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Das Theater mit dem Theater

karen gerig am Montag den 24. Januar 2011

Kaum einer, der sich im Vorfeld der Baselbieter Abstimmung zum Theaterreferendum nicht zu Wort meldet. Auch von uns wurde von mehreren Seiten eine Stellungnahme gefordert. Wir vom Schlaglicht sind uns einig, dass ein Ja zum Theater unabdingbar ist. Unsere persönlichen Gründe und Argumente dafür sind hingegen vielgestaltiger und erinnern an die Argumente der unzähligen Gastbeiträge und Wortmeldungen in verschiedenen Medien der letzten paar Wochen.

Nur etwas für die Basler und Baselbieter Elite? Das Theater Basel. (Foto Lucian Hunziker)

Die Gegner der Subventionserhöhung fürs Theater Basel nutzen vordergründig finanzielle Argumente: Baselland müsse sparen, da sei die Verpflichtung auf höhere Ausgaben hirnrissig. Basel könne vom «Goldesel Baselland» nicht mehr und mehr verlangen. Solle man doch die Eintrittspreise erhöhen. Die Befürworter halten mit anderen Zahlen dagegen: 44,5 Prozent der Abonnenten des Theaters kommen aus dem Baselbiet, mehr als aus Basel-Stadt (41,3 Prozent). Trotzdem bezahle Basel mit 37,1 Millionen Franken den Löwenanteil der Subventionen, Baselland würde nach der Erhöhung der Subventionen 8 Millionen bezahlen – ein deutliches Ungleichgewicht.

Diese auf Zahlen beruhenden Gedankengänge könnte man auf beiden Seiten weiterführen. Man könnte anmerken, dass viele Baselbieter ihren Lohn in Basel-Stadt abholen, ihre Steuern aber auf dem Land bezahlen. Dass nur ein kleiner Teil der Baselbieter tatsächlich ins Theater Basel pilgert. Dass, wenn die Eintrittspreise erhöht werden müssten, nur noch Gutverdiener die Vorstellungen besuchen könnten, das Theater dadurch Zuschauer verlieren würde und wiederum weniger Geld zur Verfügung hätte.

Doch sind Zahlen und Budgetfragen die richtigen Argumente? Oder soll man stattdessen das Ansehen des Theaters ins Felde führen, die Auszeichnungen, die es erhalten hat? Den Leistungsauftrag, den es erfüllen muss? Die Spitzenleistungen, die das Theater erbringt? Soll man ans Verantwortungsbewusstsein des Stimmvolkes appellieren? Ans Partnerschaftsverhältnis, das bekanntlich auch in anderen Belangen leidet? Darf das Hauptargument sein, dass das Theater Basel am Ende wäre, wenn die Subventionen nicht erhöht würden?

Hoffen gemeinsam: Theaterdirektor Georges Delnon (l.) und der Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich-Pelloli. (Foto Margrit Müller)

Es hat wohl jedes Argument, ob pro oder kontra, in dieser Diskussion seine Berechtigung. Grundsätzlich geht es bei der Abstimmung aber um Solidarität – ein Grundwert, der in unserer Gesellschaft stetig schwindet. Egal, ob es ums Gesundheitswesen, um die Altersvorsorge oder eben um Kulturfragen geht. Eine der zentralen Fragen heutzutage scheint zu sein: Warum soll ich für etwas bezahlen, wovon ich nicht profitiere? Mein Nachbar will ins Basler Theater? Soll er, doch dann soll ER dafür zahlen. Doch auch diese Argumentationslinie führt uns nicht viel weiter. Denn irgendwann gelangt man damit ad absurdum. Keiner kann nur für das bezahlen, was er selber nutzen will.

Urs Wüthrich, Baselbieter Kulturdirektor, sagt heute Montag in der BaZ: «Kultur ist nicht einfach nice to have. Kultur ist lebenswichtig. Ohne Kultur ist man heimatlos.» Das widerspiegelt nicht nur seine Meinung. Kultur ist daneben auch ein anerkannter Wirtschafts- und Standortfaktor. Kultur ist vielfältig, dazu gehört der Dorfverein genauso wie das Theater Basel. Doch ist auch dies wiederum eine subjektiv gefärbte Meinung.

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4 Kommentare zu “Das Theater mit dem Theater”

  1. Rose sagt:

    Das Theater Basel ist ein Publikumsabschreckungsmittel par excellence. Ich gehe generell recht viel ins Theater, obwohl ich das Theater Basel tunlichst vermeide. Ich investiere aber lieber in ein Easyjet Ticket und fahre nach London ans WestEnd. Wieso? Weil dort für alle Leute etwas geboten wird. Manchmal habe ich Lust auf intellektuell anspruchsvolle Unterhaltung, aber manchmal möchte ich auch nur meinen Spass haben, manchmal möchte ich eine traditionelle Shakespeare Aufführung oder eine opulente Oper sehen, ein albernes Musical und dann wieder ein nüchternes Kammerspiel, wo nichts von der schauspielerischen Leistung ablenkt. Theater ist etwas Grandioses, mit einer grossen Diversität und Bandbreite an Kunstformen, welches in Basel kaputtgemacht wird. Einzig das Ballett ist hervorragend.

    Das Theater Basel bietet mir sonst nur äusserst selten etwas. Ich habe mich bei der Mehrheit der Aufführungen, die ich letzes Jahr besucht habe genervt, gelangweilt oder mich über die gezwungene Intellektualisierung, die Verkrampfheit mit der man schockieren will, die miserablen Bühnenbauten und Kostüme, die gekünstelte Inszenierung amüsiert. Ich möchte nicht ins Theater gehen, weil ich mich intellektuell fühlen möchte, sondern weil ich unterhalten werden möchte (und das darf durchaus auch anspruchsvoll sein). Für mich hat das Theater keinen Bildungsauftrag, welches einem vergeistigtem Klischee entsprechen muss, dass Einfaches unnötig verkompliziert und unerträglich macht. Die Unterscheidung von E und U im deutschsprachigen Raum führt dazu, dass ein Theaterbesuch in Basel wie auch in vielen anderen Städten mit einer Beerdigung zu vergleichen ist. Man überlegt sich, was man anziehen soll. Man geht pflichtbewusst hin. Man langweilt sich und denkt während der ganzen Zeit an was Anderes und schwört sich nie wieder an so eine Veranstaltung zu gehen. Und geht dann doch wieder hin.

    Ich kann verstehen, dass Baselland nichts mehr zahlen will.

    Übrigens treten am WestEnd momentan Keira Knightley und Elizabeth Moss in einer Aufführung von “The Children’s Hour” auf. Muss ich mir ansehen und es wird sicher gut sein, auch wenn zwei Hollywood actricen die Hauptrollen spielen.

  2. Robert BS sagt:

    Wie stand es denn in der BaZ vom 18.01.2011: “Sparmöglichkeiten sieht Delnon keine – «wir sind am Anschlag». Einen Plan B für den Fall, dass das Theater die Abstimmung verlöre, habe das Haus ebenso wenig.”

    Nun ja, wer sich derart arrogant um das Resultat der BL Abstimmung foutiert und zudem seinen Job – nämlich verschiedene Alternativen im Vorfeld auzuarbeiten und diese zu präsentieren – nicht macht, der muss sich dann nicht wundern wenn der/die Baselbieter/in sich dann ebenfalls darum foutiert ! Jeder halbwegs gut ausgebildete und erfahrene Manager ist der Meinung, dass es mit nur einer eizigen Alternative, rein gar nichts zu entscheiden gibt, ergo das Vorhaben abgelehnt wird – bis Alternativen, Handlungsspielräume ausgearbeitet worden sind.

    So wie das Thema präsentiert wird, ist es doch im Grunde polemisch: Wir brauchen die 17Mio. und sonst geht gar nichts mehr. OK ! Ich stimme NEIN – und bin überzeugt dass dan nicht “gar nichts mehr” geht, sondern erst dann auf einmal die Handlungsalternativen aus der Schublade hervorgeholt werden – im Sinne: “Man kann es ja mal probieren, alles auf eine Karte zu setzten und sehen mal, wie das dann rauskommt”.

    1.) Ist das keine professionelle Verhaltensweise eines Managers/Direktors.
    2.) Ist darin nicht viel eines demokratischen Grundverständnis zu erkennen.
    3.) Schadet diese dem interkanontalen BS/BL Verständnis und unserer Zusammenarbeit.

    Es ist nicht nur Wichtig was und wie die Tatsachen sind, sondern es ist eben auch wichtig wie sich die Menschen die as an der Urne entscheiden dabei fühlen. Wenn diese sich nicht ernstgenommen fühlen (nur eine Alternatve) und sich fast genötigt fühlen dem zu zustimmen, dann ist Widerstand vorprogrammiert (viell. mal Psychologen fragen !) !!!

    Der/Die Bauer/in in Bennwil, Weislingen, Buckten oder Waldenburg, möchte doch ganz gerne ebenso wie der/die Angestellte in Sissach, Gelterkinden, Liestal oder Aesch wissen, was es 1.) für es für Alternativen zu den 17 Mio. gibt und 2.) was er für sein Steuergeld an Gegenleistung erhält (sofern er am theater interessiert ist !

    Das wäre die Aufgabe von Hr. Delon und nicht lapidar zu sagen “Ich habe keinen Plan B” und ich hoffe gemeinsam mit dem Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich-Pelloli ! Macht euren Job, dann gewinnt Ihr auch Verständnis und Symphatien. …und zu leteren Hr. Wüthrich: Ich habe sie nicht gewählt, damit sie lediglich “hoffen” – das kann ich auch selbst und brauche daher keinen “Hoffungsvertreter” im Regierungsrat !

    mfG

  3. Ralph P. sagt:

    Was ich bei der Theaterdiskussion immer wieder feststelle, und das illustrieren die beiden vorherigen Beiträge erneut: Es wird um inhaltliche Fragen gestritten, dabei geht es — zumindest jetzt unmittelbar — gar nicht um Inhalte, sondern einzig darum, ob der Kanton Baselland weiterhin einen unverschämt kleinen Beitrag oder einen etwas weniger unverschämt kleinen Beitrag an eine kulturelle Institution leisten soll, die anerkanntermassen weit über die Region hinausstrahlt. Die Partei, die das Referendum gegen die Subventionserhöhung ergriffen hat, hätte dies übrigens in jedem Fall getan, egal was für ein Theater am Theater gemacht wird. Und zwar darum, weil sie kulturellem Schaffen, egal in welcher Ausprägung, grundsätzlich feindlich gegenübersteht. Diese destruktive, kulturfeindliche Haltung gilt es am 13. Februar zu bekämpfen. Über alles andere, auch über Inhalte, kann man nach der Abstimmung reden.

  4. Wiederkehr Urs sagt:

    So lange das Theater Basel für sich und nicht für das Publikum spielt, soll Baselland diese 17 Millionen nicht bezahlen. Ich war früher unter Horst Stattkus, als das Theater über 300’000 Besucher in einer Spielzeit hatte, häufiger Gast mit mehreren Abonnementen. In den letzten Jahren und vor allem heute gibt es Spielzeiten, da gehe ich zwei, dreimal oder auch gar nie hin. In dieser Spielzeit habe ich “My fair Lady” und “Pique Dame” gesehen, musikalisch in Ordnung, aber ansonsten farblos, langweilig und man konnte es kaum erwarten, dass es endlich ein Ende gefunden hat. Diese beiden Besuche fanden vor einem Drittel besetzten Haus statt. Eine erbärmliche Situation für die Sänger, die alles geben, und auch für die Zuschauer, die in einem Saal sitzen, wo keine Stimmung aufkommt. Der Titel zum Opernhaus des Jahres, den nun das Theater Basel zum zweiten Mal erhalten hat nützt niemanden, wenn keiner hingeht. Wenn ich bedenke, was der Rest der Spielzeit noch bringt, dann gehöre ich von den Stücken her auch nicht mehr zu den Besuchern.
    Das Theater ist in der unteren Preiskategorie viel zu teuer, die Preise bewegen sich in der Oper zwischen 50 und 60 Franken. Es gibt einfach viele Leute, die können sich das schlicht nicht leisten. Dann liegt Basel im Dreiland mit zwei Ländern, für die ein Theaterbesuch in diesen Preiskategorie einfach nicht bezahlbar ist. Als das neue Haus in der Spielzeit 75/76 eröffnet wurde, hiess es; der günstigste Platz im Theater darf einen Kinoeintritt nicht überschreiten. Ein Kinoeintritt kostet heute um die 19 Franken und nicht zwischen 50 nd 60 Franken. Schüler und Studenten können sich im Vorverkauf und an der Abendkasse günstige Karten kaufen, aber es gibt auch noch andere Personen, die gerne mal zu einem erschwinglichen Preis ins Theater gehen würden.
    Regelmässig kommt die Idee auf, Auswärtige sollen für Ihre Karten mehr bezahlen als Personen, die in Basel wohnen. Was soll dieser Blödsinn?! Wenn ich nach Freiburg, Mulhouse, Bern, Zürich, London oder New York in die Oper gehe, fragt mich auch keiner, woher ich komme, sondern ich bezahle den Preis wie alle andern auch.
    Ich wünsche dem Theater für die Zukunft, dass es auf die Wünsche der bezahlenden Besucher eingeht, dass das Theater wie früher jeden Abend voll ist, als man um Karten kämpfen musste, wie zur Zeit der vorletzten “Aida”, “Turandot”, “Lucia di Lammermoor” oder “Madama Butterfly” (die beiden letzten unter der Regie von Auvray). Dann bin ich überzeugt, dass die Ränge wieder voll sein werden.