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Happy Birthday, Gilbert Gress!

Alexander Kühn am Samstag den 17. Dezember 2011

Lieber Gilbert Gress,

Sie sind nicht nur der letzte wahre Popstar im Schweizer Fussball, sondern auch der einzige, von dem in den Weiten des Internets zwei Geburtsdaten kursieren: der 14. und der 17. Dezember 1941. Der Respekt vor Ihrem jugendlichen Elan gebietet es mir, den späteren Termin als wahren Geburtstag zu betrachten. Deshalb hier und heute: alles Gute zum 70. Wiegenfest.

Sie haben schon zu meiner Fussballwelt gehört, als ich am Langnauer Schülerturnier im gegnerischen Strafraum vergeblich auf verwertbare Zuspiele wartete, und Sie sind bis heute nicht aus ihr wegzudenken. Selbst in den Studios des Schweizer Fernsehens versprühen Sie weltmännischen Glanz, beim Tippen der Champions-League-Resultate liegen Sie zwar bisweilen daneben, aber ihre Begründungen sind auch dann noch 1000-mal eleganter als die von Andy Egli, wenn er recht hat.

Der antike Sagenheld Herkules hat die Rinderställe des Augias ausgemistet und die menschenfressenden Rosse des Diomedes gebändigt, Sie haben die schlimmsten Heimsuchungen, die einem Fussballtrainer blühen können, überstanden: die Schweizer Nationalmannschaft, ein Engagement beim FC Sion unter Christian Constantin, den FC Aarau, die SF-Dokusoap «Der Match» mit Carl Hirschmann als Schützling und eine Tele-Züri-Homestory mit Patty Boser. Weder die Begeisterung für Ihren Beruf noch den korrekten Sitz Ihrer Frisur haben Sie ob all dieser Unbill eingebüsst. Chapeau!

In bester Erinnerung ist mir ihr entgeistertes Lachen, als Patty Boser im Kühlschrank Ihrer Wohnung in St-Blaise eine Fertig-Rösti fand und Sie fragte, ob Sie in der Lage seien, diese zuzubereiten. Natürlich nicht! Ein Fussballstratege Ihres Kalibers schneidet keine Rösti-Beutel auf. Und den bleichen Inhalt des Beutels wird er erst recht nicht braten. Mit Ihrem Charme finden Sie immer jemanden, der Ihnen ein Festmahl auf den Tisch zaubert. Ihre Ehefrau Béatrice hält Ihnen nicht umsonst seit fünf Jahrzehnten die Treue.

Sogar meinen persönlichen Wohlstand haben Sie befördert. Nicht weil ich Ihren Champions-League-Tipps gefolgt und mit Internet-Wetten reich geworden wäre, sondern weil ich 2007 mit meinem damaligen Chef gewettet habe, dass Sie den FC Aarau vor dem Abstieg bewahren. Eine Flasche Champagner und 100 Franken sind dabei herausgesprungen – immerhin. Sie habe laut eigener Aussage keine Fehler, und das hätte auch mein Chef wissen müssen. Wer den Gress unterschätzt, ist eben selber schuld.

Nur eines müssen Sie mir erklären: Warum lassen Sie ihre Spieler vor wichtigen Partien eine halbe Grapefruit essen? Dass Sie die Grapefruit einst auf dem Speisezettel des zehnfachen französischen Meisters AS St-Etienne entdeckt haben, kann ja nicht der einzige Grund sein. Wenn man Ihrem Ex-Klub FC Zürich in der laufenden Meisterschaft zugesehen hat, würde man sich wünschen, dass die Grapefruit unter Urs Fischer noch immer obligatorisch wäre. Den jämmerlichen Penalty in Sion hätte Xavier Margairaz sicher nicht so schläfrig geschossen, wenn er zuvor ins bitter-saure Fleisch ihrer Lieblingsfrucht gebissen hätte.

Ich hoffe, Sie haben bald wieder einen Job als Cheftrainer. Am besten in einer der grossen europäischen Ligen. Mit Ihnen wäre sogar der VfL Wolfsburg, den Mario Basler treffend als Schnupfen der Bundesliga bezeichnet hat, eine Attraktion. Aber jetzt feiern Sie erst einmal schön Ihren Geburtstag, mit oder ohne Grapefruit.

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11 Kommentare zu “Happy Birthday, Gilbert Gress!”

  1. André Aenishänslin sagt:

    Sehr treffend beschrieben, vor allem das Beispiel mit Andy Egli!!

    Mit ihm, R. Salzgeber u. R. Wicky gibt es wenigstens doch noch eine Fussballübertragung des SF2 die man geniessen kann, auch wenn der Reporter – gleich Welcher – eine Katastrophe ist!

  2. André Aenishänslin sagt:

    – geschweige die anderen Fussballsendungen- bzw. Berichte -!!

  3. Ich schliesse mich den Gratulationen an. Und geniesse jeweils die Fussballfernsehsendungen mit Gilbert Gress. Er ist auch dort ein vergnüglicher Star.

    • Mike Kaufmann sagt:

      Auch ich schliese mich den Geburtstagswünsche an. Es macht sehr Spass ihm zu zuhören. 10000x mehr als einem Erfolglosen Trainer wie A.Egli oder einem möchte gern Coiffeur von Sutter !! Liebes SF macht uns einen riesen gefallen und verpflichen Sie die beiden ja nie mehr !!!

  4. Peter Baldinger sagt:

    Leider immer wieder Vergessen!
    G.G. war ein begnadeter Fussballer.
    Unvergessen seine Sturmläufe beim VFB Stuttgart!

  5. Franz sagt:

    Herr Kühn ist eine Bereicherung für diesen Blog, ich hoffe aber sehr, dass er den Herrn Sykora nicht auf die Ersatzbank verdrängt. Gilbäär macht leider nur noch als Pausenclown von sich reden. Wie witzig seine Auftritte sind, mag ich nicht beurteilen, da mich beim Anblick des Walliser Vorstadtzirkusdiirektors Salzgeber das Grausen packt. Die sture Seite des Jubilars habe ich jedoch nicht vergessen: Er war ein sehr autoritärer, rechthaberischer Chef, der mit Genies vom Schlage eines Kubi nicht umgehen konnte. Sein Witzverbot gegen den Walliser Spassvogel Burgener ist ebenfalls legendär. Trotzdem: “Joyeux anniversaire, Gilbert!”

  6. Dani Steinmann sagt:

    Kultstatus ohne Zweifel!

  7. ralph sagt:

    Wer die Champions League auf SF schaut oder schauen muss (mangels Fremdsprachkenntnissen), den bedaure ich aufrichtig. GG ist schon lange nicht mehr gefragt als Trainer, zu Recht, denn seine Sturheit und Arroganz haben sich herumgesprochen.

  8. paul schnetzer sagt:

    Gilbert Gress = ein bisschen Einstein und ein bisschen Donald Duck. Für den Schweizer Fussball war und ist GG eine Bereicherung.

  9. Bumi! Schön geschrieben!

    Es grüsst ein EX-Arbeitsgspöndli vom Sportverlag!