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Favre und die deutschen Katastrophen-Szenarien

Alexander Kühn am Mittwoch den 4. April 2012
Lucien Favre während des Spiels gegen Nürnberg, 4. März 2012.

Gemäss «Bild» ist er jetzt der Trainer von Plattbach: Lucien Favre während des Spiels gegen Nürnberg, 4. März 2012.

Für das Gros der deutschen Fussballreporter gibt es nur Schwarz oder Weiss, Überflieger oder Absturzopfer, Helden oder Versager. Für das, was sich zwischen den beiden Extremen abspielt, hat es selbst in gehobeneren Publikationen meist keinen Platz. Und so ist Lucien Favre in diesen Tagen nicht mehr Trainer von Mönchengladbach, sondern von Plattbach. Das naheliegende Wortspiel stammt, Sie haben es erraten, von der «Bild»-Sportredaktion, der Bundeszentrale für fussballtechnische Untergangsszenarien. Von jenem Gremium also, das Favre vor ein paar Wochen noch unterstellte, er sei ein unverbesserlicher Tiefstapler, weil er die Meisterschaft im Jahr nach dem knapp vermiedenen Abstieg nicht zum offiziellen Saisonziel erklären wollte. Nach dem jüngsten 1:2 in Hannover trauen die Fussballweisen den Gladbachern nun nicht einmal mehr zu, Rang 3 und die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen.

Klar: Nur ein Sieg aus den sieben letzten Pflichtspielen, das klingt nach sportlichem Offenbarungseid. Wenn man bedenkt, dass eine dieser Partien der unglückliche Penaltykrimi gegen den FC Bayern im DFB-Pokal war, erscheint aber alles schon weit weniger dramatisch. Richtig schwach waren Favres Borussen selbst bei der 1:2-Heimniederlage gegen Hoffenheim am vorletzten Bundesliga-Spieltag nicht, und im Match beim Tabellenfünften Hannover verhinderte letztlich nur der starke gegnerische Torhüter den ohnehin nicht selbstverständlichen Punktgewinn. Gladbach spielte zwar längst nicht so stilsicher und effizient wie zu den Zeiten des grossen Hochs, hatte aber insgesamt 64 Prozent Ballbesitz und drückte nach dem 0:2 gehörig aufs Gaspedal. Nach dem schnellen Anschlusstreffer war das 2:2 in der Schlussphase mehrfach ganz nah. Von Plattbach keine Spur. Übrigens: Hannover hat in der laufenden Saison zu Hause noch kein Spiel verloren, und auch die Bayern verliessen die niedersächsische Hauptstadt mit einer 1:2-Niederlage im Gepäck.

Für Lucien Favre sind es lediglich zehn Prozent, die seiner Equipe momentan fehlen. Es handle sich dabei um einen Kursverfall von unnatürlichen 110 auf 100 Prozent, so der Schweizer Fussball-Lehrer. Angesichts des Restprogramms mit Spielen gegen Hertha BSC (h), Werder Bremen (a), den 1. FC Köln (h), Borussia Dortmund (a), den FC Augsburg (h) und den FSV Mainz 05 (a) scheint es auch für die 100-Prozent-Borussia durchaus machbar, den Rückstand von drei Punkten gegenüber dem aktuellen Tabellendritten Schalke 04 aufzuholen. Die Schalker treffen noch auf Hannover 96 (h), den 1. FC Nürnberg (a), Dortmund (h), Augsburg (a), die Hertha (h) und Bremen (a).

Wenn sich aus der laufenden Bundesliga-Saison eine Lehre ziehen lässt, dann die, dass man keine Mannschaft vorzeitig abschreiben sollte. Hätten die düsteren Prognosen aus den Schreibstuben der Boulevardpresse zugetroffen, dann wären in Freiburg und Augsburg längst die Lichter ausgegangen und die Bayern würden im Saisonfinish nicht die Chance besitzen, aus eigener Kraft Meister zu werden, sondern sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Wetten, dass aus Plattbach bei einem überzeugenden Sieg gegen Hertha BSC am kommenden Wochenende schon wieder Gladbach wird und aus dem vermeintlich ratlosen Favre das «Super-Hirnli»? Wieder so ein «Bild»-Wortspiel, unter grosszügiger Ausdehnung des Einflussgebiets des Suffixes «-li» auf die Romandie.

Doch was macht die Deutschen gegenüber ihren grossen Fussballclubs so überkritisch? Woher stammt der Hang, entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt auf die Resultatlisten und Tabellen der Bundesliga zu blicken? Wahrscheinlich ist es die Liebe zum Fussball, die in keinem Land auf dem europäischen Festland so intensiv empfunden wird, was auch die enormen Zuschauerzahlen belegen, deren sich die Traditionsvereine selbst in den unteren Ligen erfreuen. Wenn es um Fussball geht, ist das Verhalten der Deutschen ähnlich wie jenes der Schweizer in Sachen Roger Federer. Der Tennisstar war in den Augen seiner Kritiker nach der Niederlage in den Viertelfinals von Wimbledon 2011 gegen Jo-Wilfried Tsonga nur noch ein Häufchen Elend und nach dem Masters-Triumph im November dann doch wieder der Allergrösste.

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36 Kommentare zu “Favre und die deutschen Katastrophen-Szenarien”

  1. Wolfgang Gerster sagt:

    Sie haben schon Recht mit Ihrer schwarz-weiß-Analyse, allerdings ist diese Haltung der Fans und Medien nicht auf Deutschland beschränkt. Auch in den Schweizer Medien und den Fanforen beobachte ich dasselbe Phänomen. Das liegt wohl weniger an der Mentalität als an der “Droge” Fußball.

  2. Dustin Peters sagt:

    Glaube nicht, dass diese Art von Journalismus nur den Deutschen vorbehalten ist. Nur mit Schlagzeilen lassen sich die Auflagen steigern. Am liebsten hat der gemeine Journi Negativ-Schlagzeilen, wenn’s die nicht gibt, geht man halt auf die andere Seit der Skala, Hauptsache man kann schön Superlative produzieren und seine Kreativtät in immer neuen Wortkreationen darstellen…

    • borussia sagt:

      Die Diagnose, dass diese Art der Berichterstattung mit der großen Liebe zum Fußball zusammenhängt, ist leider falsch. Es ist eher eine miese Art speziell über Gladbach zu berichten. Favre hat nur durch seine Leistung und seinen Erfolg die unsachlichen Schlagzeilen verhindert. Solange Borussia punktet, trauen sich die Heckenschützen nicht aus der Deckung heraus. Das beste Beispiel für die miese und unsachliche Berichterstattung war Hans Meyer. Der war nicht bereit, diesen Leuten reinzukriechen. Und das haben sie Ihn und den Verein spüren lassen. Später war dann der Präsident und der Sportdirektor dran. Dann kam die Kampagne mit Effe. Als das gescheitert war, auch durch den großen Erfolg von Favre, war der Spuk schnell vorbei. Sachlich über Fussball diskutieren und berichten, das will der Boulevard nicht. Wer gut spielt und unglücklich verliert, ist ein Looser. Diese Leute interessieren sich auch nicht für Fussball. Es geht nur darum, negative Stimmungen zu erzeugen. Die reiben sich die Hände, wenn die negativen Schlagzeilen endlich den gewünschten Erfolg bringen. Scheinheilig legen sie die Meßlatte immer höher und beklagen sich dann, wenn die von ihnen selbst verlangten Ziele nicht eingehalten werden (können).

  3. Joos Tarnutzer sagt:

    Lieber Herr Kühn, da sind Sie mit den Deutschen aber zu streng finde ich. Ich denke zwar auch, dass Fussball in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert hat (ob dies wirklich intensiver ist als in allen anderen Ländern Europas darüber könnten wir streiten). Aber das von Ihnen beschriebene Auf und Ab beschreibt doch eigentlich den Boulevard-Journalismus. Und dieser funktioniert wohl in jedem Land gleich. Man lese nur regelmässig den Blick. Wie dort z.B. Ch. Gross und YB zuerst aufgebaut und dann in die Pfanne gehauen wird – zum Saison-Auftakt und nach der Winterpause gleich noch einmal … Oder der FC Basel vor- und nach der 7:0 Niederlage gegen die Bayern … (im Gegensatz dazu die Bayern in der Bild von flopp zu Topp). Mit GOOOOOmessi 🙂 Von der Presse abgesehen liegt es wohl auch in der Natur des Menschen, sich an Erfolgen zu begeistern und sich dabei zu erhöhten Hoffnungen hinreissen zu lassen und die allfällige anschliessende Landung auf dem harten (Hosen-)Boden der Realität schmerzlich zu beklagen. Nein nein, mit Deutschland hat das wenig zu tun.

  4. gary sagt:

    …für diesen wirklich sehr sehr guten Bericht der die Polemik dieses Schmierenblattes in hervorragender Weise beleuchtet. Viele grüße vom Niederrhein 🙂

  5. sky - Mönchengladbach sagt:

    Die Bezeichnung “Plattbach” ärgert zwar, aber man weiß halt auch, wer das schreibt. Es wäre einfach zu viel der Ehre, so ein Schundblatt -wie die Bild- zu lesen, oder gar zu kommentieren. Deshalb kann man aber nicht von “den Deutschen” pauschal als solches im unmittelbaren Zusammenhang mit “Bild” reden. Man ist geneigt zu sagen, Bilde Dich und bilde Dir selbst eine Meinung.

    Wir lieben mittlerweile unseren Romand und der Niederrheiner ist geneigt zu sagen: “Bei uns hat er Narrenfreiheit”!
    Wir wissen, was wir an unserem Trainer haben und selbst eine Talfahrt, werden wir geduldig mit ihm aussitzen.
    Es wäre absolut dumm den besten Trainer seit mehreren Jahrzehnten nicht den Kredit zu geben, den er sich mehr als verdient hat.

    Wir wollen Kontinuität und da setzen wir mehr als sehr gerne auf Lucien Favre!!

    Merci Lucien, Chapeau Mannschaft!

    Grüße vom Niederrhein in die schöne Schweiz!

  6. Dr, Besser sagt:

    Plattbach, ist doch ein alter Hut! Wie oft hat die Bild diesen Ausdruck schon benutzt? Weis gar nicht wer so etwas lesen will. Wenn es keiner täte dann gebe es auch nicht solche schlechten Berichte. Ihrer dagen trifft genau zu. Danke!

  7. Georgios sagt:

    …Wahrscheinlich ist es die Liebe zum Fussball, die in keinem Land auf dem europäischen Festland so intensiv empfunden wird…
    Denke mal, das hat bei der Bild-Zeitung nichts “Liebe zum Fussball” zu tun – da geht es schlicht und ergreifend darum, die Auflagen zu verkaufen. Das geht wohl, wie figura zeigt, eher mit Wortspielen und Dramatisieren, als mit seriöser Berichterstattung, leider. Zum Glück kann sich jeder selber aussuchen, welche “Blätter” er liest.

  8. Mark M. sagt:

    Die Übertreibung in einigen deutschen Medien, ist wohl nur durch den grossen Stellenwert des Fussballs erklärbar. Aber abgsehen von Bild, lokalen Boulevard-Blättern und anderen (zu denen ja manchmal sogar der Spiegel gehört), gibt s in Deutschland eine Fachpresse, wo mit grossem Sachverstand und in erstaunlicher Detailliertheit berichtet wird.

    Was Gladbach angeht, so wusste man nach dem langen Höhenflug, das irgendwann auch wieder eine Phase der Stagnation kommt. Überzeugen konnten Sie als Kontermannschaft, jetzt müssen sie aber immer das Spiel machen, sogar gleichweirtige Klubs wie Hannover stellen sich hintenrein. Auch bei Feldüberegenheit stimmt vieles bei Gladbach, nur weiss man eben nicht genau, wie man die Riegel öfter knacken und zu mehr Torchancen kommen kann. Und die vorhandenen Chancen werden derzeit zu wenig genutzt, sogar von Reus, während Handke und de Camargo in den Status von Chancentode abgesunken sind. Wegen dem Problem mit dem Toreschiessen, sehe ich das höher dotierte Schalke gegenüber Gladbach im Vorteil im Rennen um Platz 3, das S04-Programm ist ja nicht viel schwerer.

    Als Innerschweizer Gladbach-Fan hoffe ich nur, dass Favre und Ebert für nächstes Jahr mehr als einen guten neuen Stürmer verpflichten können. Neben einem Reus-Ersatz muss auch die zweite Spitze treffen können, ausserdem brauchts ja eh ein breiteres Kader, damit der Club all die englischen Wochen unbeschadet überstehen kann. Und dann klappts vielleicht auch mal mit einem Titel für Favre in Deutschland – zu gönnen wäre es ihm und die Zeit ist auch reif dafür.

  9. jose bütler sagt:

    nun ja, ich denke, dass man die bild eh nicht für voll nehmen kann und es eigentlich sehr bedenklich ist, dass ein solches “schund-blatt” eine solche macht in deutschland hat, siehe wulff-affäre.
    lucien favre hat in gladbach aussergewöhnliches geleistet, dass steht ausser frage. und damit sind natürlich auch die erwartungen gestiegen. dass er mit seinem relativ dünn besetzten kader, verletzungen und formtiefs der schlüsselspieler nur schlecht kompensieren kann ist logisch. er kann nicht mal schnell einen olic von der bank holen der om abschiesst. und dass spieler wie reuss, dante, neustädter und co. von anderen vereinen umgarnt werden und dann vlt. nicht mehr mit 100% bei der sache sind, vereinfacht die situation nicht gerade. also vergesst die polemik und das proleten-getue der bild und sonstiger lautsprecher in de und freut euch, dass die fohlen die saison mind. auf dem 4. rang abschliessen werden. ich denke, fussball kenner wie g. netzer wissen die leistung von favre realistisch einzuschätzen.

  10. Pascal sagt:

    Tadelloser Kommentar, den sich einige Gladbach-Fans etwas genauer zu Gemüte führen sollten (mich eingeschlossen). Natürlich bin ich nicht zufrieden mit den vergangenen Partien – ich bin aber mehr als zufrieden mit der gesamten Saison, die – da bin ich sicher – mindestens mit dem Einzug in die CL-Quali gekrönt wird. Dass eine Schwächephase kommen würde, war zu erwarten, das Team hatte sich seit so vielen Spielen keine bzw. kaum Schwächen gegönnt, das ist höchstens für Barca und Konsorten dauerhaft durchzuhalten. Im Übrigen sind wir immer noch Rückrundensechster (!), allein das wäre für sich genommen ein Erfolg. Die Panikmache der einschlägigen Boulevardmedien nehme ich gar nicht erst wahr. Sollen sie doch rumwurschteln und von Plattbach faseln. Fakt ist: Es sind weiterhin 10 Punkte und 19 Tore Vorsprung auf Rang 5, das nimmt uns in den letzten sechs Spielen niemand mehr. Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten.

  11. Klingone sagt:

    Ich finde, dass richtig!!!11! Die Bildzeitung lese ich gar nicht oder sage das zumindest. Das mit einem s.

  12. Winfried Vorbeck sagt:

    Hallo,

    ich weiß nicht, wie das mit der Boulevardpresse in der Schweiz abläuft, aber in Deutschland verhält es sich so, dass die Bundesliga-Mannschaften so lang in den Himmel gelobt werden, wie sie nicht antastbar sind. Sobald eine Angriffsfläche erahnt wird, werden Bomben ohne Ende gelegt. Schließlich kann die Bild durch Skandälchen und Streitereien mehr Geschichten und Enthüllungen generieren als aus einer heilen Welt.

    Ein schönes Beispiel ist, wie Sie in dem wirklich guten Bericht erwähnen, Borussia Mönchengladbach: als die Mannschaft einen “Lauf” hatte, wäre jegliche Form von Kritik auf Unverständnis gestoßen. Jetzt, wo es vermeintlich nicht vollkommen rund läuft, wird gezündelt.

    Und seien Sie sich sicher: mir gehen Wortspiele wie “Super-Hirnli” oder “Plattbach” oder “Müdengladbach” auf den Geist. Gottseidank kriege ich den Kram lediglich indirekt mit, weil ich – wie viele andere auch – die Bildzeitung ingoriere.


    Beste Grüße aus Deutschland
    Winfried Vorbeck

    • Gela sagt:

      Bitte nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich habe Begriffe wie “Plattbach” oder “Müdengladbach” hier auch zum ersten Mal gelesen – und musste schnunzeln. Das ist nun mal Boulevard-Journalismus und geht meiner Meinung nach auch nicht unter die Gürtellinie. Da herrschen in anderen Ländern oft viel rauere Sitten. Solche Wortspiele würden mich als Fan nicht belasten.

  13. Palin Drome sagt:

    Eine Zustandsbeschreibung, die nach meinem Eindruck als nordwestdeutscher Fußballinteressierter an der Wahrnehmung der meisten Leute hier ziemlich vorbeigeht. Lucien Favre genießt hierzulande auch nach einer Serie von erfolglosen Spielen immer noch großen Respekt für das, was er in kurzer Zeit aus Borussia M’Gladbach gemacht hat. Wer nicht die Bildzeitung (seit wann ist das übrigens eine “gehobene Publikation”?) liest, dürfte von dem depperten Wortspiel “Plattbach” noch nie gehört haben.

  14. Björn Lamprichs sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Er spricht mir aus der Seele.

  15. Alex sagt:

    Also ich weiss nicht recht, aber solche Aussagen wie im obigen Text kann ich weder im BorussenForum, weder bei Spox, oder auf Spielverlagerung noch auf Kicker wiederfinden! Nur weil die Bild auf alles Nachtritt was mal eine gute Story sein könnte, muss der Tagi als Qualitätszeitung dies nicht gerade übernehmen!

    Mehr Schall und Rauch, aber sicher nichts ernstes!

    Was war das Ziel schon wieder? Ach ja, unter die ersten 10 zu kommen 😉

    Viele Grüsse
    Der Fussballfan

  16. Auguste sagt:

    hmm…, die vereinzelt aufkommende kritik an favre ist natürlich reines medien-spektakel. dass gladbach eigentlich immer über seinen verhältnissen spielen konnte, war dem taktischen plan des trainers und der oft genug perfekten umsetzung durch die spieler geschuldet.

    allerdings stösst dieses system jetzt gegen saisonende an seine grenzen. beim schlanken kader zeigen sich tatsächlich ermüdungserscheinungen. davon zeuen die sich häufenden, verschenkten halbzeiten, in denen die gladbacher zu wenig konsequent und druckvoll die mögliche entscheidung suchten. die verletzung des zu beginn der rückrunde zu grosser form auflaufenden aussenstürmers patrick herrmann kam im dümmsten moment. reuss ist ein fantastischer stürmer, aber eine ganze saison lang die hauptlast des angriffs zu tragen ist eine aufgabe, die stark an den kräften zehrt. favre war sich der “schwächen” seiner mannschaft immer bewusst und verhehlte sie auch nie. das erreichen der cl-qualifikation oder gar die direkte teilnahme daran ist ein kleines “fussballwunder”.

    die krönung von favres arbeit in gladbach könnte nächste saison kommen, wenn dort wieder internationaler fussball gespielt wird, und die mannschaft trotz schwerwiegender abgänge (reuss, neustädter, dante?) das erreichte niveau durch kluge verstärkungen in etwa halten könnte.

  17. Chris sagt:

    Sehr zutreffende Beobachtung!

    Ich vermute, dass dramatische Berichte/Gerüchte über stark emotionalisierte Themen (im Fußball ähnlich wie beim deutschen Präsidialfiasko) oftmals in der Presse lanciert werden um die Auflage zu steigern.
    In Deutschland ist diese Methodik besonders effektiv, da wir Deutschen uns – so glaube ich – recht gerne Sorgen und Hoffnungen machen, diskutieren, jubeln und verzweifeln (Genauso wie der deutsche gerne auf hohem Niveau nörgelt).

    Der Leser kann sich kaum am Markt gegen solche Berichte wehren, da – wie oben schon bemerkt – die gesamte Bandbreite der Berichterstattung in die selbe Kerbe schlägt!
    Die einzige Alternative stellen Blogs dar, welche leider nicht immer professionell betrieben werden und oft genau in die andere Richtung übertreiben.

    Ein Drama mit höchster Emotionalität…

    • Pedro sagt:

      Ach was. Das ist doch in allen Laendern gleich. Wir nehmen halt nur die Artikel in Deutsch wahr. Es sind halt mehrere Laender die Deutsch als Muttersprache haben. Ich denke mal das es in allen grossen Ligen gleich ist. Englisch verstehe ich einigermassen und was da in den Medien abgeht ist noch einen Faktor hoeher, in Spanien und Italien wird das aehnlich sein.

  18. Nino sagt:

    Herr Kühn, dass man keine Mannschaft vorzeitig abschreiben sollte ist ja keine neue Erkenntnis. Die (Deutschen) Medien malen Schwarz oder Weiss, dies polarisiert und steigert die Auflagen, mit Fussballliebe hat das nichts zu tun, eher am grossen Fussballinteresse der Fans, diese lechzen nach ‘Sensationen’. Es geht (vor allem bei BILD) nicht um die Sache Fussball, es geht um Wirtschaftlichkeitsdenken. Für die Clubs/Trainer sind No News = Bad News, wenn irgend einen ‘Scheiss’ geschrieben wird bleiben Clubs/Trainer wenigstens interessant. Also müssen Clubs/Trainer mit unsachlichen Kommentaren leben lernen, dies gehört zum Business. Favre sieht das ganz richtig wenn er den Ball immer schön flach hält, das macht ihn weniger angreifbar, aber auch er ist nach 2 Niederlagen in Folge zum Abschuss bereit, Brutal aber es ist so!

  19. Bregy sagt:

    Das ist doch nur der Boulevard-Stil! Mit Extremen spricht man das dumme Volk an. Ihr geht da schon etwas weiter – analysiert und wägt ab. Das ist für den Stammtisch und die mässig Intelligenten. Den Rest interessiert das nicht oder weiss um die Wertlosigkeit derartiger Analysen. Oder: Man hat viel Zeit wie ich. Dann liest man das Alles trotzdem, fühlt sich gut, dass man mit leerem Geschwafel nicht den Lebensunterhalt verdienen muss, aber trozdem Zeit hat, es sich zu Gemüte zu führen.

  20. Lutz Heyer sagt:

    Vielen Dank für diesen Bericht, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Leider sind in Deutschland solche differnzierten Sichtweisen eher selten. Die schönen Facetten des Fussballs kommen durch die Schwarz-Weiss Malerei einiger Presseorgane viel zu kurz.
    Vielmehr reduziert sich alles auf die Formel “Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten”.
    In diesem Zusammenhang auch vielen Dank für die sensationelle Wortsschöpfung “Bundeszentrale für fussballtechnische Untergangsszenarien”

  21. Franz sagt:

    Im Hochjubeln Favres stehen wir Schweizer unsern Nachbarn in nichts nach. Was wurde in den Medien – auch im Steilpass – vor wenigen Monaten nicht alles geschrieben: weltbester Trainer, Heynckes weg/Favre hin, Nati übernehmen usw. Als wären alle andern Berufskollegen Anfänger. Favre ist zweifellos ein guter Trainer, aber auch er kocht nur mit Wasser. Es gibt etliche Flops in seiner Karriere. Bevor man ihn auf den Sockel gestellt hat, hätte man besser das Saisonende abgewartet. Verfällt der Deutsche ins Katastrophen-Szenario, schweigt der Schweizer lieber. Das ist der Unterschied.

    • Mark M. sagt:

      Eigentlich hast Du recht, aber bei “etlichen Flops”, bin ich dan doch mal kurz über den Text gestolpert. Ich komme beim Nachzählen auf 3 oder 4 erinnernswerte Flops, also kommen auf ca. 3 Jahre Trainertätigkeit ein nennenswerter Flop. Sind das wirklich etliche?

      • Franz sagt:

        Verstehe Deinen Einwand, eigentlich wollte ich nachträglich auf “ein paar” korrigieren, nur geht das leider nicht. Hier noch meine persönliche Flop-Statistik: Servette in der Meisterschaft, FCZ zu Beginn, Hertha am Schluss.

  22. Kurt Glinski sagt:

    Super Artikel der genau zutrifft.
    Das Gladbach eine Supersaison spielt ist wohl unbestritten.
    Egal wie die letzten Spiele ausgehen – ich bin nach wir vor sehr stolz auf meine Borussia.

  23. Kuno Braun sagt:

    Lieber Alexander Kühn,
    vielen Dank für diesen, sich wohltuend vom deutschen Boulevard, abhebenden Artikel. Bis heute kann ich nicht wirklich verstehen, warum die Bild-Zeitung und der Könler EXPRESS, die doch über genügend Mittel verfügen sollten, so minderklassige Autoren wie Axel Ströker beschäftigen. Man fragt sich in der Tat schon, ob deren Artikel nicht einfach nur billige Schlagzeilenproduktion und – zumindest beim EXPRESS – schwachsinniger Lokalpatriotismus darstellen.

    Danke für Ihren klugen Artikel – es dürfte derer gerne mehr geben.

    MFG
    Thorsten Kuno Braun

  24. Ralf sagt:

    Hallo,

    sehr treffender Artikel zu den Praktiken von BLÖD. Zurzeit haben sich die Redakteure dieses Käseblatts mittlerweile Dortmund ausgeguckt, um negative Stimmung zu verbreiten (Stichwort Kagawa, Lewandowski und Barrios).

    Ich bin seit 40 Jahren Fan von Borussia Mönchengladbach und denke, dass wir nun mit Favre den besten Trainer seit Langem haben. Er ist nahe an Weisweiler und steht mindestens auf einer Stufe mit Heynckes. Ich glaube, dass das auch der Großteil der Gladbach-Fans so sieht.

    MfG

    Ralf

  25. Mike# sagt:

    Ein sehr guter Bericht über eine leider blöde – aber gewohnte – Bild-Berichterstattung,
    wobei Bericht in guten wie schlechten Zeiten oftmals unzutreffend ist
    für Beiträge im Bilder-Blätterkatatlog des Axel-Springer-Verlages.

    Traurig nur, wie viele (blöde) Leute diese unsachliche und unseriöse Bild kaufen und “lesen”.

    Noch trauriger finde ich, wie billiger Boulevard-Journalismus zum Teil von seriösen Medien zitiert und übernommen
    wird. Hierzu zähle ich immer wieder auch Unruhe-Themen, wie Favre-Abgangsspekulation sowie Dante u.W.

    Favre macht einen guten Job – trotz gewohnter, billiger Medienhetze gegen Borussia Mönchengladbach.
    Und das beste Beispiel ist, wie Sie im Bericht hier veröffentlichen, das bereits überwundene Tief der Bayern
    und der Umgang mit Trainern im Besonderen. Favre mag in seiner Karriere vielleicht auch nicht alles perfekt
    gemacht zu haben, aber eben mit denselben Leuten einen enorm guten Start ( Spieltag 28 – 51 Punkte, Platz 4
    mit 10 Punkten Vorsprung zu Platz 5 ), weswegen ich zur Beurteilgung von Favre nicht bis zum Spieltagsende
    abwarten muss – Tiefen kennt jeder ( auch Bayern u.a. TOP-Clubs mit Mill.-Budget ) – aber nicht jeder hat
    eine deratig tolle Entwicklung wie der souverän agierende und sehr sympathische Lucien Favre.

  26. Lukas Engler sagt:

    Irgendwann bezahlt man eben im Leben zurück für das, was man vorher einmal einem anderen angetan hat. Gilt auch für Favre!

  27. Franz Melliger sagt:

    Ist ja wirklich nicht so, als wäre das ein deutsches Phänomen. Man denke etwa an die Berichterstattung über die Schweizer Nati. Von Gottmar zur Flasche Hitzfeld ging es da auch verteufelt schnell. Basel wurde in den Himmel gelobt und plötzlich wurde nach dem 7:0 die Frage gestellt, ob jetzt die ganze Kampagne kaputt gemacht wurde…
    Oder da ist Basel plötzlich auf unabsehbare Zeit Serienmeister, obwohl man eigentlich wissen sollte, wie schnell ein Abstieg eines Topclubs geschehen kann (siehe GC).
    Und hiess es nicht beim ZSC noch vor kurzem, der Trainer würde das Team nicht erreichen? Und plötzlich ist er der Trainerfuchs, der halt die Saison dazu nutzte, seine Philosophie den Spielern klarzumachen.

    Im Sport geht es halt zuweilen sehr schnell. Nach einem Sieg ist man König (etwa Schweiz-Spanien) und kurz später der Depp (Schweiz-Chile). Die Presse schürt halt gerne Emotionen und produziert griffige Schlagzeilen. Das lässt sich aber wie gesagt keineswegs auf den deutschen Raum beschränken. Im übrigen auch nicht auf die Berichterstattung im Sport.

    • Franz Melliger sagt:

      Dazu muss man, wie von einigen angetönt, der deutschen Sportpresse nicht gerecht wird, wenn man nur die BILD-Berichterstattung beleuchtet. So lese ich etwa sehr regelmässig den Kicker und sehe da keine peinlichen Wortspiele, sondern sachliche Analysen, welche m.E. in der hiesigen Sportpresse ihresgleichen suchen.

  28. Thomas Luchs sagt:

    Text: Tip top!
    Favres Arbeit in Gladbach: Tip top!