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Glückliche Kunst aus Japan

Joel Gernet am Mittwoch den 15. Juni 2011


«I am lucky» sagt Gemi kichernd während er barfuss vor dem überlebensgrossen Acrylbild eines elfenhaften Mädchens steht. Der 22-Jährige ist glücklich, dass er Glück hatte und auserwählt wurde, um in Basel mit dabei zu sein. Er ist einer von zwei jungen Malern, die der bekannte japanische Künstler Takashi Murakami (er hat u.a. die Kanye West-CD «Graduation» illustriert) für seine Sonderausstellung an die VOLTA7 in die Dreispitzhalle mitgenommen hat. Es ist «das europäische Debut einer neuen Generation japanischer Künstler», wie es im Volta-Pressetext heisst.

Nun steht er also sanft lächelnd vor seinem Werk, der Vertreter dieser neuen Kunstgeneration. Für das Gespräch, das via Dolmetscher geführt wird, hat er seine Arbeit kurz unterbrochen. Das Gemälde scheint kurz vor seiner Vollendung zu stehen: Ein elfenhaftes Mädchen, gemalt im Stil der Manga-Comics. Die Kleidung des Wesens erinnert an die Schuluniformen, wie wir sie aus Filmen aus Japan kennen. Das Mädchen steht vor (oder in?) einem Bach und ist umgeben von Bäumen – ein idyllisches Bild wie aus einem Traum. Oder aus einem Märchenbuch. Der Kontrast zu den Katastrophenbildern, die uns seit einem halben Jahr aus Japan erreichen könnte kaum grösser sein.

Dieser Gegensatz ist kein Zufall – im Gegenteil. «So wie die japanische Regierung die Katastrophe schön redet, will ich in meinen Bildern meine Vergangenheit mitsamt der dunklen Erfahrungen zu etwas Schönem machen», erklärt Gemi via Übersetzer. Seine Antwort ist für einem aussergewöhnlich lang. Er sehe einen Zusammenhang zwischen der Krisen-Kommunikation der japanischen Regierung und seiner Herangehensweise an die Kunst. Der junge Künstler ist sich seiner Situation und der seines Landes offensichtlich sehr bewusst. Und er gibt sich so, wie man es in Japan immer zu tun scheint: Mit einem Lächeln im Gesicht – auch wenn sich dahinter vielleicht zusammengebissene Zähne verbergen.

Obwohl sich Gemi mit konkreten Aussagen zur Katastrophe in Japan zurückhält, ist er Teil eines Projekts, das eben diese Misere thematisiert. Oder besser gesagt: Die Auferstehung nach der Misere. «Kiki’s New Day Charity Project» heisst Murakamis Sonderschau. Sie ist Teil der «New Day»-Initiative, mit welcher der Japaner Künstler motiviert, die Situation in Japan mittels Bildern, Fotos und Texten zu verarbeiten – gesammelt werden die kreativen Beiträge auf der japanischem Künstler-Community pixiv.net, einer Art Twitter für Künstler. Dank diesem Forum hat Gemi damals auch den Schritt vom Manga-Illustrator zum Maler vollzogen: Pixiv ist nämlich – wie es der Zufall so will – eines von Murakamis Projekten. Hier wurde der Altmeister auf den jungen Gemi aufmerksam. «Die Begegnung mit Takashi Murakami hat mir die Augen für die Kunstwelt geöffnet», lässt der 22-jährige Künstler durch seinen Dolmetscher ausrichten. Und jetzt ist er – wie gesagt – glücklich, in Basel zu sein. Auch wenn er von der Stadt noch nicht viel gesehen hat.

Volta7: Mo. 13. Juni bis Sa. 18. Juni, 10-18h
Dreispitzhalle, Helsinkistrasse 5, 4053 Basel

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