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Chikhaoui muss beim FCZ bleiben

Simon Zimmerli am Freitag den 7. März 2014
FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NLA, LNA, NATONALLIGA A, MEISTERSCHAFT, SAISON 2013/14, FC ZUERICH, FCZ, FC THUN,

Spektakulärer Ballkünstler: Yassine Chikhaoui jubelt mit seinen Teamkollegen vom FCZ. (Keystone)

Ich muss mein Urteil über den FC Zürich, dem ich vor zwei Wochen eine gewisse Farblosigkeit zur Last legte, revidieren. Urs Meier scheint das Kunststück zu gelingen, aus bis anhin genügsamen Individualisten mit schwierigen Charakteren eine funktionierende Mannschaft zu formen.

Der FCZ spielte im Derby am letzten Samstag phasenweise berauschenden Fussball. Kein Zufall, stand doch wieder einmal Yassine Chikhaoui in der Anfangsformation, den wir zuletzt nur beim tunesischen Nationalteam mit derart viel Spielfreude und sogar kämpferischen Qualitäten sahen. Ob seiner Ballannahme mit der Fusspitze und dem Pässchen, mit der er die ganze Verteidigung des Gegners aushebelt, können sich bestimmt auch Fussballfans vom Rheinknie oder aus Niederhasli erfreuen. Selbst Kollege und Gleisseiten-Konvertit Kühn – wir mussten aus Sicherheitsgründen auf der Westtribüne Platz nehmen – liess sich zu verhaltenem Applaus hinreissen. Yassine hatte Dutzende solcher Szenen, die seinen Übernamen «la perle tunesienne» rechtfertigen.

Dies war in den Spielen der letzten sechseinhalb Jahre leider selten der Fall. Die Krankenakte des 27-jährigen Ausnahmekönners benötigt viel Platz im Büro des Mannschaftsarztes. Vor sechs Jahren noch mit dem FC Bayern München und anderen Spitzenclubs in Verbindung gebracht, sind heute wohl lediglich noch Scouts aus finanzschwachen Ligen hinter dem sensiblen Ballkünstler her.

Trainer Urs Meier sagte der NZZ nach dem Derby: «Chikhaoui hat finanzielle Ansprüche. Da können wir nicht mithalten.» Alles, was dem FCZ im Fall Chikhaoui entgeht, ist eine angemessene Ablösesumme. Sein Lohn, eine geschätzte Million pro Jahr, inklusive Handgeld und Prämien, wurde zu einem grossen Teil von der Versicherung finanziert. Und selbst wenn der FCZ keinen Versicherungsschutz hätte; Yassine wäre auch so jeden Franken wert gewesen.

Der Entscheid, den spektakulärsten und elegantesten Fussballer aller Zeiten in der Super League ablösefrei ziehen zu lassen, ist falsch.

Sicher, wir dürfen nicht vergessen, dass Yassine derzeit um einen neuen Vertrag spielt, aber in erster Linie spielt er für den von ihm geliebten Stadtclub und dessen neu entfachten Ambitionen. Nicht nur ihm fehlte die Motivation, als sich der FCZ in den Niederungen der Tabelle einrichtete. Jeder einzelne Spieler erinnerte mich damals an das traurige Kind aus der Sanostol-Werbung, das einfach nicht spielen will.

Lieber Ancillo Canepa, ich habe Verständnis für Ihren Entscheid, aber setzen Sie sich doch mit Yassine nochmals an einen Tisch. Denken Sie daran, dass er vermutlich die Hälfte seiner jährlichen Forderung mit Zuschauereinnahmen einspielt. Zuschauer, die nur seinetwegen ins Stadion pilgern. Glauben Sie daran, dass er gesund bleibt und geben Sie ihm doch den gewünschten Vertrag. Ich stelle mir das so grausam vor, Yassine nächste Saison im rotblauen Trikot feiern zu müssen.

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