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Nur YB kann Basel gefährlich werden

Fabian Ruch am Mittwoch den 5. Februar 2014
Grosses Potenzial in der Offensive: Der Berner Josef Martinez feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Thun am vergangenen Sonntag. (Foto: Peter Schneider/Keystone)

Grosses Potenzial in der Offensive: Der Berner Josef Martinez feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Thun am vergangenen Sonntag. (Foto: Peter Schneider/Keystone)

Auf dem Papier bahnt sich ja ein sehr spannender Titelkampf in der Super League an. Fünf Teams liegen an der Spitze nahe zusammen, und die vor der Saison hoch eingeschätzten Zürich und Sion sind nicht einmal im Meisterrennen involviert.

Dennoch behaupte ich: Es droht ein langweiliger Schweizer Fussballfrühling, weil der FCB zu stark und gross und dominant ist. Und: Nur YB kann Basel ernsthaft gefährlich werden.

Luzern und St. Gallen erlitten am letzten Wochenende zum Start der Rückrunde bereits kleine Dämpfer. Sie sind die wackeren Überraschungsteams, sie sind gut organisiert, solid, sie sind Trainerteams, weil Carlos Bernegger in Luzern sowie Jeff Saibene in St. Gallen das Optimum aus den Möglichkeiten des Kaders herausholen.

Das aber reicht niemals, um den FCB herauszufordern.

Bleiben YB und GC als Konkurrenten des Titelhamsterers aus Basel. GC war bereits in der letzten Saison nicht weit vom FCB entfernt, er forderte den Primus in der Liga und schlug ihn im Cupfinal. Und auch unter dem deutschen Coach Michael Skibbe wirkt der Grasshopper-Club ausbalanciert und homogen, der Zürcher Verein agiert trotz Finanzsorgen, Führungskapriolen und Stadionproblem relativ erfolgreich und reif und ist gut genug, um Dritter zu werden. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Mannschaft von GC ist klar schwächer als jene von Basel, und wenn Stammkräfte ausfallen, führt das sofort zu einem Leistungseinbruch. Die Personaldecke ist enorm dünn.

Zudem ist es wirklich erstaunlich, wie wenig Zuschauer GC anlocken kann. Das ist, man muss es mal wieder schreiben, sehr bitter. Das Team spielt seit eineinhalb Jahren ganz oben mit, aber Big Züri hat es nicht bemerkt – oder es interessiert (fast) niemanden. Fussballbegeisterung löst dieser Verein leider kaum aus.

Ganz anders in Bern, wo YB zwar seit Jahren der Musik hinterherläuft, aber mal wieder auf dem Weg der Besserung ist. So scheint es jedenfalls, am nächsten Samstag treten die Young Boys in Basel zum Spitzenspiel Zweiter beim Ersten an – bei einem FCB-Heimsieg jedoch würde der Champion bereits wieder fünf Punkte vor den Bernern liegen. Die Young Boys allerdings haben absolut nichts zu verlieren, und es gibt ja durchaus Gründe, die für einen YB-Höhenflug in den nächsten Wochen sprechen.

Da ist einerseits das Potenzial in der Offensive mit den jungen, sehr begabten Michael Frey, Josef Martinez und Yuya Kubo sowie den erfahrenen Gonzalo Zarate, Alexander Gerndt und Raphael Nuzzolo. Da ist aber, andererseits, vor allem diese überragende, kostspielige Innenverteidigung. Den neben Basels Fabian Schär besten Abwehrspieler der Liga besassen die Young Boys mit Nationalspieler Steve von Bergen bereits seit dem Sommer, und am Wochenende kam mit Milan Vilotic der wohl drittstärkste Verteidiger der Super League dazu. Von Bergen und Vilotic dürften bald ein überragendes Abwehrbollwerk darstellen.

Beim Transfer von Vilotic, der in Bern wieder beim letztjährigen GC-Trainer Uli Forte engagiert sein wird, sah man auch die Kräfteverhältnisse korrekt dargestellt. YB ist dank seinen finanzkräftigen Besitzern Andy und Hans-Ueli Rihs, die seit Jahren Millionendefizite decken, in der Lage, wirtschaftliche Risiken einzugehen. GC dagegen muss den Gürtel erheblich enger schnallen.

Nicht herausragend besetzt sind die Young Boys übrigens im zentralen Mittelfeld. Und der wohl stärkste Aufbauer der Super League spielt noch bei GC, er gilt wie Vilotic als ein Forte-Lieblingsspieler – und wäre gleichfalls gewiss sehr teuer. Mit Veroljub Salatic jedenfalls hätte YB endgültig eine Mannschaft, die Basel herausfordern könnte.

Was denken Sie? Wer kann Basel gefährden? Wie sieht derzeit die Hierarchie hinter dem FCB aus? Und was trauen Sie den Verfolgern zu?

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