Es sind die Details! (3)

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um Espadrilles und Flöhe, um Sommerhits und Trouvaillen – vor allem aber gehts um eine Alternative zur Fussball-WM.

Wer Zeit und die Nerven zum Wühlen hat, findet solche Originalschilder am Wiener Flohmarkt (beim Naschmarkt) für nicht mehr als eine Handvoll Euro. Foto: Thomas Wyss

«Nichts eignet sich so gut wie Pop­musik – oder Popmusikfilme –, um die verloren gegangene Jugend wiederzuent­decken.»

Grosse Worte, stimmt. Und nicht mal die unsrigen. Wir hätten vor lauter Wahn, alles relativieren zu müssen, wohl mit «Kaum etwas eignet sich . . .» begonnen – im Wissen, dass ein Duft wie Azzaro pour Homme, der zu meiner Zeit bei beflaumten Jungs in der Parfümhit­parade weit oben stand, ebenso in der Lage wäre, emotionale Souvenirs ins Bewusstsein zurückzuspicken. Und das gilt auch für das fräsende Motorengeräusch eines frisierten Ciao. Und für durchnässte und entsprechend müffelnde Espadrilles. Und für die amerikanische Vocoderstimme des Flipperkastens Eight Ball Deluxe, die einen bei gutem Spiel mit «nice shot!» lobte.

Alles Details, die das damalige Leben lebenswerter machten … pardon, wir schweifen ab, zurück zum ersten Satz. Er stammt aus dem Hause Xenix, die Betreiber des Sofakinos haben nämlich vermeldet, im Juni und Juli essenzielle Popmusikfilme zu zeigen, was bedeutet: Yeah, es gibt doch eine Alternative zur Fussball-WM! (die ohne die Squadra Azzurra eh zum vierwöchigen Trauerspiel wird, jedenfalls in der Italo-Hochburg Zürich).

Abgesehen davon sind wir sicher, dass man in ganz Wien kein ähnlich grandioses Sommerkinoprogramm finden wird wie dasjenige vom Xenix. Und doch – damit sind wir zurück beim Hauptthema – steht Österreichs Kapitale in Sachen Lebensqualität seit bald einer Dekade unangefochten an der Spitze. Unsere Vor-Ort-Recherche hat gezeigt: Das hat hübsche Gründe. Am letzten Samstag gabs die ersten drei, heute folgen die Nummern vier bis sechs, nächste Woche dann der Rest.

4. Hört man heutzutage jemanden sagen, er hätte «bitt’ schön einen kleinen Braunen», ist die Chance gross, dass der erste Gedanke, der einem in und durch den Kopf schiesst, keiner ist, den man in einer anständigen Zeitung wie dieser hier folgenlos abdrucken könnte. Auf diese fragwürdige gesellschaftliche Entwicklung nehmen inzwischen auch viele Wiener Gastronomen Rücksicht – natürlich herrlich souverän: Statt den Traditionsbegriff von der Getränkekarte zu tilgen, ergänzen sie ihn für Touris & Co. mit der Erklärung: «Mokka (Kaffee)».

5. Der weitherum beliebte Flohmarkt am Bürkliplatz wirkt in der Regel ähnlich ordentlich wie ein passabel aufgeräumtes Kinderzimmer, die Preise haben Secondhand-Design-Niveau, von Flöhen keine Spur. Das samstägliche Pendant in Wien, am Ende des Naschmarkts aufgebaut, ist dagegen ein merkantiles Chaos ohnegleichen – und grad darum jene wundersame Schatzkiste, in der man zwar Nerven und Zeit vergeudet, aber handkehrum für eine Handvoll Euro genuine Trouvaillen (wie beispielsweise ein ausrangiertes Strassenbahnschild) nach Hause trägt.

6. Was uns in diversen Anläufen nie geglückt ist, hat ein Wiener schon 2014 geschafft: einen Sommerhit zu kreieren, der auf originelle Art die eigene Stadt abfeiert: Der Mann heisst Ernst Palicek, sein Song «Summer in Wien».

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