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Silberrücken, Amazonen und eine Unerhörtheit

Joel Gernet am Freitag den 13. Februar 2015

Da geht was in der Basler Rapszene: Gemeint sind nicht nur die Meisterwerke von Chilz und Zitral, sondern auch zahlreiche Veröffentlichungen der letzten Stunden und Monate – von Vybesbildern bis Samoon. Etwas aber geht gar nicht!

Herausragend: Chilz über den Dächern Basels. (Bild: Screenshot «Swiss Steet Life»)

Herausragend: Chilz über den Dächern Basels. (Bild: Screenshot «Swiss Steet Life»)

Wenn diese beiden Silberrücken Silben spucken, hagelt es Punchlines im Sekundentakt. Chilz und Zitral, beide um die dreissig, beide Teil einer grossen Basler Allstar-Rapcrew, beide seit über eineinhalb Dekaden am Mikrophon – und beide blutige Anfänger in Sachen Solo-Album. Das Warten hat sich gelohnt: Die in Eigenregie realisierten Debüts von Chilz und Zitral ragen aus den Basler Rap-Releases der vergangenen Monate heraus wie der Roche-Turm aus dem Wettstein-Quartier. So weit, dass man sogar in der Restschweiz in die Richtung dieser dopen Basler schielt.

Während Chilz auf «Innere Zirkel» lyrisch mit einer breiten Palette zwischen Wucht und Deepness auftrumpft, dreht sich bei Zitral alles nur um das Eine: «Rapmusig», angerichtet mit einer deftigen Portion Funk und einem Flavour, der seinesgleichen sucht. Zitral tauft sein Album übrigens diesen Samstag, 14. Februar, in der Kaserne Basel.

Beginnen wir den Besprechungs-Marathon bei Chilz, dessen Album «Innere Zirkel» (erhältlich auf Rappartment.ch oder iTunes) im November erschienen ist. Als Mitgründer der Basler Rapcrew K.W.A.T. (Köpf wo andrs tikke) hat der 31-Jährige in den vergangenen Monaten regelmässig bewiesen, dass er ein technisch versiertes Reimemonster ist. Aggressive Punchlines, die Kinnladen in mehrfacher Hinsicht austicken lassen, durchsetzt mit smarter Gesellschaftskritik und Strassenrap-Rhetorik – so kannte man ihn bisher. Zuletzt etwa bei der grossen «Bounce Cypher» auf SRF Virus (ab Min. 11:08).

Die Gretchenfragen beim Solo-Debüt lauten nun: Überzeugt der Protagonist auch abseits seiner Crew? Und kann er den Hörern neue Facetten präsentieren? Ja! Er kann! Auf dem Song «02.01.1984» thematisiert Chilz eindrucksvoll die Suche nach seiner Mutter und bei «Uf mim Pfad» wird schonungslose Selbstanalyse betrieben. Noch mutiger für einen Strassenrapper: Chilz ist sich nicht zu schade für eine Liebeserklärung an die Mutter seiner Kinder («Nr. 1»). Auch diese Fremdschäm-Hürde nimmt er locker und ohne dabei peinlich zu wirken – was auch am unsentimentalen Beat liegt.

Kontraste wie diese machen aus «Innere Zirkel» ein facettenreiches Album, das kaum eine Schattierung auslässt zwischen Gassen-Elend und Familien-Glück. Die textlichen Gegensätze sorgen dafür, dass Zwischentöne noch subtiler wirken – und sie machen bissige Punchline-Songs noch wuchtiger. Etwa bei Bangern wie «Swiss Street Life» oder dem Titeltrack «Innere Zirkel» mit K.W.A.T.-Kumpel Kush. Bewährte Strassenrap-Kost mit deftigen Kopfnicker-Beats, perfekt fürs Autoradio. Elektronisch-experimentell wird es beim Party-Tune «Presslufthammer» und dem sphärisch-obskuren «Anderi Wält».

Einen spannenden Mix von Lokalpatriotismus und Gesellschaftskritik gibts auf der Schweiz(er)-Hymne «Goodman» und dem sehr originellen «Mir wei luege». Ein Song, auf dem Chilz mit Sam (Rapreflex/K.W.A.T.) liebevoll die Baselbieter Macken und die Hassliebe zwischen Stadt- und Landkanton aufs Korn nimmt. Herrlich, wie die beiden im Baselbiet aufgewachsenen Rapper den Spagat zwischen Land-Idylle und Grossstadt-Hustle auf den Punkt bringen! Der differenzierte, selbstironische und kritische Umgang mit «Gangsterrap» steht Chilz gut an und lässt ihn umso authentischer wirken – gerade auch durch die Kontraste und Widersprüche, die das Leben mit sich bringt.

Abgesehen von den K.W.A.T.-Homies kommen die Gastbeiträge von ausserhalb: So geben sich auf «Innere Zirkel» der Zürcher Rapper Steezo, Webba aus Bern und die in Luzern lebende Baselbieter Raplegende Shape MC die Klinke in die Hand. Noch breiter gefächert ist die Sound-Palette: Die Album-Beats stammen von neun verschiedenen Produzenten, von denen das PW-Records-Trio um Jakebeatz, Sandro Purple Green und Manoo das Herzstück bildet. Letztgenannter war auch für die künstlerische Leitung und das herausragende «Swiss Street Life»-Video zuständig.

Die Schwachstelle des Albums ist die schwankende Beatqualität. Stellenweise wirkt die Soundunterlage etwas schmalbrüstig neben dem Powerrap von Silberrücken Chilz. Dieser, das bestätigt sich auf «Innere Zirkel» eindrücklich, präsentiert wie erhofft die geballte Wortwucht. Es sind Boxhiebe eines Bären, durchsetzt mit subtilen Zwischentönen.

Boxhiebe eines Bären – das sind auch die unverschämten Punchlines des Birsfelder Rappers Zitral, der sein Debüt-Album «Rapmusig» (erhältlich bei Rappartment.ch oder auf iTunes) am 14. Februar in der Kaserne Basel tauft. Ansonsten aber kommt der TripleNine-Member ganz anders daher als Chilz: Persönliches? Fehl am Platz! Ein Heer an Produzenten? Nie und nimmer! Dieses Album ist das Gegenteil von vielseitig – und das ist gut so. Denn der Flavour und die Frechheit, mit der Zitral die Musik und sich selber huldigt, wiegt auf, was man bei anderen Rappern schmerzhaft vermissen würde. Ignoranz und Selbstverliebtheit kann so sympathisch sein.

10959843_10205111533020416_7104907161365043374_nHier gilt es anzufügen, dass der Autor nicht aus neutraler Warte schiessen kann: Zitral ist sein Bandkollege bei der Basler Allstarcrew TripleNine. Im Gegenzug kann der Schreibende dem Beschriebenen nach einem gelungenen Rap-Part direkt sagen, dass er ein Arschloch ist. Hurra! Warum? Weil Zitral seine Zeilen so locker aus dem Handgelenk schüttelt, dass jedes gegenüber verdammt alt aussieht.

Zitrals Debut «Rapmusig» ist so etwas wie der Running Gag des Basler Raps: Vor Jahren vollmundig angekündigt, wollte es partout nicht zur Vollendung kommen. Das Album ist quasi die Basler Version von «Detox», dem ominösen Album von US-Rapstar Dr. Dre – dieses wurde 2004 angekündigt, ist aber bis dato nie erschienen. Allerdings hat Zitrals Erstling nun tatsächlich das Licht der Welt erblickt!

Abgesehen von vereinzelten Querschlägern rappt der Birsfelder auf 22 Songs über nichts anderes als Rap. Eigentlich haarsträubend. Aber: Was anderswo zur Tortur wird, entwickelt sich beim 32-jährigen Grossmaul zum Hörgenuss: Die Raps von Zitral sind irrwitzig, tollkühn und unvorhersehbar, verschachtelt oder so genial einfach, dass man sich fragt, warum das bis jetzt noch niemand so straight formuliert hat. Kurz: Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Auf Refrains verzichtet Zitral mit Vorliebe, stattdessen erhalten sein Stuuberocker-Bandkumpel DJ Freak und Brandhärd-Plattendreher Johny Holiday viel Platz für ihre Scratch-Orgien. Für den roten Faden sorgt TripleNine-Hausproduzent SimonAyEm, mit dem Zitral seit 1998 als kongeniales Duo funktioniert. Der Basler Sample-King hat sämtliche Album-Beats auf seinem MPC-Sequencer zusammengeschustert. Beats, wie massgeschneidert für Funklord Zitral. Die rappenden Gäste auf «Rapmusig» sind wohldosiert und umso effektvoller: Neben dem Berner Alleskönner Greis (Chlyklass) sind dies Zitrals TripleNine-Kumpel Abart, Cinzoman und SimonAyEm.

Knochentrockene Drumsets, gepaart mit herzerwärmenden Funk-, Soul- und Jazzsamples, gelegentlich mit obskuren Untertönen. In seiner Gesamtheit ergibt das eine HipHop-Platte im Vibe des amerikanischen Eastcoast-Rap der 90er Jahre. Zitral ist so zeitlos, dass er der Zeit fast schon wieder voraus ist.

Natürlich sind die überragenden Solo-Alben von Chilz und Zitral nicht die einzigen Basler Rap-Releases der vergangenen Monate. Deshalb hier ein kurzer alphabetischer Überblick über die jüngsten Releases von Abart, Dritte Stock, E-Light, Einzelgänger, Jean Deig und Samoon.

Zuvor unterbrechen wir das Programm aber kurz für eine soeben eingetroffene Sondermeldung; Heute Freitag, 13. Fabruar, haben sechs Ladies aus der Region via Soundcloud die Free-EP «Skillz on Fire» lanciert. Der Zusammenschluss der Rap-Amazonen nennt sich Vybezbilder und umfasst mit Nefera, Bina, Sista Lin, Merl, Luana und Pearlbeatz praktisch jede Basler Rapgeneration. Zusammengefunden haben die Damen bei Black Tigers 83-Minuten-Monster «1 City 1 Song».

Zurück zum alphabetisch angeordneten Release-Programm der vergangenen Monate: Neben Zitral war auch dessen Bandkumpel Abart alles andere als untätig. Klar! Dieser hat schliesslich den Titel als produktivster TripleNiner zu verteidigen. «Zur Sunne und zrugg» (ZSUZ) heisst der Gratis-Release, veröffentlicht im Dezember via Soundcloud. Die EP umfasst vier Songs und ein Thema: Hier wird eine Beziehung vom Verlieben bis zum bitteren Ende seziert. Persönlich, ehrlich und solid, untermalt mit Beats von Silenus, dem jüngsten TripleNine-Zuwachs. Das gemeinsame Projekt 787 hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Bevor es soweit ist, lanciert aber Abart bald seine neuste Free-EP «Schädel». Soviel zum Thema aktivster TripleNiner.

Seit Herbst im Umlauf ist das auf Mundart und Englisch gehaltene Debut-Album «Dritti Art» (Free-Download) des jungen Basler Trios Dritte Stock um MicG, InteLekt und Mastermind Sherry-Ou. Dieser ist bereits bei der letzten Staffel des Swiss Video Battle Turniers positiv aufgefallen. Im Kreis der Crew wird sein Talent noch offensichtlicher: Sherry-Ou rappt so rund wie sein Name klingt. Seine Kumpel hingegen holpern phasenweise etwas gar hölzern durchs Alphabet. Vor allem die englischen Raps sind hart an der Schmerzgrenze.

Wenn schon Schweizer Rap auf Englisch, dann bitte so smooth wie beim Aargauer Duo Nefew, deren neues Album «Rise of the Antihero» Kritiker wie Fans gleichermassen verzückt – völlig zurecht. An der Beat-Front gibts im Dritten Stock nachdenkliche Pianoläufe, sphärische Synthies und gelungene Ausflüge in Richtung Drum and Bass und Dubstep. Die Texte drehen sich vorzugsweise um die Liebe zu Musik und um die Träume und Tragödien des Alltags. Dritte Stock sind verspielt und experimentell – vor allem aber noch ganz am Anfang. Ein zartes Pflänzchen. Mit Fleiss und Hartnäckigkeit könnte das noch etwas werden – ansonsten sollte sich Sherry-Ou ernsthaft Solo-Pläne machen.

Frische Kost gibts auch aus Oberdorf im Waldenburgertal. Also von dort, wo um die Jahrtausendwende unter dem legendären Label «WB-Tal» einige der damals erfolgreichsten Schweizer Rap-Platten entstanden sind. Der Junge heisst E-Light, ist noch keine zwanzig Jahre jung und hat im Oktober seine Debüt-EP «Nüt und trotzdäm meh» veröffentlicht. Gut möglich, dass nach eineinhalb Dekaden wieder Grosses entsteht im Oberbaselbiet: E-Light ist hungrig, verspielt, raptechnisch versiert und thematisch vielseitig. Vor allem aber legt er eine Euphorie an den Tag, die ansteckend wirkt. Kein Wunder, hat es der Teenager nicht nötig, verkrampft den Macker zu markieren. Talent statt Testosteron. Wenn E-Light so weiter macht und seine bisweilen etwas überhastet gerappten Zeilen um die ein oder andere Silbe kürzt, kommt das sehr gut. Ein Versprechen für die Zunkunft – auf dass das legendäre «WB-Tal» wieder von sich reden macht.

Wir bleiben im Baselbiet. Und zwar bei einem Phänomen namens Einzelgänger. Der junge Leimentaler ist seit Jahren hartnäckig am Ball. Nachdem er sich quasi in Isolation das Rappen und Beat-Produzieren beigebracht hat, tritt er inzwischen mit diversen Kollabo-Projekten in Erscheinung. Auf das Album «Antarctica» mit Kaotic Concrete folgte nun «Rune & Legände» mit dem Walliser Rapper Sevsnite. Die gebotene Musik macht dem sagenumwobenen Albumtitel alle Ehre und kommt pathetisch und brachial auf dem Schlachtross daher geritten – in Sachen Text und Beat. Hier sind offensichtlich keine Feinmotoriker am Werk, aber das passt ganz gut so: Rap mit Heavy-Metal-Attitüde ist in der Schweiz nicht so verbreitet. Das macht sie um so unverwechselbarer. Und es soll im selben Stil weitergehen: Für diesen Sommer kümmert Einzelgänger das Album seines Projekts Underground Legends an. Der passende Name: «The Clash Of The Titans». Mit von der Partie sind Tekneek (UK), Kaotic Concrete, Mr.G und Micky Gargano.

Der Baselbieter Rapper Jean Deig – früher unterwegs mit der Crew Unter Umständ – ist fast das pure Gegenteil zu Einzelgänger: Seine Musik erforscht nicht die düsteren Ecken vergangener Mythen, sondern eher die sonnigen Seiten des Alltags. Folgerichtig ist der Name des Solo-Debuts: «Uff die guete Ziite» (iTunes). Ein Album voller Humor und Ironie («Anerkennig») mit nachdenklichen Zwischentönen («Vater») und funky Momenten («Besserwüsser»). Die gesungenen Hooks sind Geschmackssache.

Jean Deigs Soundunterlagen stammen alle vom Berner (?) Produzenten Bone Beatz – die vielen guten Ansätze werden leider über weite Strecken durch ein generelles Manko an Durchschlagskraft beschnitten. Eines der stimmungsvollsten Samples hat man zudem schon 2011 bei Kool Savas gehört («Aura»). Das ist fast so dreist wie der Berner Feature-Gast (Name unbekannt), der schamlos den Rapstil von Chlyklass-Rapper Baze kopiert. Das geht gar nicht!

Einer der Höhepunkte des Albums: Der Song «Genau darum», auf dem Primarlehrer Jean Deig seine Arlesheimer Schulklasse ans Mikrophon bittet. Sehr originell mit einem lüpfigen Akkordeon- und Xylophon-Beat. In Anbetracht der vielen guten Ansätze fragt man sich, warum Jean Deig nie böse wird in seinen Raps. Hat er Angst, seine Schüler zu verstören? Das Album lässt eher einen anderen Schluss zu: Hier rappt ein gut gelaunter, positiver Mensch, der genügend selbstbewusst ist, um nicht künstlich den Harten zu markieren. Sehr erfrischend!

Richtig cool daher kommt das Album «Gueti Miene zum böse Spil» des Duos Samoon um Hunter S. Thompson und Red Cap. Seit rund zehn Jahren aktiv, spitten die beiden Baselbieter nun zum ersten Mal auf Albumlänge zusammen. Dabei harmonieren die beiden so gut, wie kaum ein anderes Schweizer Zweiergespann zur Zeit: Die beiden übergeben sich das Zepter am Mikrophon teilweise so rasch, dass der Hörer kaum weiss, wer das Wort hat. Das ist abwechslungsreich, spannend und – trotz der vielen Wechsel – absolut harmonisch. Ein Zahnrad greift perfekt ins andere. Eine gut geschmierte Reim-Maschine, die beweist, dass viele Rapper ihre ellenlangen Ego-Ergüsse innerhalb eines Crew-Tracks gerne zurecht stutzen dürfen – zum Wohl des Gesamtprodukts. Inhaltlich bieten die beiden neben dem gewohnten Auf-die-Fresse-Rap auch Gesellschaftskritik («Statussymbol») und Nachdenkliches («Schicksalsschlag»).

Ganz stark ist der Song «Räptourischte», in dem Samoon über einen fröhlichen Beat alle Mode-Rapper in die Einzelteile zerlegen. So machts Spass! Abgerundet wird das Ganze durch die Scratches von DJ Steel (Makale), der einmal mehr sein Ausnahmekönnen unter Beweis stellt. Achja, was ich in Bezug auf Samoon schon lange loswerden will: Heute feiern alle (zu recht) Comptons neuen Rapstar Kendrick Lamar und seine unverkennbar weinerliche Stimmlage beim rappen – lasst euch gesagt sein: Samoon-Spitter Hunter S. Thompson hat schon so gerappt, als Kendrick Lamar noch von «Swimming Pools» träumte. Vielleicht sollte Hunter den Nachahmer aus Amerika einmal zur Rede stellen.

Bevor wir zur Aussicht auf das Basler Rapjahr 2015 kommen, müssen wir noch über die grösste Unverschämtheit 2014 reden: Kuzco hat aufgehört zu rappen, um sich auf seine Karriere als «echter» Musiker zu fokussieren! Da hat Basel endlich wieder einmal einen überfreshen Newcomer und Hoffnungsträger (wir berichteten) – und dann bricht dieser die Fahrt ab, bevor der Panzer ins Rollen kommt. Eine bodenlose Frechheit ist das! Perlen vor die Säue! Aber vielleicht kommt mit dem Alter ja die Vernunft. Immerhin hat Kuzco zum Abschied ein letztes Video hinterlassen…

Und was steht uns 2015 bevor? Hier ein intuitiver und unvollständiger Ausblick für (mögliche) Veröffentlichungen des angelaufenen Rapjahres: Endlich wieder mal mit einem Solo-Release bescheren sollte uns Black Tiger, tüchtig gewerkelt wird auch beim Basler Label Rappartment, wo Pyro an seinem nächsten Solo-Streich türftelt. Im Chilz-Umfeld K.W.A.T. sollten Kush & Levo hoffenlich bald mit einem Kollabo-Projekt kommen – und die Rapreflex-Jungs, die mit DJ Johny Holiday an einem Mixtape werkeln. Neues könnte auch von Kalmoo – der dieser Tage mit Temple Of Speed released hat – und (?) seiner Crew TNN kommen.

Gespannt sein darf man auch auf die angekündigten Alben des «heissesten Schweizer Rappers» S-Hot und von Ensy (Uslender Productions), der kürzlich einen vielversprechenden Video-Vorboten zum Album von der Leine gelassen hat.

Aus dem Zitral-Umfeld TripleNine steht neben der Abart Free-EP «Schädel» zudem das Abart & Silenus-Projekt «787» an. Und wer weiss: vielleicht kommt dieses Jahr gar ein neues Brandhärd Album. Höchste Zeit, dass die faulen Säcke den Finger aus dem Allerwertesten nehmen!

Den Abschluss machen gute Neuigkeiten aus dem Oberbaselbiet: Der Sissacher Rapper Rudee (Falschi Verbindig) hat sein Debut-Album «Leerlauf» ins Presswerk geschickt und entfacht bereits jetzt die Vorfreude mit einem vielversprechenden Snippet…

This is it. Peace & out!

Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Joel Gernet am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt. Diesen Beitrag weiterlesen »