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Warum der Osterhase fröhlich hoppelt

karen gerig am Montag den 18. April 2011

Haben Sie ein Kind zuhause? Das Ihnen, unschuldig logisch wie es denkt, in diesen Tagen eine dieser Fragen zuwirft, die man spontan mit «Äh…» beantwortet? Es handelt sich dabei um folgende, durchaus auch für Erwachsene nachvollziehbare Erkundung: «Mami, warum bringt eigentlich ein Hase die Ostereier?» Nun, man kann sich herausreden: Weil er ein guter Freund der Hühner ist vielleicht, oder weil er besser malen kann. Oder weil er schneller läuft als das Geflügel mit seinen kurzen Beinen und deshalb beim Verstecken nicht gesehen wird. Vielleicht auch, weil er niedlicher ist als ein Huhn und deshalb besser zu vermarkten.

Man mutmasst also, oder aber man nutzt, was die moderne Zeit uns beschert hat, und sucht auf Wikipedia. Viel schlauer ist man jedoch in diesem Fall danach nicht – denn der Wikipedia-Eintrag beginnt mit derselben Unwissenheit, die wir gerade an den Tag gelegt haben. Also forschen wir etwas weiter. Und finden folgendes heraus:

Um den Osterhasen ranken sich viele Mythen – die absolute Wahrheit über den Osterhasen gibt es nicht!

Psst... Du siehst mich nicht, ich bin der Osterhase! (Foto Roland Schmid)

Ein paar Dinge, die über ein «Äh…» hinausreichen, kann man trotzdem festhalten. Der Osterhase macht seinen Job noch gar nicht so lange. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde er das erste Mal schriftlich erwähnt – im Buch eines Mediziners, als bestes Beispiel für den Aberglauben des naiven Volkes und damit als Abschreckung vor zu grossem Eierkonsum, der als ungesund galt. Evangelische Familien hatten in der Reformationszeit den Osterhasen zum Eierlieferanten gemacht. Ein Hase als Ostersymbol ist in christlichen Quellen aus Südosteuropa seit der Spätantike belegt. Populär wurde der Osterhase allerdings erst im 19. Jahrhundert, durch Bilderbücher und die Schokoladenindustrie – im deutschen Sprachraum, wohlgemerkt. Davor waren es etwa der Kuckuck, der Fuchs oder der Storch, die die Eier brachten.

Der Frühling spielt in der Ostersymbolik eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Das Osterfest wird mancherorts auch als Frühlingsfest gefeiert. Kuckuck und Storch sind Vögel, die im Frühling wieder in Erscheinung treten. Der Fuchs erwacht aus dem Winterschlaf und kriecht aus seinem Bau. Im Frühling kommen auch die ersten Hasenkinder des Jahres zur Welt. Früher kamen die Hasen dann in die Gärten der Häuser und suchten nach Nahrung. Ein Leichtes also, ihnen anzudichten, dass sie bei diesen Besuchen gleich die Eier zurücklassen.

In der heidnischen Mythologie ist der Hase ein Fruchtbarkeitssymbol. Der Grund liegt auf der Hand, schliesslich gebärt eine Häsin drei- bis viermal pro Jahr mehrere Junge. Aus der Antike kommt die Deutung des Hasens als Sinnbild von Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung. Hier liegt die Wurzel für Darstellungen im Zusammenhang mit dem christlichen Osterfest, in dem der Auferstehung Christi gedacht wird. Die vielfältige christliche Hasensymbolik fand im Mittelalter in vielen Bildwerken, auch an Kirchen, ihren Ausdruck. Auch das Ei ist ein Fruchtbarkeitssymbol, schon im alten Ägypten und bei den Babyloniern. Im christlichen Sinne ist das Ei wie der Hase Symbol für die Auferstehung. Kamen also beim Osterhasen und den Ostereiern einfach zwei Dinge zusammen, die dasselbe bedeuten?

Nun haben wir also ein paar neue Antworten parat, was den Osterhasen betrifft. Und nach unserer Erklärung ist es am Kind, uns anzugucken und «Äh…» zu sagen. Und gleich mit der nächsten Frage aufzuwarten: «Ja aber, wer bringt denn dem Hasen die Eier? Und wer bemalt sie? Und warum?»

Wissen Sie die Antwort, liebe Leser?