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Wie stehen Sie zum FC Basel?

Fabian Ruch am Mittwoch den 19. Februar 2014
Fans des FCB im St.-Jakob-Park. (Keystone/Georgios Kefalas)

Fans des FCB im St.-Jakob-Park. (Keystone/Georgios Kefalas)

Letzte Woche schrieb ich hier im Blog, dass der FC Basel einen Schiedsrichterbonus besitze. Das ist eine Urdebatte im Schweizer Fussball, klar, und doch war ich überrascht von den zahlreichen Reaktionen. Polemische und sachliche. Ausführliche Dokumentationen und primitives Geschwätz. Man kann sie grob so zusammenfassen: hier Basel, dort die Fussballrestschweiz.

Der FCB jedenfalls lässt kaum jemanden kalt, und auch das ist ja keine Überraschung, weil er derart dominant ist, dass er möglicherweise zu gut und zu gross für die Super League geworden ist. Sportlich. Und vor allem wirtschaftlich. Darüber schrieb ich hier letztes Jahr. Und auch damals waren die Kommentare und Reaktionen bemerkenswert vielfältig.

Und wenn sich in dieser Diskussion der ganze Rauch verzogen hat und der Puls bei allen Fans und Beteiligten gesunken ist, lässt sich sowieso festhalten: Ohne den FCB wäre die Super League erheblich langweiliger. Er geniesst völlig zu Recht einen Sonderstatus im Schweizer Fussball. Im Ausland. In den Medien. In diesem Blog. Und eben vielleicht manchmal auch bei den Schiedsrichtern.

So ist das. Wir sollten alle froh sein, gibt es diesen FC Basel, der uns Schweizer in der Champions League und in der Europa League ein bisschen am grossen Fussball teilhaben lässt. Der in der Liga und im Cup vor allem im Herbst nicht immer mit der nötigen Konsequenz spielt, am Ende im Frühling aber doch Trophäe um Trophäe gewinnt. Der schier Halbjahr für Halbjahr seine besten Kräfte ersetzen muss. Und dem das meistens ausgezeichnet gelingt.

Die Spieler des FC Basel nach einem Spiel gegen YB, 8. Februar 2014. (Keystone/Patrick Straub)

Die Spieler des FC Basel nach einem Spiel gegen YB, 8. Februar 2014. (Keystone/Patrick Straub)

Auch 2014 stehen die Chancen auf ein FCB-Double ja ausgezeichnet. Und auch dieses Jahr werden die Basler im Sommer höchstwahrscheinlich mehrere Stammspieler verlieren. Goalie Yann Sommer. Abwehrchef Fabian Schär. Flügelspieler Valentin Stocker. Zusammen mit den Einnahmen aus der Champions League und der stolzen Ablösesumme, die Chelsea im Januar für Mohamed Salah überwies, dürften es letztlich beinahe 50 Millionen Franken sein, die der FCB in dieser Saison allein aus Spielerverkäufen und in der Königsklasse verdient.

Zu gross?! Zu gut?! Zu mächtig?!

Der FC Basel polarisiert. Seine Nationalspieler, besonders diejenigen, die anecken, werden teilweise selbst im Nationaltrikot nicht bedingungslos unterstützt. Von der Fussballrestschweiz. Basel ist wie Juventus. Oder Bayern. Oder Real und Barcelona. Stark, erfolgreich, zuweilen arrogant. Geliebt. Oder verhasst. Partien gegen den FCB sind für die anderen Vereine Festspiele, weil sie selten etwas zu verlieren haben. Aber viel zu gewinnen. Und genau das macht die Basler Titelhamsterei auch so besonders beeindruckend. Super League ist, wenn am Ende der FC Basel jubelt.

Dabei, und das schreibe ich frei von Polemik, wäre dieser FCB in dieser Saison zu packen. Er gewinnt, das schon, aber er überzeugt keineswegs restlos. Noch fehlt der spielerische Glanz in seinen Auftritten. Luzern und St. Gallen allerdings sind durchzogen in die Rückrunde gestartet, sie besitzen ohnehin nicht die Klasse, um Basel anzugreifen. YB hätte bekanntlich ein ziemlich gutes Team, doch die bittere Niederlage in Basel vor eineinhalb Wochen, als der FCB dank drei krassen Schiedsrichterfehlern noch 3:2 siegte, hat die Young Boys getroffen. Zudem verloren sie in dieser Begegnung auch noch den ungemein wichtigen, mannschaftsdienlichen Stürmer Alexander Gerndt. Der Schwede verpasst – nach einem brutalen Foul von Basels Taulant Xhaka – mit mehreren Fussverletzungen den Rest der Saison. Zudem können die Young Boys kaum ins Titelrennen eingreifen, wenn sie in jeder Partie drei Gegentore erhalten. Die Defensive um die starken, teuren Innenverteidiger Steve von Bergen und Milan Vilotic muss sich schleunigst steigern.

Und GC? Wirkt weiterhin erstaunlich stabil – und kann am nächsten Sonntag im Heimspiel den FCB bremsen. Vielleicht erscheinen zu diesem Spitzenkampf ja für einmal mehr als bloss ein paar Tausend Zuschauer im Letzigrund. Es geht um die Spannung an der Super-League-Spitze. Und mal wieder hofft die Fussballschweiz (minus Basel-Fangemeinde) auf einen Ausrutscher des FCB.

Und wie stehen Sie zum FC Basel? Sind Sie stolz auf ihn, weil er in Europa grosse Ehre für den Schweizer Fussball einlegt? Oder nervt er Sie, weil er zu gross und erfolgreich und arrogant ist?

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