Beiträge mit dem Schlagwort ‘Tarek Abu Hageb’

Die Heuwaage hat eine «Bunterführung»

Joel Gernet am Donnerstag den 20. Dezember 2012

Verantwortlich für das Farbmassaker in der Bunterführung: Tarek Abu Hageb mit seiner Freundin Nora Donner.

Die Heuwaage mit ihrem Autobahnviadukt mausert sich zu einer Galerie der öffentlichen Kunst. Neben einer Eisenplastik von Paul Suter, Michael Grosserts Skulptur «Lieu dit» und Christine Zuffereys Installation «Fiktion/Fiction» ist seit gestern die grossflächige Spraykunst von Tarek Abu Hageb zu sehen. «Bunterführung» heisst das Projekt beim Kiosk, es wurde von Tarek Abu Hageb sowie zwei Jugendlichen in den letzten beiden Monaten verwirklicht. Die farbige Sprayaktion versteht sich als eine Welcome-Aktion des Präsidialdepartements. Am Mittwoch hat der Künstler sein Werk am «Urban Opening» mit Drinks und Sound feierlich der Stadt und ihrer Bevölkrung übergeben. hei

Tarek Abu Hageb bei der Arbeit an seinem Grossprojekt.

Dieser Beitrag stammt aus der BaZ vom 20. Dezember.

Zuckersüss und schwer gestört

Joel Gernet am Freitag den 14. September 2012

An der Gruppenausstellung «How To Make A Monster» im «High Voltage Lab» gibt es vom kindlichen Nutella-Hasen bis zum grausamen Familienvater die unterschiedlichsten Monster zu sehen. Am Freitagabend steigt in der Markthalle die Vernissage-Party.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Eigentlich hätten wir diesen Artikel auch mit «Fratzen und Fritzl» oder «Kunst mit Kinderschändern» betiteln können. Schliesslich ist das auf Teppich geb(r)annte Porträt des österreichischen Monstervaters Josef Fritzl eines der schockierendsten und plakativsten Werke der Ausstellung «How To Make A Monster». Die boulevardesken Titel wären allerdings etwas sehr fies gewesen, geht es doch bei der heute anlaufenden Ausstellung nicht nur um die offensichtlichen Monster, die uns glücklicherweise meist nur via Medien begegnen, sondern auch um abstraktere Monster aus Alltag oder Kindheit. Das zeigen die autobiographischen Foto-Arbeiten von Jay Rechtsteiner oder die kindlich wirkenden Figuren des Indonesiers EddiE HaRA. Das Fritzl-Werk des Basler Künstlers Tarek Abu Hageb ist mit seiner schockierenden Eindeutigkeit eher die Ausnahme.

Skurril und irritierend sind die Werke aber alle. Vor allem Jay Rechtsteiners überdimensionaler Nutella-Hase, der am anderen Ende des Raumes vor einem lärmenden Fernseher sitzt. Er guckt einen trashigen Ninja-Film mit Rechtsteiner und dessen Bruder in der Hauptrolle. «Der Hase repräsentiert das reine Kind», erklärt der Künstler und füttert den Hasen indem er ihn mit Nutella beschmiert. Über zwei Kilo nimmt das Tier so zu pro Monat. Die Gesellschaftskritik ist offensichtlich und wird noch beissender, wenn man merkt, dass der süsse Hase gar keine Augen hat.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

In einem anderen Werk will Rechtsteiner mit modifizierten Fotos aus seiner Kindheit, auf denen er sich etwa als «Monster Boy» betitelt, aufzeigen, wie er durch gesellschaftliche Normen und Zwänge zum kleinen Monster wurde. Die Gesellschaft als Monster, die sich laufend über kleine Monster reproduziert. Wesentlich naiver und heiterer kommen da die farbenfrohen Bilder des Wahlbaslers EddiE HaRA daher. Sie erinnern an Ethno-Motive aus Asien und Mexiko.

Das Konzept zu «How To Make A Monster» trug Jay Rechtsteiner schon länger mit sich herum. Ursprünglich wollte der in London wohnhafte Schweizer die Ausstellung in Portugal realisieren. Als die dortigen Partner dann aber mit Barbiepuppen und dergleichen antanzen wollten, zog er sich zurück und fragte seine Basler Kunstfreunde EddiE HaRA und Tarek Abu Hageb an. Dass die Gruppenausstellung nun in Abu Hagebs und Nora Donners «High Voltage Lab» statt finden kann, ist ein glücklicher Zufall. Damals war nicht klar, wie sich die Zwischennutzung in der Markthalle entwickelt.

Auge des Bösen: Ein Ausschnitt von Abu Hagebs Fritzl-Bild.

Und nun trifft hier ein kindlicher Nutella-Hase auf Kinderschänder Fritzl. «Tarek ist der direkteste der drei Künstler – bei ihm geht es ans Eingemachte», sagt Projektleiterin Nora Donner und zeigt auf den Teppich mit dem per Lötkolben eingebrannten Gesicht des Österreichers. «Das ist ein richtig fieses Medium für Fritzl.» Der flauschige Stoff als Symbol für die heimelige Wohnung kontrastiere auf schauderhafte Art die grausamen Taten das Familienvaters. Dieser hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem unterirdischen Verlies gefangen gehalten und mehrfach geschwängert. Schräg gegenüber des Wandteppichs steht ein alter Holzschrank – die Installation ist kurz vor Ausstellungsbeginnn noch nicht ganz vollendet. Es fehlt das Frauenwimmern, welches den Schrank vom Möbel zum Kunstobjekt transformiert.

Wer sich dieses Wimmern nach der Vernissage am Freitagabend umgehend wieder aus den Gehörgangen blasen lassen will, kann dies im Anschluss im angrenzenden Projektraum FAKT machen. Dort gibt’s die Vernissage-Konzerte mit Reverend Beat Man und den Bikini Girls. «Der rustikale Rock’n’Roll-Blues-Sound passt perfekt zur Ausstellung», erklärt der Booking-Verantwortliche Valentin Ismail. Zudem spiele der Berner Musiker und «Rockgott» Reverend Beat Man passenderweise auch in der Band The Monsters. Na, dann muss der Herr aber aufpassen, dass er von Jay Rechtsteiner nicht mit Nutella beschmiert wird.

«How To Make A Monster» mit Jay Rechtsteiner, Tarek Abu Hageb und EddiE HaRA. 15. September bis 4. Oktober, High Voltage, Markthalle Basel. Vernissage: Freitag, 15.9., ab 18h. Vernissage-Konzert im F A K T (Reverend Beat Man und Bikini Girls) ab 21h.

Eine Kunstinsel mitten im Konsumtempel

Joel Gernet am Donnerstag den 29. März 2012


Eigentlich macht mich die am Wochenende frisch eröffnete Markthalle ja wütend. Darüber, dass die so geschichtsträchtige wie geniale Kuppelhalle zu so etwas «originellem» wie einem Einkaufzentrum transformiert wurde. Schon wieder. Bravo! Seit ich aber weiss, dass im neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Innenstadt vorerst auch Zwischennutzungen ihren Platz finden, ist der Zorn immerhin ein bisschen verflogen. «High Voltage – the lab» heisst das Projekt, welches unter der 27 Meter hohen Kuppel sein temporäres Domizil hat. Hier zeigen sieben Künstlerinnen und Künstler aus Basel, Zürich und Helsinki ihre Werke – und sie arbeiten daran. Das Kunstlabor ist eine Mischung aus Ausstellungsraum und Atelier, untergebracht in einer noch nicht vermieteten Ladenfläche am hinteren Ende der Markthalle. Direkt neben einem Schuhgeschäft und der Credit-Suisse-Filiale, welche vorerst nur von Handwerkern betreten wird. Die Bankfiliale befindet sich noch im Bau, wie so Einiges in diesem neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Heuwaaage.

Insofern passt das «High Voltage»-Labor hierher. Auf dieser 227 Quadratmeter grossen Kunst-Baustelle gehört der Entstehungsprozess zum Konzept. Das mussten die beiden Initianten am Eröffnungswochenende so manchem der rund 1500 Labor-Besucher erklären. «Viele fragten uns, ob wir zur Vernissage nicht fertig geworden sind mit den Werken», sagt Tarek Abu Hageb. Der Basler Künstler ist verantwortlich für die Projektleitung, zusammen mit Nora Donner. «Wir hätten gar nicht fertig sein dürfen – die Eröffnung war auch unser Start», schildert die Grafikerin. Für sie ist die kulturelle Zwischennutzung in der Markthalle ein Segen: «Wir sind wie eine Insel – so etwas erwartet man nicht hier.»

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Schlaglicht auf Woche 50

schlaglicht am Mittwoch den 14. Dezember 2011

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu und die Nächte werden zwar länger, das Kultuprogramm allerdings von Woche zu Woche etwas dürftiger. Zeit also, mal wieder ein Buch aus dem Regal zu nehmen, endlich The Wire in voller Länge zu schauen oder die IMDb Top 250-Liste abzuarbeiten.  Wer trotzdem raus will: Ein paar Tipps für die Kulturwoche 50 haben wir dennoch gefunden. Man siehe nach dem Sprung… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 18

schlaglicht am Montag den 2. Mai 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Unsere neue Rubrik «Schlaglicht auf Woche…» hilft Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen.

Dienstag, 3. Mai

TV Buddhas in der Agora Bar
Die TV Buddhas, das ist in etwa die zeitgenössische Ausgabe der Modern Lovers. Ursprünglich aus Israel lebt die Band nun in Berlin und spielt jedes Jahr unzählige Konzerte in ganz Europa und der Schweiz. 2009 war das Trio im Hirscheneck zu Gast, nun treten sie mit ihrer Lo-Fi-Musik in der neu eröffneten Agora Bar im Kleinbasel auf.
Mehr Infos Café-Bar Agora, Feldbergstrasse 51, Basel, Konzert: 21:00h (pünktlich!)

Mittwoch, 4. Mai

St. Bimbam: Leseshow im Querfeld
Zu Gast bei den Moderatoren Gabriel Vetter und Marc Krebs sind diese Woche Mischa-Sarim Verollet (D) & Sulaiman Masomi (D). Verollet hat schon über 40 Poetry Slams gewonnen und gehört zu den prägendsten Künstlern des Jahrzehnts. Masomi hört sich selbst gern sprechen. Wir ihn hoffentlich auch.
Mehr Infos Gundeldinger Feld, Querfeld-Halle, Dornacherstrasse 192, Basel, 20:ooh

Donnerstag, 5. Mai

Bonobo in der Kaserne
Bonobo, so heissen nicht nur Zwergschimpansen, es ist dies auch das Alias des britischen DJs Simon Green, der diesen Donnerstag in der Kaserne auftritt. Seine Musik, die man wohl am besten dem Genre «Downtempo» zuordnen könnte, kommt allerdings alles andere als klein daher. Seit knapp 10 Jahren veröffentlicht Green in regelmässigen Abständen atmosphärische Electronica-Alben mit beträchtlicher Klangtiefe auf dem britischen Kultlabel Ninja Tune. «Black Sand», sein neustes Werk erschien im März 2010. Für seinen Auftritt in der Kaserne tritt er mit Band auf.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 21:00h, Konzert: 22:00h

Heavy Metal Kings (Ill Bill & Vinnie Paz) im Sommercasino
Nein, dieses Konzert wird nichts für headbangende Metal-Fans. Zwar brüllen Ill Bill (La Coka Nostra, NY) und Vinnie Paz (Jedi Mind Tricks, Philadelphia) lauter als so manche Rockröhre, was die beiden Berseker mit ihrem Kollabo-Album «Heavy Metal Kings» aber bieten, ist Hardcore-Rap vom Feinsten. Samplegeschwängerte Kampf-Hymnen mit Raps wie Maschinengewehrsalven. Brrrrä!
Mehr Infos Sommercasino, Münchensteinerstrasse 1, Basel; Doors: 20:00h

Massimo Furlan in der Kaserne
Massimo Furlan reflektiert das Jahr 1973 inklusive der Historizität der Popkultur und den Mechanismen des Erinnerns und Vergessens. Die Einnahmen der Veranstaltung kommen dem Japanischen Roten Kreuz zu Gute.
Mehr Infos Kaserne Basel, Reithalle, Klybeckstr. 1b; Doors: 20:00h

Erland and The Carnival im Parterre
Hinter Erland and The Carnival stecken fünf Musiker aus London, angeführt von Simon Tong, der es als Bandmitglied von The Verve oder The Good, The Bad & The Queen zu Weltruhm brachte. Mit im Gepäck haben sie ihre neues Album «Nightingale», auf welchem das Quintett wie schon auf dem Vorgängeralbum britischen Folk Rock der klassischen Sorte abliefert.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; Doors: 19:30h, Konzert: 20:00h

Freitag, 6. Mai

Liebe, Lust und Leiden im Literaturhaus
Jugendliche zwischen 17 und 25 haben im Rahmen eines Schreibwettbewerbs Kurztexte zum Gefühlstrio «Liebe, Lust & Leiden» verfasst. Die besten drei werden nun dem Publikum vorgestellt und prämiert.
Mehr Infos Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3, 20:00h

Tarek Abu Hageb & Brandhärd auf dem Theaterplatz
Für seine Performance neben dem Tinguely-Brunnen kehrt der Basler Künstler Tarek Abu Hageb zu seinen Wurzeln zurück – er zeigt nämlich live, wie ein Graffiti entsteht. Danach sorgt die Rapband Brandhärd für den Schlusspunkt des Abends. Der Anlass ist Teil einer Veranstaltungsreihen, mit der die Christoph Merian Stiftung (CMS) auf dem Theaterplatz von Mittwoch bis Sonntag ihr 125-Jahr-Jubiläum feiert.
Mehr Infos Theaterplatz, Basel; 20:00h Graffiti, 21:00h Rapkonzert

Samstag, 7. Mai

Vernissage in der Galerie Nicolas Krupp
Der ehemalige Kunsthalle-Direktor Peter Pakesch richtet bei Nicolas Krupp eine Schau über Malerei ein. Es gibt Arbeiten zu sehen von Georg Baselitz, Albert Oehlen und Eugène Leroy. Klingt vielversprechend.
Mehr infos Nicolas Krupp Contemporary Art, Rosentalstrasse 28 in Basel; 11:00–18:00h

J Rocc in der Kaserne
J Rocc, der Gründer der famosen DJ-Combo Beat Junkies ist beim legendären Label Stones Throw Records zu Hause, dessen Künstler gern gesehene Gäste in der Kaserne sind. Und wie immer, wenn jemand von Stones Throw zu Gast ist, dann freuen wir uns auf eine geballte Ladung Turntablism inklusive vieler Samples, die garantiert nur aus den hintersten Ecken der vergessensten Plattenläden der Welt stammen.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 23:00h, Konzert: 00:00h

«Krieger des Regenbogens» im Parterre
Das Einmann-Theater mit Ferruccio Cainero – zum Lachen berührend, genial gescheit, sensationell witzig.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; 20:00h

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