Teure Bahnen: Am billigsten kommt der Verzicht

Der Bundesrat will den teuren Ausbau des Schweizer Schienennetzes durch höhere Trassenmietpreise finanzieren. Damit wälzt er die Kosten auf die Bahnen und deren Kunden ab, denn gemäss diesem Plan würden die Billette jedes Jahr bis zu vier Prozent teurer. Das hat bereits wieder Proteste und einen Verteilkampf ausgelöst. Hier ein Vorschlag zur Güte: Vergesst endlich den weiteren Ausbau, denn der Verzicht darauf kommt billiger.

Das Vorgehen zeigt die Absurdität der Methode, dem scheinbaren  Bedürfnis der unersättlichen Mobilitätsgesellschaft stets hinterher zu hecheln

Pendler Zürich Stadelhofen

Der Verkehr bahnt sich den Weg des geringsten Widerstandes: Pendler in Zürich Stadelhofen.

Mit der Absicht, die Kosten für die Infrastruktur den Bahnen und Pendlern anzulasten, folgt die Regierung dem Verursacherprinzip, und das tönt fürs erste ganz vernünftig. Für den ÖV soll zahlen, wer ihn benutzt, auch wenn er im Interesse des Umweltschutzes bevorzugt wird und Subventionen bzw. staatliche Rabatte für die Bahnkunden rechtfertigt. Auf den zweiten Blick offenbart der Bundesrat mit seiner Strategie allerdings eine erschreckende Hilflosigkeit. Früher nannte man es Pflästerlipolitik: Das Vorgehen zeigt die Absurdität der Methode, dem scheinbaren  Bedürfnis der unersättlichen Mobilitätsgesellschaft stets hinterher zu hecheln, statt die Massen verkehrspolitisch zur Vernunft zu bringen, und dieses Versagen auch noch als Planung mit Weitsicht zu verkaufen.

Die Strategie ist sogar paradox, weil das Hinterherhecheln einer vorauseilenden Besänftigung der mobilen Gesellschaft gleichkommt. Mit dem Ausbau der Bahn wird nämlich ein «Sachzwang» befriedigt, der gar keiner sein müsste. Die Bahn erfüllt gegenüber masslosen Pendlern genau so wie die Strasse dienstfertig den verbreiteten Wunsch, im Grünen zu wohnen und in den Zentren zu arbeiten. Das Verkehrsproblem der Schweiz ist ein siedlungspolitisches und raumplanerisches Problem. Es lässt sich nicht lösen, indem man dauernd neue Linien, längere Züge und schnellere Verbindungen schafft. Im Gegenteil: Um den Mobilitätswahn auszubremsen, müsste die Politik den Pendlern sowohl das Auto- als auch das Bahnfahren richtig vermiesen – bis es mit soviel Mühsal verbunden ist, dass sie von selber drauf verzichten und lieber wieder dort arbeiten, wo sie wohnen, oder dort wohnen, wo sie arbeiten.

Nichts gegen eine Mobilität mit Mass. Doch der Verkehr ist, was seine Gesetzmässigkeit betrifft, noch schlimmer als der Strom und das Wasser. Er wählt ebenfalls den Weg des geringsten Widerstands, ist aber zudem so unbescheiden, dass er umso schneller wächst, je mehr Schleusen ihm geöffnet werden – bis ihm auch diese wieder zu eng werden, was in überfüllten Zügen erneut Unmut und im Stau Frust auslöst. Mit den Milliarden für die neue Bahninfrastruktur liesse sich in Ballungszentren wie Zürich genügend Wohnraum schaffen, um die Angestellten in der Nähe der Arbeitsplätze anzusiedeln und ihnen das Pendeln zu ersparen.

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