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Hat der FC Basel einen Bonus bei den Schiedsrichtern?

Fabian Ruch am Mittwoch den 12. Februar 2014
Schiedsrichtervorteil für den FC Basel? Basels Marco Streller diskutiert mit einem Schiedsrichter. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Schiedsrichtervorteil für den FC Basel? Basels Marco Streller diskutiert mit einem Schiedsrichter. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Der FC Basel hat in den letzten Jahren ausserordentliche Leistungen erbracht, der Verein arbeitet professionell und ausgezeichnet und ist sportlich wie wirtschaftlich fantastisch aufgestellt. Der FCB ist, das darf man so schreiben, der Stolz der Fussballschweiz. Das wurde auch in diesem Blog immer wieder ausführlich betont. Sein Stellenwert ist riesig, er ist der unangefochtene Primus des Landes. Geliebt. Gefürchtet. Respektiert.

Wie andere grosse Mannschaften aber profitiert Basel regelmässig von Schiedsrichterentscheidungen. Und man wird ja, gerade nach den Ereignissen vom Wochenende, mal wieder die Frage aufwerfen dürfen: Hat der FCB bei den Spielleitern einen Bonus?

Ich behaupte: ja!

Das heisst natürlich nicht, dass die Unparteiischen den FC Basel bewusst bevorzugen. Von dieser provokativen Meinung bin ich weit entfernt, das wäre kompletter Unsinn. Aber: Die Schiedsrichter lassen sich zu oft beeinflussen. Im St.-Jakob-Park ist die Stimmung zuweilen aufgeheizt, und dann fehlt den Referees der Mut, in heiklen Situationen gegen den FCB zu entscheiden. Beispiele aus den letzten Jahren gibt es viele. Und regelmässig erhält Basel ja gerade in der Schlussphase einer Begegnung Elfmeter zugesprochen. Nicht jeder ist gerechtfertigt. Die smarten FCB-Offensivkräfte wissen ganz genau, wie sie sich im gegnerischen Strafraum zu verhalten haben.

YB weiss ein trauriges Lied davon zu berichten. Am Samstag, nach der 2:3-Niederlage in Basel, meinte ein langjähriger Super-League-Spieler der Young Boys, er wisse nicht, der wievielte umstrittene Elfmeter im St.-Jakob-Park gegen seine Mannschaft gepfiffen worden sei. Es seien unglaublich viele. So ist die Wahrnehmung vieler Fussballer.

Die Debatte, ob der FCB einen Schiribonus besitzt, kocht immer wieder hoch. Natürlich hat sich der Schweizer Meister sein besonderes Standing mit harter, erfolgreicher Arbeit redlich verdient. Die Fehler der Schiedsrichter aber verfälschen das Tabellenbild. So hätten die Young Boys in der Vorrunde dieser Saison im Stade de Suisse in der 91. Minute einen Elfmeter zugesprochen erhalten sollen, als Basels Verteidiger Ivan Ivanov den YB-Stürmer Haris Tabakovic eindeutig an den Schultern zerrte. Der Pfiff von Nikolaj Hänni blieb aus, die Partie endete kurz darauf 2:2. Und am letzten Samstag fühlten sich die Young Boys eben zum wiederholten Mal in Basel benachteiligt. Hänni, wieder er, entschied gleich in drei wichtigen Szenen gegen die Berner. Es waren drei krasse Fehler.

Beim 1:2-Anschlusstor von Marco Streller standen zwei Basler deutlich im Abseits. Sie bückten sich bei Strellers Schuss und störten YB-Goalie Yvon Mvogo zweifellos. Taulant Xhaka wiederum hätte für sein brutales Foulspiel gegen Alexander Gerndt, der nun monatelang verletzt ausfällt, einen Platzverweis verdient gehabt. Oder wann sonst muss man für ein Foulspiel die Rote Karte zeigen? Und zu schlechter Letzt war es in der 89. Minute natürlich niemals ein Elfmeter, als Streller im YB-Strafraum zu Boden ging. Es hätte Freistoss rund 25 Meter vor dem Tor der Young Boys geben müssen, denn dort fand das Foulspiel von YB-Verteidiger Milan Vilotic statt.

Im Berner Lager wurde nach der Begegnung moniert, Nikolaj Hänni sei beeinflusst gewesen, weil Basler Spieler und Vertreter in der Pause mal wieder auf den Schiedsrichter eingeredet hätten. Hänni hatte ja in der ersten Halbzeit unglücklich das 2:0 der Young Boys eingeleitet, weil er eine Basler Kombination 80 Meter (!) vom FCB-Tor entfernt stoppte, als er im Weg stand. Er hatte möglicherweise ein schlechtes Gewissen – und entschied sich für diesen Kompensationselfmeter.

Es heisst, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter würden sich im Verlauf einer Saison für die Mannschaften ausgleichen. Doch frei von Polemik darf man festhalten, dass die grossen, prominenten Teams im Fussball oft bevorzugt werden. Das ist nicht nur in der Schweiz so. Und es ist absolut nachvollziehbar. Schiedsrichter sind keine Übermenschen.

Was denken Sie? Besitzt der FC Basel bei den Schiedsrichtern tatsächlich einen Bonus, wie es immer wieder heisst? Oder sind die anderen Vereine einfach nur schlechte Verlierer? Und: Wie beurteilen Sie die Leistungen der Referees in der Super League?

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