Schlechte Nachrichten? Heute ist der Tag dafür!

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George W. Bush. (Reuters/Jim Bourg) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE IS PART OF PACKAGE '30 YEARS OF REUTERS PICTURES' TO FIND ALL 56 IMAGES SEARCH '30 YEARS' - RTR4PFBQ

Lose-lose-Situation: Diesen Bürger konnte George W. Bush nicht überzeugen. (Reuters/Jim Bourg)

Ich könnte hier mit einer Beleidigung beginnen. Oder sogar mit «Ich», was man als Journalist eigentlich nur in allergrösster Not tun sollte. Denn heute geht alles. Grüsse an die Liebste. Ein lange fälliges Geständnis. Ein Schimpfwort, das man schon lange in die Zeitung bringen wollte. «Tttipfehler».

Denn seien wir ehrlich: Die Chance, dass irgendjemand diesen Text hier liest, ist eher klein. Heute ist der Tag des Brexit, der wichtigsten Abstimmung in Europa seit Jahrzehnten. Und dann spielen ja morgen noch die Schweizer ihren EM-Achtelfinal gegen die Polen. Alles andere interessiert da etwa so wie die Schminktipps von Cathy Hummels oder eine Medienmitteilung der BDP: mässig.

Überbleibsel aus der guten alten Zeit

Heute Freitag erleben wir ein Revival des «Take out the trash day», jener ursprünglich amerikanischen Institution, die es zu einer eigenen Episode in «The West Wing» gebracht hat, der besten Politikserie aller Zeiten. «Take out the trash day» ist in der Geschichte der amerikanischen Regierungen der Freitag, wenn die Journalisten mental schon im Wochenende und die Zeitungen fast schon voll sind. Der beste Tag, um jene Nachrichten zu platzieren, die einem nicht wirklich schmeicheln. Die Dokumente über die zweifelhafte Zeit von Präsident George W. Bush in der texanischen Nationalgarde: veröffentlicht an einem Freitagnachmittag. Die Stellungnahme der Regierung zum Foltergefängnis Abu Ghraib: ebenso.

Der Versuch, die öffentliche Meinung mit einem geschickt platzierten Publikationszeitpunkt sanft zu lenken, ist ein Überbleibsel aus der guten alten Zeit des Printjournalismus, als der Redaktionsschluss einer grossen Zeitung gleichbedeutend mit dem Ende des Nachrichtenflusses war. Neuigkeit ist das, was in der Zeitung steht.

Der Tipp für heute Freitag

Seit Onlineportale 24 Stunden senden, seit die Menschen auf sozialen Medien jede noch so kleine Empörung tausendfach verstärken, ist es viel schwieriger geworden, unliebsame Nachrichten zu verstecken. Versucht wird es natürlich weiterhin, gerne auch bei uns. Der Entscheid von Verteidigungsminister Guy Parmelin, das Raketensystem Bodluv zu sistieren, wurde spät an einem Dienstagnachmittag in einem Communiqué verkündet, das man bei uns gerne «dürr» nennt. Die Spekulationsvorwürfe um Philipp Hildebrand, den ehemaligen Präsidenten der Nationalbank, veröffentlichte der Bankrat der Nationalbank am Tag vor Heiligabend in einem Communiqué, das nicht nur dürr, sondern auch noch verwirrlich war. Als in Basel ein Streit in der Stadiongenossenschaft des «Joggeli» eskalierte und deren Präsident sein Amt entnervt niederlegte, da verschickte der zuständige Sportpolitiker (ein damaliger Nationalrat immerhin), die Nachricht am Freitagabend, geschickt zwischen dem Nationalfeiertag und dem Wochenende.

Wie sinnvoll diese Strategie ist, das ist selbst bei den Meistern des «Take out the trash day» umstritten. «Wenn du versuchst, die Medien zu managen, wirst du scheitern», sagte Torie Clarke, eine ehemalige Sprecherin des Pentagons, einmal in einem Interview. «Das sind keine wilden Tiere, die man bändigen kann.»

Versuchen, das geht allerdings schon. Darum der Tipp für heute Freitag: Schauen Sie im ganzen Brexit-Trubel und der Jubelei vor dem Polen-Spiel auch noch die Kurznachrichten an. Könnte sein, dass da für einmal was ziemlich Interessantes drinsteht.

8 commentaires sur «Schlechte Nachrichten? Heute ist der Tag dafür!»

  • will williamson dit :

    « Denn seien wir ehrlich: Die Chance, dass irgendjemand diesen Text hier liest, ist eher klein. »
    Ich hab den Text doch tatsächlich gelesen. Vielleicht weil die Zeitung noch nicht eingetroffen ist. Ist mir aber unklar was ich damit anfangen soll.

  • Befürworterin dit :

    Ich finde ihn (den Text) super informativ! Ich kannte dieses Phänomen (« Take out the trash day ») vorher nicht, finde es aber « kennenswert » und werde es nun hoffentlich auch nicht mehr vergessen (funktioniert ev. wie eine sog. « flash-bulp-memory », der Tag an dem ich dieses Pfänomen kennen lernte, war Brexit, so ist das gut verknüpft und geht nicht mehr verloren;-).

  • Karl Bachmann dit :

    Wie lange dauert die Euphorie der Brexit-Befürworter? Was für eine Befürworter-Orgie steht als nächstes an? – Gute Nachricht: Ich wünsche mir ein Zusammenleben einzigartiger Menschen innerhalb Europa mit den übrigen einzigartigen Menschen auf dieser Welt, welche sich gemeinsam für das Wohl der Natur und der zukünftigen Generationen einsetzen!

    • Amadio Clute dit :

      Dann bleiben Sie in der Schweiz, Herr Bachman. Hier leben, und viele davon arbeiten, 146 Nationalitäten. Bald noch mehr

  • Toni Keller dit :

    Tatsächlich: Bernie Sanders ergriff die Chance und unterstützt jetzt Hillary Clinton

  • Maya Hächler dit :

    Ich habe ihn gelesen, denn die Medien berichten nur über die Tatsache, was schon im TV immer und immer wieder durchgeackert wurde. Die Tatsachen – Berichte sind enorm wichtig. Also: schrei kleiner Bub! Hier ein dankeschön an Philiipp Loser und ein gemütliches Wochende.

  • stella3 dit :

    Hey ich habe ihm auch gelesen, wollen Sie uns sagen, dass wir zu wenig wichtig sind, oder dass Sie sich zu klein und unwichtig fühlen??? Diese kleinen Texte, welche nicht mit den ‘wichtigen Themen’ konkurrenzieren können, sind meist viel interessanter als gemeint!!!! Also nächstes mal mehr Selbstbewusstsein meim Schreiben, wir aufmerksamen Leser freuen uns auf interessante Artikel, die nicht gleich zu finden sind, kleine Schätzkischtlis!

  • werner boss dit :

    Auch eine Methode sich nicht zu ärgern, oder wenigstens nicht zugeben zu müssen ,das man es trotzdem tut und dabei den anderen einen Sieg vergönnt der keiner ist, sondern ein Produkt der schwarz-weiss- Färberei , ist an der man selber nicht unschuldig ist.

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