Klarer Blick in die Papierfabrik

Auch wir schütteln den Kopf, wenn wir von den Erfahrungen von Newsnetz-Chef-Reporterin Monica Fahmy – (Fragen Sie einen Beamten) – mit der Bundesverwaltung lesen. Wir tun dies insbesondere als Schweizer Bürger, die interessiert mitverfolgen was der Staat und seine Hüter für uns den ganzen Tag lang tun. Was hier aus der Bundesverwaltung – offenbar mit zunehmender Tendenz – zu vernehmen ist, darf durchaus öffentlich getadelt werden. Frau Fahmy nervt sich zu recht. Die Medienstellen des Bundes haben die Aufgabe, für die Fragen der Journalisten eine Antwort bereit zu stellen. Sachlich, höflich und zeitgerecht, auch bei unangenehmen Fragen.

Dabei sollte man jedoch die Begriffe Öffentlichkeitsgesetz und Mediendienstleistung nicht miteinander vermischen. Zum Beispiel die Frage von Frau Fahmy an die Bundesanwaltschaft nach den Kosten eines eben erst initiierten Strafverfahrens in der Affäre Ghadhafi, ist eine Frage die selbstkritisch hätte gelöscht werden dürfen und hat nichts mit der Praxis bezüglich Öffentlichkeitsgesetz zu tun. Was soll die Medienstelle zu dieser Frage sagen, ausser laut zu seufzen? Einerseits sind die erfragten Kosten, mit 99,9 Prozent Sicherheit, aktuell nicht zu eruieren und andererseits verursacht die Frage unnötigerweise Kosten für die Verwaltung. Dabei, so wünschen wir es uns doch immer wieder, soll der Staat gefälligst schlank bleiben und keine Divisionen von Kommunikationsleuten aufstellen. Das Beispiel taugt also eher nicht zur Empörung bezüglich Transparenz und Öffentlichkeitsgesetz.

So kann es schon sein, dass auch mal wetterfühlige Fragen von Medien einen geplagten Beamten aus der Fassung bringen können. Zum Beispiel …

Manchmal schiessen ihre Fragen übers Ziel hinaus: Journalisten im Gemenge.

Wir alle tapferen Schweizer Bürgerinnen und Bürger haben jedoch ein Anrecht zu erfahren, wie die Verwaltung resp. unser Staat arbeitet. Seit dem Inkrafttreten des Öffentlichkeitsgesetzes können wir dies einfacher tun als früher. Wir haben einfacheren Zugang resp. das Recht auf Einsicht in amtliche Dokumente, was nicht zwingend bedeutet, dass wir alles erfahren können was wir gerne erfahren würden. Denn es gibt viele genau definierte Ausnahmen und dies ist gut so, da der Staat zum Schutz von öffentlichen und privaten Interessen die Pflicht hat, Sorgfalt zu üben. Die Schwierigkeiten eines Normalsterblichen, die mit juristischen Fachausdrücken nur so gespickten Dossiers zu lesen, geschweige denn diese zu verstehen, blenden wir hier für einmal vornehm aus.

Womit wir wieder zurück bei den amtlichen Medienstellen und der Empörung über deren Service-Leistung angelangt sind. Informationsbeauftragte des Bundes sind nun wirklich auch nicht immer zu beneiden. Die Bundesverwaltung ist auch eine Papierfabrik. Berge von Dossiers, Medienbulletins, Studien und Gutachten und täglich Medien-Anfragen bis zum Abwinken. Hinzu summieren sich die vielen Bedürfnisse vorallem in Bezug auf die Profilierung vieler interner Protagonisten. So kann es schon sein, dass auch mal wetterfühlige Fragen von Medien einen geplagten Beamten aus der Fassung bringen können. Zum Beispiel jene, ob die eigene Departementschefin ein Piercing trage und wo. Dies eine Frage, bei der selbst der erfahrene Infochef dann doch eher zum Mittagessen geht, als sie umgehend zu beantworten.

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25 Kommentare zu «Klarer Blick in die Papierfabrik»

  • «…Ruth Metzlers früherer Infochef über Journalisten-Fragen, die nerven.» klingt nach Plural. Schade wird dann aber nur ein Beispiel genannt.

  • cristiano safado sagt:

    Ob nun Frau BR …….. ein Piercing trägt ist wirklich nicht von Belang. Von Bedeutung jedoch ist, ob aus dem Bundeshaus absichtlich falsch (z.B. in verklausulierter Form) kommuniziert wird oder nicht. Ich mag mich an die Medienmitteilung des BSV erinnern, nachdem jeder zwanzigste IV-Bezüger ein Betrüger sei. Ein halbes Jahr später gab Burkhalter auf parlamentarischer Anfrage zu, dass sich die 240 Betrugsfälle auf 108’000 geprüfte Rentenfälle (also 0,2%) bezog. Auf diese Art wird Stimmung für oder gegen eine vom Bundesrat gewollte Poitik gemacht. Das Volk fühlt sich so zu recht verschaukelt.

    • cristiano safado sagt:

      Korrektur:
      Die Medienmitteilung des BSV vom 5.11.2010 behauptet, dass sich jeder fünfte (und nicht zwanzigste) Verdachtsfall erhärtet habe. Auf diese Art und Weise wollte Burkhalter bei Volk und Räten Bedenken gegen die 6. IV-Revision zerstreut werden, die einer Abschaffung der IV für viele Behinderte gleichkommt. Obwohl Burkhalter danach de facto zugab, dass es sich um 0,2% Betrugsfälle handelt, wurde die Medienmitteilung auf der BSV-Seite nicht gelöscht.

    • cristiano safado sagt:

      Korrektur:
      Die Medienmitteilung des BSV vom 5.11.2010 behauptet, dass sich jeder fünfte (und nicht zwanzigste) Verdachtsfall erhärtet habe. Damit wollte und will Burkhalter bei Volk und Räten Bedenken gegen die 6. IV-Revision ausräumen, da diese einer Abschaffung der IV gleich kommt.

      • Natürlich sollte man von einem Amt die richtigen Zahlen erwarten dürfen. Aber wie oft stolpern Journalisten selbst mit den richtigen Zahlen über das eigene Unvermögen und verwechseln beispielsweise Prozente mit Prozentpunkten? Sich ein wenig mit den möglichen Fallen von statistischen Angaben auseinanderzusetzen wäre grundsätzlich ratsam, um nicht unbeabsichtigt falsch interpretierbare Daten zu verbreiten.

      • Patrick Fischer sagt:

        Ja, die Medienmitteilung bezog sich auf Verdachtsfaelle. Gepruefte Faelle sind aber keine Verdachtsfaelle. Ich stimme zu, dass dies auf den ersten Blick das gleiche ist, aber die Behoerden moegen nunmal viele gleichlautende Begriffe, je laenger desto besser.
        Und genau an dem Ort haetten die Medien einhacken sollen und fragen, was denn der Unterschied sei etc.
        Leider aber waren sie mit der Schlagzeile („Jeder 5. IV-Bezueger betruegt“) voellig zufrieden.

  • Nun gäbe es definitiv wichtigere und interessantere Themen!

  • Urs Luescher sagt:

    Nun, da können wir Normalsterblichen ja froh sein, dass uns sog. PR Berater die Informationen und juristischen Sachverhalte dann völlig uneigennützig (allfällige Auftraggeber blenden wir mal vornehm aus) mit dem, dem Wohle aller, dienenden Spin aufdröseln und erklären. Wie wir Normalsterblichen sonst durchs Leben kommen könnten und unsere – uns gnädigerweise von den Nicht-Normalsterblichen verliehenen – demokratischen Rechte ausüben würden, bleibt ein Mysterium. Es ist schon gut gibt es PR Berater!

  • Livia Zanolari sagt:

    Der TA-Medie Verlag hat die Seite http://www.oeffentlichkeitsgesetz.ch aufgeschaltet, angeblich um den Bürgern beim „duchforsten“ der Verwaltung zu helfen. Interessant ist für die Leser sicher noch der zweite Grund, warum TA-Media dies gemacht hat: sie erhalten so günstiges Futter für eine polemische Berichterstattung über den bösen Staat. Weil den Journalisten keine Zeit mehr zum Recherchieren gegeben wird, lässt man nun die Bürger für sich arbeiten. Finde es heuchlerisch vom Tagi, dass er sich als Winkelried darstellt, den zweiten Grund jedoch verschweigt.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Ma dai cara Livia, dai¨!! Arbeiten sie in der Staatsadministration? Fühlen sie sich deshalb geprellt? Es geht um Fakten und die holt man sich, in dem man aktiv und interaktiv recherchiert. Immerhin bezahlt der Bürger einen riesigen Verwaltungsapparat, da darf man auch Transparenz erwarten. Wieviel kostet ein Staatsangestellter, wieviel und was arbeitet er? Das gleiche gilt für die absolut aufgeblasene Administration bei KK, Versicherungen, Banken etc. Wer viel zahlt darf wenigstens auch wissen für was.

      • Karlmax Schmid sagt:

        Der Ansatz lieber Herr Schumacher ist falsch.Wir wollen ja keinen griechischen Beamtenapparat wo man alle Ueberzähligen versorgt. Die Antwort soll sachgerecht und knapp sein,die Beantwortung vonSommerlochgeleier gehört sicher nicht dazu. Wir bezahlen schliesslich auch noch anständige Zeitungsabo.preise und die Beschaffung von Knatsch und Tratsch gehört sicher nicht zu den Staatsaufgaben.Auch in Sachen Transparenz gilt halt oft der Spruch, ein Narr fragt mehr als 7 Weise beantworten können, zB.1Stunde nach Ereignis wer ist schuld , was kostet es , usw

        • Rolf Schumacher sagt:

          Wenn ich in meinem Beruf etwas gefragt werde, gebe ich knapp und klar Antwort. Jeder der dazu nicht im Stande ist, hat entweder etwas zu verbergen, oder er ist weiss die Antwort nicht.
          Eine Uraltweisheit besagt: Es gibt keine dummen Fragen, aber einfältige Antworten, die gibt es. Leider stellen viel zuwenig Bürger kritische Fragen. Mit einem kritsichen Menschen der Fragen stellt, arbeite ich viel lieber zusammen (ein reger Geist treibt den anderen an), als mit einem notorischen Kopfnicker und Schulterklopfer. Leider wimmelt es in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft von Letzteren.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Ruth Metzler war für ihre umständlich formulierten, nerventötenden Aussagen bekannt. Wenn die „Kommunikationsexperten“ unserer Magistraten derart aufgeblasene Luftphrasen liefern müssen, als Antwort auf eine simple Frage, ja dann müssen wir es halt akzeptieren, lange zu warten, auf eine Antwort die aus unverständlichem griechish-lateinischem Nichts besteht. Dass es teuer ist seltene Fremdwörter grammatikalisch Korrekt und in richtiger Rheinfolge abzuliefern entnehmen wir der vom Amt gestellten Rechnung. Die ineffiziente Verwaltung der KK-Monarchie scheint immer Anhänger zu finden.

    • Hippimaus sagt:

      Sind Sie eigentlich immer voller Vorurteile? Jedenfalls würde es nicht schaden, 10 Minuten pro Tag in sich zu gehen und zu analysieren, was wohl mit mir nicht stimmen kann, dass ich alle Staatsangestellte und deren Ämter in einem Topf, resp. mal pauschal verurteile. Es würde bestimmt gut tun. Versuchen Sie es mal.

      • cristiano safado sagt:

        @Hippimaus
        Dass immer mehr Leute mit Politik und dem Beamtenapparat unzufrieden sind, ist eine Tatsache. Die Schuld dafür auf die Bevölkerung zu schieben ist falsch. In unserem Staat läuft nun manches nicht gut und, dass grossse Bevölkerungsteile kein Vertrauen mehr in die Verwaltung haben, kommt auch nicht von alleine.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Oh Hippimaus, allerliebste liebste indische Hippimaus, beim allem „om bur bhuva suva, that savitur vareinjam, dhevasja dimahi. dojujuna prejudejat.. das tue ich, ich bin ein konstant in mir versunkenes göttliches Wesen… Hari krischna, hare, hare…..
        Ist meine Aussage, die obige Aussage nach diesem Meditations-Beweis besser?

  • Dirk Lowitzki sagt:

    Es ist immerhin tröstlich, dass der erfahrene Info-Chef die Frage nach dem Piercing nach dem Mittagessen beantworten wird. Na, da bin ich mal gespannt.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Ein Kind das nicht fragt, bleibt dumm. Ein Erwachsener der nicht antwortet begeht ein perverses Verbrechen.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Ueberheblichkeit und Arroganz tragen die breitesten Kravatten, um ihre Schwächen grell zu überdecken.

  • Hans Meier sagt:

    In der Tat ist im Beitrag von Frau Fahmy einiges durcheinander geraten, so zum Beispiel wurden die Anwendbarkeit des BGÖ und die freiwillige Erbringung von Mediendienstleistungen durcheinandergebracht. Sind die Presseanfragen von Frau Fahmy gleichermassen unstrukturiert, dann begreife ich einen gewissen Unmut bei den Behörden.
    Bei Presseanfragen an mein Unternehmen mache ich die Erfahrung, dass Journalisten die gewünschten Infos meist selber ohne Weiteres ergoogeln könnten. Oftmals lässt auch die Freundlichkeit zu wünschen übrig, zudem erwarten Journalisten oft eine Behandlung als (VV-)VIP.

  • Frédéric Clerc sagt:

    Ich erinnere mich an Pressekonferenzen mit wirklich saudummen Journalistenfragen. Ernster ist es jedoch mit den vernebelnden, unvollständigen und halbwahren (also auch:halb-UNwahren) Auskünften aus dem Bundeshaus. Schliesslich ist das Schweizervolk der Souverän, und die Gewählten und Bundesbediensteten arbeiten im Auftrag des Souveräns. Oft hat man leider den Eindruck, im Bundeshaus betrachte man den Souverän als Untertan. Hier wären angriffige Journalisten nötig und hochwillkommen, die sich nicht abspeisen lassen und selber denken.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Hr. Clerc. Kritsische Journalisten die selber denken, werden von keinem bezahlt. Es gibt in jedem Verlagshaus ganz klare Regeln. Es gibt ganz sicher vor einem Interview mit einem Spitzenpolitiker ein Vorausfragebogen (damit man ihn nicht aufs Glatteis fahren kann). Und es gibt ganz sicher viele Fragen, die man nicht stellen darf. Wer sie trotzdem stellt, muss materiellen Einbussen rechnen. So bleiben halt zahnlose Schönwetter- und Liebkindfragen. Moritz Sutter hat Zb die Baz (via Marcel Ospel) gekauft. Wer bezahlt, befiehlt.

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