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Rückblick #4: Massaker an der Art Basel Miami

schlaglicht am Mittwoch den 29. Dezember 2010

Für den Rückblick auf das Basler Kulturjahr 2010 haben wir verschiedene Persönlichkeiten aus der Region zu ihren Höhe- und Tiefpunkten aus dem sich zu Ende neigenden Jahr befragt. Der international bekannte Basler Graffiti-Künstler Smash 137 über einen verpassten Sommer, einen sonnigen Pflichttermin zum Jahresende und einen bewilligungsfreien Kulturtag für Basel.

Spraydosenmassaker: Das «Miami Can Massacre» (2010) von Smash 137.

Smash 137, was war Ihr kultureller Höhepunkt 2010?
Die Art Basel in Miami war dieses Jahr definitiv mein Highlight. Es war das dritte Mal, dass ich mir diesen späten Pflichttermin im Dezember gegeben habe, und was sich da rund um die Muttermesse Art Basel aufgebaut hat, ist der helle Wahnsinn. Im Wynwood Arts District wurde in dieser Woche jede zweite Garage leergeräumt und kurzerhand zur Galerie umfunktioniert. Und on top wurden die meisten Fassaden der Gebäude im District auch gleich noch von oben bis unten von Künstlern bemalt.Amerika zeigte sich in dieser Woche von seiner allerbesten Seite.

Gab es auch einen kulturellen Tiefpunkt?
Ja, den gab es leider. Der grosse und viel zu frühe Verlust des Basler Künstlers Sigi von Koeding alias «Dare» hat bestimmt nicht nur mich stark getroffen.

Dieses Bild entstand für eine Genfer Galerie.

Was haben Sie verpasst?
Weil ich mich intensiv auf eine Ausstellung in Genf vorbereitet hatte, habe ich den Sommer verpasst. Am Tag, an dem ich meine Bilder in die Galerie gefahren habe, regnete es und über das Radio habe ich erfahren, dass es der letzte Kalendertag des Sommer sei.

Haben Sie etwas vermisst?
Einen Abend wie die «Usestuehlete» vermisse ich schon seit längerem in Basel. Die letzte «Usestuehlete» fand hier meines Wissens im letzten Jahrtausend statt. Es war ein Abend, an dem jedermann in Basel eine Beiz auf der Strasse, unter einer Unterführung, auf einem Parkplatz oder in einem Hinterhof halten konnte. Man könnte das Ganze noch um einen Tick erweitern und es zu einem Tag erklären, an dem es in Basel keine Bewilligungen für kulturelle Events braucht. Alles wäre erlaubt, was sich nach diesem Tag wieder rückgängig machen lässt. Das könnte ein Tag sein, an dem die Stadt den Leuten gehört, die sie bewohnen und nicht denen, die sie besitzen.

Was sind Ihre Kulturwünsche fürs 2011?
Dass Basel sich mehr traut und mehr ausprobiert. Ich weiss das Kulturprogramm in Basel sehr zu schätzen, doch könnte aus meiner Sicht mehr im Bereich der nicht – oder noch nicht – etablierten Künste passieren.

Wie angeschwemmt: Ein Graffiti von Smash 137 an der Küste vor Barcelona.

Es folgen unter anderem noch kulturelle Jahresrückblicke mit Sam Keller (Fondation Beyeler) , Carena Schlewitt (Kaserne), Tobit Schäfer (Rockförderverein), Hirscheneck-Booker Marlon McNeill und Galerist Stefan von Bartha. Bereits erschienen: Angelo Gallina, Guy Morin, Thomas Jenny.

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