Beiträge mit dem Schlagwort ‘BScene’

Fotos vom BScene-Freitag im Volkshaus

Joel Gernet am Samstag den 2. April 2011

Kurz nach Mitternacht ist das Trottoir vor dem Volkshaus dicht bevölkert – offensichtlich hat das Traumwetter die Massen nicht davon abgehalten, an die BScene-Konzerte in der Rebgasse zu pilgern. Zumindest hier. Oder liegts am Programm? Mit Schwellheim und Famara stehen nämlich mindestens zwei Acts mit hervorragendem Live-Ruf auf. Letztgenannter hat im Grossen Saal soeben die Bühne betreten, im Rücken seine vierköpfige Band. In der folgenden Bildstrecke gibts ein paar Eindrücke von der zweiten Hälfte des Konzertabends.

Elektroniktüfteleien und We Are Drums an der BScene

Luca Bruno am Freitag den 1. April 2011

Heute Abend beginnt die 15. Ausgabe der BScene. Gestern haben wir vierzehn teilnehmenden Künstlern das Wort überlassen, heute möchten wir selbst noch einen Blick auf das Samstagsprogramm in der Voltahalle werfen.

Selbstverständlich ist die BScene in erster Linie das Schaufenster der Basler Musikszene, allerdings ist es auch seit Jahren Tradition, mindestens eine internationale Band einzuladen. Während diese Gäste in der Vergangenheit jedoch von leicht durchschnittlicher Natur waren (Infadels, Dúné u.a.), konnte man für die diesjährige Ausgabe keinen geringeren als Dan Deacon verpflichten. Seit einigen Jahren begeistert er uns mit seinem ADHD-Elektropop und auch seine Liveshows geniessen einen hervorragenden Ruf.

Nach Jahren im Untergrund wurde die Musikwelt dank «Spiderman Of The Rings», Deacons’ drittes Album, im Jahr 2007 auf den heute 29-jährigen Künstler aus Baltimore aufmerksam. Auf diesem Album zelebrierte Deacon den neonfarbenen Overkill, der sogar den hartgesottensten Chiptune-Anhänger neidisch werden liess. Und für sein nächstes und bislang letztes Album «Bromst», welches 2009 erschien, erhöhte er den Einsatz sogar noch: Anstatt seine Musik weiterhin mit seinen zahlreichen elektronischen Geräten – einsetzbar ist alles, was irgendwie Töne von sich gibt – zu machen, begann er nun auch richtige Instrumente zu verwenden. Da seine Ideen allerdings zu schnell für menschliche Hände waren, musste er sich Pianolas anschaffen und sie zuerst umbauen, damit diese mit seinen Kompositionen fertig werden.

Und so hyperaktiv seine Alben sind, seine Liveauftritte sind oftmals noch um einiges verrückter. Gerne performt er inmitten der Zuschauer oder animiert das Publikum zu Gymnastikübungen. Und alle, die besorgt darüber sind, dass ein ausländischer Künstler den einheimischen Bands vor der Sonne stehen wird, können wir beruhigen: Wenn Dan Deacon um 1:30 morgens loslegen wird, sind in allen anderen Locations nur noch DJs am Start.

Es ist allerdings nicht nur der Auftritt von Dan Deacon, für den sich der Besuch in der Voltahalle lohnt. Vor seinen wahnwitzigen Tüfteleien geben sich unter dem Projektnamen We Are Drums acht Drummer aus verschiedenen Basler Bands die Ehre, ihre eigens für diesen Auftritt geschaffenen Kompositionen vorzutragen. Um Punkt Mitternacht werden Mitglieder von Bands wie Cloudride, Kapoolas, Laser, Slag In Cullet, We Invented Paris und We Loyal ein Feuerwerk aus Drumpatterns und Samples zünden. Der Beschreibung nach klingt das nach der Basler Ausgabe des legendären «77 Boadrum»-Projekt der Boredoms und darf dementsprechend auf keinen Fall verpasst werden.

Und zum Schluss nochmals unsere BScene-Vorschau, in der ausgewählte Bands schreiben, warum man ihr Konzert nicht verpassen sollte…

Basel zum 15. Mal im Bann der BScene

Luca Bruno am Donnerstag den 31. März 2011

Dieses Wochenende findet die 15. Ausgabe des Basler Clubfestivals BScene statt. Für Musikfans heisst das: Innerhalb weniger Minuten quer durch die ganze Stadt hetzen, nur um dann schlussendlich doch vor verschlossenen Türen zu stehen, da der Club bereits zu voll ist. Oder es gibt Zerwürfnisse in der Gruppe, da man sich wieder einmal nicht darüber einig ist, wo es als nächstes hingehen soll. Auch die ständige innerliche Unzufriedenheit, weil es eben doch ein Fehler war, auf das Konzert dieser einen bestimmten Band zu verzichten, werden wohl viele Basler Musikliebhaber kennen.

«BScene», das heisst allerdings auch: Live mit dabei sein, wenn eine Band vor 500 anstatt 50 Zuschauern auftreten kann und dabei total aufgeht, um dann gleich anschliessend auf dem Weg zur nächsten Location wildfremden Personen, bei denen man ebenfalls ein Festivalbändchen erblickt hat, vorzuschwärmen, was für eine phänomenale Band man soeben entdeckt hat. Und spätestens dann, wenn man am frühen Sonntagmorgen beim Verlassen der Voltahalle an die besten Konzertmomente des Wochenendes zurückdenkt, weiss man, dass sich der Stress jedes Jahr wieder auf’s Neue lohnt.

An den beiden Abenden werden über 50 Bands und Solokünstler auftreten. Die Auswahl ist also wie jedes Jahr riesig und aus diesem Grund haben wir einige Künstler gebeten, uns in eigenen Worten zu sagen, warum man sich ihren Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen darf. Wer seine Route für’s Wochenende noch nicht fertig durchgeplant hat, klickt sich durch die Galerie:

2010 pilgerten über 8000 Gäste in die Clubs und blickt man auf die Entwicklung der Besucherzahlen in den letzten Jahren, darf auch dieses Jahr wieder mit einem neuen Besucherrekord gerechnet werden. Passend zum 15-jährigen Jubiläum findet die BScene dieses Jahr übrigens auf 15 Bühnen in 12 Häusern statt, mit dabei auch BScene-Neulinge wie das Goldene Fass oder die Jägerhalle. Und Punkto «Weitläufigkeit» kommt die BScene ihren Besuchern dieses Jahr entgegen: Am Freitagabend finden alle Konzerte im Kleinbasel statt, am Samstagabend – mit Ausnahme des Volkshauses und der Kaserne – im Grossbasel.

Morgen werfen wir an dieser Stelle einen genaueren Blick auf das BScene-Programm der Voltahalle und am Wochenende wird die Schlaglicht-Crew dann in den Basler Clubs unterwegs sein. Das vollständige Programm gibt’s auf der Karte und wer uns in letzter Sekunde noch auf einen Geheimtipp aufmerksam machen möchte, hinterlässt uns in den Kommentaren seine persönliche Route.

Vom Keller ins Rampenlicht

Joel Gernet am Mittwoch den 24. November 2010

Dass sich Basel in Sachen Pop, Rock und Rap nicht verstecken muss, ist – zumindest am Rheinknie – kein Geheimis. Dass in Basel aber viele, sehr viele Bands ihr Potenzial nicht ausschöpfen – erst recht auf nationaler Ebene – auch nicht. Woran liegt es, dass Herr und Frau Schweizer neben den Lovebugs und Black Tiger, allenfalls noch The Bianca Story oder The Glue, kaum aktuelle Musiker aus Basel kennen? Liegt es an der viel zitierten Basler Bescheidenheit? Sind unsere Bands zu wenig selbstbewusst? Oder nur zu versifft? Wird Basler Sound vom den nationalen Mainstream-Medien totgeschwiegen? Oder sind die Musiker schlicht und einfach zu schlecht?

Da viele ansässige Bands definitiv die Qualität und das Potenzial haben, national was zu reissen, wage ich zu behaupten, dass viele Basler Künstler zu bescheiden sind. Oder zu versifft. Oder beides. Was kann dagegen getan werden? Ganz einfach: Den Finger aus dem Allerwertesten nehmen und sich jetzt für das siebte Jugendkulturfestival (JKF) anmelden, das am 2. und 3. September die Innenstadt wieder Kopf stehen lassen wird. Folgenden fünf Punkte erklären, warum:

  1. Ein konkretes Ziel vor Augen haben: Wer sich stets nur im Bandkeller verschanzt und «für die Mülltonne» oder fürs Internet (was teilweise aufs Gleiche hinausläuft) musiziert, macht niemals die Fortschritte einer Band mit kontinuierlich wachsender Live-Erfahrung. Der Schritt auf die Bühnenbretter – mit echten Zuschauern und so…, nicht mit Clicks – stellt für die meisten Bands eine magische Grenze dar. Eine Grenze, über die sich viele aus falscher Bescheidenheit – oder eben Versifftheit – zu spät wagen. Klar, noch viel mehr Künstler präsentieren sich zu früh, aber das ist ein anderes Thema. Wer sich für einen Basler Grossevent wie das Jugendkulturfestival (oder auch die BScene) anmeldet, setzt sich ein ambitioniertes Ziel und kann dabei nur gewinnen.
  2. Das «Business» kennenlernen: Wer sich die Mühe nimmt, einen Anmeldeprozess wie beim JKF zu durchlaufen, merkt was es braucht, um über den Bandraum hinaus wahrgenommen zu werden: Eine professionell – am besten auch originell – geschriebene Bandbiographie; vernünftige Bandfotos; einen Plan, wer oder was auf die Bühne gehört und – vor allem – Sound der ready ist, vom Publikum gefeiert zu werden. Künstler, die sich angewöhnen, solche administrative Hürden zu überwinden und die sich so mit sich selber auseinandersetzen, haben es später auch leichter bei einer allfälligen Anmeldung zum «RegioSoundCredit», bei dem dreimal im Jahr Geld für vielversprechende Bands aus der Region ausgeschüttet wird. Als Kellerband mit Ambitionen gilt es solche Angebote sowie Wettbewerbe jeder Art zu nützen.
  3. Live-Erfahrung sammeln: Ein Bandprobe kann niemals ein Livekonzert ersetzen. Eine Combo kann noch so eingespielt sein – wenn sie nicht weiss, wie man mit dem Publikum kommuniziert und wie dieses auf die verschiedenen Lieder reagiert, ist diese Routine wenig wert. Ein überzeugendes Auftreten ist – wie fast überall – die halbe Miete. Mit Live-Routine können einem auch die gröbsten Patzer, sofern man diese originell auffängt, Publikums-Sympathien einbringen.
  4. Sich dem Publikum und den Fachleuten präsentieren: Nur wer sich zeigt, kommt ins Gespräch. Nur wer im Gespräch ist, wird auch weiter beachtet. Am Jugendkulturfestival ist halb Basel auf der Strasse (zumindest die musikaffine Peergroup). Zudem werden auch namhafte Komponenten aus der Musikszene unterwegs sein, denen man sich zeigen kann.
  5. Der Durchbruch ist möglich: Wenn eine unbekannte Kellerband an einem Grossevent wie dem Jugendkulturfestival überzeugt, hat sie gute Chancen auf Folgeauftritte. Oder, dass sie beim nächsten JKF nicht am Freitagnachmittag auf einer Nebenbühne, sondern am Samstagabend auf einer Hauptbühne spielen wird. Wer seinen Auftritt zudem via Videobilder (gibt es eine schönere Video-Kulisse als die voll besetzte Basler Innenstadt?) optimal weiter verwertet, kann noch mehr Leute erreichen und beeindrucken. Es soll ja Basler Bands geben, die auch dank einem JKF-Videoclip den nationalen Durchbruch geschafft haben. Also ran an den Speck!
  6. Spass haben: Das Wichtigste zuletzt. Es gibt für eine Band aus der Nordwestschweiz kaum etwas schöneres, als an einem Spätsommerabend in der zum bersten gefüllten Innenstadt zu spielen. Punkt.

Also… seit dieser Woche können sich (nicht nur) Musiker aus der Region für das siebte Jugendkulturfestival anmelden (hier das Formular). Und ich hoffe, dass sich die ein oder andere Kellerband am Riemen reisst und am ersten Septemberwochenende auf einer der JKF-Bühnen steht. Auf dass Basel bald wieder mehr zu bieten hat als eine Handvoll nationale bekannter Musiker. In Anbetracht des lokalen Potenzials kann es doch nicht sein, dass unter den über 300 Bewerbern für das SF-Finale zum Eurovision Song Contest (ESC) nicht einmal ein halbes Dutzend regionale Artists waren (oder sind sie sich zu schade dafür?)! Immerhin: Mit zwei von zwölf Finalisten – The Glue und Anna Rossinelli – ist Basel nun dafür quasi überproportional vertreten in der Finalshow um die Schweizer ESC-Vertretung. Und was ist schon der Konkurs-Concours gegen das Basler Jugendkulturfestival…