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Achtung: Hooligans!

Simon Zimmerli am Freitag den 31. Januar 2014
FCL-Fans während eines Europaleague-Spiele gegen Genk, 23. August 2012. (Keystone/Urs Flüeler)

FCL-Fans während eines Europa-League-Spiels gegen Genk, 23. August 2012. (Keystone/Urs Flüeler)

«Hooligan-Alarm im FCL-Trainingslager» titelte Blick.ch vergangene Woche und legte auf der Titelseite der Printausgabe noch einen nach: «FCL-Hooligans wüten in Spanien». Auch die «Neue Luzerner Zeitung» sparte nicht an Druckerschwärze für diesen hochbrisanten Fall. Machte sie doch das «pikante» Detail öffentlich, dass sich die drei FC-Luzern-Hooligans nicht nur im gleichen Hotel wie die Mannschaft einquartierten, sondern dass im feudalen Gran Hotel Guadalpin Banus (5 Sterne), direkt am Strand der Costa del Sol, auch Präsident Stäger, Ehrenpräsident Stierli und weitere wichtige FCL-Persönlichkeiten ein- und ausgingen. So etwas! Der Fussballpöbel nächtigt im gleichen Hotel wie die elitäre Vereinsführung?

Während des Testspiels des FC Luzern gegen Steaua Bukarest (1:0) etwas ausserhalb des Stadtzentrums verhielten sich die drei jungen Luzerner Fans friedlich. Auch im Hotel attestierten ihnen die FCL-Verantwortlichen Freundlichkeit, Interesse und schlicht Freude, unter ihren Lieblingen zu sein. Ich wäre auch freundlich, interessiert und glücklich bei der Vorstellung, mit Yassine Chikhaoui am Frühstückstisch zu sitzen, das Brotkörbchen mit ihm zu teilen und ihm ab und an ein Honigschnittli zu streichen.

Zu später Stunde wurden jedoch zwei der Luzerner Fans verhaftet, nachdem sie den Sieg ihrer Mannschaft in der südspanischen Stadt Marbella mit einigen Drinks gefeiert hatten. Über den Grund der beiden Verhaftungen sind keine Details bekannt. Wer jedoch weiss, wie aggressiv die spanische Polizei gegen Touristen vorgeht, die sich etwas ausserhalb der Norm bewegen, kann sich vielleicht denken, wie viele Zeilen diese Bagatelle den seriös arbeitenden Journalisten wirklich wert gewesen wäre. Untermauert wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass die verhafteten Fans schon am übernächsten Tag ohne Hinterlegung einer Kaution oder dergleichen aus der Haft entlassen wurden.

Weit dramatischer als die Verhaftung der beiden FCL-Fans ist die Berichterstattung der Schweizer Medien. Ohne die genauen Hintergründe der Verhaftung zu kennen, wird von Randalen und Schlägereien geschrieben und die Fans als Hooligans oder Ultras an den Pranger gestellt. Dass die Vorkommnisse in keinem direkten Zusammenhang mit einem Fussballspiel stehen und solche Verhaftungen in spanischen Ferienorten an der Tagesordnung sind, spielt hierbei keine Rolle. Schlagzeilen sorgen für Klicks und Umsatz und scheinen für gewisse Medien mittlerweile wichtiger als die Wahrheit. Aus Angst, eine Titelgeschichte zu verpassen, wird abgeschrieben, ohne die Richtigkeit der Geschichte zu hinterfragen. Dass sich solche Falschmeldungen anschliessend wie ein Lauffeuer verbreiten, hat die vermeintliche Verpflichtung von Ailton durch den 5.-Liga-Club Olympique Lucerne eindrücklich gezeigt.

Die Medien erweisen dem Fussball-Liebhaber, aktuell auch im Hinblick auf die Berner Abstimmung zur Verschärfung des Hooligan-Konkordats in einer Woche, immer wieder einen Bärendienst. Und so bleibt der Fussballfan eine grölende, saufende und prügelnde Steuergeldschleuder. Schade.

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