Hitzetage, die nachdenklich stimmen

Politblog

Der Hitze konnte man diesen Sommer oft nur mit einem Sprung ins Wasser entkommen. Foto: Urs Jaudas

Laue Sommerabende gab es diesen Sommer in der Schweiz im Aktionspack. Drei für zwei, gewissermassen. Und so dauerte es nicht lange, bis sich hierzulande mediterrane Zustände breitmachten: Die Einheimischen hockten bis in die späten Stunden in den Cafés, tranken ein Glas Wein nach dem anderen und lieferten sich Diskussionen über Gott und die Welt. Erst beim Einschlafen (oder dem Versuch dabei) fand die Freude jeweils ein Ende: Selbst nachts kühlten die Temperaturen kaum ab. Am schlimmsten war es in der Stadt, wo es an gewissen Orten bis zu 27 Grad heiss blieb.

Viel deutlicher als diesen Sommer kann man den Klimawandel nicht spüren.

Just dies könnte eine Chance sein. Für ein Umdenken und vor allem: fürs Handeln. Nur deuten die Aussagen von bürgerlichen Politikern nicht darauf hin, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben. Und der lautet nach neuesten Erkenntnissen: Die Chance, dass sich die Erde bis ins Jahr 2100 um maximal zwei Grad erwärmt, beträgt 5 Prozent. Viel eher steigen die Temperaturen um 2 bis 4,9 Grad. Die Wahrscheinlichkeit hierfür liegt bei 90 Prozent, wie Wissenschafter um den Statistiker Adrian Raftery von der University of Washington in Seattle ermittelt haben.

Hauptsache, billig

Vielleicht liegt es daran, dass bürgerliche Politiker eher auf dem Land leben als in der Stadt. Und sie damit von allzu heissen Nächten verschont geblieben sind. Anders fällt es schwer, ihre Weigerung zu verstehen, mit griffigen Massnahmen gegen die Erderwärmung vorzugehen.

So wehrt sich die SVP strikt gegen eine Revision des CO2-­Gesetzes. Jener Vorlage also, mit der die Schweiz die internationalen Ziele des Pariser Klimaabkommens auf nationaler Ebene festschreiben will: die Reduktion der Emissionen um 50 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990. Die Revision führe zu «Mehrkosten, höheren Abgaben und Gebühren und einer Einschränkung der Freiheit», kritisiert die SVP.

Die FDP wiederum stört sich am Vorschlag des Bundesrats, die CO2-Lenkungsabgabe auf Brennstoffe wie Heizöl zu erhöhen. Dieses Instrument, das die Verursacher in die Pflicht nimmt, führe zu hohen Kosten für Unternehmen, bemängelt die Partei. Die sich im Übrigen dafür einsetzt, dass es möglichst keine fixen Ziele dafür gibt, wie viele Emissionen im Inland eingespart werden sollen. Sprich: Lieber kauft man sich mit Projekten im Ausland von der Verantwortung frei, Treibhausgase im Inland zu reduzieren.

Gar keine Massnahmen also, oder am besten nur die billigsten: Was für ein Weg, den Klimawandel zu bekämpfen! Und das von einem Land wie der Schweiz, das vom Klimawandel direkter betroffen ist als viele andere. Dabei werden die wirklich einschneidenden Massnahmen noch nicht einmal diskutiert, weil sie politisch chancenlos sind: eine CO2-Abgabe auf den Flugverkehr zum Beispiel.

Nun, die Bürger haben es in der Hand, ein besseres Vorbild abzugeben als die Politik. Und statt des Flugzeugs den Zug zu nehmen. Oder die Treibhausgase zumindest zu kompensieren, die sie verursachen.

Zu hoffen bleibt, dass die sommerlichen Hitzetage auch den einen oder anderen Politiker zum Nachdenken bringen. Und vielleicht sogar zum Handeln.