Vorbildliche Planung von Schweizer Kernkraftwerken

Am 15. September war an dieser Stelle zu lesen, die Schweizer Atompolitik befinde sich «im Blindflug». Im Blindflug ist eher die unfundierte Polemik gegen die Kernenergie. Unter anderem wurde da der Grundsatz, die Kernkraftwerke (KKW) «laufen zu lassen, solange sie sicher sind», angeprangert. Mit dieser Regelung ist die Schweiz jedoch bisher sehr gut gefahren, und sie wird auch weiterhin davon profitieren. So steht die Sicherheit der KKW an erster Stelle, denn ihre Betreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Anlagen ständig zu modernisieren und auf dem neusten Stand der Sicherheitstechnik zu halten.

Der Ersatz von rund 40 Prozent der einheimischen Stromproduktion ist nicht über Nacht möglich.

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Die Sicherheit der KKW stehe an erster Stelle: Blick in den Reaktor des KKW Mühleberg anlässlich einer jährlichen Revision. Foto: Ruben Sprich (Reuters)

Solange kein fixes Abschaltdatum für KKW bestehe, fehle es in der Strombranche an Planungssicherheit, hiess es weiter. Im gleichen Text wurde eine rasche Stilllegung aller Schweizer KKW gefordert. Wer gleichzeitig die angeblich fehlende Planungssicherheit in der Stromversorgung anprangert und eine möglichst baldige Ausserbetriebnahme der KKW verlangt, widerspricht sich in höchstem Mass selbst. Der Ersatz von rund 40 Prozent der einheimischen Stromproduktion ist nicht über Nacht möglich und wird besser von langer Hand geplant. Die sicheren und zuverlässigen KKW ohne Grund abzustellen, bevor klar ist, woher der wegfallende Strom kommen soll, erschwert die Situation nur unnötig.

Dass in der Schweiz die Konsumenten von Atomstrom die Kosten für Rückbau und Entsorgung bezahlen, ist wahr – und fair. Wie bei einem im Laden gekauften elektrischen Gerät ist beim Strom aus Schweizer KKW im Preis eine Entsorgungsgebühr enthalten. Sie beträgt rund einen Rappen pro Kilowattstunde. Durch die konsequente Anwendung des Vorsorge- und Verursacherprinzips entstehen künftigen Generationen keine ungedeckten Kosten. Der Vorwurf der ungedeckten Folgekosten für den Rückbau der Werke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist so haltlos, wie er alt ist. Mit ihrer vorbildlichen und vorausschauenden Planung hinterlassen die Schweizer KKW keine ungedeckten Checks.

Die Planung für die Zeit nach der Ausserbetriebnahme der KKW begann schon kurz nach Betriebsbeginn mit der Gründung der Nagra. Auch die Finanzierung wird vorausschauend sichergestellt, indem die dafür vorgesehenen Fonds schon während des Betriebs geäuffnet werden. Diese beiden Fonds sind auf Kurs. Sie haben seit ihrem Bestehen im Schnitt eine höhere Rendite verzeichnet, als für die Berechnungen angenommen wurde. Ein beträchtlicher Teil der Kosten fällt zudem schon während des Betriebs an und wird fortlaufend bezahlt. Die Fonds stehen unter der Aufsicht des Bundes, und die Kostenberechnungen werden regelmässig überprüft.

Vier Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima ist hinlänglich bekannt und von internationalen Experten bestätigt: Starke Erdbeben und Überflutungen wie beim Tsunami in Japan würden unsere Werke überstehen. Dafür sorgen verschiedene Massnahmen, die in den Schweizer Werken schon lange vor 2011 getroffen worden sind: eingebunkerte und überflutungssichere Notstromsysteme für die Reaktorkühlung, Anlagen zur Verhinderung von Wasserstoffexplosionen und zur gefilterten Druckentlastung.

In einem Punkt sind wir einig mit dem erwähnten Beitrag: Auch wir wünschen uns, dass Bundesrätin Leuthard und ihr Departement mehr mit sich über die Energiepolitik reden lassen würden – insbesondere über das ungerechtfertigte Verbot der Kernenergienutzung im Rahmen der Energiestrategie 2050. Das käme einem Technologieverbot gleich und würde nicht zum innovativen Industriestandort Schweiz passen.