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Wie eine blühende Blume am Strassenrand

Joel Gernet am Montag den 16. Mai 2011

Glory, nt/areal, Basel 2009.

«Ein Graffiti muss in die Umgebung passen», sagt Fotograf Jens Oldenburg beim Besuch in seiner Kleinbasler Altbauwohnung. Um zu zeigen, was er meint, blättert der 49-Jährige in seinem Fotoalbum und zeigt das Bild einer alten, von Farbschmierereien überzogenen Eisenbahnbrücke.

«Das ist ja kein schönes Graffiti, aber hier machen die Farbe und die Umgebung das Gesamtbild aus», erklärt der Wahlbasler. Was andere als Schmiererei und Vandalismus beschimpfen, fasziniert Oldenburg.

Von der Naturfotografie her kommend, hat sich der Deutsche in den vergangenen Jahren der urbanen Ästhetik zerfallender Bauten zugewendet. Dies zeigt ein Blick auf die knapp dreissig Bilder, die Oldenburg ab heute im Kleinbasler Union zeigt. «Die Ausstellung ist ein Querschnitt durch meine Werke», erklärt der Fotograf. Aufgewachsen im norddeutschen Bremen, lebt Oldenburg seit vier Jahren in Basel. Die Liebe hat ihn ans Rheinknie gelockt. Von hier aus macht er sich – mit Kamera und Stativ – auf zu den Basler Industrieruinen («der Abrissprozess interessiert mich») – wenn er denn nicht gerade mit einem 40-Tönner quer durch Europa fährt. Rund zehn Tage pro Monat arbeitet der Deutsche nämlich als Lastwagenchauffeur, für ihn die ideale Ergänzung zu seiner Arbeit als Fotograf.

St. Goldrush. Alter Hafen St. Johann, Basel 2010.

St. Goldrush, alter Hafen St. Johann, Basel 2010.

Manche Bilder von Oldenburg sehen aus wie einem Computerspiel oder einem Film entsprungen. Urbane Ruinen in düsterem, grauem Endzeit-Ambiente. Und mitten drin: Graffiti, so farbenfroh wie eine blühende Blume am Strassenrand. Seit rund zwei Jahren interessiert sich der 49-Jährige auch für Graffiti und Streetart (und das, obwohl er keinen direkten Kontakt zur Sprayer-Szene hat).

Schuld daran ist das Kleinbasler nt/areal, wo Oldenburgs Blick 2009 an den Graffiti-verzierten Freiflächen hängen blieb. Inspiriert durch das Zusammenspiel zwischen den farbigen Wandmalereien, dem Industrie-Charme des ehemaligen DB-Güterbahnhofs und der wuchernden Natur, die sich ihren Boden zurückerobert, begann der Fotograf damit, diese Kontraste mit der Kamera festzuhalten. «Ich finde gut, dass Gegenden, die eigentlich gar nicht mehr gebraucht werden, genutzt und hübsch gemacht werden», erklärt Oldenburg.

Welcome, Ko Phi Phi, Thailand 2010.

Um die Kontraste noch besser auszureizen, bedient sich Oldenburg der HDR-Technik. Das steht für «High Definition Range» und bedeutet, dass ein Bild aus mehreren, unterschiedlich stark belichteten Fotos zusammengesetzt wird. Abschliessend gibt der Fotograf seinen Werken am Computer den letzten Schliff. «Ich würde bis zu meinem Lebensende vor dem Computer sitzen und das alles unperfekt finden.» Solange dauert es bei Oldenburg dann schlussendlich doch nicht – aber bis zu fünfzehn Stunden können schon einmal in die Bearbeitung eines Bildes investiert werden.

Ein Querschnitt durch Oldenburgs Schaffen wird bis am 21. August im Kleinbasler Union gezeigt. Zu sehen gibt es dabei u.a. neue Bilder aus Thailand. Auch dort hat der 49-Jährige Momente des Zusammenspiels von Graffiti, Natur und Industrie aufgespürt – und abgelichtet.

Fotos von Jens Oldenburg. Union, Foyer/Restaurant/Oberer Saal, Klybeckstr. 95, Basel. 16. Mai bis 21. August. Vernissage: Mo. 16. Mai, 17h.

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