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Schweighöfer mit Biss

Fabian Kern am Donnerstag den 6. Februar 2014

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

Eines steht fest: Matthias Schweighöfer hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden. Aber der Blondschopf ist mit Abstand deren produktivster Vertreter. Kaum hat sich der 32-Jährige mit «Schlussmacher» und «Frau Ella» aus den Kinos verabschiedet, bevölkert er sie schon wieder. «Vaterfreuden» heisst sein neuster Wurf, und er bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als man von einem Schweighöfer erwarten kann. Denn im Gegensatz zu seinem Kumpel Til Schweiger, der vor ihm prägend für die deutsche Schnulze war, hat Schweighöfer keine qualitativen Ausrutscher. Kein Wunder, denn schauspielerisch agiert Schweighöfer ein bis zwei Etagen höher als Schweiger. Die Steigerung von Schweiger ist Schweighöfer.

Keine Freunde: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Bissige Beziehung: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Für einige Anleihen bei «Keinohrhasen» und «Kokowääh» ist sich der 32-Jährige dennoch nicht zu schade. Denn wie gesagt: Er hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden – und will es auch gar nicht. Angesichts einer für den Plot nicht ganz unwichtigen tierischen Nebenfigur hat Schweighöfer wohl auch über den grossen Teich gelinst. Das Frettchen in «Vaterfreuden» erinnert doch stark an jenes aus «Along Came Polly». Während besagter Nager von Jennifer Aniston aber ziemlich harmlos ist, muss man bei Carsten schon mal sein bestes Stück einziehen – zumindest, wenn es gerade mit Honig beträufelt wurde. Denn das ist Carstens Leibspeise. Leider passiert Felix (Schweighöfer) aber genau das, und das erst noch mit Handschellen ans Bett gefesselt. Der notorische Frauenheld wird lebenslang für diesen Fauxpas büssen müssen, denn Carstens Zähne haben ihn seine Zeugungsfähigkeit gekostet.

Fruchtbare Geschichte: Felix und Henne beim Arzt.

Fruchtbare Sache: Felix und Henne beim Arzt.

Was grundsätzlich kein Problem wäre, da Felix ein überzeugter Single ist. Aber mit dem Abschied der Kronjuwelen kommt im Gegenzug der Kinderwunsch. Gut, hat sich Felix kurz vor dem Unfall von seinem  ebenso nervigen wie unerwünschten Bruder Henne (Friedrich Mücke) zur Samenspende hat überreden lassen. Und weil dieser ein schlechtes Gewissen hat, dass ausgerechnet sein Haustier den Bruderherz die Männlichkeit gekostet hat, lässt er sich auch nicht von der Anonymität der Fruchtbarkeitsklinik abschrecken und findet heraus, dass Felix’ Samen bereits den Weg in einen Uterus gefunden hat – jenen von Maren (Isabell Pollak), Münchens beliebtester Sportmoderatorin. Nur hat die Schöne nicht auf Felix gewartet, sondern plant ein dreisame Zukunft mit ihrem Verlobten, dem Yuppie Ralph (Tom Beck) und dem ungeborenen Kind. Aber der verhinderte Vater hat sich in den Kopf gesetzt, im Leben seines wohl einzigen Kindes eine Rolle zu spielen.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Natürlich, einen Filmpreis wird der Streifen nicht absahnen. Dafür ist er zu oberflächlich und gibt es zu viel derben Humor und zu viele vorhersehbare Slapstick-Einlagen. Natürlich, einiges kennt man aus anderen Filmen. Das ist in diesem Genre nicht ungewöhnlich. Natürlich, wenn man selbst Kinder hat, muss man einige üble Klischees aushalten. Alles in allem aber ergibt das einen gefälligen Mix mit einem authentischen Charme. Muss man denn überhaupt um jeden Preis bahnbrechend sein? Muss man die deutsche Liebeskomödie neu erfinden? Nein. Wer sie bisher nicht geschaut hat, wird sie auch jetzt nicht schauen – ausser Mann wird von der Partnerin dazu genötigt. Und das bisherige Stammpublikum wird am neusten Schweighöfer seine Freude haben.

«Vaterfreuden» läuft ab 6. Februar 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. Februar: Der Goalie bin ig, RoboCop, Free Birds, Mandela: Long Walk to Freedom.

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