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Kaltblütigkeit entscheidet die Meisterschaft

Thomas Renggli am Montag den 9. Mai 2011

Im Meisterschaftsendspurt flattern die Nerven – vor allem auf Zürcher Seite. In St. Gallen läuft am Sonntag die 14. Minute. Schiedsrichter Hänni pfeift Freistoss für den FCZ. Der St. Galler Brice Owona nimmt den Ball in die Hand – verzögert das Spiel. FCZ-Captain Silvan Aegerter tritt dem Kameruner mit Anlauf in die Beine, sieht völlig zu Recht Rot. In der zweiten Halbzeit leisten sich zwei weitere Führungsspieler des Leaders unverständliche Aussetzer. Innenverteidiger Teixeira schlägt Owona auf den Hinterkopf. Hätte Hänni dies als Ohrfeige taxiert, wäre der zweite Platzverweis unvermeidlich gewesen. Auch Zouaghi hat Glück, dass er für sein brutales Foul gegen Nushi nicht den Marschbefehl erhält.

Nach einem dramatischen Finale und dem Last-Minute-Ausgleich durch Djuric verlassen die Zürcher die AFG-Arena trotzdem mit dem Gefühl des Sieges. Vor dem Direktduell gegen Basel am Mittwoch im Letzigrund liegen sie weiterhin an der Tabellenspitze – allerdings nur um die Winzigkeit eines Tores.

Vor dem Spiel der Spiele kommen die klaren Ansagen vom FCB: «Wir können uns nur selber schlagen», prophezeit Youngstar Xherdan Shaqiri. Sein deutscher Teamkollege Markus Steinhöfer sieht es ähnlich: «Wir sind bereit für Zürich. Wir wollen gewinnen». Die Basler schöpfen die Zuversicht unter anderem aus der Statistik. Seit dem November 2006 sind sie gegen den FCZ in 19 Spielen ungeschlagen. Zuletzt gewannen sie Anfang März im St. Jakob Park nach einem 0:1-Rückstand 3:1 und erhöhten den Vorsprung auf sieben Punkte.

Einiges spricht auch jetzt für Basel – Erfahrung, Cleverness, Kaltblütigkeit. Ausserdem verfügt Trainer Fink trotz diversen Absenzen über die breitere personelle Basis als sein Zürcher Kollege Fischer. Dieser muss aufgrund der Sperren gegen Aegerter und Zouaghi die Schaltzentrale neu besetzen. Eine heikle Personalie, da Margairaz nach seiner Verletzungspause kaum schon voll belastbar ist. Hat Aegerters Dummheit in St. Gallen die Meisterschaft entschieden? Kostet sie seinem Arbeitgeber die direkte Champions-League-Qualifikation und damit garantierte Einnahmen von 20 Millionen Franken?

Der FCZ steigt mit einer schweren Hypothek in den vorweggenommenen Meisterschafts-Final. Er hat in den letzten Wochen aber bewiesen, dass er fast alles wegstecken kann. Seit neun Spielen ist er ungeschlagen, achtmal hat er gewonnen. Es waren fast ausnahmslos Partien, die auch zu seinen Ungunsten hätten ausgehen können. Doch irgendwie fanden die Zürcher immer eine Lösung – etablierten sich als die erfolgreichsten Entfesselungskünstler der Liga, bewiesen meisterliche Qualitäten.

Sehr geehrte Leser. Wie ist Ihre Meinung? Bei wem liegen die Vorteile in diesem packenden Saisonfinale? Schafft es der FCZ, sein Basler Trauma zu überwinden? Oder scheitert er erneut? Welche Absenzen wiegen schwerer – diejenigen von Aegerter und Zouaghi auf Zürcher Seite – oder diejenigen von Stocker und Chipperfield beim FCB? Wer gewinnt das Spiel der Spiele? Oder bleibt es beim Patt und entscheidet am Schluss die Tordifferenz? Nehmen Sie an unserer Umfrage teil.

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