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Kunst hören statt sehen – weils Spass macht

karen gerig am Mittwoch den 18. Mai 2011

Kunst hören in der Kunsthalle Basel.

Das Wort «Sch…» kann schon mal fallen, wenn Jugendliche sich Kunst anschauen. So darf man auch nicht verwundert sein, wenn das Wort erklingt, wenn Jugendliche einen Audioguide zu einer Ausstellung erarbeiten. «Lautstark» nennt sich ein Kunstvermittlungsprojekt, bei dem diejenigen, denen Kunst vermittelt werden soll, diese zu diesem Zweck weitervermitteln – getreu dem Motto: Man lernt am besten, wenn man etwas erklärt.

Zeitgenössische Kunst zu erklären ist oft keine einfache Sache. Die Broschüren, die in den Museen zur Information aufliegen, sind deshalb nicht selten ziemlich dick. Wer etwas über das Gezeigte erfahren will, muss nicht nur gucken, sondern auch lesen. Mit ihrem Audioguide zur Ausstellung «How to work» in der Kunsthalle Basel (zweisprachige Broschüre mit 28 Seiten) nimmt uns die Klasse 2Z des Gymnasiums Muttenz diese Lesearbeit ab. Kopfhörer auf, iPod eingestöpselt, Play gedrückt, und los geht die Reise. Welchen Weg wir dabei durch die Kunsthalle nehmen, ist egal – die Werke werden nach Künstlern geordnet besprochen.

Nun könnte man es sich einfach machen und das Medium Audioguide zur reinen Information über Künstler und Werk nutzen. Doch auch für die Schülerinnen und Schüler wäre das Erstellen und Lesen von trockenen Saaltexten nicht sehr erbaulich gewesen. Stattdessen haben sie vielfältige Herangehensweisen gewählt. Zu den Werken von Adrian Melis etwa klingt uns zuerst Fidel Castros Ideologie einer idealen Gesellschaft ins Ohr, um abgelöst zu werden von einer Nachrichtensprecherin, die uns die tatsächlich vorherrschenden Verhältnisse in Kuba schildert. Pamela Rosenkranz und Raphael Hefti äussern sich zu ihren Arbeiten gleich selbst, während etwa zu den Fotografien von Tobias Kaspar ein fiktiver Dialog, angelehnt an die Werktitel, in Englisch ertönt. Vor Pratchaya Phinthongs Haufen zimbabwischer Banknoten inszeniert die Schulklasse einen Raub, der mit dem Gelächter eines Polizisten über die Wertlosigkeit der Beute endet. In diesem Zusammenhang fällt dann eben auch das eingangs erwähnte «Sch»-Wort.

Stören tut uns dieses Wort aber nicht, genauso wenig wie die unterschiedliche Qualität der Wortbeiträge. Es muss ja nicht alles perfekt sein. Schliesslich macht das Hören des Audioguides Spass, wir haben viel erfahren und gelernt. Mission somit gelungen. Wir drücken zufrieden die Stopptaste.

«Lautstark, Teil 3» gibts noch bis 22. Mai in der Kunsthalle Basel zur laufenden Ausstellung «How to work».

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