Archiv für die Kategorie ‘Schlaglicht’

«Nennen Sie mich Hitch, ohne cock»

Fabian Kern am Dienstag den 12. März 2013

Filmplakat

«Hitchcock» läuft ab 14. März in den Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Was ist wohl Alfred Hitchcocks bester Film? «Das Fenster zum Hof»? «Vertigo»? «Der unsichtbare Dritte»? Oder doch «Die Vögel»? Man darf sich darüber streiten. Fest steht aber, welches Hitchcocks erfolgreichstes Werk ist: «Psycho». Und genau in der Entstehung dieses Films, der das unschuldige Publikum der 60er-Jahre von den Sitzen gerissen hat, spielt das Biopic über den Meister des Suspense. In jenem Moment stand Hitchcocks grosse Karriere auf der Kippe. Nach dem grossen Erfolg seines meisterhaften Blockbusters «North by Northwest» (Der unsichtbare Dritte), einem Meilenstein im Spannungskino, weigerte sich der Starregisseur, weiter in der Mainstream-Schiene zu fahren. «Das Publikum will schockiert werden», war Hitchcock überzeugt. Zudem liebte der Brite das Risiko, Öffentlichkeit und Kritiker zu überraschen.

Alma und Alfred

Ein starkes Paar: Alma und Alfred Hitchcock. (Bilder: 20th Century Fox)

Um die Kinowelt wieder einmal zu verblüffen, ging Hitchcock (Anthony Hopkins) 1960 an seine Grenzen. Weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Buch über einen schwulen Serienmörder zu verfilmen, der zu allem Übel auch noch mit Vorliebe die Kleider seiner toten Mutter trug. Für diesen Ehrgeiz setzte der Regisseur nicht nur sein privates Vermögen aufs Spiel, sondern auch seine Ehe. Denn ja, «Hitchcock» ist auch eine Liebesgeschichte. Auch wenn der Protagonist oft unnahbar, zynisch und nur an der nächsten kulinarischen Sünde interessiert erscheint, lässt er sich stark von seinen Gefühlen leiten. Es war die Faszination an den menschlichen Abgründen, die seine Leidenschaft für den Thriller befeuerte, aber es war seine Frau Alma (Helen Mirren), ohne deren Rückhalt er verloren gewesen wäre. Und was viele nicht wussten: Alma hatte erheblichen Anteil an der Genialität von Hitchcocks Werken.

Janet Leigh (Scarlett Johansson)

Janet Leigh der Moderne: Scarlett Johansson.

In Bezug auf «Psycho» heisst das konkret: Alma schlägt Anthony Perkins (James D’Arcy) und Janet Leigh (Scarlett Johansson) als Hauptdarsteller vor und hat die Idee mit der weltberühmten Begleitmusik in der Dusch-Szene. Dagegen wehrte sich Hitchcock übrigens sehr lange, um sich schliesslich von deren schockierender Wirkung überzeugen zu lassen. Zudem war Alma die Einzige, die im Schneideraum gemerkt hat, dass Leigh nach der Ermordung ihrer Figur noch blinzelte. Doch nicht nur die Produktion des Films steht im Zentrum. Hitch («Nennen Sie mich Hitch, ohne cock») war besessen. Besessen von seinem jeweiligen Projekt, sodass es ihn komplett einnahm. Damit konnte Alma umgehen. Was die Ehefrau aber je länger je mehr Mühe bereitete, war Hitchcocks voyeuristische Vorliebe für attraktive Blondinen. Ob Kim Novak (Vertigo), Eva Marie Saint (Der unsichtbare Dritte) oder Janet Leigh – Hitch konnte seine Augen nicht von den Schönheiten lassen. Doch während der Dreharbeiten zu «Psycho» wurde der Filmemacher mit seiner eigenen Eifersucht konfrontiert, denn Alma arbeitet eng mit Whitfield Cook (Danny Huston) an dessen Skript.

Vera Miles (Jessica Biel)

Blondinen bevorzugt: Hitchcock und Vera Miles.

Sacha Gervasis Biografie ist sehr vielfältig. Neben dem biografischen Teil verrät er einige amüsante Insider-Informationen. Wie etwa das Filmstudio Paramount Pictures aus Angst vor einem Skandal erst nicht den Mut hatte, die Finanzierung von «Psycho» zu übernehmen und während der Dreharbeiten immer wieder versuchte, Hitchcocks erfolgreichstes Werk zu sabotieren. Oder Hitchcocks Geheimnistuerei, die so weit führte, dass er so viele Buchkopien von «Psycho» kaufen liess, wie er konnte, und seine gesamte Crew einen Stillschweige-Schwur leisten liess. Und weil die Charakterstudie von Alfred Hitchcock am Entstehungsprozess eines der kontroversesten Films des 20. Jahrhunderts aufgehängt ist, ist der Plot spannend bis zum Schluss. Dass der Streifen sehenswert ist, weiss man allerdings schon nach einem kurzen Blick auf die Besetzungsliste. Mit Anthony Hopkins und Helen Mirren standen zwei der besten Charakterdarsteller der Gegenwart erstmals gemeinsam vor der Kamera. Hopkins, wenn auch maskentechnisch aufwändig verunstaltet, sieht zwar nicht haargenau wie Hitchcock aus, aber man nimmt ihm den besessenen Filmemacher mit dem weichen Kern und dem trockenen Humor absolut ab. An seiner Seite ist Helen Mirren einmal mehr eine Wucht. Begleitet werden die beiden Altstars durch einen wohl ausgesuchten Cast der neuen Hollywood-Generation.

Dies alles ergibt eine würdige Hommage an Alfred Hitchcock. Denn auch wenn man sich nicht einig ist, welcher seiner Filme der beste ist, auch wenn Hitchcock nie einen mit einem Oscar bedacht wurde, eines ist er unbestritten: der Master of Suspense.

«Hitchcock» läuft ab 14. März 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 14. März: Jack the Giant Slayer, Laurence Anyways, Rubinrot, Song for Marion, This Is 40.

Oz zum Anfassen

Fabian Kern am Mittwoch den 6. März 2013

Filmplakat

«Die fantastische Welt von Oz» läuft ab 7. März im Küchlin und im Plaza.

Fantasy ist zur Zeit «In» – erst recht, seit die 3D-Technologie in den Kinos hoffähig wurde. Was läge also näher, als die klassischen Märchen mit grossem Aufwand quasi zum Anfassen auf die Leinwand zu bringen? Die Disney-Studios sind deshalb zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und haben sich am amerikanischsten aller Märchen versucht: dem «Zauberer von Oz» von L. Frank Baum. Allerdings muss die Geschichte von Dorothy, die von einem Tornado aus Kansas in eine Zauberwelt entführt wird, noch warten. Zuerst erzählt Spiderman-Regisseur Sam Raimi in «Die fantastische Welt von Oz» die Vorgeschichte dazu: Wie der berühmte Zauberer nämlich selbst nach Oz gelangte. Der biografische Hintergrund des Zauberers stammt aber nicht aus der Feder von L. Frank Baum, sondern wurde von den Drehbuchschreibern entwickelt.

Oscar und das Porzellanmädchen

Wo gehts hier zur bösen Hexe? Oscar und das Porzellanmädchen. (Bilder: Disney Enterprises)

Oscar Diggs (James Franco) schlägt sich im Jahr 1905 in Kansas auf einem Jahrmarkt mit überschaubarem Erfolg als Magier «Oz» durch. Der Trickbetrüger fällt dabei aber mehr durch seine zweifelhafte Moral als durch seine Zaubertricks auf. Als er mit einem Heissluftballon fliehen muss, weil er wieder einmal ein naives Mädchen verführt hat, wird der Schwerenöter von einem Tornado erfasst, der ihn in ein unbekanntes Land entführt. Die aufregende, bunte Welt von Oz erscheint Oscar nach der wüsten Einöde des amerikanischen Mittelwestens wie das gelobte Land. Zumal die Einwohner gemäss einer Legende von einem Zauberer erlöst und angeführt werden sollen. Thron und immenser Reichtum in der Smargdstadt scheinen bereit zu liegen für den gierigen Schwindler. Der kleine Haken: Zuerst muss Oscar die böse Hexe besiegen.

Theodora und Oscar

Schön – aber auch gut? Theodora.

Evanora und Oscar

Definitiv böse: Theodoras Schwester Evanora.

Das klingt schon schwierig genug für einen Magier, dessen magisches Talent gegen null tendiert, und dessen Motivation so gar nicht ehrenhaft ist. Doch Oscars vordringliches Problem besteht darin, herauszufinden, wer die böse Hexe ist. Von den Schwestern Evanora (Rachel Weisz) und Theodora (Mila Kunis) wird er auf Glinda (Michelle Williams) gehetzt. Die sanfte Blondine allerdings erfüllt so gar nicht Oscars Bild von der bösen Hexe, und er ahnt, dass die Rollen wohl umgekehrt verteilt sind. Was ihm nicht wirklich viel hilft, denn der Armee der bösen Schwestern hat er nicht viel Schlagkräftiges entgegenzusetzen. Neben einem fliegenden Affen, einer lebendigen Porzellanpuppe und der weissen Magie von Glinda bleibt «Oz» nur der Manpower eines zwar fleissigen, aber durch und durch pazifistischen Volks. Da muss sich Oscar auf seine grosse Stärke, die Illusion, konzentrieren. Oder verlässt ihn doch noch im letzten Moment der Mut und er lässt die liebenswerten Einwohner von Oz trotz seiner Schwäche für Glinda im Stich?

Glinda

Definitiv gut: die schöne Glinda.

Natürlich nicht – es ist schliesslich ein Märchen. Ein Märchen, dessen Fortsetzung man schon kennt. Und das müssen sich auch jene Fantasy-Fans vor Augen halten, die Episches à la Tolkien erwarten. «Die fantastische Welt von Oz» ist familiengerechte Disney-Unterhaltung. Technisch hervorragend gemacht und mit liebevollen Charakteren – allein das Porzellanmädchen ist zum Knuddeln – verzichtet die aufwändige 3D-Produktion auf den im Fantasy-Genre in Mode gekommenen Gothic-Anstrich. Zu ihrem Vorteil. Ebenso die Tatsache, dass bis auf eine Ausnahme auf Gesangseinlagen verzichtet wurde. So ist Raimi, der sich hauptsächlich mit Horrorfilmen einen Namen gemacht hat, ein schönes Märchen gelungen, dem man den Mangel an Tiefgang verzeiht. Und auch wenn noch nichts über weitere Verfilmungen der Abenteuer aus den 14 Oz-Büchern bekannt ist: Disney wird sich nach dem gelungenen Prequel das Remake der berühmten Hauptgeschichte kaum nehmen lassen.

«Die fantastische Welt von Oz» läuft ab 7. März 2013 im Pathé Küchlin und im Pathé Plaza in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. März: Shootout, Night Train to Lisbon, Safe Haven, Detachment, Thérèse Desqueyroux, Appassionata, Il comandante e la cicogna, Appassionata.

Wenn Lara zu Chiara wird

Fabian Kern am Mittwoch den 27. Februar 2013

Filmplakat

«Tutti giù» läuft ab 28. Februar im Pathé Küchlin.

Die Bilder von der Abfahrt der Frauen an der WM 2009 in St. Moritz sind noch präsent. Die 17-jährige Lara Gut stürzt nach bester Zwischenzeit kurz vor dem Ziel, schlittert auf dem Rücken über die rote Linie – und verpasst die Goldmedaille nur um eine lausige Hundertstelsekunde. Lara wischt sich den Schnee aus dem Gesicht und zeigt ihr berühmtes Lächeln. Diese emotionalen Bilder gibt es nun auch auf der grossen Leinwand zu bewundern. Allerdings mit dem etwas irritierenden Makel, dass nicht «Lara Gut» eingeblendet wird, sondern «Chiara Merz». Aber Niccolo Castellis Werk «Tutti giù» ist trotz des grossen biografischen Anteils an Lara Guts Geschichte kein Dokumentar-, sondern ein fiktiver Kinofilm. Was zur Ehrenrettung von Laras richtiger Mutter betont werden muss, denn ihre Film-Mama ist – gelinde gesagt – etwas übereifrig.

Jullo

Mit dem Ernst des Lebens konfrontiert: Jullo.

Chiara alias Lara ist eine von drei «Ticino Kids», die sich mit den Tücken des Erwachsenwerdens herumschlagen. Während der strahlende Skistar vom immensen Rummel, den ihr schneller Aufstieg verursacht hat, überfordert wird, haben Jullo (Yanick Cohades) und Edo (Nicola Perot) alltäglichere Sorgen. Der smarte Giuliano, genannt Jullo, wird bei einem routinemässigen Spitalbesuch jäh aus seinem leichtfüssigen Dasein gerissen. Anstatt nur ans nächste sexuelle Abenteuer zu denken, findet sich der Skateboarder plötzlich auf der Warteliste für eine Herztransplantation wieder. Und der introvertierte Sprayer Edo muss den sozialen Umgang lernen, will er seine neue Flamme Giada (Nicole Lechmann) nicht verlieren.

Giada und Edo

Zwischen Giada und Edo funkt es.

Die drei verbinden zwei Dinge. Einerseits ihr Wohnort: Lugano. Sie laufen einander immer wieder über den Weg, ohne allerdings direkt miteinander zu tun zu haben. Andererseits befinden sich aber auch alle Protagonisten, so unterschiedlich sie auch sind, in derselben Situation – sie sind «tutti giù», alle unten. Nun haben sie die Wahl, wieder aufzustehen oder sich tatenlos ihrem Schicksal hinzugeben. Chiara, Jullo und Edo stehen stellvertretend für die Tessiner Stadtjugend, welche Regisseur Castelli gefühlvoll und ohne Pathos skizziert. Zwischen den Handlungssträngen hin- und herspringend, untermalt von einem poetischen Soundtrack, vermittelt er, wie fragil die Adoleszenz sein kann. Hochgefühle werden von Enttäuschungen abgelöst, und die Einsamkeit ist ein hartnäckiger Begleiter.

Chiara

Chiara erlebt die Schattenseiten des Ruhms.

Die Nachwuchsdarsteller sind durchwegs überzeugend. Neben Cohades und Perot, die zwar sich beruflich mit Schauspielerei beschäftigen, fällt Lara Gut keineswegs ab. Das «Schätzchen der Nation» beleuchtet dabei die Schattenseiten ihres Ruhms, die sie in der letzten Saison so sehr belastet hatten, dass sie nicht mehr mit den Medien sprach. Nun bietet sie in 98 Minuten als Chiara Merz mehr Einblicke in ihre Gefühlswelt als in den letzten vier Jahren als Lara Gut. Respekt, das erfordert Mut.

«Tutti giù» läuft ab 28. Februar 2013 im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 28. Januar: 3096 Tage Gefangenschaft, Hansel and Gretel: Witch Hunters, In The Fog, Like Someone in Love, Clara und das Geheimnis der Bären, Dating Lancelot, Sightseers.

Schwarzeneggers zweiter Frühling

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Januar 2013

Filmplakat

«The Last Stand» läuft ab 31.1. im Capitol und im Pathé Küchlin

Zum Glück ist «The Last Stand» nicht als ernsthafter Actionthriller gedacht. Dann würde er nämlich komplett durchfallen. Man würde sich ärgern über die vielen Klischees, die bedient werden, über die zweifelhafte Glaubwürdigkeit zahlreicher Szenen – und über Arnold Schwarzeneggers schauspielerische Leistung. Die «steyrische Eiche» zählte zwar noch nie zu Hollywoods Charakterdarstellern. Und mit seiner Rolle als hölzerner Dorfsheriff Ray Owens tut er nichts, um daran etwas zu ändern. Mimik? Unfreiwillig komisch. Akzent? Unfassbar komisch, auch heute noch. Aber wenn man das im Action-Genre einem verzeiht, dann der Bodybuilder-Ikone Arnold Schwarzenegger. Man wäre gar enttäuscht, würde er plötzlich ein einigermassen passables Englisch an den Tag legen.

Corvette ZR1

Flott unterwegs: Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) in der Corvette ZR1. (Bilder: Rialto)

Die erste Nebenrolle spielt ein Auto: Eine Corvette ZR1. Mit unfassbaren 1000 PS unter der Haube und dem mächtigen Drogenbaron Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) am Steuer rast der Rennbolide von Las Vegas, wo Cortez dem FBI um Agent John Bannister (Forest Whitaker) auf spektakuläre Weise entkommen ist, unaufhaltsam auf die mexikanische Grenze zu. Die generalstabsmässig organisierte Privatarmee des Drogenkartells räumt gnadenlos und grosskalibrig jede Strassensperre aus dem Weg, während Cortez Profirennfahrer-Qualitäten an den Tag legt. Und eine Sprengung der Corvette kommt deshalb nicht infrage, weil der ruchlose Mexikaner eine FBI-Agentin als Geisel genommen hat.

Ray Owens und Lewis Dinkum

«Ich bin der Sheriff.» Ray Owens (Schwarzenegger) und Lewis Dinkum (Knoxville).

Doch Cortez hat – wie könnte es anders sein – die Rechnung ohne den Sheriff von Sommerton Junction gemacht. Jenes Grenzkaff ist die letzte Hürde, die ihn von seiner Heimat trennt. Pech, dass sich ausgerechnet da ein früherer S.W.A.T-Cop aus Los Angeles niedergelassen hat, um seine Ruhe zu haben. Diese wird von der brutalen Vorhut von Cortez’ Streitmacht unter der Führung des Söldners Burrell (Peter Stormare) aber jäh gestört. Mit einer Handvoll Provinz-Grünschnäbel, unterstützt von einem Ex-Soldaten (Rodrigo Santoro) und einem irren Waffenfreak (Johnny Knoxville), stellt sich der gealterte, aber immer noch unbestechliche Owens der Übermacht entgegen.

Ray Owens, Sarah Torrance und Frank Martinez

Schweres Geschütz: Ray, Sarah (Jaimie Alexander) und Frank (Rodrigo Santoro).

Ernst zu nehmen ist die testosterongeladene Actionkiste wie gesagt nicht. Der Südkoreaner Kim Jee-Woon hat «The Last Stand» entsprechend mit einem Augenzwinkern und nur zu einem Zweck inszeniert: um Schwarzenegger das Comeback auf der Leinwand zu ermöglichen. Zwar hatte «Arnie» schon in den letzten Jahren kleinere Auftritte, wie etwa in beiden Teilen von «The Expendables». Doch mit seiner ersten Hauptrolle seit zehn Jahren lanciert der frühere Gouverneur von Kalifornien seinen zweiten Kinofrühling. «The Last Stand» ist nur der Beginn. Demnächst wird Schwarzenegger in «The Tomb» an der Seite seines Kumpels Sylvester Stallone zu sehen sein und hat viele weitere Highlights in der Pipeline, darunter auch «Terminator 5». Vorerst darf man sich aber daran ergötzen, wie der mittlerweile 65-jährige Terminator mit einem guten Schuss Selbstironie einem Drogenbaron in die Suppe spuckt – auch wenn er dabei selbst tüchtig einstecken muss. Ein Kultfilm wird «The Last Stand» zwar nicht werden. Aber wo Schwarzenegger draufsteht, ist immer noch Schwarzenegger drin.

«The Last Stand» läuft ab 31. Januar 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 31. Januar: Zero Dark Thirty, Hyde Park on Hudson, Jagten, Das bessere Leben ist anderswo, Vergiss mein nicht, Après mai, Jesus liebt mich, Fünf Freunde 2.

Entwicklungshilfe aus dem Nordwesten

Joel Gernet am Donnerstag den 24. Januar 2013

Frisch in Umlauf: Das Video «Entwickligshilf» zum gleichnamigen Album wurde komplett von Jakebeatz (PW-Records) realisiert. Er war auch für Mix und Mastering des Albums zuständig.

Mit ihrem frisch erschienenen Kollabo-Album wollen die Basler Rapper Chilz (29) und Kush (25) mit Rückendeckung des Beatproduzenten M-Skills (35) der Schweizer Rapszene «Entwickligshilf» leisten. Die Ausgangslage dabei ist in etwa folgende: Ein zu grosser Teil des Schweizer Rap ist schlecht, langweilig und degeneriert. Der eigene Sound ist das Gegenmittel – eine ziemlich verbreitete Haltung unter Rappern. Es gibt wohl keine Musiker-Spezies, die sich in vergleichbarem Mass selber zerfleischt – und überhöht. Auch darin liegt der Reiz roher Rapkost wie sie uns Chilz und Kush hier vorsetzen.

Und das Dargebotene schmeckt. Insbesondere die Raps der beiden K.W.A.T.Mitglieder überzeugen über weite Strecken. Und zwischendurch sorgen Exploits wie das Doubletime-Schnellfeuer von Chilz auf «Micro Check» oder Kushs kranker Solo-Song «Niemols mied» für Entzückung und die richtige Würze. Der Beat zum eben genannten Track gehört zu den Highlights des Albums. Hier hat Produzent M-Skills ein Flickwerk an Sound-Samples zu einem wunderbar schleppenden, stimmungsvoll-verpeilten Mosaik zusammengesetzt. Die perfekte Unterlage für Kushs rustikale Raps. Genial auch, wie M-Skills – diesmal in Funktion des DJs – mit der Stimme des Rappers spielt und scratcht. Ein Stil-Element, das auf dem Album immer wieder eingesetzt wird und das viel zum Hörgenuss beiträgt. Man hat das schöne Gefühl, die Hand des DJs schwebe ständig über der rotierenden Platte, immer parat zum funky Eingriff. Dass dieses Album auch in streng limtierter Auflage auf Vinyl erscheint, ist nichts als konsequent. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die glorreichen Sechs

Fabian Kern am Mittwoch den 23. Januar 2013

Filmplakat

«Gangster Squad» läuft ab 24.1. im Pathé Küchlin.

Mafia-Filme sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Es fehlten die frischen Storys und nicht zuletzt auch die glaubwürdigen Darsteller. Die de Niros und Pacinos sind in die Jahre gekommen. Schön deshalb, dass sich nun ein anderer Grosser des US-Kinos als Mob-Chef die Ehre gibt. Sean Penns Figur Mickey Cohen ist allerdings kein Pate, der trotz aller Grausamkeit einen gewissen Stil besitzt, sondern ein roher, machtbesessener Emporkömmling, welcher den alten Chicagoer Mafiosi ein Schnäppchen schlagen will. Cohens Plan ist es, zuerst Los Angeles und dann die gesamte Westküste unter seine Kontrolle zu bringen. Und der ehemalige Boxer von der Ostküste, der auch in Realität die Stadt der Engel terrorisierte und zu dessen Ehre Penns Nase verbreitert wurde, tut dies mit Nachdruck. Drogen, Prostitution, Wetten – alles läuft über Cohen. Seine dreckigen Geschäfte lässt er von bestochenen Polizisten und Politikern beschützen.

Gangster Squad

Sechs Männer gegen das organisierte Verbrechen:Die Gangster Squad (Bilder: Warner Bros.)

Cohen und O'Mara

Erbitterte Feinde: Cohen und O'Mara.

Doch es gibt auch im korrupten L.A. der 40er-Jahre die «Unbestechlichen». Und der Eliot Ness der Westküste ist John O’Mara (Josh Brolin). Der aufrichtige Sergeant wird von Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) zur Rekrutierung einer Sondereinheit beauftragt, die ganz inoffiziell Cohens Geschäfte sabotieren und seine Herrschaft beenden soll – die Gangster Squad. O’Maras sechsköpfige «Guerilla-Einheit» reizt ihre Vogelfreiheit voll aus und bedient sich unzimperlicher Massnahmen – so sehr, dass die Grenze zwischen Gangstern und Cops zeitweise verschwimmt. Doch Cohen gibt sein Empirium nicht kampflos her und schlägt mit voller Härte zurück. Ein blutiger Krieg entbrennt.

Grace Faraday

Verführerisch: Grace Faraday (Emma Stone).

Filme mit dem Label «Inspired by a true story» haftet oft eine gewisse Bedeutungsschwere an. «Gangster Squad» hingegen umschifft diese Hürde mit spielerischer Leichtigkeit. Der Film ist wie aus einem Guss: In keinem einzigen Moment kommt Langeweile auf, die bleihaltige Story steuert stilsicher auf ein würdiges Finale zu. Das ist grosses Spannungskino. Und der Cast ist schlicht grandios. Als Gegenspieler von Penn, der Cohen an der Grenze zur Karikatur darstellt, brillieren neben Brolin der gewohnt leichtfüssige Ryan Gosling («Drive»), Giovanni Ribisi («The Rum Diary»), Anthony Mackie («Man on a Ledge»), Michael Peña («End of Watch») und Robert Patrick («Safe House»). Shooting Star Emma Stone («Crazy, Stupid, Love») spielt als verruchte Schönheit derweil ein gefährliches Spiel mit Cohen. Besser kann ein Gangsterfilm in der heutigen Zeit nicht besetzt werden. Und mehr kann man sich von einem Gangsterfilm nicht wünschen.

«Gangster Squad» läuft ab 24. Januar 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. Januar: Flight, Chasing Mavericks, Lincoln, Blancanieves, Quartet, Shanghai Shimen Lu.

Lippenstift, Gitarrenriffs und Arschtritte

Joel Gernet am Dienstag den 22. Januar 2013

Diese Damen können richtig zupacken: Im neuen Video des Basler Rock-Quartetts Mother Razorblade werden nicht nur Gitarren, Bass und Schlagzeug, sondern auch Autowracks hart angepackt. Mit Vorschlaghammer statt Rasierklinge werden da ausrangierte Karossen von vier Furien in ihre Einzelteile zerlegt, untermalt von heulenden E-Gitarren, treibenden Bassläufen und dem Gesang von Frontfrau Sabrina. Dreckiger Hardrock, den man am liebsten ganz laut hören möchte.

Das von Fabienne Haase realisierte Video «Gonna Go Wild» ist der Vorbote zu Mother Razorbaldes erster Veröffentlichung NCOTB, welche am 8. Februar erscheint – digital und als Vinyl-EP (!). Das Debut soll die Musikszene aufmischen: «Jung, hungrig und scharf wie eine frische Rasierklinge: Die vier holden Damen von Mother Razorblade sind gekommen, um liebevoll und innig Ärsche zu treten», wird in der Band-Bio vollmundig angekündigt. Das klingt so sympathisch wie vielversprechend, zumal es sich hier offenbar um die erste Basler «All-Girl-Band» seit langem handelt, wie wir bei den Kollegen des Rockfördervereins RFV lesen.

In Action: Mother Razorblade im Hirscheneck, wo am 8. Februar NCOTB getauft wird.

Das Quartett besteht in dieser Formation seit Frühling 2011 und ist beim Basler Label Lux Noise Records untergekommen, wo unter anderem auch namhafte Basler Bands wie die Bitch Queens, die Lombego Surfers oder Fucking Beautiful musikalisch beheimatet sind.

Realisiert haben Mother Razorblade ihr Debut unter der Studioregie von Luc Montini (One Drop Studio, Basel) und Produzent Baschi Hausmann (Fucking Beautiful) – auch dies erfahren wir von der RFV-Edelfeder Chrigel Fisch, der in seinem Beitrag fleissig über die Bedeutung des EP-Titels NCOTB rätselt. Seine Vorschläge: Never Count On Tea-drinking Boys und Nicotine Can Only Taste Black. Mir fällt da spontan folgendes ein: New Clits On The Block oder Vier Engel für Basel…wobei Zweiteres dann mit der Abkürzung nicht mehr ganz hinhaut. Naja, kann ja mit dem Vorschlaghammer zurechtgemurkst werden, oder mit der Rasierklinge.

Für den Tauftermin ihres ersten Babys haben die vier Rockladies nicht lange gefackelt: Plattentaufe ist am Releasetag, dem 8. Februar, im Hirscheneck.

Abzüge in der B-Note

Fabian Kern am Montag den 14. Januar 2013

BuchcoverTalent ist ein ungleich verteiltes Gut. Die einen haben gar keines, andere wiederum haben gleich mehrere. Kreative Köpfe wie Manuel Süess. Der 31-Jährige Luzerner, der seit einigen Jahren in Rheinfelden lebt und arbeitet, ist in erster Linie Kunstmaler. Zudem verfügt er auch über eine flotte Sohle und tanzt lateinamerikanisch. Und seit neustem schreibt er auch noch Bücher. Sein Erstlingsroman «Der Buchhalter» ist seit November 2012 auf dem Markt. Geschrieben hat Süess die Geschichte aber bereits vor sechs Jahren. Während seiner Ausbildung an der Hotelfachschule pendelte er zwischen Luzern und Basel. Die tote Zeit im Zug nutzte er für die Skizzen an seinem Buch. Der Protagonist ist ebenfalls der Ausbildung geschuldet, denn die Idee für den Buchhalter entstand in einer langweiligen Lektion Rechnungswesen.

Mit seiner einfachen, aber angenehm schnörkellosen Story auf dem schwierigen, weil in den letzten Jahren fleissig abgegrasten, Terrain von Dan Brown vermag Süess zu packen. Der Enddreissiger Hans Rudolf – schon sein Name ist Klischee – pflegt sein biederes Buchhalter- und Mamisöhnchen-Image mit Hingabe. Denn dieses dient nur als Deckmantel für seine eigentliche Arbeit: Aufträge für eine geheimnisvolle Bruderschaft zu erfüllen und damit seinen Traum der Beförderung endlich wahr werden zu lassen. Kurz vor dem Durchbruch findet aber seine nichtsahnende Mutter sein Tagebuch und beginnt zu begreifen, dass ihr Sohn und ihr verstorbener Mann ihr über Jahre etwas vorgemacht haben. Zudem jagen dunkle Gestalten hinter dem gleichen Geheimnis her, und auch die Rolle von Hans Rudolfs Freundin Tina ist nicht immer ganz klar.

Manuel Süess

Kunstmaler, Tänzer und Buchautor aus dem Fricktal: Manuel Süess.

Leider muss man bei aller Sympathie für den Autor festhalten, dass das Lesevergnügen durch einige Rechtschreibe- und sehr viele Kommafehler erheblich beeinträchtigt wird. Dass Süess seinen Roman aus Kostengründen in Eigenregie herausgegeben hat, ehrt ihn zwar, doch hiermit zahlt er seinen Preis dafür. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Süess will den «Buchhalter» noch einmal überarbeiten und bei seinen nächsten Büchern mehr Sorgfalt walten lassen. Denn eine Fortsetzung, das merkt man am Ende des «Buchhalters», wird folgen. «Ich habe geplant, die Geschichte auf drei bis fünf Bücher auszudehnen. Wann das nächste folgt, hängt auch vom Erfolg des Buchhalters ab», sagt der umtriebige Künstler. Skizzen für Teil zwei und drei hat er bereits in der Schublade. Wir sind gespannt.

Manuel Süess: «Der Buchhalter. Schluss mit der Geheimniskrämerei!». Art by Manuel Süess, 2012. 232 S., Fr. 15.90.–. Erhältlich auf Manuel Süess’ Homepage und bei amazon.de.

Das Stehaufmännchen des Basler Rap

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Januar 2013

Mit «Eva» bringt Rapper Abart sein drittes Solo-Album in Umlauf. Dass es sein bisher nachdenklichstes Werk ist, hat seinen Gund.

Es ist nicht einfach, über Kollegen zu schreiben. Vor allem, wenn sie der eigenen Rap-Crew angehören. Man könnte mir Filz und Beisshemmungen vorwerfen. Andererseits ist dies ein Blog, den wir aus Leidenschaft nebenbei betreiben und in dem wir uns subjektiv mit Sachen beschäftigen, die uns interessierten und die wir als relevant erachten. Und Abart ist relevant: Der TripleNine-Söldner gehört zu den produktivsten Rappern dieser Stadt und tickt seit Jahren konstant wie ein Uhrwerk – auch in Sachen Rapflow. Er war treibende Kraft hinter den drei FCB-Maischtertracks seiner Crew. Und in früheren Jahren stand er mit der Crew Taktpakt und als Backup-Rapper von Black Tiger auf den Bühnen dieses Landes.

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Ende Dezember ist Abarts drittes Solo-Album «Eva» erschienen. Die ausschliesslich in digitaler Form vorliegende «CD» markiert so etwas wie die dunkle Seite des Mondes. Eine kühle, schattige Seite, bedeckt mit Asche und Tränen. Aber auch mit Freude, Liebe und Zuversicht. «Eva» ist ein emotionales Audio-Manifest, mit dem Abart alias Nico Jucker den Tod seiner Mutter, der dieses Album gewidmet ist, verarbeitet. Es ist Schlussstrich und Neubeginn, mit dessen Veröffentlichung der 34-Jährige neue Kräfte freisetzen will. Und wird.

Denn wenn Abart für etwas berüchtigt ist, dann für seine unerschöpfliche Energie, die ihn zum produktivsten Mitglied des Rapkollektivs TripleNine macht – ein stetig schnurrender Musik-Motor. «Eva» umfasst 13 Songs, von denen ein Grossteil ehrlicher und persönlicher daherkommen als dies bei Abart ohnehin schon der Fall ist. Hier landen die Hochs und Tiefs des Lebens direkt auf dem Textblatt. Seine grossmauligen Punchline-Raps hat er fürs TripleNine-Album aufgespart. Liebe und Tod, Hoffnung und Schmerz – auf seinem Drittling behandelt Abart Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann. So kommt es, dass der Basler dieser Tage auch positives Feedback von 40-Jährigen Hörern erhält. Eine ungewohnte, aber angenehme Erfahrung für Abart.

Abart und DJ Johny Holiday.

Abart und DJ Johny Holiday.

Dessen drittes Solo-Album markiert den Anfang vom Ende – und umgekehrt. Es wird die letzte Veröffentlichung von Abart sein; gleichzeitig steigt aus Abarts Asche das neue Ich des 34-Jährigen empor. So beschrieben auf auf dem Vorabtrack «Wachküsst usem Schloof»: «Eva isch fertig, y bruuch kei Maske meh. Drum git’s nach däm Album au kei Abart meh. Denn kunnt Nico vom Nico mit em Nico druff. Bi nie meh uf dr Flucht, gib dr Schizo uff».

Dieses Album beschliesst einen Lebensabschnitt und weist mit seiner Jetzt-wird-alles-besser-Haltung den Weg in die Zukunft. Neben dem persönlichen Struggle manifestiert «Eva» aber auch Abarts ungebrochene Liebe für Rap. Dies zeigt sich insbesondere in den Songs, bei denen der Basler seine Mitstreiter ans Mikrophon bittet. Neben seinen TripleNine-Freunden Thierrey, Zitral und Jean Luc Saint Tropez, sind dies Silenus und Krime (Rapreflex) sowie Kid Bakabu, der den Song «Durchblick» mit einem einzigartigen Refrain veredelt.

Wenn ich jetzt das Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich den auf Dauer halt doch etwas monotonen Rapflow von Abart bemängeln. Die fadengerade, unverschnörkelte Vortragsweise ist zwar eines von Abarts Markenzeichen, ich glaube aber, es würde seiner Musik gut tun, wenn der 34-Jährige punktuell seine Komfortzone verlassen und sich auf Rap-Experimente einlassen würde.

«Eva» ist seit dem 21. Dezember 2012 auf iTunes erhältlich. Dies nicht nur, um die Produktionskosten des in Eigenregie realisierten Albums möglichst tief zu halten, sondern auch, um die Kräfte für künftige Veröffentlichungen zu bündeln. Denn Abart wäre nicht Abart, hätte er nicht bereits mit den Arbeiten zum nächsten Album begonnen. Und dieses wird dann im besten Fall wieder die Sonnenseite des Mondes abdecken.

Tiger an Bord

Fabian Kern am Montag den 24. Dezember 2012

Filmplakat

«Life of Pi» läuft ab 26.12. im Pathé Plaza und im Rex.

Die Tage zwischen den Jahren haben etwas Spezielles. Irgendwie werden sie gar nicht richtig wahrgenommen. Zu benommen ist man noch vom Fondue Chinoise neben dem Christbaum und von der Vorfreude auf die Silvesterparty. Deshalb gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr nichts Gemütlicheres, als sich in den flauschigen Kinosessel einzukuscheln und sich von fantastischen Aufnahmen in eine fesselnde Geschichte hineinziehen zu lassen. Insofern ist der Kinostart von «Life of Pi» ideal gewählt. Und sogar die umstrittene 3D-Brille hat im neusten Werk von Oscar-Preisträger Ang Lee («Brokeback Mountain», «Hidden Dragon, Crouching Tiger») ihre Daseinsberechtigung. Der chinesische Meisterregisseur erzählt die unglaubliche Lebensgeschichte des Inders mit dem kuriosen Namen Piscine Molitor Patel, kurz Pi genannt, in einem rauschenden Bilderbogen, der das Auge verwöhnt und die Seele rührt.

Pi und der Schriftsteller

Pi erzählt dem kanadischen Schriftsteller das Abenteuer seines Lebens. (Bilder: Warner Bros.)

Dem kanadischen Schriftsteller, dem Pi sein grösstes Abenteuer erzählt, wurde versprochen, diese sei der Beweis für Gottes Existenz. Diese faszinierte den Sohn eines Zoodirektors schon seit seiner Kindheit in der indischen Stadt Pondicherry in den 70er-Jahren. Während seine Eltern und sein Bruder Anhänger der Rationalität waren, beschäftigte sich Pi mit allen Arten des Glaubens. Dass er als Einziger seiner Familie den tragischen Untergang jenes japanischen Frachters überlebt, hat er allerdings weniger seiner Religion als vielmehr seiner Leichtsinnigkeit, bei schwerem Seegang an Deck zu gehen, zu verdanken. Ein unglaublicher Sturm versenkt das gewaltige Schiff, als sei es eine Nussschale. Und von diesem Punkt an trumpft Ang Lees Special-Effects-Team ganz gross auf.

Pis Eltern und der Schiffskoch

Kurz vor dem Untergang streiten Pis Eltern mit dem rüpelhaften Schiffskoch (Gérard Depardieu).

Das sinkende Schiff in den turmhohen Wellen des wütenden Pazifiks ist ebenso faszinierend für den 3D-Zuschauer wie tragisch für den Protagonisten. Pi verliert bei diesem Unglück seine Familie und findet sich auf dem einzigen Rettungsboot wieder – nur mit tierischen Leidensgenossen. Da die indische Familie mitsamt den Zoobewohnern auf dem Weg nach Kanada war, schafften es einige Tiere ebenfalls auf das Rettungsboot: Ein Zebra, eine Hyäne, ein Orang Utan und ein Tiger. Den Kampf gegen Hunger und Durst in den ersten Tagen überleben nur Pi und der Tiger, den er schon seit Jahren unter dem Namen Richard Parker kennt. Mit der Raubkatze hatte er sich als kleiner Junge anfreunden wollen, wurde von seinem Vater mittels einer eindrücklichen Lektion eines Besseren belehrt. «Der Tiger wird nie dein Freund sein», lauteten die Worte, an die sich Pi nun auf hoher See erinnert.

Pi

Pi stellt sich dem Duell mit Tiger Richard Parker.

Während der folgenden Tage, Wochen und Monate ist es aber gerade der Tiger, der Pi am Leben hält. Nicht, weil sich die beiden ungleichen Schiffbrüchigen doch noch verbrüdern, was absolut hirnrissig wäre, sondern weil Pi jeden Tag von neuem einen Weg finden muss, mit dem fleischfressenden Raubtier auszukommen. Der Teenager wächst an der Herausforderung, bastelt sich ein Beiboot, lernt zu fischen und Regenwasser zu sammeln. Gleichzeitig kämpft versucht er unablässig, Richard Parker zu zähmen. Die Duelle, die der junge Inder mit dem bengalischen Tiger ausficht, sind ebenso packend wie die Überraschungen, welche die hohe See zu bieten hat.

Ang Lee

Ang Lee hat den unverfilmbaren Roman verfilmt.

Der Roman «Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger» des Kanadiers Yann Martel galt jahrelang als unverfilmbar. Lee hat das Werk nun in unvergesslicher Manier auf die Leinwand gebracht. Dank der stupenden Tricktechnik wirken Tiger wie auch die Naturgewalten sehr real. Die Geschichte, so unglaublich sie auch klingen mag und so kitschig die Bilder zum Teil sein mögen, packt einen bis zum Schluss. Ohne missionarisch zu wirken, ist «Life of Pi» ein Film über den Glauben – an eine höhere Macht und an sich selbst. Was könnte über die Festtage besser passen?

«Life of Pi» läuft ab 26. Dezember in den Basler Kinos Pathé Plaza und Rex.

Filmstarts in Basel am 27. Dezember: DFL, Great Expectations, Jack Reacher, Love Is All You Need, Maniac und Searching for Sugar Man.