Wermuths Frauenproblem

Frauen predigen, selber kandidieren: Der Aargauer SP-Ständeratskandidat Cédric Wermuth erklärt, wie das geht. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Cédric Wermuth steht beim Kampf für mehr Frauen in der Politik an vorderster Front. Trotzdem will der SP-Nationalrat den Ständerratssitz von Mitgenossin Pascale Bruderer im Herbst 2019 erobern – und stellt sich damit gegen Parteikollegin und Mitbewerberin Yvonne Feri.

Wie das geht, erklärt Wermuth in Zeitungen und sozialen Medien gleich selber:

«Trotzdem gibt es natürlich enormen Spielraum in unserem individuellen Verhalten – gerade auf der Seite der Privilegierten (das wären dann Männer, vor allem weisse).» Zur Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

«Dass wir in der Schweiz in Parlamenten und Regierungen überhaupt einen namhaften Frauenanteil haben, ist ausschliesslich der Linken zu verdanken.» Zu Frauen in der Politik.

«Ich will entscheiden können, wer kompetenter ist und mir politisch näher steht. Ich will nicht auswählen müssen zwischen Mann und Frau.» Zu reinen Frauenkandidaturen bei Vakanzen.

«Die Geschlechterfrage ist nur dann überwunden, wenn man sie nicht zum Auswahlkriterium macht. Ich hätte mir deshalb eine Frauen-Doppelkandidatur gewünscht(…).» Zur Nachfolge von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter.

«Ich habe aber Mühe mit Quoten, die einen Frauenanteil von 30 Prozent anstreben. Entweder sagt man halb-halb oder lässt es sein.» Zu Frauenquoten in der Politik.

«Wir werden den Sitz nicht kampflos aufgeben. Versprochen.» Zum Rücktritt der Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer.

«Die Ignoranz der alten, weissen Patriarchen im Ständerat lassen wir uns nicht bieten!» Zur Debatte des Ständerats um Lohndiskriminierung

«Warum denken Journalisten offenbar nie an die Frauen in der Fraktion?» Zur Nachfolge von SP-Parteipräsident Christian Levrat.

«Wenn jemand seinen Job erledigt hat in der Gleichstellungsfrage, dann ist es die SP Aargau.» Zum Wahlkampf gegen Parteikollegin Yvonne Feri, weitere Beispiele:

«Ich greife keine Frau an, wir beide bieten der Partei eine Auswahl.»

«Mein Verständnis von Feminismus unterscheidet sich von dem ihrigen.»

«Was mich an der aktuellen Debatte stört, ist, dass nur noch die biologische Frage interessiert.»

«Man kann nicht für feministische Anliegen einstehen wollen und gleichzeitig eine Erhöhung des Armeebudgets für Luftwaffenrüstung in diesem Ausmass befürworten, wie das Feri macht. Das ist ein Bollwerk des Patriarchats.»

«Ich will der FDP keine Vorschriften machen. Aber ich gehe davon aus, dass sie eine Frau bringt. Die Partei hat ausgewiesene Kandidatinnen.» Zur Nachfolge von Johann Schneider-Ammann.

Am Mittwoch setzte sich Wermuth am ausserordentlichen Parteitag der Aargauer SP gegen Feri durch. Er ist mit 105 Stimmen als SP-Ständeratskandidat gewählt worden. Yvonne Feri, die ehemalige Präsidentin der SP-Frauen, kam auf 47.

«Ich muss jetzt beweisen, dass ich feministische Themen im Wahlkampf einbringen kann.» Zum Sieg über Parteikollegin Yvonne Feri.