Plötzlich diese Entspannung

Beim Frühstück im Bebek dehnt sich die Zeit. Und Zürich wird surreal freundlich.

Wer sich im Bebek einen Platz erobert, erhält Zeit zum Schreiben; auch wenn es nur ein Hashtag ist. Foto: Salome Müller

Wohin zieht es die eingefleischten Stadtzürcherinnen an einem freien, sonnigen Tag? Möglichst nicht in etwas Anstrengendes wie die dornige Natur, möglichst nicht weiter als um die nächste Ecke, und möglichst nicht zu früh. Heisst also Brunchen gegen Mittag im schönen, aber halt wohlbekannten Bebek an der Badenerstrasse.

Das orientalische Restaurant ist auch am verkehrsberuhigenden Pfingstmontag geöffnet, es hat sogar Sonne auf der Terrasse und ein bisschen Grün, gezähmt in Pflanzentöpfen. Ideale Umgebung für lässiges Hinfläzen und tiefschürfende Instagram-Sprüche, die einem spontan in den Sinn kommen und unser Grundgefühl erfassen: «But first Coffee.»

Obwohl sich eine lange Schlange bildet, bekommen wir bald einen Tisch zugewiesen, allerdings nur für eine Stunde. Er ist reserviert für «6 Personen, Fr Willi». Free Willi? Unsere Assoziationskräfte waren auch schon munterer.

Wir bestellen ein Grosses Vegi für 22 Franken (mit drei Sorten Bio-Alpkäse, Frischkäse mit Kräutern, türkisches Tabouleh, Avocadomus, Gurke, Joghurt mit Honig und Krokant, Confi, frisch gepresstem Orangensaft, Butter, Gipfeli und Brotkorb) und ein Genossenschaftszmorge für 19 Franken (mit zwei Sorten Schweizer Bio-Alpkäse, Mostbröckli, Fleischkäse, Birchermüesli, Confi, Butter, Gipfeli und Brotkorb), dazu grosse Milchkaffees, Ingwer-Limetten- und Rhabarberlimonade, später auch den exotischen Karkadeh-Ice-Tea für je fünf Franken.

Sieht alles wunderbar aus, schmeckt gut und veranlasst zwei Herren, die sich zu uns setzen, gierig auf unsere Teller zu schauen und zu einem Gespräch anzuknüpfen. Wollen wir aber nicht, heute ist auch eine Art Ruhetag. Später kommt die Kellnerin und sagt, dass wir am Tisch sitzen bleiben dürfen, die 6er-Gruppe konnte sie an einem anderen Platz unterbringen. Das Bebek ist zwar voll, aber gerade Gäste mit Kindern gehen bald einmal wieder. Wir rücken unsere Stühle etwas unter den Sonnenschirm (und damit etwas in den Schatten) und fragen uns gegenseitig, ob wir gleich weiter müssen.

Müssen wir nicht, wollen wir nicht. Also bestellen wir noch einmal Kaffee, diskutieren Sinn und Unsinn von Hashtags und beobachten, wie die Kellnerin zwei ungehaltene Gäste charmant pariert, wie dem Kellner dessen Doppelgänger zur Türe hinaus folgt, wie die Leute allmählich vor der Sonne fliehen und dann vom Schatten eingeholt werden, wie sie nun zur Mittagskarte und zu Alkoholischem mit Strohhalm wechseln.

Als wir dem Kellner schliesslich winken, um die Rechnung zu bekommen, winkt der zurück. Wie aufmerksam in Zürich plötzlich alle sind. Und lustig.

#FUNNYGUY #Bebek #Zürilove.

Café Bebek, Badenerstrasse 171, 8003 Zürich. Tel. 044 297 11 00. Geöffnet: Mo-Do 7 bis 24 Uhr, Fr 7 bis 1 Uhr, Sa 8 bis 1 Uhr, So 8 bis 24 Uhr. www.bebek.ch

1 Kommentar zu «Plötzlich diese Entspannung»

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