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Der kleinste Kunstraum guckt über die Böschung hinaus

karen gerig am Mittwoch den 23. Februar 2011

Zwei Jahre ist es her, da sagte Raphael Bottazzini zur BaZ, er wolle das «Artachment», seinen kleinen Kunstraum an der Böschung der Wiese, als eine Art Label etablieren. Es solle über seinen Zweck als reiner Kunstraum hinauswachsen. Nun, im Jahr 2011, wird dieser Wunsch Wirklichkeit. Und noch anderes Neues hat sich getan.

Das Artachment an der Böschung der Wiese.

Besucht man die Website des Artachment, so steht da auf der ersten Seite: «Kuratorische Leitung: Tanja Kalt». «Ja, ich habe die kuratorische Leitung abgegeben», sagt Bottazzini. Aus verschiedenen Gründen: Weil die Band namens «End», in der er Schlagzeug spielt, plötzlich mehr Zeit braucht, weil die eigene Kunst auch mal wieder stärker beachtet sein will – und weil das Artachment ein Ort bleiben soll, der sich stetig weiterentwickelt. «Ein Off-Space hat schliesslich die Qualität, keine wirtschaftliche Handschrift tragen zu müssen wie eine Galerie, die einen Käuferkreis zu bedienen hat», sagt er.

Für Tanja Kalt, die bis im Sommer noch an ihrem Bachelor of Arts in Vermittlung von Kunst und Design an der Zürcher Hochschule der Künste arbeitet, war es immer ein Anliegen, sich aktiv an der Gegenwartskunst zu beteiligen. Sie kuratiert nun im Artachment während eines Jahres ein Austauschprojekt für junge Zürcher Künstler. «Das ist für mich sehr motivierend», sagt sie. Ihr aktuelles Projekt mit Damian Jurt, der das Artachment zum Leuchtkubus umfunktioniert hat, ist noch bis Donnerstag zu sehen: Die Installation «From Blindness into Abstraction» nimmt einerseits Bezug zum realen Gebäude des Artachment, andererseits appelliert es an eine Architektur des Imaginären.

Damian Jurts Installation «From Blindness into Abstraction» im Artachment.

Ein wenig Imagination braucht es auch noch, sich die Zukunft des Artachment vorzustellen. Ab Sommer 2011 wird Sarah Bernauer die kuratorische Leitung des Artachment übernehmen. Und einen ersten Schritt über die Böschung hinweg machen. In der Woche der Art Basel wird die Künstlerin mit dem Keck-Kiosk auf dem Kasernenareal zusammenarbeiten. Jeden Tag soll sich unter dem Titel «Art Entertainmant and Desire» ein anderer Off-Space in dem kleinen, dem Artachment nicht unähnlichen Raum, präsentieren. Performances, Konzerte und Aktionen sollen das Offspace-Festival ergänzen. Das Projekt «The Traveling Artist» schickt im Herbst dann Künstler auf Reisen, von Basel nach Wien, von Wien nach Budapest, von Budapest nach Basel.

Wird dem Artachment der Raum zu eng? Klein ist er ja, der Spielraum begrenzt und deshalb herausfordernd für jeden Teilnehmer, jede Teilnehmerin. Bleiben aber soll er, sagt Bottazzini, solange es geht. Und er soll neben der bildenden Kunst bald auch einer anderen Kunstrichtung ein Dach über dem Kopf bieten: Unter dem Titel «Written by» plant Bottazzini gemeinsam mit Eva Seck und Barbara Schuler, beide Studentinnen des Literaturinstituts in Biel, ein literarisches Projekt. Seck und Schuler werden junge Autoren und Autorinnen dazu einladen, Texte zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Diese werden dann nach und nach auf der Website des Artachment publiziert und schliesslich an einer Lesung dem Publikum vorgetragen. «Noch arbeiten wir daran, die Texte schliesslich auch publizieren zu können», sagt Bottazzini. Mitte des Jahres aber ist der Start geplant. Vom Artachment – ob als Kunstraum oder Plattform – werden wir also noch einiges hören, soviel ist sicher.