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…und sie hängen wieder

karen gerig am Mittwoch den 15. Juni 2011

Kunsthalle-Direktor Adam Szymczyk äussert seine Meinung vor Pedro Wirz' Holzstelen an der Rückwand der Kunsthalle.

Die Vernissagen zu den Werken, die an der Rückwand der Kunsthalle präsentiert werden, laufen meist gleich ab: Der Kunsthallen-Direktor spricht erst ein paar Worte, dann vielleicht noch der Künstler. Thema der Reden: Das Werk. So sollte es sein. Heute gestaltete sich der Empfang etwas anders. Zwar redeten Direktor und Künstler, wie es sich gehörte, doch Hauptthema der ersten Rede von Adam Szymczyk war nicht das sich in seinem Rücken befindliche Werk, sondern das letzte Wochenende. Eine «Fussnote der Geschichte» sei sie inzwischen, jene Nacht vom Samstag auf den Sonntag, als das bereits aufgebaute Werk von Pedro Wirz von Vandalen zerstört wurde. Umso erfreuter und gleichzeitig entschlossener zeigte sich der Kunsthallen-Direktor bei seiner Rede. «Die Freiheit der öffentlichen Meinungsäusserung darf nicht verhindert werden», sprach er und erntete spontane Bravo-Rufe aus dem Publikum. In einer Stadt, die sich mit dem Slogan «Culture Unlimited» anpreise, dürfe man solcherlei nicht akzeptieren.

Die Holzstelen indes zeigten sich fast ohne Makel. Sie wurden repariert und neu befestigt, die Schadensspuren bei einigen von ihnen sichtbar. Eine einzige der acht ursprünglichen Skulpturen fehlte – sie war nicht mehr zu kleben. Bei den Holzarbeiten handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt. Pedro Wirz als Initiant war als einziger bei allen Stelen beteiligt. Für jede einzelne lud er einen Kollegen oder eine Kollegin ein, um sie gemeinsam zu gestalten. Dies geschah mittels des bekannten Faltspiels: Einer beginnt eine Zeichnung, dann wird umgefaltet, der zweite ergänzt usw. Geschnitzt wurden sie dann im Kunstbetrieb in Münchenstein.

Wirz selber ist inzwischen über den Vandalenakt vom letzten Wochenende gar nicht mehr so unglücklich. Die Stelen hätten nun an Geschichte dazu gewonnen. Trotzdem hätte er gerne auf die ungewollte doppelte Anstrengung verzichtet. Verdenken kann man es ihm nicht. Und hoffen, dass die Stelen nun wenigstens unbeschädigt hängen bleiben.

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