Mit Pistolen auf Drohnen schiessen

Politblog

Wer von einer Drohne gefilmt wird, kann oft nicht viel dagegen unternehmen. Foto: Manfred Löffler (Keystone)

Ich verabscheue Gewalt. Vermutlich entwickelt aber jeder Mensch hin und wieder Gewaltfantasien. Meine geht so: Ich sitze völlig entspannt auf meiner Terrasse und trinke ein kaltes Bier. Auf meinem Schoss liegt die alte, aber tadellos gepflegte Ordonnanzwaffe, eine Pistole SIG P220. Ich warte, bis das verdammte Ding wieder über meinem Kopf schwirrt, ziele – und drücke ab.

Es ist ein schöner Zufall, dass Quadrocopter gleich den männlichen Wespen als Drohnen bezeichnet werden. Beide nerven. Kaum haben wir die Wohnquartiere dank Tempo-30-Zonen wieder lebenswert gemacht, droht uns mit den unbemannten Flugobjekten neues Ungemach. Was den kommerziellen Einsatz von Drohnen angeht, herrscht wieder einmal Goldgräberstimmung. Bereits ist die Rede von 150’000 neuen Jobs und Milliardenumsätzen in Europa. Die Post plant, künftig Drohnen für leichte Güter zwischen Unternehmen einzusetzen – zurzeit werden versuchsweise Laborproben zwischen zwei Luganer Spitälern hin- und hergeflogen. Seit längerem testen die Logistikkonzerne DHL, DPD sowie Amazon den kommerziellen Einsatz von Drohnen. Der Gedanke, dass Zalando künftig seine Kartonschachteln per Luftweg meiner Nachbarin zukommen lässt, treibt schon heute meinen Blutdruck auf Rekordwerte.

Freier Flug für freie Bürger

Alles bloss Zukunftsmusik, werden Sie sagen – dabei sind die Drohnen schon längst unter uns. In der Schweiz fliegen bereits 100’000 ferngesteuerte Objekte herum. Bei den meisten Drohnen handelt es sich um private Geräte, die im Elektronikladen erhältlich sind. Alleine beim Schweizer Online-Marktführer Digitec finden sich 200 verschiedene Geräte im Angebot: Den günstigsten Quadrocopter mit Kamera gibt es bereits für 65 Franken.

Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) benötigen ferngesteuerte Drohnen keine Bewilligung, «wenn sie unter 30 Kilogramm wiegen und der Pilot sein Modell jederzeit auf Sicht steuert». Damit darf jeder zu Hobbyzwecken eine Drohne im Quartier steigen lassen. Bewilligungspflichtig sind nur Flüge in der Nähe von Flugplätzen und über grösseren Menschenansammlungen wie bei einer Sportveranstaltung. Überall sonst heisst es de facto: Freier Flug für freie Bürger. Denn die Vorschrift des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, dass das Fliegen über einem Garten oder entlang von Fenstern nur in Kenntnis und mit Einwilligung des Eigentümers respektive des Mieters erfolgen darf, ist schöne Theorie, da ein Vollzugsproblem besteht. Bis die Polizei eintrifft, ist der Drohnenpilot längst über alle Berge, und die Bilder sind ins Internet gestellt.

Das Bazl gab letztes Jahr bekannt, dass früher oder später alle Drohnen mit einem Chip registriert werden sollen, um fehlbare Drohnenpiloten erwischen zu können. Man strebe aber keinesfalls eine schweizerische Eigenlösung an, sondern arbeite an einer europäischen Lösung mit. Kurz: Das wird noch jahrelang dauern. Ausserdem stellt sich die Frage, ob die bereits gekauften Drohnen nachgerüstet werden müssen.

Besser wäre ein sofortiges Flugverbot über bewohntem Gebiet. Ansonsten werden genervte Bürger das Gesetz selbst in die Hand nehmen.