fällen recht. aber dieser text scheint mir gelungen. ich habe mich amüsiert und freue mich auf weitere.

  5. Hans Huber sagt:

    @kurt abächerli
    das ist mir auch durch den kopf gegangen als ich die zehn jahre alte phrase von lothar matthäus als witz lesen musste…

  6. julian sagt:

    ich will auch eine liliana, oder mehr…! 🙂

  7. Pascal wirtz sagt:

    Wieso gehts hier andauernd um die deutschen, sorry aber im calvados laeufts schon ueber. Bayern fans jetzt alles deutschland. Sorry was soll das, gibts hier keine infos zu tree lions, tree krone, the dutchs, azzuris, les bleus. Bin kein dfb fan ist mal so und werds auch nie werden, dafuer haben sie mitte 80er bis 2006 zu scheisse gespielt, mit dem zacken glueck. Und das spiel gegen portugal war genau wieder so eins. Basta, die azzurie spiele frisch, gebt senf dazu…