Leute machen Kleider

14. 95 für Farbe, Stoff, Transport, Werbung und natürlich die Arbeit. Geht das?

14. 95 für Farbe, Stoff, Transport, Verkaufslöhne, Ladenfläche, Werbung und natürlich das Nähen. Geht das?

Heute morgen hab ich zwei junge Frauen im Bus belauscht, die sich über die aktuelle Frühlings- und Sommermode unterhielten. Im Grossen und Ganzen lief es darauf hinaus, dass man (frau) die Sachen vom letzten Jahr wegschmeissen kann und dass der neue Style von Blablabla …

Daneben die Plakate einer Bekleidungskette, die für ihre billigen Angebote bekannt ist. 11.90 Franken für eine Bluse, 9.90 für die Leggins.

Versteht mich nicht falsch, ich mag modisch angezogene Menschen, Leute die sich mit Stil kleiden. Weil Kleider machen ja bekanntlich Leute und der erste optische Eindruck ist wichtig.

Aber ehrlich, wenn ich in einem Laden der besagten Bekleidungskette sehe, dass ich ein T-Shirt für 12 Franken kaufen kann, was in Zürich ungefähr dem Preis von zwei Latte Macchiatos oder eines Pepito-Sandwiches entspricht, kommen schon Fragen auf.

Wenn ich mir dann ausrechne, was Material, Transport, Werbung, Verpackung, Ladenfläche, Verkaufslöhne und Steuern kosten, kann ich mir auch vorstellen, was die Näherin irgendwo in Südostasien für das Nähen eines dieser Stücke bekommt. Und spätestens da frage ich mich, ob ich wirklich ein neues T-Shirt brauche, weil mir die Werbung und die von Marketingfirmen befeuerten Lifestyle-Magazine sagen, dass dieses Jahr XX das neue Pink ist.

Bevor nämlich Kleider Leute machen, machen Leute Kleider. Und sie machen offenbar Kleider, die wir nach einer Saison wegwerfen. Was wir uns leisten können, weil sie ja so billig sind. Und billig sind sie natürlich, weil sich irgendwo in einem Sweatshop jemand für wenige Rappen pro Stunde die Finger blutig arbeitet.

Nein, dieses Jahr gibts keine neuen T-Shirts für mich. Und wenn, dann nur solche, deren Herkunft ich kenne, bei denen ich eine ungefähre Vorstellung davon habe, wie sie hergestellt wurden.

Ich will hier nicht den Moralapostel herauskehren (naja, eigentlich schon, aber …). Ich will nur nicht das Gefühl haben, dass ich meine T-Shirts erst von den kleinen Blutflecken von den Fingern der Näherinnen reinigen muss.

Denn Blut ist nämlich nicht das neue Pink. Und wenn Kleider schon Leute machen, dann sollen sie aus mir einen Menschen machen, der sich nicht in modische Ausbeutung hüllt.

81 Kommentare zu «Leute machen Kleider»

  • Dorian Doppelganger sagt:

    John Oliver gekuckt, nicht wahr. Da sein Show hier nicht so populär ist und die Themenauswahl vorzüglich, drücke ich hier mal ein Auge zu.

  • KMS a PR sagt:

    wir wollen alles immer billiger. den preis hierfür haben leider andere zu zahlen. und. bei einem t-shirt für 5 franken möchte ich dann schon gerne den namen des kindes kennen, welches das in indien genäht hat…. die „geiz-ist-geil“-mentalität macht auch vor uns nicht halt. ketten wie vogele etc….machen das so. der einkäufer verdient tchf 300 p.a. als anreiz um in der ganzen welt nach den billigsten herstellern zu suchen….

  • Urs sagt:

    Danke für den erfreulichen Artikel. Er macht Mut, möglichst faire Sachen zu kaufen.
    Mein Sohn sagte kürzlich: „Päppu, du brauchst ein Smartphone.“ So bin ich jetzt stolzer Nutzer eines fairphone. Mir klar, dass das Gerätchen nicht perfekt ‚fair‘ sein kann. Aber ich ziehe meinen Hut – die Leute von Fairphone( http://www.fairphone.com ) haben es geschafft, den Mitarbeitenden der Produktionsfirma einen ZUSÄTZLICHEN Monatslohn zu überweisen. Warum können das die Grossen der Branche nicht auch??

    • Samuel sagt:

      Super, auch ich kaufe nicht jedes neue Modell und keinesfalls Apfeltechnik. Wenn meines nicht mehr funktioniert, suche ich mir auch eine Lösung wie das Fairphone. Die Grossen der Branche könnten das, sind aber zu gierig, um intelligenter zu handeln. Der Massenkonsument kann das aber jederzeit ändern.

  • Büchi sagt:

    Liebe Leute, anstatt hier zu missionieren, handelt doch selbst freiwillig so wie ihr das von den anderen erwartet, und die Welt ist ein bisschen besser. Geht als gute Beispiele voran.
    Es ist einfach, mit einem Haushaltseinkommen von 10-15’000 pro Monat Wenigerverdienenden vorzuschreiben, sie sollen mehr für ihre Konsumgüter bezahlen. Schon in den strukturschwächeren Regionen von Deutschland leben manche mit 1-2’000 Euro pro Monat, da machen solche tiefen Preise durchaus Sinn. In Portugal ist ein T-Shirt für 15 Euro für die meisten Menschen definitiv kein Schnäppchen mehr. Solange ihr also auf den globalen Handel, den freien Kapitalverkehr und dergleichen pocht und davon profitiert, wollen das alle Menschen. Zu Recht. Ein globaler Kapitalismus, der nur die Gutverdiener mit seinen Segnungen beglückt, wird nicht mehrheitsfähig sein.

    • Réda El Arbi sagt:

      Du siehst den Zusammenhang nicht wirklich. Wenn weniger gut Verdienende in Europa sich an Leuten n Asien bereichern, denen es noch schlechter geht, ist das kein Lösungsansatz. So können die, die besser verdienen, wenigstens ein Zeichen setzen.

      Aber die primäre Botschaft hast du offenbar überlesen. Nicht: „Kauf ein teureres T-Shirt.“ Sondern: „Kauf kein T-Shirt. Du brauchst nämlich kein neues.“

      • sepp z. sagt:

        Ich habe noch nie einen Politiker, Cervelat-Promi, Wirtschaftsführer oder Partygänger in verwaschenen Kleidern in der Öffentlichkeit oder im TV gesehen. Von den Shirts der Banker ganz zu schweigen, welche nie aussehen, als wären sie mehr als 10x gewaschen worden. Es gibt sogar Journalistinnen in den Medien, die machen sich darüber lustig, wenn Promis mal dasselbe Kleid bei zwei verschiedenen Events tragen.
        Beginn doch mal dort zu missionieren, bevor du den T-Shirt-Trägern predigst.

        • Réda El Arbi sagt:

          Das Richtige von anderen zu erwarten und es selbst nicht zu tun, nennt man glaubs Heuchelei.

        • Samuel sagt:

          Die Politiker sind nicht die Masse, auch wenn sie intelligenter als bisher vorangehen könnten. Die Masse kann aber viel mehr bewirken, als die Rolle der dumpfen Marketingopfer zu spielen, wenn sie denn aufwacht.

    • Sunshine sagt:

      Wenn die Unternehmen schon nicht handeln, weil sie aufgrund der Renditefixierung inhumane Arbeitsbedingungen erst ermöglichen, muss der Kunde ihnen Druck machen.

      • Klaus sagt:

        Sunshine, als Kunde kannst du nur Druck machen, wenn du konsumierst.
        Durch Konsumverweigerung wie das hier vorgeschlagen wird, überlässt du die Nachfrage 6 Mia anderen Kunden, und du schweigst. Ergo kein Druck.

        • Réda El Arbi sagt:

          Das würde Stimmen, wenns um ein Produkt und nicht um ein Unternehmen ginge- Wird ein Produkt NiCHT gekauft, wird sich das Unternehmen darum bemühen, Produkte anzubieten, die gekauft werden. Wenn „billig, billig, billig“ kein Verkaufsarguemnt mehr ist, wird es verschwinden und anderen Argumenten Platz machen.

        • Lukas sagt:

          Du hast also sogar bereits heute mehrere Möglichkeiten. Nicht zu kaufen, dann wird untersucht, woran es liegt und es verändern sich Produkte und Unternehmen. Bei Kleidung etwa secondhand zu kaufen, dann verändern sich beide wohl ebenfalls. Vielleicht gibt es dann einen grossen Markt für stylish umgearbeitete secondhand-Kleidung, wo primär die Bearbeitungsdienstleistung der Arbeiter/ Designer direkt, statt Konzerne bezahlt werden. Oder Du kannst schon heute bei Bedarf, und nicht trendbezogen, Deine Produkte fair und nachhaltig kaufen. In jedem Fall werden die Konzerne versuchen endlich zu reagieren, weil dann der Druck da ist, den sie sich selbst nie machen.

  • catpower sagt:

    Wenn ich ein Mann wäre, würde ich übrigens derzeit die komplette Kollektion von Naturaline leerkaufen – sieht alles aus wie eine modern inspirierte Tribute an Cary Grant in „über den Dächern von Nizza“.
    Und nicht weiter jammern, Fair Fashion gäbe es nicht/zu teuer / sieht nicht gut aus etc. (die Frauenkollektion derzeit ist leider eher so naja. Aber es gibt noch andere Alternativen. Bei der Erklärung von Bern gibt es Adressen und auch jede Menge im Internet.
    See also: https://youtu.be/OaGp5_Sfbss)

  • Marianne sagt:

    Eine Unterschriftensammlung für eine Initiative, die etwas daran ändern möchte:
    http://konzern-initiative.ch/
    Auch wenn die Initiative wie andere derartige Initiativen bei den wirtschaftsliberalen und profitorientierten SchweizerInnen wohl keine Chance haben wird.

  • Robin sagt:

    Liebe Liebenden,
    geht in die Brockenstuben, kauft Kleider und möbelt sie selber auf! Macht Spass und gibt jedesmal ein Unikat für wenig Geld.

  • andy sagt:

    Es wäre nötig, Fair trade Kleider einzuführen.

    • klaus sagt:

      der freie markt regelt das von selbst, es braucht nicht immer noch mehr vorschriften.

      • manuel sagt:

        „Der freie markt“ funktioniert leider nur in der neoklassischen Theorie (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Marktgleichgewicht), von der wir aber Meilenweit entfernt sind. In der Realität sieht das anders aus. Schonmal was von Angebotsgesteuerter Nachfrage gehört?

        Hier ist es wichtig, dass Regeln eingeführt werden, wenn nicht weiter auf Kosten anderer ausgebeutet werden soll.

        PS: Es gibt Fair-Trade Kleidung, z.b. Made in Switzerland, Sweden, Denmark, ist GARANTIERT nicht ausbeuterisch, dafür muss man halt ein bisschen tiefer ins Portmonneie greifen.

  • Boris Wydler sagt:

    Mit Mode macht man das ganz grosse Geld. Einer der drei reichsten Männer der Welt? Der Gründer von Zara. Der reichste Japaner? Der Gründer von Uniqlo, Geschätztes Vermögen des Chefs von H&M? 28 Milliarden. Die Liste könnte man beliebig lange fortsetzen.

    Das geht nur indem man in unterentwickelten Ländern produziert, wo es genug billige, ungebildete Arbeitskräfte gibt und keine Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer oder Umwelt. Egal ob H&M oder Nike, die machen das (fast) alle gleich.

    Für Westeuropäer ist es aber wichtiger, dass die Eier die man im Laden kauft, von einem glücklichen Huhn stammen, als dass die eigene Kleidung nicht von billigen Sklaven in Ostasien produziert wird. Traurig aber wahr.

    Wir belügen uns selbst wenn wir denken dass man nichts ändern kann. Der Konsument hat hier die Macht. Sobald wir fair produzierte Kleidung kaufen und verlangen, wird diese auch so produziert.

    Kann sich noch jemand an die über 100 Näherinnen erinnern die vor ein paar Jahren beim Einsturz einer Fabrik in Bangladesch umkamen? Benetton hat es noch nicht für nötig gehalten auch nur einen Euro für die Familien zu überweisen.

    Happy shopping.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Boris Wydler: Sie irren leider. Es sind nicht nur die westlichen Konzerne, welche Milliarden verdienen. Es sind auch die Firmen-Bosse in den ärmeren Produktionsländer, welche sich ein Stück vom grossen Kuchen abschneiden. Fair Trade ist eine Illusion. Sie können dies nur erreichen, wenn sie selber eine Firma in einem armen Land gründen. Dann werden die Produkte so teuer, dass sie diese im Westen nicht mehr absetzen können, mit Ausnahme vom Luxussegment. Zudem müssen Sie dann hohe Korruptionsgelder bezahlen, damit sie überhaupt eine Firma gründen können. Ein weiterer Punkt: Sie brauchen auch Rohstoffe zur Herstellung. Das gilt für alle Produkte, nicht nur im Textilbereich. Auch bei der Rohstoffgewinnung werden Arbeiter gnadenlos ausgenutzt. Die Rohstoffe selbst kommen teilweise bereits wieder aus anderen armen Ländern. Wie wollen Sie die ganze Produktionskette mit fairen Löhnen kontrollieren? Eben, eine Illusion. Fast nicht aus der Welt zu schaffen, ist die Mär, dass der Kunde die Macht hat. Die Westliche Wirtschafts-Elite, unterstützt durch die korrupten Politiker (auch in der Schweiz) haben die Globalisierung erschaffen und produzierten was ihnen selbst am meisten Gewinn einbringt, Massenproduktion durch billige Waren und nicht das was der Kunde wünscht. Sie können Ihre Kleider auch online direkt in Bangladesh kaufen. Glauben Sie aber bitte ja nicht, dass die Näherinnen dadurch mehr verdienen. Man finde sich damit ab oder laufe nackt herum, denn selbst die Feigenblätter werden durch Ausbeutung von Arbeitern gewonnen.

      • Réda El Arbi sagt:

        Das ist die typische Ausrede für Konsumenten: Es ändert ja doch nichts. Also mach ich so weiter.

        Aber das Ganze ist etwas komplexer. Als Konsument oder NGO hat man nämlich durchaus die Macht, die Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern zu beeinflussen. Wenn man das abstreitet, dann wohl eher, um seine Hände in Unschuld zu waschen.

        • klaus sagt:

          Der Konsument kanns ändern. Aber eben nur der konsumierende Konsument. Wer nicht konsumiert, hat keine Stimme. Sorry.

          • Barbara sagt:

            Nur Mut: nicht-Konsumenten haben eine starke Stimme: was nicht gekauft wird, wird irgendwann nicht mehr (so) produziert! Also hart bleiben und die T-Shirts vom letzten Jahr nochmal tragen. Meine sind zum Teil 5 Jahre alt und ich KANN mir neue leisten – zumal viele fairtrade Produkte immer noch viel billiger sind, als div. Marken. Aber ich entscheide, ob ich das wirklich WILL und nicht die Werbung.
            @ Réda el Arbi: Danke für den Artikel

        • Maiko Laugun sagt:

          @Réda: Ich versuchs mal mit ein paar Fakten aus dem realen Leben: Wenn sie ein Fair Trade Produkt herstellen wollen, dann brauchen Sie X-Millionen an Investitionen. Banken geben Ihnen keinen Kredit, denn Start-Ups Firmen mit NICHT Fair Trade Produkten gehen zu 80% Pleite. Bei privaten Investoren schaffen Sie es höchstens bis ins Vorbüro, wenn Sie die dafür notwendigen Dokumente vorlegen: (Mission Statement, Objectives, Strategy, Rationale, Market Research/Analysis, 1 and 3 year P&Ls (profit & Loss Statement), one-page Funding Source with the dollar amounts and contact data.). Die zerpflücken Ihr Phantasie-Produkt schon ab dem Reissbrett. Fair Trade = höhere Löhne PLUS umweltfreundliche, Ressourcen schonende Materialien = weniger Profit für die Investoren, deshalb. Dann erklären Sie mir bitte, wie Sie als Konsument – ohne selber eine Firma zu gründen – realistisch die Produktionsbedingungen wirklich verändern wollen. Vielleicht bin ich ja nur zu dumm, um es zu verstehen.

          • Réda El Arbi sagt:

            Eigentlich iste s ganz einfach, und funktioniert seit den verbrannten Leichen in Bangladesch auch schon ein bisschen.

            Wir kaufen keine Produkte bei Billigstlinien, solange die nicht ihre Produktion von NGOs zertifizieren lassen. Die Presse bringt immer wieder Leichen und Sklaven in Zusammenhang mit Markennamen. Die Kleiderkette sieht sich mit Imageschaden und fallenden Umsätzen konfrontiert. Sie investieren 1 Prozent ihres Gewinns um bei ihren Zulieferern menschenwürdige Arbeitsverhältnisse zu garantieren.

            Zulieferer, die diese Auflagen erfüllen, verdienen Geld, die anderen gehen leer aus. Hier spielt der Markt. Die Konkurrenz ist gross genug, dass man (wie einige bereits bewiesen haben) menschenwürdige Bedingungen fordern und danach als Verkaufsargument weiternutzen kann.

            Natürlich haben die Arbeiterinnen in Bangladesch dann nicht die gleichen Bedingungen wie die Arbeiterinnen bei Zimmerli Switzerland. Aber sicher besser als alles bisher.

            Was die Behörden angeht: In Kambodscha und in Bangladesch kriechen die jedem Unternehmen in den Arsch, das Arbeitsplätze garantiert. Sie werden vielleicht über den Anspruch auf faire Bedingungen den Kopf schütteln (die spinnen, die Westler), aber sie werden sie unterstützen, um die Investitionen und die Schmiergelder zu sichern.

          • Hannah sagt:

            Alles nur subjektive Behauptungen ohne Belege, Herr Laugun. Es gibt inzwischen bereits genug fairtrade-Firmen in allen Bereichen, der mündige Konsument bekommt also seine Produkte zu fairen Bedingungen, sofern er mitdenkt und entsprechend konsumiert. Das kann Märkte ohne weiteres verändern, aber dann muss die Masse ihre grauen Zellen etwas anstrengen.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Réda: Danke. Die Macht der Grosskonzerne ist nur schwer zu brechen. Aber gut, ich hoffe natürlich, dass Sie mit Ihren genannten Fakten langfristig recht behalten werden.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Hannah: Dann nennen Sie mir bitte mal ein paar Produkte, aber bitte solche, die es zur Massenproduktion geschafft haben und vor allem solche, die man auch lückenlos als Fair Trade bezeichnen kann, also inkl. der Gewinnung der Rohstoffe. Bin sehr gespannt!

          • Maiko Laugun sagt:

            Danke für den Link. Habe ihn erst kurz überflogen. Bin mir aber sicher, dass Sie ein gutes Beispiel gewählt haben. Stören tun mich, so auf die Schnelle, Sätze wie „…und sich durch unabhängige, externe Fachstellen kontrollieren zu lassen….“. Mit der GIZ hatte ich zufällig mal in anderer Angelegenheit zu tun. Papier ist auch bei denen sehr geduldig. Aber gut, ich bin sicher, dass dies mal ein guter Schritt in die richtige Richtung ist.
            .
            Ein anderes Thema wäre dann noch die Produktion für das Inland. Wir reden hier ja nur über die Güter, die in den Westen gelangen.

          • Hannah sagt:

            Hier Herr Laugun http://www.hessnatur.com/de/ . Da können Sie sich gleich besser einkleiden, die versenden sicher per Vorkasse auch nach China. Alternativen zum schmutzigen Massenmarkt gibt es schon heute global. Hier http://ethicalfashionshowberlin.com/ können sie sicher auch „saubere“ Kleidung erwerben. Wenn die Masse ein Erweckungserlebnis hat, werden auch die Konzerne umstellen müssen.

        • Boris Wydler sagt:

          „Es ändert ja doch nichts. Also mach ich so weiter.“ Könnte man einfach umformulieren: „Ich mach so weiter _darum_ ändert sich ja doch nichts“.

          Wenn ich mein T-Shirt nicht bei H&M kaufe sondern nebenan bei Switcher, weiss ich schon mal das die Näherin einiges mehr verdient. Der Umsatz der H&M entgeht, wird sie ab einer gewissen Grösse schon zum nachdenken bringen.

          H&M etc. wollen uns Kleider verkaufen. Wenn der Konsument darauf besteht, dass diese fair produziert werden und dafür auch ein paar Franken mehr bezahlt, werden die Läden genau diese Kleider anbieten.

          Wir Konsumenten sind der Grund dafür dass so billige Kleider produziert und angeboten werden. Ohne Nachfrage wird nichts produziert.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Boris Wydler: „Ohne Nachfrage wird nichts produziert.“ … Das ist weitgehend falsch und auch etwas naiv. Nur als ein Beispiel: Vor ca. 30 Jahren gab es kein Handy. Es bestand keine (Massen-)Nachfrage, weil ja keiner wusste, was ein Handy ist. Es wurde zuerst entwickelt und auf den Markt geschmissen, natürlich in der Hoffnung, dass nachher ein jeder eines haben will (Nachfrage!). Zuerst war da also das Produkt – und dann die Nachfrage.

  • Irene feldmann sagt:

    Weshalb jedes Jahr die Bekleidung entsorgen? Geben wir der Bekleidung Leben oder macht sie uns lebendig? Image ist das keyword….Schein oder sein……Bekleidung transferiert Ausdruck, eine Message, doch unter der Bekleidung atmet eine ganz andere Geschichte und die wäre es wert zu zeigen…..seit nackt und bedeckt euch nur um nicht die gesellschaftliche fasson zu sprengen…:)

  • Natalia Maag sagt:

    Dazu ein passendes Video, man weiss teilweise nicht, ob man lachen oder weinen soll…

    https://www.youtube.com/watch?v=VdLf4fihP78

  • f.romer sagt:

    zum glueck werfen wir alles fort jedes jahr. so koennen einige tausend leute arbeit finden und wenigstens etwas geld verienen

    • Georg sagt:

      Zahlen Sie mehr fürs faire Einzelteil, dann können alle Beteiligte mehr verdienen und müssen ggfs. weniger gesundheitsruinierend arbeiten.

    • Boris Wydler sagt:

      Ja genau. Die Kinder die unsere Kleider nähen, statt zur Schule zu gehen und die Näherinnen die bei Bränden oder Einstürzen umkommen, sind uns auch total dankbar dafür.

      Die Fähigkeit des Menschen, unbequeme Tatsachen auszublenden und sich selbst zu belügen, ist wahrlich bemerkenswert.

  • Maiko Laugun sagt:

    Bei uns in China kosten Kleider mittlerweile mehr als in der Schweiz, dies bei schlechterer Qualität. T-Shirts, 100% Baumwolle, Massenware, kein Markenartikel, inländische Produktion, gibt’s in den ganz normalen Läden ab (!) ca. CHF. 15.00 aufwärts. Es käme mich bald billiger, wenn ich meine Kleider **Made in China** online in Europa bestellen und hierher zurück fliegen lassen würde. Herzlich willkommen in der Globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts!

    • klaus sagt:

      Martullo B. und ihre Milliarden wird schon schauen, dass es bei uns gleich wird wie im Vorbild China.

  • Peter sagt:

    Die korrekte Frage lautet, warum man in Zürich für ein Glas Latte macchiato frech mit 6 Fr. abgezockt wird und nicht, warum ein T-Shirt 12 Fr. kostet.

    • Réda El Arbi sagt:

      Jep. Das wäre die Frage, wenn man nicht über den Tellerrand seiner 1-World-Problems hinausschauen kann. Du hast die Wahl, ob du den Latte kaufen willst. Die Näherin kann nur zwischen Armut und Job mit weniger Armut wählen.

      • Astrid Meier sagt:

        El Arbi, Sie haben die Pestizide vergessen, mit denen der indische Bauer seinen Baumwollacker schön sauber hält. Nicht nur die Näherin arbeitet zu Bedingungen unter jeder Sau, dem Bauern geht es nicht besser, und bei den Mengen an Chemie die für den Anbau des Rohstoffes und für die Verarbeitung des Kleidungsstückes eingesetzt wurde, gehört das letztjährige Teil eigentlich in den Sondermüll.

    • Boris Wydler sagt:

      Du könntest Dich auch fragen, wie viel von den 6 Fr. an den Kaffebauern in Mittelamerika gehen…

      • Réda El Arbi sagt:

        Wenn man schaut, woher der Kaffee kommt, lässt sich das leicht steuern. Es gibt sicher genug Fairtrade-Kaffee in Zürich.

        • Boris Wydler sagt:

          Reda, informiere Dich über die Weltmarktpreise von „Fairtrade-Kaffee“ und vergleiche sie mit den Weltmartkpreisen für „normalen“ Kaffee. Da bleibt auch nicht wirklich viel übrig. Etwas mehr ja, genug nein.
          Fairtrade ist oftmals nur ein Gutes-Gewissen Label.

          • Georg sagt:

            Wer dann Fairtrade wie auch Bio im Discounter kauft, hilft der Welt wohl auch nicht wesentlich. Schauen Sie mal im gut sortierten Bioladen vorbei, da gibt es auch spezielle Biolabel wie Demeter, Bioland, Naturland usw mit teils höheren Standards…

  • Hans sagt:

    Moral und Ethos kommt oft nicht gut an. Ich frage mich wie das gerechtfertigt wird, das Elend, bspw. verursacht durch die Verlagerung des Proletariats nach Übersee. Man würde ja selber nicht so leben wollen? Das Argument vom Kommentator Enver ist ja klassisch. Ich schaue immer wenn ich was kaufe, obwohl das schwierig ist.

  • Nicole sagt:

    @ Réda – ich hätte genau zu diesem Thema noch ein Buchtipp: OVER-DRESSED von Elizabeth L. Cline (the shockingly high cost of cheap fashion) – das Buch gibt es bis jetzt nur auf Englisch. Ist sehr interessant und lesenswert!

  • glaus sagt:

    Gewinne im Kapitalismus basieren IMMER auf Ausbeutung der Arbeit anderer.

  • Anna Meier sagt:

    Naja, also da kommt es schon drauf an. Für ein Männer T-Shirt finde ich 12.- auch ein wenig billig. Aber wenn es ein Frauen T-Shirt war, das gerade mal kanpp die Brüste bedeckt, also mit ca. 1/4 des Stoffes auskommt und nicht viel mehr als 2 Nähte links und rechts und zwei billig verarbeitete Elastikträgerchen hat, dann sind 12.- ok, weil ja weder viel Stoff noch viel Arbeit reingesteckt wurden. Das gleiche bei einem Kleid. Für ein Longkleid z.B. finde ich 50.- zu wenig, da kann es nicht mit rechten Dingen zu und her gehen. Wenn das Kleid aber gerade mal knapp die Pobacken bedeckt, dann ist 50.- wieder ok, weil wie beim T-Shirt, weder viel Material noch viel Arbeit dahinter steckt. Zudem ist es irgendwie heuchlerisch, wenn man grosskotzig auf Billigkleider verzichtet (und das natürlich auch an die grosse Glocke hängt) aber nicht gleichzeitig damit einhergehende Projekte unterstützt. Nur weil dann eine Fabrik schliessen muss, weil wir diese Kleider nicht mehr tragen, ist den Familien dort auch nicht geholfen, denn sie sind auf das Einkommen angewiesen – auch auf das der Kinder. Die Kinder sollten aber zur Schule gehen können und das Einkommen der Eltern für den Unterhalt der Familie reichen. @Rada: Inwiefern unterstützt du denn solche Projekte? Ich würde mich nämlich leiber da engagieren…. Falls du also Erfahrung hast…..

    • Réda El Arbi sagt:

      Öhm, das T-Shirt wurde gefärbt, der Stoff gewoben, chemisch bearbeitet und in Containerschiffen über den Ozean geschifft. Nur schon der Wasserverbrauch und die Chemikalien zur Herstellung und für den Transport …

      • S.R sagt:

        Ein Container von Hong Kong nach Europa kostet ca. 2000 euro. Da können sie tausende Shirts reinstecken – die Transportkosten kosten eben fast nichts….

        aber sonst mal bei der evb vorbeischauen, da werden die labels bewertet und man kann ein wenig abschätzen.

  • Sarah sagt:

    Eine wunderbare gratis Informationsquelle für gutes Leben ist für mich auch die http://schrotundkorn.de/ , dabei gibt es die älteren Ausgaben http://schrotundkorn.de/mehr/schrot-korn-archiv.html auch im Archiv. Jeden Monat nehme ich die Zeitung gratis aus meinem Bioladen mit. Sie ist gut gemacht, informativ und bietet einen tollen Überblick über aktuelle Fair-Bio-Themen, von Essen über Landwirtschaft, Strom, Kleidung, Politik, Wirtschaft u.v.a. Wenn ich aus Zeitgründen spät am Abend doch mal in einem Discounter bin und ins Biosortiment schaue, dann schüttelt es mich geradezu, wenn ich die billigen konventionellen Marketing-Produkte sehe. Sehr gerne lesen ich darin auch immer die Kolumne von http://schrotundkorn.de/lebenumwelt/lesen/kolumne-die-macht-ueber-den-eigenen-koerper-zurueckgewinnen.html auf der letzten Seite.

  • mutter81 sagt:

    für alle die mehr dazu wissen wollen, bitte lesen. https://www.evb.ch/themen-hintergruende/konsum/mode/existenzlohn/fair-fashion-2014-hintergrund-materialien/ es gibt apps für io und android nutzer

  • Herbert sagt:

    Was ich aus diesem Artikel herauslese? Dass der Kaffee in Zürich viel zu teuer ist. 12 Franken für ein T-Shirt sind normal (und billig ist nicht dasselbe wie günstig).

  • Enver sagt:

    Genau. Noch besser wäre es, niemand würde in diesen Regionen investieren und die Näherinnen hätten gar keine Arbeit, um sich oder einen Teil ihrer Familie zu ernähren.

  • tststs sagt:

    Langsam aber sicher tut sich in dieser Sache was; auch dank der heutigen Vernetzung ist Transparenz immer besser herzustellen und wer Fair-Trade-Klamotten will, findet diese auch. (Und ja, 70.- für ein Tshirt ist bei einem Durchschnittseinkommen von ü5000.- durchaus angemessen.)
    Traurig finde ich, dass in der Lebensmittelindustrie genau der umgekehrte Trend stattfindet. Es muss immer alles billiger werden. Diese Woche war zu lesen, dass der M-Budget-Energy-Drink noch 45 Rappen kosten soll. 45 Rappen für Inhalt, Verpackung, Herstellung, Transport und Verkauf!!! Wir wollen für ein Pack Toast nur noch 1 Stutz zahlen, weil, hey, sonst kaufe ich es in Deutschland… Das bei diesen Preisen bald nur noch Produktionsabwässer und Sägemehl verarbeitet werden kann, scheint die Leute nicht zu interessieren…

    • geezer sagt:

      stimmt! im food-bereich hat der spruch „was nichts kostet, ist nichts wert“ scheinbar für die grosse masse überhaupt keine bedeutung mehr. ich bin überhaupt kein food- und ernährungs-fundi; der gesunde menschenverstand sollte aber bei diesen themen eigentlich schon jedermann ausreichend weiterhelfen.

      beim fleisch ist es am offensichtlichsten: jeder weiss, dass hier „billig“ katastrophale haltung und chemieeinsatz ohne ende bedeutet. warum sollte es bei anderen lebensmittlen anders sein? wenn ich hungere, interessieren mich diesem themen verständlicherweise nicht. wenn ich aber nicht hungere (wie 99.9% der menschen in unserem land), könnte ich mir schon das eine oder andere beim täglichen lebensmitteleinkauf überlegen.

      • Astrid Meier sagt:

        Genau! Je billiger Food und Klamotten, desto wegwerf. Und hei! Was kümmern uns kommende Generationen, denen wird schon etwas einfallen um das Problem der vergifteten Boden, das verschmutzte Wasser, die verbrauchten Ressourcen zu lösen. Jetzt haben, später zahlen, wie Schmidbauer so schön schrieb.

  • Sarah sagt:

    Eine gute Versandquelle für intelligente Kleidung ist immer http://www.hessnatur.com/de/ wie ich finde , Infos zur Produktion finden sich hier http://de.hessnatur.com/ueberuns/humanity-in-fashion/die-mode-der-zukunft/ und auf dieser Seite http://de.hessnatur.com/ueberuns/humanity-in-fashion/der-weg-eines-t-shirts/ findet man den Weg eines T-Shirts beschrieben.

  • Cybot sagt:

    Ich stimme völlig zu. Nur das Problem liegt nicht allein bei den Billigketten, sondern bei der ganzen Modeindustrie. Die teureren Kleider werden in genau den gleichen Sweatshops produziert, nur halt mit einem Markenlogo drauf und in etwas besserer Qualität. Wenn man heute wirklich fair produzierte Kleidung kaufen will, muss man eine ganze Weile suchen. Und wer macht das schon.

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich versuchs. Und wenns nur wegen meines schlechten Gewissens ist. Ist besser als gar nichts.

      • Jordan Belfort sagt:

        gibt eigentlich nur zwei möglichkeiten: 1. zertifizierte fairtrade ware kaufen. 2. nur noch in europa produziertes kaufen. ich mache zweites und empfehle dafür die boutique roma (hat halt auch seinen preis)…

    • geezer sagt:

      so lange auch grosse namen in der modeindustrie sie weigern, bestimmte abmachungen oder verträge zur verbesserung der arbeitsbedingungen mit den produzenten zu unterzeichnen, wird auf diesem gebiet leider nur wenig passieren.

      ich habe gerade kürzlich wieder einen beitrag im fernsehen zum thema geschaut. diesmal war es die firma benetton, die sich weigerte, etwas zur verbesserung der situation der näherinnen in bangladesch zu unternehmen. ein armutszeugnis! zudem ist die billigware ja (logischerweise) oft auch schlecht und schief genäht. dabei würde sich der qualitätsgedanke auf dauer doch sicherlich bezahlt machen. etwas mehr für die arbeit und gutes material bezahlen und dafür kann es auch im nächsten jahr noch getragen werden. aber wenn man sieht, wie die leute scharenweise in die billigketten pilgern und schrott kaufen, braucht es zum umdenken doch wohl noch einiges an zeit.

      • Réda El Arbi sagt:

        Nicht nur der Qualitätsgedanke. Auch das Gefühl, dass man morgens nicht in ein Sklaven-T-Shirt schlüpft, kann zum besseren Selbstwertgefühl beitragen.

      • Samuel sagt:

        Begrenzte Haltbarkeit und geplante Obsoleszenz https://de.wikipedia.org/wiki/Geplante_Obsoleszenz sind ein wesentliches Merkmal der heutigen degenerierten Märkte.

        • geezer sagt:

          die geplante obsolenz sollte heute eigentlich jedem – produzenten und konsumenten gleichermassen – zu denken geben; die folge: übersteigerter verbrauch von ressourcen. so kauft doch hinz und kunz hierzulande gleich wieder das neueste mobile und lässt das alte verschrotten, oder noch besser zu hause im büro vergammeln, obwohl es noch jahre seinen dienst tun würde. seltene erden, gold, aluminium, wasser etc….lieber auf teufel komm raus produzieren und konsumieren.

          es gibt leute, die haben tatsächlich 70 paar schuhe zu hause! und sie kaufen fleissig jeden frühling die gesamte garderobe neu; je günstiger desto besser, versteht sich. und dann jetten sie am wochenende auf abu dabi, weils so „huergeil gschtört“ ist, was die durchgeknallten wüstensöhne dort dank noch reichlich fliessenden petrodollars aus dem boden stampfen lassen. kranke welt…..

          keiner kann sich diesem konsumkreislauf zu 100% entziehen, aber nur schon das eine oder andere mal sich selbst zu fragen „brauche ich dies und das wirklich“ und „von wo kommt diese ware überhaupt“ würde definitiv etwas bringen.

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