Betäubend und würzig

Vor dem Essen gilt es einen Kreisel zu bezwingen. Nach dem Essen gibt es Glückskekse und ein feuchtes Tüchlein. Fehlt nur noch Jackie Chan.

Gehoben Chinesisch gibt es im Mandarin in Oberengstringen. (Foto: Doris Fanconi)

Nach drei Runden um den Unterengstringer Kreisel haben wir die Zufahrt zur Parkgarage des Chinesen geschafft. Zwar auf der verkehrten Seite durch die Einbahnstrasse, aber immerhin. Das Restaurant in der Zürcher Agglo ist für einen Sonntagabend gut besetzt und im typisch chinesischen Stil eingerichtet. Auf der Terrasse leuchten orangefarbene Lampions im Dämmerlicht.

Neben unserem Tisch liegen chinesische Kochbücher auf, mit denen man sich, falls man des Chinesischen mächtig ist, die Wartezeit verkürzen kann. «Fehlt nur noch Jackie Chan», sagt der selbst ernannte Gourmetsohn, «der jetzt dann gerade das Lokal betritt und dem anwesenden Bösewicht das Essen vom Tisch fegt.»

Die in Bambus gefasste Speisekarte ist umfangreich, entsprechend lange dauert der Wahlvorgang. Der Sohnemann entscheidet sich fürs Rindsfilet nach Szechuan-Art mit chinesischem Gemüse, gewürzt mit Chili (41.50 Fr.). Als Hardcore-Karnivore darf auch die Vorspeise nicht fleischlos sein, also wählt er dazu Pouletspiessli mit Erdnuss-Satay-Sauce (15.50 Fr.).

Weder die Bemerkung des netten Kellners – «Isch scho bizzeli scharf» – noch der Hinweis «scharf betäubend» auf der Karte beeindrucken ihn. Seine Elfe mags lieber vegetarisch und ordert frittierte Tofuwürfel mit Bambussprossen und Pilzen (25.50 Fr.). Den Spaghettiliebhaber wiederum gelüstet es nach der gemeinen Frühlingsrolle (6.50 Fr.) mit süss-saurer Sauce zur Vorspeise, die im Teig gebackenen Pouletstückli mit aromatischer Mangosauce (25.50 Fr.) wählt er zum Hauptgang. Das stresst den gefrässigen Sohn ein wenig, weil er diese Pouletstückli auch am liebsten zu seinem Rindsfilet dazubestellt hätte.

Wie immer leidet er Hunger, und beim Anblick der Köstlichkeiten, die der nette Kellner den Tischnachbarn während unserer Wartezeit serviert, gebärdet er sich nervös wie ein Rennpferd in der Startbox. Und weil der Gourmet und die Elfe in der Musikszene zu Hause sind, lenkt ihn seine Liebste mit einer Diskussion über die nicht immer nachvollziehbare Geldvergabepraxis der Zürcher Stadtregierung an junge Musiker vom Verhungern ab.

Kaum serviert der Kellner das Essen, stürzt sich der Gourmet auf sein Schälchen mit dem gebratenen Reis, und im Nu ist die  leer – weshalb er, noch bevor er mit dem Hauptgang sprich dem Rindsfilet beginnen kann, bereits eine weitere Portion Reis nachbestellen muss. Am Tisch wirds ruhig, die Truppe geniesst das Mahl und schweigt.

Nach dem Essen gibts für alle noch einen chinesischen Glückskeks und ein feuchtes Tüechli für die Hände. Allerdings, und das ist wohl der einzige Wermutstropfen an diesem Abend, riechen sie ein bisschen nach feuchtem Keller. Für den heiklen Sohnemann ist aber trotzdem klar – in dieser Agglo-Beiz war er nicht das letzte Mal.

Mandarin
Weiningerstr. 46,
8103 Unterengstringen,
Tel. 044 750 31 70
Di–Fr und So 12–14.30/18–23 Uhr,
Sa 18–23 Uhr.

1 Kommentar zu «Betäubend und würzig»

  • Tom Sanders sagt:

    Um was ging es jetzt hier, um den Sohn oder das Restaurant? Wie war nun das Essen? Ausser relativ teuer? Danke für eine kurze Rückmeldung.

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