LSD, die biologische Uhr & Depressiönchen – plaudern mit Lara Stoll

Im Bild ist die zurückhaltende junge Dame vom Interview nicht zu erkennen: Lara Stoll.

Im Bild ist die zurückhaltende junge Dame vom Interview nicht zu erkennen: Lara Stoll.

In unserer lockeren Serie «Plaudern mit …» treffen wir diese Woche Lara Stoll, Slam Poetin, Filmemacherin, Schauspielerin und Autorin. Sie hat sich gerade mit Satire-Serie «Suisis» weit aus dem Fenster gelehnt. Wir setzen uns in der Bäckeranlage auf die Wiese unter einen Baum.

Im TV wirkst du grösser. Und älter.

Ja, ich seh jünger aus, als ich bin. Ich muss beim Bierkauf noch immer meinen Ausweis zeigen, obwohl ich inzwischen 28 bin. Aber in zehn Jahren wird das ein Vorteil sein.

Wenn man nachliest, was in den letzten Jahren über dich geschrieben wurde, fällt immer wieder der Ausdruck «Nachwuchstalent». Geht dir das bei deinem erwiesenermassen beeindruckenden Leistungsausweis nicht auf den Sack?

Nein, das ist mir eigentlich egal. Ich weiss auch nicht ob ich mich jemals wirklich gänzlich als «gestandene Künstlerin» sehen werde, man entwickelt sich ja ständig. Vielleicht hat das ja auch mit meiner «noch-nicht-alt-genug-für-Bier-Optik» zu tun.

Du kommst aus einem kleinen Dorf der Nordostschweiz. Wird man eher selbst kreativ, wenn rundherum nicht so viel läuft?

Ja, das kann gut sein. Natürlich war mein Tatendrang schon immer da und musste ein Ventil finden. Kann gut sein, dass ich einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Man muss kreativ sein, um eine gewisse Langeweile zu überwinden.

Wie weit ist die laute Slam Poetin und die satirische Schauspielerin Lara mit der privaten Lara identisch?

Beides sind Teile meiner Persönlichkeit. Ich kann im Privaten eher ruhig und zurückhaltend sein, weil ich auf der Bühne Gas geben kann.

Erfüllst du also das Klischee von depressiven Clown, das besagt, dass jeder grosse Unterhalter als privater Mensch introvertiert und depressiv sein muss?

Nein, nicht so. Natürlich haben viele Künstler eine depressive Ader, und auch bei mir kommt das ab und zu durch. Aber es prägt nicht meine Persönlichkeit. Wenn ich heute etwas niedergeschlagen oder durcheinander wirke, dann weil ich gerade privat eine etwas schwierige Zeit durchmache.

Was beschäftigt dich denn gerade?

Darüber will ich lieber nicht sprechen.

Ok. Themenwechsel. Du machst mit deinem Partner Cyrill Oberholzer gerade die krasse Film-Satire «Suisis», in der ihr die Vorstellung einer Schweizer Terrorgruppe gebt und damit nicht nur unterschwellig Gesellschaftskritik betreibt. Bist du politisch?

Ja und nein. Meine Werte beziehen sich eher auf den zwischenmenschlichen Umgang. Die Provokationen und der politische Ansatz bei «Suisis» zum Beispiel kommen mehr von Cyrill als von mir. Ihm liegt es am Herzen, mit seiner Arbeit auch immer wieder die Leute wachzurütteln und zu pieken. Ich schätze diesen Ansatz natürlich sehr, trage ihn auch mit, aber in meinen Solowerken liegen andere Themen im Zentrum. Sowieso ist das was ich auf der Bühne tue etwas ganz anderes als in unseren Videos. Die Bühne ist meine Einkommensquelle, dieser gilt es auch Sorge zu tragen, da liegt es derzeit nicht drin die Leute mit zu viel provozierendem Inhalt zu vergraulen. Dafür kann ich mich filmisch austoben wie ich will.

Was sagen deine Eltern zu deiner etwas ungewöhnlichen Karriere? Deine Arbeiten gehen ja oft weit über den guten Geschmack hinaus und provozieren. Und von Slam Poetry-Auftritten zu leben steht ja auch nicht auf der Empfehlungsliste des Berufsberaters.

Anfangs machten sie sich schon etwas Sorgen. Meine ersten Slam-Auftritte waren miserabel! Und meine Eltern wollten ja in erster Linie, dass es mir gut geht. Als dann die ersten Preise eintrudelten und sich langsam der Erfolg abzeichnete, atmeten sie wohl auf. Auch ist es sicher beruhigend für sie, dass ich jetzt mein Studium abgeschlossen hab, auch wenns Kunst und nicht Jura oder Medizin ist.

In Interview und Portraits sieht man immer dein Gesicht, selten Cyrills. Gibts da nicht Probleme? Eifersucht wie bei Oasis (für unsere jüngeren Leser: Das ist eine antike Popgruppe)?

Nein, gar nicht. Cyrill ist es sogar lieber, wenn er aus dem Hintergrund agieren kann, und so muss ich mein Gesicht hinhalten und mich mit zwielichtigen Bloggern im Stadtpark treffen.

Apropos zwielichtig: Wenn man deine Arbeiten betrachtet, gibt’s ein Thema, das immer wieder auftaucht: LSD. Ist das deine Lieblingsdroge?

Ich habe es bisher erst einmal ausprobiert und das war schon ziemlich toll. Nicht, dass ich wahnsinnige Erkenntnisse gewonnen hätte, aber es zeigt einem die Welt doch wirklich aus einer anderen Perspektive. Ich als grosse Arachnophobikerin hatte plötzlich ein stündiges Chäferfest mit einer Spinne! LSD würde so manchen Leuten mal gut tun.

Und sonst? Du lebst ja jetzt mitten im Kreis 4. Dauernd Parties, Sex, Drugs & Techno?

Die letzten zwei Jahre war ich mit Studium und Arbeit so besetzt, dass ich gar keine Zeit hatte. Jetzt, nachdem ich abgeschlossen hab, nehm ich mir Zeit, etwas mehr unterwegs zu sein und auch diese Seite von Zürich kennenzulernen. Da kanns schon mal sein, dass ich ein zwei Nächte hintereinander durchmache. Und auch mal zu viel saufe.

Hast du keine Angst abzustürzen, wie es schon vielen kreativen Köpfen in der Stadt passiert ist?

Nein, ich schlage zwar gerne mal über die Stränge, leide dann aber auch am nächsten Tag darunter. Ich denke, ich bin da zu ehrgeizig, zu zielgerichtet. Ich will ja weiter schreiben und Filme machen und noch so vieles mehr. Ausserdem hab ich Leute, die gut auf mich aufpassen und mir auch mal den Kopf waschen, wenn ich’s übertreibe.

Wie sieht jetzt nach deinem Abschluss die Zukunft aus? Mann, Kind, Einfamilienhaus?

Nein, sicher noch keine Kinder. Obwohl in meinem Umfeld einige Frauen bereits zum Rhythmus der biologischen Uhr tanzen, spür ich den Druck noch nicht. (Anmerkung: Rund um uns setzen sich Mamis mit Kleinkindern in den Schatten, wir sind in der Bäcki.) Ausserdem bin ich wohl noch zu egozentrisch. Ich will die Möglichkeit haben, die Welt zu entdecken, Risiken einzugehen, Geschichten zu finden. Das ist mit Kindern, wenn man ihnen wirklich gerecht werden will, nicht im gleichen Masse möglich. Jetzt will ich sowieso erst mal den Sommer geniessen und danach ein grosses Drehbuch für einen 90-minütigen Film schreiben.

Sagts und rauscht davon. Wir warten gerne auf den Film aus Laras Feder.

Lara hat uns extra noch ein Bild ihrer zurückhaltenden Seite geschickt.

Lara hat uns extra noch ein Bild ihrer zurückhaltenden Seite geschickt.

23 Kommentare zu «LSD, die biologische Uhr & Depressiönchen – plaudern mit Lara Stoll»

  • Guschti Brösmeli sagt:

    Also ich schrieb es ja schon an anderer Stelle: Ich mag die spritzigen Gespräche, endlich mal keine verbissenen Interviews auf Teufel komm raus. Und dass endlich mal junge Frauen dran kommen, anstatt immer die gleichen Herren, die vermeintlich in Zürich „druus cho“, finde ich sehr erfrischend!

  • Thomas sagt:

    Tachwohl!

    Hab mir jetzt gerade das Suisis Zeugs angeschaut. Mein Fazit: Grosess Kino/Kulturgeschichte…Wie ein Song von The Doors…immer mehr und mehr Botschaften werden erkannt bis man ein geniales Gesamtwerk entdeckt und nur noch staunt…und wie bei the Doors: wer nicht hinhört/hinschaut, findet es scheisse…

    Gratulationen an die beiden!

  • Sabine sagt:

    Das Interview ist etwas gar dünn geraten. Ich hätte gern mehr erfahren, wie Lara Stoll arbeitet. Ziemlich konsequent drehen sich die Kommentare hier auch nur darum, ob und dass Lara Stoll gut aussieht. Eure LeserInnen waren wohl noch nie in einer ihrer Aufführungen? Würde ich dringend mal nachholen…

  • Reto sagt:

    Habe Lara Stoll mal in Frauenfeld gehört: Die ist nicht nur hübsch (wie in den Kommentaren hier schon mehrfach angemerkt), sondern hat ganz schön was im Köpfchen. Auftritt und Programm waren toll.

  • Muttis Liebling sagt:

    Kunst gab es schon, als es Besitz und Geld noch nicht gab. Kunst wird es auch noch geben, wenn es Besitz und Geld nicht mehr gibt.

  • Kari sagt:

    Réda, Fazit nach 6 Gesprächen:
    4 junge Frauen.
    1 ältere Frau.
    1 alter bekannter Mann.
    Hübsche junge Frauen, alte Männer mit Reputation und Geld. Gibts auch noch andere Menschen, die du interviewen könntest?

    • Réda El Arbi sagt:

      Mach einen Vorschlag. Wenns nach mir ginge, würde ich mit jungen Frauen weitermachen. Aber 1. zähl nochmals nach, und 2. welche ist die ältere Frau? Und jetzt vorsichtig, ich kenn das Alter der Damen.

      • Beitragender sagt:

        Mir sind die Interviews etwas zu kurz, man erfährt nicht viel. Aber mir fällt spontan auch niemand ein. Vielleicht ein Musiker aus der schweizer Servelatprominenz? da gibts ja jede Menge. Vielleicht ist das Problem, dass die Prominenten langweilig sind, und die Nichtprominenten sind nicht langweilig, aber langweilig, weil sie nicht prominent sind? Da gabs mal einen Bericht über einen Taxifahrer in Zürich aus Sri Lanka, der hat ein supertolles Taxi und ist sicher nicht langweilig, der hätte sicher tolle Geschichten parat. Vielleicht dieser? Oder wurde er wegrationalisiert? Gibts bei euch keine Stadtoriginale?

        • Réda El Arbi sagt:

          Der wurde glaubs wegen Drogendelikten des Landes verwiesen.

          • Beitragender sagt:

            also wegrationalisiert, schade.
            -roman camenzind (hitmill), blick hinter die kulissen der zh/ch-musikszene
            – r. camenzind der kunst- und literaturszene zh
            – surprise-strassenverkäufer (sollte dann kein elendsvoyeurismus sein)
            -reicher von der goldküste (carli?)
            macht ihr anonymisierte interviews? naja wäre vielleicht whistleblowing nahe
            jemand der etwas positives erzählt, das trotzdem nicht langweilig ist?

      • Héloise sagt:

        Wenn man schon vorschlagen darf: Eine Ergänzung der Reihe interessanter (und attraktiver) weiblicher Schweizer Medienschaffender wären die beiden Michèles Roten und Binswanger. Ach – und Kafi Freitag von Watson.

    • Jorge sagt:

      Mal ehrlich Kari,

      Du verstehst sicher, dass Reda hier nicht Irgendwen interviewen kann. Einfach, weil das kein Schwein interessieren würde.
      Also müssen Promis her. Weibliche Promis notabene, da Reda ja ProFrau ist – er verdient quasi sein Geld damit.

      Das engt den Kreis schon Mal gewaltig ein. Bekannte Frauen in der Schweiz sind entweder alt und haben komische Frisuren (Politik und Wirtschaft) oder sind jung und hübsch, weil sie (siehe oben) sonst keiner sehen will. Talent haben schliesslich viele (wohl auch Frölein Stoll), also nimmt man die Wenigen, die Talent UND gutes Aussehen haben (wie auch Frölein Stoll), womit man dann evtl. Geld verdienen kann.Andere gibt es nicht. Also sind wir lieber froh, hat er die Stoll und nicht die Bachelorette interviewt – wir Glückspilze!

      https://www.youtube.com/watch?v=jHPOzQzk9Qo

      Abgesehen davon, als Mann verstehe ich Reda 100%ig… verheiratet oder nicht… so sind wir halt – nicht?

      Grüssle
      Jorge

      PS: Bedenken Sie, falls Sie gerade versuchen, sich an hübsche Politikerinnen zu erinnern, dass die Damen aus FDP und SVP auch wegfallen – sie wissen schon – links/rechts-Canyon

      Uehuehueh

      • Réda El Arbi sagt:

        Also die Rickli nehm ich jetzt grad in die Liste auf. Leider sind PolitikerInnen immer blöd in Interviews, weil die eh immer nur die gleichen Themen mit den gleichen Phrasen beackern.

        • Lukas sagt:

          Dann noch als Anregung Chantal Galladé, Elena Marti, Meret Schneider, Nina Fehr, wobei die sicher auch alle ihre politischen Phrasen parat haben dürften, die aber aufgrund des Alters vielleicht noch nicht so dauerparat sitzen.

  • Amsel sagt:

    Mir sind die Eckdaten des Produkts „Lara Stoll“ noch zu wenig klar gezeichnet. Bspw. das Produkt Laura d. W. ist da etwas konturierter: Aristokratentochter, lebt in Berlin und Zürich, macht schweizer Servelat-Kultur. Oder die sensible, melancholische und widerborstige Diplomatentochter Sophie H., die Gefühlsmusik in dieser schrecklichen Welt macht, das melancholische Quotenherzchen. Oder der derzeitige Liebling des deutschen Feuilleton, die adelige schmollmundige Lolita Ronja v. R., die kühn jeden vor den Kopf schlägt. Das wilde, unkontrollierte und unzähmbare Element bei Stoll ist eigentlich nicht schlecht, möglicherweise ist der Markt bereits gesättigt. Anarcho-Dadaistenhumor ist eigentlich interessant, da ist das Marktsegment allerdings zu klein, die Nachfrage ist zu klein, zu speziell.

    • Réda El Arbi sagt:

      Deshalb ist ihr Brotjob ja auch Slam Poetry.

      • Amsel sagt:

        Vielleicht. Oder vielleicht sollte man das machen, was einem Spass macht, obwohl das jeder bestätigt. Auf jeden Fall – das ist das Einzige – ist das „Cheeseburger -> Double-Cheeseburger->…-Prinzip“ mittlerweile jedem bekannt.

    • Georg sagt:

      Der Anarcho-Dadaistenumor wird nur nicht von Jedem/ Jeder verstanden. Der Markt ist dennoch riesig, weil die verständnisarmen Aufreger unbewusst Teil des Marktes werden und so zur Verbreitung beitragen.

      • Amsel sagt:

        Ich mag diesen Humor sehr und der Markt ist zwar gross, aber ich zweifle, dass man es damit heutzutage zu einem Double-Double-Big Mac bringt. Zu speziell, wird nicht von jedem verstanden, wie Sie sagen. Aber Hauptsache man hat ein Auskommen und kann machen, was man will, Big Macs verdauen schlecht und sind nicht nachhaltig.

    • Leser sagt:

      Ja das hat mich auch überrascht, dass dieses weit gereiste Ausnahmetalent S. Hunger ein Botschafter-Töchterchen ist…
      Auf der anderen Seite erklärt es natürlich einiges 😉

  • Irene feldmann sagt:

    Doch haben Sie Frau Meier, den mentalen…..:(

  • Sarah sagt:

    Laras neues Videoprojekt finde ich lustig. LSD – Liebe statt Drogen – ist übrigens auch eine Lesebühne https://liebestattdrogen.wordpress.com/ in Berlin, wie passend.

  • Lisa Meier sagt:

    Damen haben keinen Sack, Herr Réda. Also kann ihnen auch nichts dort draufgehen!

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