Wer schnappt sich den Wolf?

Ein Wolf bringt in Horgen die Tiere zum Heulen. Und bietet die perfekte Lösung im Wappenstreit zwischen Horgen und Hirzel.

Ein Wolf macht Horgen nervös. Dieses Exemplar lebt allerdings im Zoo Basel. Foto: Georgios Kefala / Keystone

Da spazierte vor einer Woche ein Wolf – oder eine Wölfin – durch Horgen. Und zwar nicht irgendwo am Horgenberg oben, wo er zum Trinken den Bergweiher vorgefunden hätte, oder im landwirtschaftlich geprägten Hirzel oder im noch wilderen Teil der weitläufigen Gemeinde Richtung Sihlbrugg und vor allem Sihlwald.

Das Bild, das ein Anwohner geschossen hat, wurde recht nahe am Zürichsee aufgenommen. Es zeigt ein angespanntes Tier, der Schwanz ist eingezogen. Da beginnt die Fantasie zu rotieren. Hat der Wolf Hunger? Ist er paarungswillig? Hat er Angst?

Der Überraschungsgast hielt sich einen Kilometer von meinem Wohnort entfernt auf. Dazwischen gibts kaum Häuser, nur Wiesen und Wald. In der Nacht nach der Sichtung haben die Tie­re in der Nachbarschaft gebellt, gejault und geschrien wie selten, wie ich um 1 Uhr nachts feststellen musste. Haben sie den Wolf gerochen? Wird er sich als neue Spitze der örtlichen Nahrungsket­te den fetten Kater schnappen, der un­se­re ganze Nachbarschaft terrorisiert?

Vor allem aber: Was bedeutet der Wolf für Horgen? Ausser dem garantierten Auftritt bei der nächsten Fasnacht.

Wappentechnisch könnte er die Lösung sein nach der Fusion mit Hirzel. Horgen hat einen Schwan im Wappen, Hirzel einen Hirsch. Zeichner haben bereits versucht, die beiden Tiere irgendwie zu einem Horzel zu vermählen. Mit mässigem Erfolg.

Jetzt braucht es einen Kontrollblick ins Zürcher Wappenbuch. Hat sich das Tier schon eine andere Gemeinde geschnappt? Zum Beispiel Schlieren, Laufen-Uhwiesen oder Gossau. Dort sind ja in den letzten Jahren ebenfalls Wölfe gesichtet worden. Im Limmattal setzte man fürs Wappen auf eine goldene Lilie, im Weinland auf ein Rebmesser (was denn sonst?). Im Oberland wurde es knapp. Denn der Gossauer Fischotter könnte – ganz flüchtig be­sehen – als Wolf durchgehen. Aber er sieht eher wie eine junge Löwin aus. Alles bestens.

Oder hat sich etwa eine andere Gemeinde des Wolfs bemächtigt? Die Antwort lautet: nein und ja.

Nein, weil sich keine andere Gemeinde den Wolf geschnappt hat. Es gibt 14 Gemeinden mit Löwen im Wappen, 7 mit Adlern und anderen Vögeln, 4 mit – diese Bronzemedaille überrascht – Einhörnern. Dafür nur 3 mit Bären (wir sind ja nicht im Kanton Bern), ebenso 3 mit Hirschen (für die sich die Zürcher ja immer halten) oder Fischen (Fischen­thal natürlich). Je 2 Gemeinden zieren sich mit Wildschweinen, Fischottern, Widdern oder Steinböcken. Erstaunlicherweise hat niemand einen Hund, immerhin treuster Begleiter des Menschen, genommen, dafür je eine Gemeinde eine Schnecke, ein Eichhörnchen, ein Schaf oder ein Pferd sowie einen Storch, einen Schwan, einen Hahn, ein Schaf (natürlich Schöfflisdorf, ehemalig «Schäflisdorf») oder einen Stier («Ur»dorf).

Ja, weil immerhin ein heutiger Stadtteil den Wolf auserkoren hat, und zwar mit einer Gans im Mund, die irritierenderweise als Schwan durchgehen könnte: Winterthur-Wülflingen.

3 Kommentare zu «Wer schnappt sich den Wolf?»

  • Conrad Rucchieri sagt:

    Interessante Beobachtung. Nun fiebere ich mit dem Wolf, dass er den fetten Tiger zur Strecke bringt. Jede Katze weniger ist ein Plus für die Biodiversität!
    Bitte mehr Observationen! Dazu braucht es einen Städter mit geschärftem Sinn und Interesse für Zusammenhänge in der Natur.

  • Rolf Hummel sagt:

    Wer schnappt sich den Wolf ! – Was soll dieser saublöde Artikel, – Aufforderung zum illegalen Abknallen ? Dümmer und populistischer geht‘s nimmer! Und das im Tages Anzeiger! So wenig Facts – nur blödes Bla Bla , das überhaupt nichts mit dem Wolf zu tun hat. Soll wohl witzig sein?

    • Claude Fontana sagt:

      Man schnappt ihn sich wie alles andere auch. Mit einem Pokéball.
      Ich glaube wer innerhalb der besiedelten Gemeinde schiesst, macht sich der „gefährdung der bevölkerung“ Strafbar.

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