Beiträge mit dem Schlagwort ‘Basel’

Basler Rapper lancieren ein Silbengewitter

Joel Gernet am Donnerstag den 16. Mai 2013

Beim «Swiss Video Battle Turnier» bekämpfen sich Schweizer Rapper via Videoclip. Das «Schlaglicht»-Fazit nach der Qualifikation zeigt: Die Region Basel ist mit 13 Silben-Söldnern nicht nur überdurchschnittlich stark vertreten – diesmal liegt sogar der Titel drin.

Siegerlachen: Der Basler MadCed gewann die Vorrunde. (Screenshot: VBT)

Das ist beachtlich: Bei der Erstausgabe 2012 schafften es bei halb so viel Teinehmern nur zwei der auch heuer wieder antretenden vier Basler ins Viertelfinale – nämlich die beiden B1Recs-Söldner Bone und Rippa. Wenn am 19. Mai die KO-Runde des Swiss VBT startet, sind sie ebenso wieder am Start wie TMC Ries und ATeP. Die weiteren VBT-Vertreter aus der Region heissen MadCed, Misandope, Leikos, Sherry-ou, Muddy Pents, Smoky, Skip, R.I.G. und King Phips, aufgelistet nach ihrem Abschneiden in der Qualifikation. Diese wurde von einem starken Basler MadCed gewonnen. Die Bewertung erfolgt zu zwei Dritteln durch eine Jury-Urteil (Song, Video, Gesamteindruck), ein Drittel macht das Publikums-Voting aus.

Auf dem zweiten Platz: Bone sorgte bereits am VBT 2012 für Aufsehen. (Screenshot: VBT)

Die Vorrunde startet kommenden Sonntag (19.5.). Danach ist ein heisser Sommer angesagt, denn die Kämpfe ziehen sich hin bis Anfang Oktober – schliesslich gibt es zu jeder Begegnung eine Hin- und Rückrunde, damit ein Rapper das Gesagte des Gegners über dessen Beat kontern kann (hier mehr zu den Regeln). Wer es bis in den Final schafft, wird am Ende nicht weniger als zehn Videos abgeliefert haben – eine respektable Leistung.

Hier nun die Übersicht aller Vorrunden-Paarungen mit Basler, bzw. Baselbieter, Beteiligung (Reihenfolge gemäss Quali-Ranking). Die Rapper freuen sich bestimmt über Unterstützung der Schlaglicht-Leser. Wer weiss, vielleicht wandert nach DJ Bazookas Triumph am «Red Bull Thre3 Style»-Contest auch die VBT-Krone ans Rheinknie. Die Chancen scheinen nicht schlecht zu stehen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Basler Sieg am DJ-Showdown in Zürich

Joel Gernet am Freitag den 3. Mai 2013

Update vom 5. Mai: Die DJ-Krone bleibt in Basel. DJ Bazooka gewinnt zum zweiten Mal den Schweizer «Red Bull Thre3 Style»-Contests – dank seines Triumphs wird er am Weltfinale in Toronto mit dabei sein. Auf dem zweiten Rang landet DJ Mitch Cuts (LU), den dritten Platz belegt Bazookas Basler DJ-Kollege Montes (Goldfinger Brothers).

Triumphiert in Zürich: DJ Bazooka. (Foto: Christoph Däppen, Red Bull)

Triumphiert in Zürich: DJ Bazooka. (Foto: Christoph Däppen, Red Bull)

Am 4. Mai kämpften DJ Montes und DJ Bazooka im Final des «Thre3 Style»-Contests im Kaufleuten um die Krone – und um die Weltfinal-Teilnahme in Toronto. Wir haben mit den befreundeten Turntable-Rockern über die spezielle Ausgangslage gesprochen.

Mixen in Zürich ausnahmsweise gegeneinander: DJ Montes und DJ Bazooka (mitte) mit ihren Crewkollegen Larry King und La Febbre (v.l.).

Mixen in Zürich ausnahmsweise gegeneinander: DJ Montes und DJ Bazooka (mitte) mit ihren Crewkollegen Larry King und La Febbre (v.l.).

Hartgesottenen HipHop-Heads dürften die DJ-Organisationen DMC und ITF noch ein Begriff sein – sie krönten früher die besten HipHop-Plattendreher in der Schweiz und weltweit. Das war einmal. Heute ist die Schweizer Ausgabe des «Red Bull Thre3 Style»-Contests der einzige DJ-Wettbewerb mit landesweiter Ausstrahlung. Seit seiner Lancierung thront die «Thre3 Style»-Krone auf Basler Häuptern: Bei der Erstauflage 2010 holte DJ Montes den Titel – beim Weltfinale in Paris wurde er Dritter – und ein Jahr später wurde der Wahlbasler DJ Bazooka beim internationalen Final in Vancouver Zweiter nachdem er die Trophäe erneut ans Rheinknie holte.

Goldfinger Brother: DJ Montes wurde Dritter. (Foto: Thomas Stöckli Red Bull)

Goldfinger Brother: DJ Montes wurde Dritter. (Foto: Thomas Stöckli Red Bull)

Und die Chancen stehen gut, dass die Krone in Basel bleibt: Im sechs DJs umfassenden Final der dritten Auflage treffen die beiden Basler Freunde nämlich aufeinander. «DJ Bazooka wir wohl mein härtester Konkurrent sein», sagt Montes vor dem Showdown. Pikant: Montes legt nicht nur regelmässig mit Bazooka auf, er hat ihn vor dem Final im vergangenen Jahr gecoacht und ihm als Jury-Mitglied zum Titel verholfen: «Ich fand Bazooka einfach am geilsten», sagt Montes. «Dieses Jahr würde ich es ihm gönnen und umgekehrt – aber ich will nach Toronto, ich war noch nie in Kanada.»

Und was meint Bazooka? «Das ist natürlich schon speziell – ich trete nicht gerne gegen ihn an», sagt der 27-Jährige. Kurz nachdem Bazooka vor sechs Jahren nach Basel kam, gewann der gebürtige Schaffhauser einen DJ-Wettbewerb und wurde zum Resident-DJ der Partyreihe Soulsugar in der Kuppel – an der Seite von DJ Montes und dessen Goldfinger Brother La Febbre. «Schon damals guckte ich zu ihm hoch», sagt Bazooka.

Bongo Kid: DJ Bazooka. (Foto: Christoph Däppen Red Bull)

Bongo Kid: DJ Bazooka. (Foto: Christoph Däppen Red Bull)

Und nun soll er quasi zum Vatermörder werden? «Ich sehe die Sache ziemlich gelassen – ich mache aus purem Spass mit», sagt Bazooka, der seiner DJ-Show für den Final noch den letzten Schliff verpassen will. Von Montes erwartet er ein «Bomben-Set» – und kündigt ein ebensolches von sich selber an. Und Routinier-Montes ist ohnehin ready: «Ich habe eine gute Show mit lustigen Überraschungen und zwei ganz dicken Beats im Gepäck», sagt er. «Kein 0815-Set, bei dem HipHop-Klassiker runtergeleiert werden.»

Es ist also angerichtet zum grossen DJ-Showdown im Zürcher Kaufleuten-Club. Neben Bazooka und Montes werden Doobious, Mitch Cuts, Ob One und HiGH.Fi antreten – es dürfte spannend sein, zu sehen, wie sie gegen die Basler Kronfavoriten abschneiden. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass die «Red Bull Thre3 Style»-Krone zum dritten Mal in Folge nach Basel wandert.

Über den «Red Bull Thre3 Style»-Contest
Zum dritten Mal führt Red Bull der Schweiz das Red Bull Thre3 Style durch: Es stehen sich jeweils sechs DJ’s gegenüber. Diese haben je eine Viertelstunde, um mit ihrem Können zu punkten. Dabei gilt es, mindestens drei verschiedene Styles – von Hip-Hop bis Klassik – auf möglichst überzeugende Art zu Mixen. Der Schweizer Gewinner darf zieht ins Weltfinale in Toronto ein.

«Red Bull Thre3 Style» Swiss Finals
Samstag 4. Mai 2013; Kaufleuten Klub, Zürich; Türöffnung: 22h; Eintritt (inkl. Afterparty) CHF 20 (ab 23.30h CHF 30); Afterparty: A-Trak & Tiga (vs the World). Mehr Infos.

Epischer Rap, passend zur arktischen Kälte

Joel Gernet am Freitag den 18. Januar 2013

Die Basler Rapszene beglückt uns heute gleich mit zwei Kollabo-Alben: Kush, Chilz und M-Skills wollen Schweizer Rap mit «Entwickligshilf» einen Tritt in den Allerwertesten versetzen – deren Tonträger wird kommende Woche im Rahmen der Videoclip-Première ausführlicher vorgestellt.

Hier geht es um den zweiten Basler Raprelease von heute: Das gemeinsamen Album von Einzelgänger und Kaotic Concrete. Passend zum aktuellen Wetter heisst deren Veröffentlichung «Antarctica», wobei der Titel vermutlich in erster Linie den düster gehaltenen Songs geschuldet ist. Diese kommen dem ersten Eindruck nach ziemlich episch und bombastisch daher – textlich und musikalisch. Insofern bietet der frisch geleakte Album-Track «Reach For The Stars» mit Slaine (La Coka Nostra, NYC) und Amadeus The Stampede einen guten Vorgeschmack…

Neben LCN-Söldner Slaine haben die beiden mit Sabac Red (Non Phixion) eine weitere Harcore-Rap-Koriphäe aus New York für ihr Album gewinnen können. Gespittet wird auf «Antarctica» hauptsächlich in zwei Sprachen: Der jung und hungrig wirkende Einzelgänger rappt auf Baseldeutsch, Counterpart Kaotic Concrete überzeugt mit englischen Zeilen, wie sie in Basel nur Einer liefern kann. Das «Comeback» von Kaotic Koncrete erfreut Rapfans besonders, gehört der Basler mit Wurzeln in Boston doch seit den 90er-Jahren zur Rapszene am Rheinknie. Zuerst als Mitglied der englischsprachigen Crew Underclassmen (UCM) – und jetzt als schlagkräftiges Zugpferd bei Einzelgängers Label Poetica Fraterna.

Erhältlich ist «Antarcitica» von Einzelgänger & Kaotic Concrete – ebenso wie «Entwickligshilf» von Chilz, Kush & M-Skills – in den Basler HipHop-Geschäften 4Elements (Gerbergässlein) und Ace Records (Steinentorstrasse). Und auf iTunes.

Das Stehaufmännchen des Basler Rap

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Januar 2013

Mit «Eva» bringt Rapper Abart sein drittes Solo-Album in Umlauf. Dass es sein bisher nachdenklichstes Werk ist, hat seinen Gund.

Es ist nicht einfach, über Kollegen zu schreiben. Vor allem, wenn sie der eigenen Rap-Crew angehören. Man könnte mir Filz und Beisshemmungen vorwerfen. Andererseits ist dies ein Blog, den wir aus Leidenschaft nebenbei betreiben und in dem wir uns subjektiv mit Sachen beschäftigen, die uns interessierten und die wir als relevant erachten. Und Abart ist relevant: Der TripleNine-Söldner gehört zu den produktivsten Rappern dieser Stadt und tickt seit Jahren konstant wie ein Uhrwerk – auch in Sachen Rapflow. Er war treibende Kraft hinter den drei FCB-Maischtertracks seiner Crew. Und in früheren Jahren stand er mit der Crew Taktpakt und als Backup-Rapper von Black Tiger auf den Bühnen dieses Landes.

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Ende Dezember ist Abarts drittes Solo-Album «Eva» erschienen. Die ausschliesslich in digitaler Form vorliegende «CD» markiert so etwas wie die dunkle Seite des Mondes. Eine kühle, schattige Seite, bedeckt mit Asche und Tränen. Aber auch mit Freude, Liebe und Zuversicht. «Eva» ist ein emotionales Audio-Manifest, mit dem Abart alias Nico Jucker den Tod seiner Mutter, der dieses Album gewidmet ist, verarbeitet. Es ist Schlussstrich und Neubeginn, mit dessen Veröffentlichung der 34-Jährige neue Kräfte freisetzen will. Und wird.

Denn wenn Abart für etwas berüchtigt ist, dann für seine unerschöpfliche Energie, die ihn zum produktivsten Mitglied des Rapkollektivs TripleNine macht – ein stetig schnurrender Musik-Motor. «Eva» umfasst 13 Songs, von denen ein Grossteil ehrlicher und persönlicher daherkommen als dies bei Abart ohnehin schon der Fall ist. Hier landen die Hochs und Tiefs des Lebens direkt auf dem Textblatt. Seine grossmauligen Punchline-Raps hat er fürs TripleNine-Album aufgespart. Liebe und Tod, Hoffnung und Schmerz – auf seinem Drittling behandelt Abart Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann. So kommt es, dass der Basler dieser Tage auch positives Feedback von 40-Jährigen Hörern erhält. Eine ungewohnte, aber angenehme Erfahrung für Abart.

Abart und DJ Johny Holiday.

Abart und DJ Johny Holiday.

Dessen drittes Solo-Album markiert den Anfang vom Ende – und umgekehrt. Es wird die letzte Veröffentlichung von Abart sein; gleichzeitig steigt aus Abarts Asche das neue Ich des 34-Jährigen empor. So beschrieben auf auf dem Vorabtrack «Wachküsst usem Schloof»: «Eva isch fertig, y bruuch kei Maske meh. Drum git’s nach däm Album au kei Abart meh. Denn kunnt Nico vom Nico mit em Nico druff. Bi nie meh uf dr Flucht, gib dr Schizo uff».

Dieses Album beschliesst einen Lebensabschnitt und weist mit seiner Jetzt-wird-alles-besser-Haltung den Weg in die Zukunft. Neben dem persönlichen Struggle manifestiert «Eva» aber auch Abarts ungebrochene Liebe für Rap. Dies zeigt sich insbesondere in den Songs, bei denen der Basler seine Mitstreiter ans Mikrophon bittet. Neben seinen TripleNine-Freunden Thierrey, Zitral und Jean Luc Saint Tropez, sind dies Silenus und Krime (Rapreflex) sowie Kid Bakabu, der den Song «Durchblick» mit einem einzigartigen Refrain veredelt.

Wenn ich jetzt das Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich den auf Dauer halt doch etwas monotonen Rapflow von Abart bemängeln. Die fadengerade, unverschnörkelte Vortragsweise ist zwar eines von Abarts Markenzeichen, ich glaube aber, es würde seiner Musik gut tun, wenn der 34-Jährige punktuell seine Komfortzone verlassen und sich auf Rap-Experimente einlassen würde.

«Eva» ist seit dem 21. Dezember 2012 auf iTunes erhältlich. Dies nicht nur, um die Produktionskosten des in Eigenregie realisierten Albums möglichst tief zu halten, sondern auch, um die Kräfte für künftige Veröffentlichungen zu bündeln. Denn Abart wäre nicht Abart, hätte er nicht bereits mit den Arbeiten zum nächsten Album begonnen. Und dieses wird dann im besten Fall wieder die Sonnenseite des Mondes abdecken.

Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht

Joel Gernet am Mittwoch den 12. Dezember 2012

Aus Pyros Facebook-Timeline sprudeln dieser Tage mehr Hurra-Meldungen als Schaumbläschen aus einer frisch entkorkten Champagnerflasche. Der Basler Rapper hat auch allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Die Veröffentlichung seines zweiten Solo-Albums «Schatteboxe» (VÖ: 07.12.12) läuft bis jetzt nämlich wie geschmiert: Das Feedback der Fans ist positiv bis überschwänglich, Airplay bei DRS 3, TV-Auftritt bei Joiz und ein fester Platz in den Top-Ten der Rapalbum-Charts auf iTunes. Und das alles völlig zu Recht.

Mit der Doppel-CD «Schatteboxe» unterstreicht Pyro, dass der berüchtigte Freestyle-Champ nicht ohne Grund zu Basels Vorzeigerappern zählt. Und er beweist, dass er seinem Album-Debut 2008 mit «Hoffnigsfungge» den richtigen Titel verpasste. Was der 31-Jährige in seinem jüngsten Werk liefert, ist nämlich so vielseitig wie überzeugend. Von rockigen Bangern wie dem Opener «Us em Schatte vo de Boxe» über Gutelaune-Tracks wie «Mach was d wotsch» oder Hühnerhaut-Songs wie «Dr Grund» (mit Danimaa) bis hin zu exotisch angehauchten Fernweh-Hymnen wie «I kumm zrugg» bietet Pyros Zweitling alles, was ein gutes Album ausmacht. Bei den beiden letztgenannten Songs beweist der Basler zudem, dass er auch ein Händchen für eingängige Refrains hat. Das kommt gut und sorgt lustigerweise dafür, dass die Vorabsingle «Radio» nicht der zwingendste Radio-Song auf dem Album ist.

Nicht nur deshalb, sondern auch wegen Pyros schön verständlich vorgetragenen Mundartraps und dem positiven Grundton, ist das Album auch für Musikfreunde ausserhalb des HipHop-Kosmos sehr gut zugänglich. Und dennoch ist «Schatteboxe» ein Rapalbum durch und durch, da darf Pyro ruhig mit breiter Brust drauf beharren. Dieses «nicht-das-typische-Rapalbum»-Gerede in Presstext und Interviews ist meiner Meinung nach völlig unnötig. Pyro ist Rap. Er macht Rap. Und dies richtig gut. Dass der Herr dabei stets über den Tellerrand der eigenen Szene blickt, macht seine Musik umso spannender.

Der Dubsteb-Remix des Songs «Zombie», in dem Pyro mit Ironie gierige Businessmänner und Politiker seziert, ist ebenso eine Bereicherung wie der Reggae-Remix von «Fühl mi guet». Insgesamt werden auf der Doppel-CD diverse Songs als Original- und Remix-Version präsentiert. Da können beim Hören schon einmal Luxusprobleme auftreten: So kann ich mich etwa bei der humorvollen Bombe «Mach was d wotsch» nicht entscheiden, welche Variante mir besser gefällt. Wenn ich Pyro wäre, würde ich an den Konzerten die Strophen jedenfalls auf beide Beats verteilen. Ein weiterer Höhepunkt ist der Song «Mi Tisch», auf dem der 31-Jährige seiner treuen Schreibunterlage huldigt und dabei in Sachen Wortwitz an deutsche Rapper wie Dendemann oder Blumentopf erinnert.

Humor ist ohnehin eines der prägenden Elemente dieses Albums. Daneben wären auch Selbstironie, Lebensfreude und eine Offenheit gegenüber allem und jedem zu nennen. Die Beats auf «Schatteboxe» werden von Funk-, Jazz- und Soul-Samples dominiert, die perfekt zu Pyros durchdachten Texten und Flows passen. Verantwortlich dafür ist in erster Linie Tron (P-27), dessen Soundunterlagen selten so perfekt zu einem Rapper gepasst haben wie zu Pyro. Da haben sich zwei gefunden. Neben Tron haben PearlBeatz, Dr. Aux, Funky Notes und Sandro je einen Beat gebastelt für das 32 Songs umfassende Werk.

Wenn ich nun ein Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich allenfalls die vielen Remixes bemängeln – immerhin bekommt man nicht weniger als neun Songs doppelt zu hören. Allerdings ist keiner davon schlecht gemacht. Was soll man dazu noch sagen?! Wenn das Album nur eine CD umfassen würde, hätte Grafiker Pyro die Silberscheiben zudem nicht als Boxen-Membran in den Ghettoblaster-Radio des CD-Artworks miteinbeziehen können. Die Gewinner von Pyros Spendierfreude sind die Hörer, die für wenig Geld viele gute Rapsongs geboten kriegen. Aber das ist der Rapper seinen Fans auch schuldig – schliesslich haben sie sein Album über die Crowfunding-Seite wemakeit mit fast 5000 Franken mitfinanziert. Als erstes Basler Rapalbum. Bleibt zu hoffen, dass auf den gelungenen Album-Zweitling nun viele Konzerte folgen – damit die ganze Schweiz mitbekommt, was für einen freshen Rapper Basel wieder am Start hat. Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht!

Pyro: Schatteboxe, erschienen am 07.12.12 via Rappartment.
Plattentaufe: Samstag, 5. Januar 2013, Kuppel Basel.

Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Joel Gernet am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Bilder vom «Schänzli Jam» 2012

Joel Gernet am Sonntag den 16. September 2012

Der «Schänzli Jam» 2012 ist Geschichte und alle Beteiligten blicken auf einen hervorragenden Jahrgang zurück. Hier einigen der Bilder, welche die über 30 Graffiti-Artists am Samstag auf den Wänden bei der 14er-Tramschlaufe hinterlassen haben.

Unsere Beiträge über die Vorbereitungen sowie den letztjährigen Jam gibt es hier bzw. hier.

Rambazamba auf der Mittleren Brücke

Joel Gernet am Dienstag den 7. August 2012


Lesbenküsse, dicke Autos, Pyrofackeln und Champagner – im brandneuen Video des Basler Rappers Bone gehts zur Sache. Eigentlich ist er ziemlich klischeehaft, dieser Kurzfilm zum Song «Wäge Bone» – und dennoch wirkt er fresh und cool. Zumal hier ganz ordentlich auf Baseldeutsch über einen pumpenden Elekto-Beat gerappt wird und Mittlere Brücke, Pfalz und Barfi die Kulisse dieses bemerkenswerten Videos bilden.

Keine 24 Stunden nach Veröffentlichung hat das Video am Dienstag bereits locker die 1000-Click-Marke überschritten. Auch das ist bemerkenswert, aber nicht unbedingt ein Qualitätskriterium. Schliesslich werden ähnliche Videos von schlechten Rappern wegen ihres Trash-Faktors ebenfalls munter angeclickt. Diesen Beitrag weiterlesen »

«Mode muss nicht unbedingt bequem sein»

Joel Gernet am Freitag den 25. Mai 2012

In ihrem Atelier am Vogesenplatz entwirft Yana Ryabenkaya (links) ihre Mode – zum Beispiel die aktuelle Sommerkollektion (rechts). Bilder: Joël Gernet / Ale Frigo

Keine Kleider – nur Hosen und Oberteile ohne Form! Yana Ryabenkaya kann nicht nachvollziehen, warum sich viele Schweizerinnen «wie Touristen» anziehen. «Ich verstehe die Mentalität der Frauen hier nicht», sagt die russische Modemacherin über ihre Geschlechtsgenossinnen in funktionaler Outdoor-Bekleidung. Wobei Letzteres perfekt zur Kreation passen würde, mit der sich Ryabenkaya in ihrem Basler Atelier gerade beschäftigt. Sie näht an einem Zelt.

Ein Kleid aus Yana Rays Sommerkollektion. (Bild: Eva Flury)

Die Frage, wer das anziehen soll – bei der heutigen Mode muss man sich ja über nichts mehr wundern –, beantwortet die blonde Russin mit schallendem Gelächter. Sie schneidert das Zelt für den Designermarkt des «Laufsteg Oslo», welcher am Samstag auf dem Dreispitzareal Mode, Markt und Musik zusammenbringt. Rund ein Dutzend Schweizer Jungdesigner und aufstrebende Labels werden ihre neusten Kreationen präsentieren – die Hälfte davon aus Basel.

Es wird also viele stilvolle Kleider zu kaufen geben für die in Ryabenkayas Augen zu oft zu bescheiden gekleideten Schweizer Frauen. Zugegeben, wer eine Modedesignerin auf den Kleidungsstil des Otto Normalverbrauchers anspricht, erhält eigentlich immer knackige Zitate. Erst recht, wenn diese wie Ryabenkaya aus Russland kommt, wo die Damen sich nicht so einfach mit ihrer naturgegebenen Schönheit abspeisen lassen, sondern diese mit entsprechender Kleidung und Schminke unter- beziehungsweise überstreichen. Dass aus der Russin die Basler Modemacherin Yana Ray wurde, ist dennoch aussergewöhnlich. Nicht wegen des Metiers, aber wegen des Weges dorthin. Diesen Beitrag weiterlesen »

Basler Skateboarder im besten Licht

Joel Gernet am Donnerstag den 24. Mai 2012

Sie brechen Knochen und Gesetze vor laufender Kamera: Am Sonntag feiert der neuste Basler Skateboard-Film «Key Light» im Jugi Gundeli seine Premiere. Zuvor küren die Skater den Champ der Miniramp.

Prostituierte und Skateboarder, beide werden sie auf den öffentlichen Plätzen Barcelonas gleich hart angepackt vom Arm des spanischen Gesetzes. Von einer Wegweisung bis zur saftigen 700-Euro Busse liegt alles drinn. Das haben auch zehn Basler Skaterfreunde beim Dreh zum neusten Basler Skateboardfilm «Key Light» hautnah miterleben dürfen, also ihnen die Polizei mehr als einmal die Kamera wegnehmen wollte – hätte sie die Jungs nur erwischt. Doch im Gegensatz zu den Trottoirschwalben in Stöckelischuhen können sich die Trottoirsurfer auf ihren Brettern ziemlich rasch aus dem Staub machen. Diesen Beitrag weiterlesen »