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Fünf betrunkene Affen und ihre Ü-Kultur

karen gerig am Freitag den 13. Mai 2011

Die «5 drunken monkeys»: Beatrice Kern, Michael E. Graber, Béla Riethausen (v.l.n.r.). (Foto Fee Peper, Arts Vivants Produktionen)

Verabredet man sich mit den «5 drunken monkeys», so trifft man drei Leute: Beatrice Kern, Michael E. Graber und Béla Riethausen. Die Frage liegt dann nahe: «Wieso 5?» «Man braucht immer jemanden, auf den man die Schuld schieben kann», antwortet Beatrice Kern. Bei den «5 drunken monkeys» sind das zwei Unsichtbare. Einer davon hat gar einen Namen, Ulf heisst er. Und der zweite? «Müssen wir noch taufen», sagt Kern. «Aber es soll eine Frau sein, finde ich.» Fünf sind sie also nicht, Affen auch nicht, und betrunken erscheint auch keiner. «Uns gefällt der Name, weil es bei uns um das Affentheater geht, das die Welt auch ist», erläutert Kern. «Weil zu unserer Arbeit auch das umejoggle gehört», ergänzt Graber.

«So ernst nehmen wir uns schon nicht – wie denn auch?», schreiben die Drei auf ihrer Website. Ernst ist es ihnen aber schon mit ihrer Arbeit. Alle sind sie seit jeher mit dem Theatervirus infiziert, da gab es kein Zurück, damit musste man was machen. Und jeder machte was, vor oder hinter der Bühne, allein zuerst. Vor zwei Jahren begannen sie damit, zusammen zu arbeiten – frei zuerst, ungeordnet, will heissen, ohne «rechtliche Ordnung». Vor bald einem Jahr organisierte man sich dann als Verein, auf dass die Ordnung gewährleistet sei. Während Graber und Riethausen hauptsächlich schreiben und auch mal auf der Bühne stehen, waltet Kern öfter mal als Dramaturgin, ist vor allem aber die Netzwerkerin der Truppe. Ein wichtiger Job, denn eine so junge Theatergruppe macht vor allem eins: Stücke schreiben, das Personal dafür auftreiben, Räume suchen, Geld beschaffen.

Ein grösseres Stück haben sie in der kurzen Zeit unter dem Label «5 drunken monkeys» realisiert, das von Graber geschriebene «Unbeaufsichtigtes Gepäck (wird vernichtet)». In Basel sucht man dafür immer noch die passende Bühne, in Aarau und in Bern hat man es schon aufgeführt. Daneben gibt es immer wieder szenische Lesungen, eine davon heute Abend im Safe des Unternehmens Mitte. «Condition Hélvetique» heisst sie, und eigentlich sollte es um Geld gehen. «Ist einer der Texte überhaupt noch zum Thema Geld?», fragt Graber. «Doch, einer», antwortet Riethausen. Die beiden sind hauptverantwortlich für die vorgetragenen Texte, andere stammen von Gregor Szyndler oder Heinz Erhardt. Untermalt wird die Lesung mit Musik.

«Fingerübungen» nennen die monkeys diese Lesungen. «Sie dienen auch dazu, unser Label bekannter zu machen», sagt Graber. Wo positionieren sich denn die «5 drunken monkeys»? «Irgendwo zwischen U- und E-Kultur», sagen sie. «Wir machen also Ü-Kultur.» Man kann es auch intelligente Unterhaltung nennen. In einem von Graber geschriebenen Ein-Frau-Stück, das später im Jahr aufgeführt werden soll, geht es um eine Frau, die eine soeben geschlossene Männerbekanntschaft analysiert. Sie stellt sich vor, was sein könnte, reflektiert, was nicht da ist, projiziert, was sie gerne haben würde. «Es geht um die Liebe», sagt Graber und lacht plötzlich: «Es geht immer um Liebe.» Oder um das Sein, wie bei Hamlet, dem Riethausen sich aktuell widmet. Die «5 drunken monkeys» zumindest sind. Und werden sein – wenn man sie lässt in dieser Welt, die etwas Affentheater immer brauchen kann.

Der szenischen Lesung «Condition Helvétique» kann man heute Freitag, 13. Mai, im Tresor im Unternehmen Mitte, ab 20 Uhr lauschen.

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Ein Kommentar zu “Fünf betrunkene Affen und ihre Ü-Kultur”

  1. Hans Zimmermann sagt:

    lächerlich…