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Kopieren ist nicht (nur) billig

karen gerig am Dienstag den 28. Juni 2011
Nein, die Köpfe von Oliver Laric rollen nicht.

Nein, die Köpfe von Oliver Laric rollen nicht.

Die Skulpturhalle ist ein Ort, an dem man ständig vorbeifährt, aber nie reingeht. Klar, nicht jeder interessiert sich für antike Statuen. Und dann sind sie auch nicht mal echt, sondern nur Kopien. Halt, Denkfehler! In der Halle an der Mittleren Strasse mögen zwar keine Originale stehen, doch die Kopien – die meisten aus Gips, manche aus Styropor – haben auch ihren Wert. Nirgendwo sonst kann man nämlich so viele bekannte Statuen miteinander vergleichen. Und klar sehen, dass schon die alten Griechen munter voneinander abschrieben.

Kopien interessieren auch Oliver Laric. Ausgehend von unserer zeitgenössischen Kopierfreude, von der vielfältigen Remix-Kultur des Internets, landete der Österreicher, der in Berlin lebt und Kunst schafft, bald bei Werken des Mittelalters und schliesslich gar in der Antike. Denn das Kopieren, das kennt man schon lange. Deshalb wanderte Laric bei einem seiner Baselbesuche auch in die Skulpturhalle. Und war begeistert. So begeistert, dass er den Plan fasste, genau hier für eine Ausstellung seine Werke zu integrieren. Raffael Dörig, Kurator am Haus für elektronische Künste, half ihm dabei. Die beiden kennen sich von einer Plug.in-Ausstellung her.

Nun rollen zwischen den körperbetonten Gipsfiguren bunte Köpfe umher, und statt auf Sockeln haben einige Statuen ihre Füsse auf Videomonitoren postiert. Die Köpfe hat Laric vor Ort in der Skulpturhalle geschaffen. In deren Abgusswerkstatt hat er sich den Häuptern von Hermes, Herakles und einer Amazone genähert. Abgussformen wieder zu verwenden ist eine der einfachsten und ausserdem legitimierten Formen des Kopierens – genauso wie die Zeichner im Walt Disney-Studio für verschiedene Trickfilme dieselben Bewegungsvorlagen benutzten und schlicht unterschiedliche Charaktere drüberstülpten. Auch dies zeigt Laric.

Kopieren, das hat im ersten Moment etwas Anrüchiges. Einfacher kann mans gar nicht machen, denkt man. Wo bleibt denn da die Originalität? Ob in China Autos produziert werden, die aussehen wie ein BMW, oder im Internet in Datenbanken diverse Bilder zur Verfügung gestellt werden, die jedermann zur eigenen Benutzung runterladen kann – man kann drüber diskutieren, ob etwas mehr Individualität nicht identitätsbildender wäre. Das Verhältnis von Kopie und Original jedenfalls eröffnet ein spannendes Themenfeld. Dies zeigt Laric mittels weniger, aber prägnanter Anstösse. Warum also nicht mal anhalten, wenn man an der Skulpturhalle vorbeifährt? Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. August!

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Ein Kommentar zu “Kopieren ist nicht (nur) billig”

  1. Serienfan sagt:

    Warum auch nicht. So kommt man in den Genuss der vielen bekannten Statuen. Finde ich gut