Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sofia Vergara’

Woody, der Zuhälter

Fabian Kern am Mittwoch den 6. August 2014

«Fading Gigolo» läuft ab 7.8. im kult.kino club und im Küchlin.

«Fading Gigolo» läuft ab 7. August im kult.kino club und im Küchlin.

Eigentlich ist «Fading Gigolo» ein typischer Woody-Allen-Film: eine krude Story aus New York, gespickt mit drolligen Figuren sowie schrägen Dialogen, und ein beeindruckender Cast. Doch der «Stadtneurotiker» spielt für einmal nur eine Hauptrolle. Der Streifen, wohl eine Art Ode an den Altmeister, stammt aus der Feder von John Turturro, der sich auch gleich die Titelrolle gab. Wer mag es ihm verdenken, darf er doch Klassefrauen wie Sharon Stone und Sofia Vergara verführen. Jede für sich und auch beide zusammen.

Turturro, ein Liebling der Coen-Brothers, ist bekannt für die Darstellung skurriler Gestalten. Höhepunkt war sicher sein Kult-Auftritt als schriller Bowler Jesus Quintana in «The Big Lebowski». Der Florist Fioravanti (Turturro) hingegen ist eher von der stillen Sorte. Umso überraschter ist er, als ihm sein bester Freund Murray (Allen) vorschlägt, er sähe ihn als Mann für gewisse Stunden. Der Buchhändler ist soeben pleite gegangen und durch seine Hautärztin auf die Idee gebracht worden, als Zuhälter ins älteste Gewerbe der Welt einzusteigen. Die in ihrer Ehe gelangweilte Dr. Parker (Stone) möchte mit ihrer attraktiven Freundin Selima (Vergara) einen Dreier versuchen.

Freunde, aber auch Zuhälter und «Hure»: Murray und Fioravanti. (Bilder: Ascot-Elite)

Freunde, aber auch Zuhälter und «Hure»: Murray und Fioravanti. (Bilder: Ascot-Elite)

Freierin und Gigolo: Dr. Parker und Fioravanti (Bilder: Ascot-Elite)

Freierin und Gigolo: Dr. Parker und Fioravanti.

Angesichts der vielen Rechnungen lässt sich Fioravanti trotz anfänglich heftigen Protests («Bist du auf Drogen?») schnell überzeugen und er beglückt die sexuell ausgehungerte Hautärztin. Offensichtlich beschränken sich seine Qualitäten nicht nur aufs Blumenbinden, denn der Kundenstamm des ungleichen Duos wächst rasant. Doch dann will Murray etwas zuviel. Er versucht, die streng gläubige Jüdin Avigal (Vanessa Paradis) in Fioravantis Bett treiben. Dieser allerdings spürt, dass die sensible Witwe und sechsfache Mutter etwas Anderes braucht als heissen Sex. Bei der orthodoxen Gemeinde in Brooklyn, die in Gestalt des eifersüchtigen Aufpassers Dovi (Liev Schreiber) über seine gläubigen Schäfchen wacht, sieht man aber weder das Eine noch das Andere gern – erst recht nicht, wenn es sich nicht um einen Juden handelt…

Witwe und Aufpasser: Avigal und Dovi.

Witwe und Aufpasser: Avigal und Dovi.

Endlich mal ein Film, der es auf den Punkt bringt und sich wie früher auf neunzig Minuten beschränkt, möchte man John Turturro gerne sagen. Allerdings hätten der Komödie ein paar Zeigerumdrehungen nicht schaden können. Denn über die Grundaussage und das Ende lässt sich diskutieren. Eben: ein typischer Woody-Allen-Film. Allen konnte die Finger nicht davon lassen, an Turturros Drehbuch herumzuwerkeln, und dieser konnte dem Altmeister die Änderungswünsche nicht abschlagen. Dennoch soll das Positive herausgehoben werden. Allen voran die Leistung Turturros, Woody Allen in alter Frische auf die Leinwand zu bringen. Der 77-Jährige sprüht nur so vor Lebensenergie und quasselt wie in seinen besten Zeiten. Von den Frauen stechen zwei heraus. Während Sofia Vergara absolut zweidimensional spielt, schaffen es Vanessa Paradis und vor allem die beeindruckende Sharon Stone, ihre Figuren in der kurzen Zeit sehr vielschichtig darzustellen. Nicht zuletzt sie verleihen «Fading Gigolo» durchaus das Prädikat «sehenswert».

«Fading Gigolo» läuft ab 7. August 2014 im kult.kino club und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. August: Dawn of the Planet of the Apes, Aimer, boire et chanter, Die geliebten Schwestern, Step Up: All In.

Stumpfe Machete

Fabian Kern am Donnerstag den 19. Dezember 2013

«Machete Kills» läuft ab 19. Dezember im Capitol und im Küchlin.

«Machete Kills» läuft ab 19.12. im Capitol und im Küchlin.

Ausufernde Gewalt, coole Sprüche, nackte Haut und eine hanebüchene Story – das war «Machete». Zudem hatte Splatter-Spezialist Robert Rodriguez vor drei Jahren die Originalität auf seiner Seite, aus einem fiktiven Trailer in den Grindhouse-Filmen «Death Proof» und «Planet Terror» einen echten Film gemacht zu haben. Von den Attributen des billigen, aber als C-Movie durchaus gelungenen Actioners geblieben sind drei Jahre später bei der Fortsetzung «Machete Kills» nur die ausufernde Gewalt und die hanebüchene Story. Die Originalität ist ebenso auf der Strecke geblieben wie die Bereitschaft der weiblichen Stars, sich auszuziehen. So bleibt als erotisches Highlight die Art, wie Amber Heard das Wort «Machete» ausspricht. Eigentlich ist das sogar alles, was bleibt.

Optisches Highlight: Amber Heard.

Hingucker: Amber Heard. (Bilder: Impuls)

Am wenigsten ein Vorwurf zu machen ist dabei Danny Trejo. Dem 69-jährigen Narbengesicht scheint der Trash in die Wiege gelegt worden zu sein. In 275 Filmen hat der Mexikaner bisher schon mitgewirkt, nicht weniger als 32 weitere Rollen werden bis 2015 folgen. Gefühlte 98 Prozent seiner Streifen wurden direkt in die Videotheken geschickt und verrotten dort auf den billigsten Regalen. Deshalb muss sich niemand wundern, wenn Trejos zweiter Auftritt als menschliche Allzweckwaffe Machete Cortez Schrott ist. Wundern muss man sich einzig darüber, dass er im Kino läuft und gleich viel kostet wie ein Blockbuster. Denn Blockbuster-Format weist einzig der Cast von «Machete Kills» auf: Michelle Rodriguez, Amber Heard, Charlie Sheen aka «Carlos Estevez», Mel Gibson, Cuba Gooding Jr., Jessica Alba, Antonio Banderas und Lady Gaga gemeinsam auf die Leinwand zu bringen, macht Eindruck. Doch das Versprechen auf ein Kinovergnügen bleibt ein leeres.

Machete und die Bösewichte Mendez...

Machete und die Bösewichte Mendez…

... und Luther Voz.

… und Luther Voz.

Diese Stars wechseln sich nahezu beliebig mit dem grosszügigen Einsatz von Kunstblut ab, was mit zunehmender Dauer einschläfernd wirkt. Aus Mangel an neuen Ideen geht dem Machwerk jegliche Originalität ab, sogar der niveaulose Spass hält sich in engen Grenzen. Nicht einmal als gute Parodie geht die Story um einen schizophrenen mexikanischen Kartellboss (Demian Bichir), der Washington dem Erdboden gleichmachen will, dabei aber nur die Marionette eines grössenwahnsinnigen Strippenziehers ist, durch. Da helfen auch die zahlreichen Anleihen bei James Bond und Star Wars nichts, ja nicht einmal Charlie Sheen als politisch unkorrektester US-Präsident aller Zeiten. Wenn man den gleichen Witz immer wieder erzählt, wird er dadurch nicht lustiger. Dem zahlenden Publikum bleibt nur der Eindruck, nicht nur Geld, sondern auch 107 Minuten Lebenszeit verschwendet zu haben – da kann Amber Heard «Machete» hauchen, so oft sie will.

Das einzig Schockierende an «Machete Kills» ist die Tatsache, dass der zweite Film direkt zum dritten Teil überleitet: «Machete Kills Again… in Space». Wer dafür Geld ausgibt – ob als Produzent oder Kinogänger–, ist definitiv selbst Schuld.

«Machete Kills» läuft ab 19. Dezember 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 19. Dezamber: Die schwarzen Brüder, Belle et Sebastian, Only Lovers Left Alive, Le passé, Dinosaurier – Im Reich der Giganten 3D.

Und hier zum Abgewöhnen schon mal der Trailer zum dritten Teil «Machete Kills Again… in Space»: